Die Digitalisierung im Bankenumfeld und deren Auswirkungen auf das Retail Banking


Bachelorarbeit, 2019
91 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aufgabenstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

2 Abgrenzung zentraler Begrifflichkeiten und Grundlagen
2.1 Digitalisierung
2.2 Retail Banking

3 Wandel der Umweltfaktoren
3.1 Neue Technologien
3.2 Soziodemographischer Wandel
3.3 Eintritt neuer Wettbewerber
3.4 Änderungen gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen

4 Bedeutung der Digitalisierung in der Bankenbranche
4.1 Für die Kundenseite
4.2 Für die Bankenseite
4.3 Das digitale Geschäftsmodell

5 Finanzdienstleister in Zeiten der Digitalisierung
5.1 Non-Banks und Near-Banks
5.2 Direktbanken
5.3 Traditionelle Banken

6 Empirische Untersuchung in Form einer Online-Umfrage
6.1 Methodik der Untersuchung
6.2 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
6.3 Kritische Betrachtung der gewählten Methode
6.4 Schlussfolgerungen und Ableitung von Handlungsempfehlungen

7 Fazit und Ausblick für weitere Untersuchungen

Anhang

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zielsetzung der Arbeit

Abbildung 2: Vergleich der Altersstruktur der BRD in den Jahren 1975 und

Abbildung 3: Vergleich der Internetnutzer nach den Altersstrukturen der BRD

Abbildung 4: Verteilung der FinTech-Unternehmen nach der Geschäftstätigkeit

Abbildung 5: Ergebnisse der Lünendonk Trendstudie

Abbildung 6: Potentiale für Direktbanken

Abbildung 7: Altersstruktur der Umfrageteilnehmer

Abbildung 8: Verteilung der Umfrageteilnehmer nach Geschlecht

Abbildung 9: Schulabschlüsse der Umfrageteilnehmer

Abbildung 10: Berufliche Abschlüsse der Befragten

Abbildung 11: Berufsstand der Befragten

Abbildung 12: Häufigkeit persönlicher Kontakte zur Bank bei 20- bis 29-jährigen

Abbildung 13: Zufriedenheit der Teilnehmer mit der Häufigkeit der Termine

Abbildung 14: Nutzung digitaler Bankangebote

Abbildung 15: Einflüsse und Auswirkungen der Digitalisierung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Aufgabenstellung

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist die Bedeutung der digitalen Welt immer größer geworden. Kaum ein Mensch kommt noch ohne vernetzte und digitale Inhalte aus, die Veränderung wird zunehmend rasanter, neue Produkte und Möglichkeiten werden immer schneller vorgestellt. Einige Autoren vergleichen die Relevanz dieser Entwicklung sogar mit der Erfindung des Buchdrucks.1 Hierdurch bedingt entstehen in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft neue Herausforderungen und Möglichkeiten. Begrifflichkeiten, die in diesem Zusammenhang genannt werden, sind beispielsweise Industrie 4.0, Big Data oder Künstliche Intelligenz.2

Laut einer Onlinestudie von ARD und ZDF liegt die Nutzungsrate des Internets im Jahr 2017 bei 62,4 Millionen Internetnutzern ab 14 Jahren bundesweit. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass mehr als drei Viertel der deutschen Bevölkerung Online-Dienste nutzen.3 Ferner hat das BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) festgestellt, dass sich mittlerweile mehr als 20 Milliarden Geräte im Internet befinden und Daten austauschen, was ebenfalls die Bedeutung der digitalen Welt zeigt.4

Diese Entwicklung macht sich auch im Bereich des Bankings bemerkbar: Zu den Internetnutzern gehören 53% Online-Banking-Nutzer. Das wiederrum entspricht einem Anstieg um 10 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2010 (43%).5

Es ist folglich zu erkennen, dass die Digitalisierung auch im Finanzsektor angekommen ist, sich weiter verbreitet und damit auch das klassische Retail Banking, also das Geschäft mit einer Vielzahl von privaten Kunden, deutlich verändert.

Nicht nur die Nutzungsquote des klassischen Online-Bankings im Sinne der Möglichkeit, Transaktionen digital tätigen zu können, sondern auch die Abschlussquote von Finanzprodukten über digitale Kanäle ist in den letzten Jahren deutlichen angestiegen, wodurch auch die Nachfrage von Abschlussmöglichkeiten komplexer Bankprodukte steigt.6

Neben den historisch niedrigen Zinsen, selbstwertenden / kritischen Kunden, den zunehmenden regulatorischen Anforderungen und dem demografischen Wandel stellt die Digitalisierung die Finanzbranche vor unausweichliche Herausforderungen.7

Über Jahre etablierte Finanzmarktstrukturen brechen auf und Kreditinstitute haben enorme Verluste sowie hohe Kosten zu verzeichnen, die sie an ihre Kunden weitergeben. Eine damit einhergehende sinkende Kundenzufriedenheit führt zu Abwanderungen zu neuen Wettbewerbern und Marktteilnehmern.8

Während Banken in den 1970er Jahren durch hohe Erträge, wachsende Bilanzsummen und verhältnismäßig geringe Eigenkapitalkosten „goldene Zeiten“ erfahren haben, sind heute nachhaltige Veränderungen und eine Neuorganisation des Retail Bankings unabdingbar.9

Mit diesen Veränderungen, der Frage wie digitale Transformation zu verstehen ist und jener nach den tatsächlichen Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bankenbranche und das Retail Banking beschäftigt sich die vorliegende Untersuchung.

1.2 Ziel der Arbeit

Wie bereits einleitend dargestellt, stellt die Digitalisierung die Menschen in vielen Bereichen des Lebens vor neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund ist es in Bezug auf die Thematik wichtig, diese Strömungen auch im Bereich des Bankings aufzugreifen und zu untersuchen. Ziel dieser Arbeit ist es daher, in diesem Kontext einen umfassenden Überblick über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Bankgeschäfte im Retail Banking zu erarbeiten.

Wie die nachfolgende Abbildung zeigt, greifen die genannten Themenfelder unmittelbar ineinander und bedingen sich gegenseitig:

Abbildung 1: Zielsetzung der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Hierbei sind gekennzeichnete Schnittstellen zu erkennen, welche es zielgerichtet zu untersuchen gilt.

Um dies darzustellen, sollen zunächst unterschiedliche, sich wandelnde Umweltfaktoren beleuchtet werden, um diese in das relevante Themenfeld einzuordnen. Diese Strömungen sollen dann auf das Bankgeschäft übertragen und so die Herausforderungen, die mit dieser Entwicklung einhergehen, herausgearbeitet werden.

Zusätzlich wird auch das Geschäftsmodell verschiedener Marktteilnehmer hinterfragt, um so gezielt mögliche Chancen und Risiken der Wettbewerber aufzeigen zu können. Dadurch soll eine differenzierte Betrachtung verschiedener Marktteilnehmer sichergestellt werden.

Um die Ergebnisse zu untermauern sollen zusätzlich, im Rahmen einer empirischen Erhebung verschiedene Treiber der Digitalisierung im Retail Banking und deren Relevanz herausgearbeitet werden.

Ein weiteres Ziel stellt somit die Ableitung geeigneter Handlungsempfehlung für die Banken dar, um praktische Empfehlungen für den Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle zu erlangen.

1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Um die zuvor skizzierte Zielstellung erreichen zu können, werden im ersten Schritt in Kapitel 2 die wesentlichen Grundbegriffe vor dem in der Arbeit relevanten Hintergrund definiert und erläutert. Hier gilt es im Wesentlichen die Digitalisierung sowie das Retail Banking zu erläutern. Beide Begriffe (insbesondere die Digitalisierung) werden dabei sowohl im Allgemeinen als auch in dem für die Ausarbeitung relevanten Kontext betrachtet, um dem Leser einen ersten Überblick zu verschaffen.

Im nächsten Schritt wird in Kapitel 3 ein Blick auf die wesentlichen, die Thematik beeinflussenden Umweltfaktoren geworfen. Hierbei wird zunächst ein Blick auf die zunehmende Geschwindigkeit bei der Entwicklung neuer Technologien geworfen, ebenso wird der soziodemographische Wandel vor dem Hintergrund der Digitalisierung betrachtet. Zudem werden die Möglichkeiten für neue Wettbewerber beleuchtet, die sich durch die Digitalisierung im Bankensektor ergeben. Abschließend wird in diesem Kapitel auf regulatorische Maßnahmen im geblickt, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung in der Bankenbranche ergeben.

Im weiteren Verlauf wird in Kapitel 4 dann konkret auf die Bedeutung der Digitalisierung in der Bankenbranche eingegangen. Hierbei werden sowohl die Anbieter- als auch die Nachfrageseite spezifisch betrachtet und wesentliche Strömungen identifiziert. Schließlich soll auf mögliche Geschäftsmodelle für Banking in einer digitalen Welt eingegangen werden.

Vor diesem Hintergrund wird dann in Kapitel 5 konkret auf weitere Marktteilnehmer geblickt, um aufzuzeigen, wie gut sich die jeweiligen Wettbewerber bereits auf die Digitalisierung eingestellt haben, welche Schwächen bestehen und wie Potentiale genutzt werden könnten.

Diese Erkenntnisse werden dann in Kapitel 6 im Rahmen einer Erhebung untersucht. Hierzu werden Kunden aus dem Retail Banking systematisch mit Hilfe eines Online-Fragebogens befragt und die daraus resultierenden Ergebnisse analysiert. Aus diesen Resultaten sollen dann konkrete Handlungsempfehlungen für die Kreditinstitute abgeleitet werden.

Den Abschluss der Arbeit bildet mit Kapitel 7 ein zusammenfassendes Fazit, welches die wesentlichen Erkenntnisse zusammenfasst. Zusätzlich soll ein Ausblick auf mögliche weitere Untersuchungen gegeben werden, welcher insbesondere in einem sich schnell wandelnden Umfeld enorm wichtig erscheint.

Um dem Leser einen geeigneten Überblick mit der notwendigen Tiefe bieten zu können, bezieht sich die vorliegende Arbeit lediglich auf den deutschen Bankenmarkt. Dies liegt darin begründet, dass sich die Bankensysteme und deren gesetzliche Rahmenbedingungen von Land zu Land teils erheblich unterscheiden.

Somit liegt der Fokus auf dem deutschen Markt mit dem seit Jahrzehnten etablierten Drei-Säulen-Modell, bestehend aus öffentlich-rechtlichen Sparkassen, genossenschaftlich organisierten Volksbanken sowie den privaten Geschäftsbanken.10 Dieses Modell im Speziellen sowie das in Deutschland vorliegende Universalbankensystem unterscheiden sich in ihrer Struktur und den Marktgegebenheiten grundlegend von anderen Systemen, bspw. dem amerikanischem Trennbankensystem.11 Hieraus resultierend ergeben sich für die Marktteilnehmer grundlegend verschiedene Anforderungen und Möglichkeiten. Eine Analyse sämtlicher Faktoren auf verschiedenen Märkten würde dabei den Umfang der Arbeit übersteigen, weswegen die geschilderte Eingrenzung gewählt wurde.

2 Abgrenzung zentraler Begrifflichkeiten und Grundlagen

Im nachfolgenden Kapitel werden zunächst die wesentlichen Grundbegriffe im Kontext der Thematik der Arbeit definiert, um dem Leser so einen geeigneten Einstieg zu ermöglichen.

2.1 Digitalisierung

Wie bereits eingangs erwähnt, stellt die Digitalisierung in jedem Bereich des Lebens eine Herausforderung dar und bringt neben neuen Möglichkeiten auch eine Vielzahl von Unwägbarkeiten.

Im ersten Schritt sollen daher die hier relevanten Aspekte der Digitalisierung beleuchtet werden. Hierzu ist es sinnvoll, den Begriff der Digitalisierung, der in vielerlei Kontext gebraucht wird, zu definieren und näher zu beleuchten.

Den Themenkomplex der „Digitalisierung“ eindeutig zu definieren, fällt bei einem Blick in die einschlägige Literatur nicht leicht. Die Begrifflichkeit wird in verschiedenen Facetten häufig verwendet. Eine brauchbare Definition wird von den Autoren Wolf und Strohschen gewählt: Diese beschreiben Digitalisierung als den Umstand, bei dem eine Leistung nicht mehr analog, sondern (zumindest teilweise) durch digitale, von Computern gesteuerten Algorithmen erbracht wird.12 Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass zunehmend analog vorliegende Inhalte in digitale umgewandelt werden, um sie automatisiert verarbeiten zu können.13 Die Umwandlung der Inhalte kann dabei beispielsweise durch Sensoren erfolgen (z.B. Smart-Home-Heizungsthermostate), oder die Daten können durch Menschen in einem digitalen System erfasst werden.14

Diese Definition ist insbesondere aus dem Grund gut geeignet, da sie sich auf verschiedenste Bereiche anwenden lässt. So kann hiermit beispielsweise die Digitalisierung von Geschäftsprozessen erfasst werden, genauso gut kann hierdurch aber auch die Digitalisierung von Produkten oder Unternehmen beschrieben werden.15

Übertragen auf die notwendige Zielsetzung von Unternehmen, die in einer digitalen Welt überleben und agieren wollen, bedeutet dies, dass sie sich hin zu einer Unternehmung mit hohem digitalem Reifegrad entwickeln müssen.16 Die Folgen, wenn eine solche Anpassung nicht erfolgt, haben sich bereits in einigen Branchen gezeigt. Beispielhaft kann hierfür die Fotografie erwähnt werden: Durch die Entwicklung der Digitalfotografie hat sich diese Branche grundlegend verändert, etablierte Unternehmen, welche die notwendigen Anpassungen nicht oder nicht rechtzeitig vornahmen, sind vom Markt verschwunden und wurden durch neue Wettbewerber ersetzt.17 Markantes Beispiel in diesem Sektor stellt dabei der ehemalige Marktführer Kodak dar, der die Notwendigkeit der Umstellung auf digitale Fotografie deutlich zu spät erkannte und dadurch mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle im Bereich der Fotografie spielt.18

Dieses Beispiel zeigt eindeutig, wie wichtig es ist, sich den Herausforderungen durch die Digitalisierung rechtzeitig und entschieden zu stellen, um in einem sich schnell wandelnden Markt überleben zu können.

2.2 Retail Banking

Wie auch schon im Rahmen der vorrangegangenen Begrifflichkeit der Digitalisierung gibt es auch in Bezug auf das Retail Banking keine eindeutige Definition. Eine der wohl bekanntesten Definitionen ist jedoch die von Swoboda aus dem Jahre 2004, welche das Retail Banking als das Geschäft mit Bankprodukten und Dienstleistungen des täglichen Lebens bezeichnet.19 In diesem Zusammenhang genannt werden essentielle Dienstleistungen primär aus dem standardisierten Massengeschäft mit Privatkunden. Darunter fallen Produkte und Dienstleistungen für den durchschnittlichen Retail-Kunden, welche nur einen geringen Grad der Individualisierung bieten und damit nicht aufwendig angepasst werden müssen.20 Der Beratungsbedarf innerhalb dieses Segments ist dementsprechend niedrig.21

Die wesentlichen Produkte des Retail Bankings lassen sich in die folgenden drei Kernfelder einordnen:22

- Aktivgeschäft (Kreditgeschäft und Finanzierung)
- Passivgeschäft (Spar- und Sichteinlagen)
- Dienstleistungsgeschäft (Zahlungsverkehr, Service, Affiliate-Geschäfte wie bspw. Wertpapier- bzw. Versicherungsvermittlung)

In weiteren Quellen wird das Retail Banking in fünf Klassen kategorisiert (Zahlungsverkehr, Einlagengeschäft, Wertpapiergeschäft, Kreditgeschäft, Vermittlergeschäft), die aber im Wesentlichen eine differenzierte Betrachtung der o.g. Punkte darstellen.23 Allerdings bestimmt nicht allein das Produktangebot das Retail Banking, sondern gleichermaßen die bereits einleitend angeschnittene Zielkundengruppe. Im Fokus liegt eindeutig das Privatkundengeschäft, welches selbst in der Fachliteratur häufig als Synonym für das Retail Banking betrachtet wird.24 Neben dem Privatkundengeschäft vervollständigen kleine Geschäfts- und Firmenkunden sowie Selbständige und Freiberufler das Kundensegment des Retail Bankings, da diese sich innerhalb ihres Geschäftsverhaltens kaum voneinander unterscheiden und ebenfalls mit einer standardisierten Produktpalette ausreichend bedient werden können.25 Ähnlich definiert wird das Segment ebenfalls in aufsichtsrechtlichen Regelwerken. Beispielhaft kann hier auf die Ausarbeitungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) verwiesen werden, der im Rahmen der Eigenkapitalvereinbarung ebenfalls diese Kundengruppen im Retail-Portfolio mit einbezieht.26

Durch den geringen Beratungsbedarf dieser Kundengruppen und der damit einhergehenden Standardisierung von o.g. Produktkategorien konnten sich, neben dem eigenen Filialnetz einer Bank, diverse Vertriebskanäle entwickeln, wie das Vertreternetz, das Telefonbanking und das Internetbanking. Zusammenfassend wird von einer Multikanal-Beratung im Retail Banking gesprochen.27 Generell hat der Geschäftsbereich des Retail Bankings im Laufe der Zeit an Bedeutsamkeit und Wichtigkeit zugenommen, sodass das Retail Banking jetzt auch von sogenannten Non- und Near-Banks, welche später in Kapitel 3.3 detaillierter betrachtet werden, angeboten wird.28

3 Wandel der Umweltfaktoren

Im folgenden Kapitel werden nun relevante Umweltfaktoren und deren Wandel betrachtet, um ein grundlegendes Verständnis der Notwendigkeit von nachhaltigen Veränderungen zu vermitteln. Thematisiert werden hierbei neue Technologien, der soziodemographische Wandel vor dem Hintergrund der Digitalisierung, der Eintritt neuer Wettbewerber im Bankensektor und die Änderungen gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen.

3.1 Neue Technologien

Wie vorrangehend erwähnt, beeinflussen neue Technologien zunehmend die Bankenbranche und zählen damit zu den Grundlagen der Einführung und Entwicklung der Digitalisierung. Angefangen von der Entwicklung mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets, welche heutzutage auch von Bankkunden als primäre Informationsquelle genutzt werden, bis hin zu diversen Schlagworten wie „Big Data“, „E-Commerce“ und „5G-Technologien“.29

War die Nutzung digitaler Technologien noch vor hundert Jahren undenkbar (beispielhaft sei hier das Zitat des damaligen IBM-Vorstands Thomas Watson angeführt, welcher 1943 vermutete, es gäbe einen weltweiten Bedarf von lediglich fünf Computern),30 so sind diese Technologien und Verfahren mittlerweile fester Bestandteil unserer heutigen Welt. Die Verbreitung nahm insbesondere ab den späten 1970er Jahren ihren Lauf, als viele namhafte Firmen erschwingliche Heimcomputer auch für Privathaushalte auf den Markt brachten. Beispielhaft sei hier der bis heute meistverkaufte PC, der Commodore 64,31 genannt. Auch traten hier erstmals einige Firmen auf den Markt, die bis heute die digitale Welt nachhaltig prägen: So führte Apple 1977 mit dem Apple I ebenfalls einen eigenen PC, wenn auch in Kleinserie, ein. Etwa gleichzeitig trat mit Microsoft ein weiteres Schwergewicht im digitalen Zeitalter auf die Bühne.32 Ab diesem Zeitpunkt nahm die Geschwindigkeit der Entwicklung immer neuer Technologien stetig zu, ein weiterer Schub stellte die Erfindung und Verbreitung des Internets insbesondere ab dem Jahr 1993 dar, in Folge dessen auch die stetig steigende Vernetzung ihren Lauf nahm.33 In der jüngeren Vergangenheit sind vor allem die massenhafte Einführung von Smartphones mit Markteinführung des iPhones von Apple ab 2007 sowie die größere Verbreitung von Technologien wie Smart Home im privaten Sektor oder den schon angesprochenen Methoden wie Big Data (Massendaten, deren Analyse und die damit vereinten Optionen zur Nutzung für verschiedenste Zecke)34 im Business-Bereich wesentliche Treiber.35

Kaum eine Branche wurde dabei in den letzten Jahren durch die technologischen Entwicklungen so entscheidend beeinflusst wie die Bankenbranche. Die dynamische Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik führte zu einer Vernetzung der Finanzmärkte und einer geradezu rasanten Entwicklung der Vertriebskanäle.36

War das digitale Angebot, welches ab den 1980er Jahren entwickelt wurde, noch recht rudimentär (bspw. Banking über Bildschirmtext, BTX),37 so entwickelte sich dieses ab Ende der 1990er Jahre ebenso wie die übrige digitale Welt zunehmend rasanter weiter. Ab diesem Zeitpunkt traten auch erstmals neuartige Banken auf die Bildfläche, die ihre Dienstleistungen nur noch online anboten und über kein eigenes Filialnetz verfügten (vgl. Kapitel 3.3). Durch die Einführung immer neuer Produkte und Technologien kamen auch im Bankensektor viele neue Möglichkeiten für die Bankkunden auf.38

Das Internet hat, zusammen mit mobilen Endgeräten, dazu geführt, dass Bankkunden Finanzdienstleistungen sowohl zeitlich als auch örtlich unbeschränkt und unabhängig nutzen können. Durch den Ausbau der verschiedenen Vertriebskanäle ändert sich auch die Beziehung zwischen Kunde und Bank. Der persönliche Kontakt ist rückläufig und eine stetig schwindende Loyalität ist festzustellen.39 Daher muss die IT in Banken eine digitale Vernetzung der Kommunikations- und Kontaktkanäle sicherstellen. Man spricht hierbei auch von einer Omni-Channel-Vertriebsstruktur.40 Eine steigende Zahl an Softwarelösungen, Applikationen und weitere Plattformen erhöhen die Komplexität dieser Aufgabe.

Auch zukünftig werden neue Technologien das Umfeld der Banken beeinflussen. Einige Technologien wie bspw. die Distributed Ledger-Technologie (wörtlich „verteiltes Kontobuch“, welches das durch eine Instanz verwaltete Hauptbuch durch eine dezentrale und öffentliche Kontobuchführung ersetzt)41 sind bereits auf dem Markt und werden künftig weiteren, tiefgreifenden Einfluss auf die Banken nehmen.42 Dieses Themenfeld ist also von zentraler Relevanz für den Erfolg einer Bank und es ist wichtig, frühzeitig auf die neu entstehenden Herausforderungen zu reagieren.

3.2 Soziodemographischer Wandel

Ein weiterer herausfordernder Faktor in Bezug auf das Thema der Digitalisierung der Bankenwelt stellt der sogenannte soziodemographische Wandel dar. Hierbei ist es zunächst sinnvoll, sich eine Definition der Thematik zu verbildlichen: Das Phänomen des demographischen Wandels beschreibt die Tatsache, dass sich die Altersstruktur in einer Gesellschaft verändert.43 Auf den für die Arbeit relevanten Kontext übertragen bedeutet dies, dass in Deutschland zunehmend mehr ältere Menschen gemessen an der Gesamtbevölkerung leben und leben werden. Damit ist künftig schätzungsweise jeder dritte Bürger in Deutschland älter als 65 Jahre.44 Die angerissenen Zusammenhänge können anschaulich nachfolgender Grafik entnommen werden:

Abbildung 2: Vergleich der Altersstruktur der BRD in den Jahren 1975 und 2060

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Statistisches Bundesamt, Alterspyramide, 2018, o.S.

Abbildung 2 zeigt hierbei die für das Jahr 2060 prognostizierte Altersstruktur in Deutschland (blauer und lila Bereich). Hier erkennt man, dass in der BRD künftig deutlich mehr ältere Menschen leben. Besonders deutlich wird dies im Vergleich zu der Altersstruktur von 1975 (grüner Umriss): In diesen geburtenstarken Jahrgängen lebten deutlich weniger ältere Menschen im Bundesgebiet.

Mit den deutlich ersichtlichen soziodemographischen Veränderungen geht ein neues Kundenverhalten einher, welches durch eine starke Beeinflussung des Internets geprägt wird. Dies spiegelt sich wieder in der vorangehend angeschnittenen Internetnutzung. Betrachtenswert ist die Internetnutzung der beispielsweise ab 14-jährigen im Vergleich der Jahre 2000 zu 2010 und 2015.45 Hier eignet sich nachfolgende Tabelle zur Veranschaulichung:

Abbildung 3: Vergleich der Internetnutzer nach den Altersstrukturen der BRD

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Frees, B., Koch, W., Internetnutzung nach Altersstruktur, 2015, S. 367

Abbildung 3 zeigt also, dass das Internet insgesamt von immer mehr Menschen, auch in älteren Altersstrukturen, genutzt wird. Damit kann man in den kommenden Jahren von einer flächendeckenden Internetnutzung in allen Altersbereichen der Bundesrepublik Deutschland, welche immer mehr „Digital Natives“ (s.u.) enthalten, ausgehen. Diese Entwicklung macht deutlich, dass vor allem in digitalen Kanälen große Wachstumspotentiale stecken – so wird dieses Potential beispielsweise von der Deutschen Bank als „Wachstumslokomotive Internet“ bezeichnet.46 Die Fachzeitschrift „Die Bank – Zeitschrift für Bankpolitik und Praxis“ hat bereits 2012 eine Kundensegmentierung für das digitale Zeitalter erstellt. Daraus haben sich drei unterschiedliche Kundengruppen etabliert, welche über verschiedenste Erwartungen an die Betreuung über diverse Kanäle verfügen und an jene sich die digitale Bank anpassen muss. Angefangen bei den bereits erwähnten „Digital Natives“, welche in das digitale Zeitalter hineingeboren sind und damit souverän in der Interaktion mit dem Internet und den neuen Technologien sind, bis hin zu den „Digital Deniers“, der älteren Generation aus unserer bereits aufgezeigten Altersstruktur. Die Digital Deniers lehnen neue Technologien überwiegend ab und haben dementsprechend noch eine sehr hohe Erwartungshaltung gegenüber dem persönlichen Kundenkontakt innerhalb einer Bank. Dazwischen liegen die „Digital Migrants“, welche nicht in das digitale Zeitalter hineingeboren sind, jedoch die Möglichkeiten neuer Technologien erkennen und eine hohe Lernbereitschaft aufweisen.47

Da im Rahmen des soziodemographischen Wandels mehr Digital Natives nachrücken, verändert sich nicht nur unsere Gesellschaft in einem zunehmend digitalen Zeitalter, sondern auch die Bankenbranche muss sich der neuen Generation und ihren Anforderungen stellen. Damit wurden die Banken zu Veränderungen gezwungen und müssen sich weiterhin stetig den wandelnden Gegebenheiten der entsprechend genannten Kundensegmente anpassen.

3.3 Eintritt neuer Wettbewerber

Wie bereits in Kapitel 2.2 angeschnitten, werden die Dienstleistungen des Retail Bankings im Zuge der Digitalisierung nun auch von weiteren Wettbewerbern wie den sogenannten FinTechs, Direktbanken, Non- und Near-Banks angeboten, welche versuchen den Bankenmarkt zu durchdringen.

Spätestens seit der Entstehung der Financial Technology-Unternehmen (FinTechs) ab dem Jahr 2008 hat sich ein großer Treiber des Wandels in der Bankenbranche etabliert: Immer mehr Bankkunden wollen ihre Bankgeschäfte einfach, mobil und digital abwickeln.48 Auch Microsoft-Gründer Bill Gates sagte bereits 1994 mit einem bekannten Zitat „Banking is necessary, banks are not“49 voraus, dass traditionelle Banken in Zukunft nicht mehr notwendig sind. Diese Aussage gilt seit jeher als Leitspruch für die erste Welle der FinTechs.50

Unter FinTechs (Kombination der Worte „Financial Services“ und „Technology“) versteht man in diesem Zusammenhang mit technologiebasierten Systemen veränderte Finanzdienstleistungen zum Zweck von spezialisierten und kundenorientierten Angeboten. Eine eindeutige Definition des Begriffs „FinTechs“ existiert bisher, laut der BaFin, nicht.51 Bekannte Vertreter dieser neuen Unternehmen sind beispielsweise die Online-Bank N26 mit Sitz in Berlin. Dieses Unternehmen bietet Bankdienstleistungen optimiert für mobile Endgeräte an und hat mittlerweile nach eigenen Angaben über zwei Millionen Kunden in Europa.52 Aus den Kreisen dieser FinTechs sind mittlerweile auch einige international agierende Konzerne hervorgegangen, beispielhaft kann hier PayPal angeführt werden, welches den Markt für Zahlungsverkehr (früher ein klassisches Bankgeschäft) revolutioniert hat.53 Es gilt festzustellen, dass sich am Markt eine Vielzahl an neuen Marktteilnehmern gesammelt hat, die unterschiedliche Geschäftstätigkeiten klassischer Banken in einer neuen Form darstellen. Eine Übersicht hat der BCBS im Rahmen einer Studie erstellt, die in aggregierter Form nachfolgender Abbildung entnommen werden kann:54

Abbildung 4: Verteilung der FinTech-Unternehmen nach der Geschäftstätigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an BCBS, Regulatorik FinTech, 2018, S. 9 ff.

Hier erkennt man gut, dass sich die Mehrzahl der im Rahmen der Studie untersuchten neuen Wettbewerber insbesondere auf den Zahlungsverkehr und weitere im hohen Grade standardisierbare Geschäftsfelder konzentriert. Diese können durch Algorithmen effizienter abgewickelt werden, wodurch sich des Weiteren Kostenvorteile realisieren lassen.55

Eine weitere Form neuartiger und an dieser Stelle zu erwähnende Marktteilnehmer stellen die Direktbanken dar. Diese haben sich insbesondere durch die Verbreitung des Internets und der damit einhergehenden Möglichkeiten am Markt etabliert. Direktbanken zeichnen sich dadurch aus, dass sie kein eigenes Filialnetz vorhalten, sämtliche Geschäfte werden per Fernabsatz mit den Kunden getätigt. Hierdurch haben diese Institute insbesondere einen Kostenvorteil, welcher an die Kunden weitergegeben wird. Dies führte dazu, dass Direktbanken in Deutschland ihren Marktanteil in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich steigern konnten.56

In Folge dieser Entwicklungen haben traditionelle Banken eine klare Digitalisierungsstrategie zu erarbeiten, um der veränderten Erwartungshaltung der Kunden (entstanden durch innovative Finanzservices und neue Produktvariationen der FinTechs sowie den durch die Konkurrenz der Direktbanken entstandenen Kostendruck) gerecht zu werden und mit neuen digitalen und innovativen Wettbewerbern mithalten zu können.57

3.4 Änderungen gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen

Bei der Betrachtung der Digitalisierung innerhalb der Bankenbranche ist zwingend auch das regulatorische Umfeld zu betrachten, da die Finanzindustrie mittlerweile eine erwähnenswert stark regulierte Branche darstellt.58 Dies ist insbesondere der Tatsache geschuldet, dass Kreditinstitute durch das Eingehen hoher Risiken in der Vergangenheit mehrere zumeist gravierende Krisen auslösten, die ebenfalls massive Auswirkungen auf die Realwirtschaft weltweit hatten. Beispielhaft können hier in der jüngeren Vergangenheit die Finanzkrise ab 2008 (Subprime-Krise und Staatsschuldenkrise in Europa) sowie die Dotcom-Krise um die Jahrtausendwende angeführt werden.59

Insbesondere die Dotcom-Krise hängt dabei mit neuen Technologien und der Digitalisierung zusammen: In Folge der Entwicklung des Internets und mobiler Kommunikationsmedien (vgl. Kapitel 3.1) entstand um die Unternehmen, die diese entwickelten und verbreiteten, ein regelrechter Hype am Aktienmarkt, die Marktkapitalisierung war entsprechend hoch bzw. überbewertet.60 Als sich dann abzeichnete, dass bspw. Gewinnerwartungen nicht in absehbarer Zeit erfüllt werden konnten sowie erste Insolvenzen eintraten, brach der Markt ab Mitte 2000 zusammen. Hiervon waren insbesondere Kleinanleger betroffen, die nicht über die ausreichende Expertise verfügten.61

Vor dem Hintergrund dieser Krisensituationen haben verschiedene Institutionen immer wieder versucht, die Risiken im Finanzsektor durch regulatorische Vorgaben für die Institute beherrschbar zu machen. Eine wesentliche Institution stellt dabei der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) dar, der als eine zentrale Instanz für die Ausarbeitung von Regelwerken für Bankenaufsicht gesehen werden kann. Der BCBS, der im Wesentlichen aus den Gouverneuren der G10-Zentralbanken besteht, erarbeitet zwar keine rechtlich bindenden Maßnahmen, dennoch werden die Ausarbeitungen von vielen Legislativen in aller Welt übernommen.62 Auch diese Institution hat mittlerweile die Bedeutung der Digitalisierung für die Banken erkannt und ist bereits in Konsultationen hierzu, um dieses Themenfeld zu berücksichtigen.63 Hierbei werden zunächst wesentliche Risiken und mögliche Zukunftsszenarien, die durch den Eintritt neuer Wettbewerber entstehen, erfasst und im Rahmen von Konsultationen diskutiert, eine finale Lösung ist noch nicht absehbar.64

Eine weitere gesetzliche Vorgabe, die das Handeln der Banken in Bezug auf die Digitalisierung beeinflusst, ist die Payment Service Directive II (PSD II), welche Anfang 2018 aktualisiert umgesetzt wurde.65 Zentrales Element dieser Verordnung ist die bessere Integration von mobilen und innovativen Transaktionslösungen.66 Eine konkrete Maßnahme besteht darin, dass Banken Unternehmen wie beispielsweiße FinTechs Daten über eine Schnittstelle (Application Programming Interface, API) zur Verfügung stellen müssen.67 Dies führt dazu, dass nun auch die FinTechs bspw. Umsatzdaten auswerten können und auf dieser Basis ihre Services weiter optimieren können.68 Ferner wird im Rahmen dieser neuen Regelung für diese Unternehmen nun aber auch ein Rechtsrahmen geschaffen, um zum Beispiel sicherzustellen, dass eine entsprechende Haftung gegeben ist.69

Ein weiterer wesentlicher Punkt bei der Beachtung regulatorischer Vorgaben im Zusammenhang mit der Digitalisierung stellt der Datenschutz dar. Dieser ist insbesondere im Bankbereich enorm wichtig, da dort sensible und persönliche Daten verschiedenster Art erfasst und verarbeitet werden. Auch dies haben die Regulatoren erkannt und hierzu Regelungen ausgearbeitet. Eine wesentliche und aktuelle Vorgabe stellt sicherlich die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) dar.70 Grund für die Neuregelung der bisher sehr unterschiedlich gehandhabten Datenschutzregelungen stellt die Harmonisierung und Vereinheitlichung des Datenschutzes auf europäischer Ebene dar. Zusätzlich sollen dadurch die Grundrechte der Bürger im digitalen Zeitalter gestärkt werden.71 Auch in dieser Richtlinie sind konkrete Regelungen enthalten, die die Arbeit von Banken insbesondere im Retail Banking betreffen, da diese im Wesentlichen mit natürlichen Personen als Kunden arbeiten. Konkret ist hiervon bspw. das Scoring betroffen, also das automatisierte Treffen einer Kreditentscheidung.72 In Zukunft müssen die Institute den Kunden offenlegen, welche persönlichen Daten zum Ermitteln der Kreditentscheidung herbeigezogen und wie diese verarbeitet werden. Zusätzlich muss auch sichergestellt werden, dass keine falschen Informationen zu einer Fehlentscheidung eines solchen automatisierten Systems führen kann.73 Die DSGVO kommt seit Mai 2018 zur Anwendung und stellt damit eine der aktuellsten Regularien rund um die Digitalisierung im Bankenbereich dar.74

Nicht zuletzt sollte jedoch auch im Zusammenhang mit der Regulatorik erwähnt werden, dass sich durch die Digitalisierung der entsprechenden Prozesse viele Vorteile ergeben können. Die immer komplexeren Regularien können mit digitalisierten Prozessen einfacher dargestellt werden und damit zu Kosteneinsparungen führen. Gleichzeitig können damit auch Risiken besser eingeschätzt werden, um mögliche Schäden verschiedener Art (bspw. Reputationsschäden, Strafzahlungen) zu vermeiden. Ein Beispiel hierfür stellt die Einhaltung der Anforderungen an die Geldwäscheabwehr dar, was für die Banken immer zentraler wird. Hier kann durch Big Data-Lösungen im Vorfeld ein Screening der Transaktionen erfolgen, bei der nur noch auffällige Transaktionen durch das System ausgewiesen werden, die dann durch Mitarbeiter überprüft werden können. Hierzu werden von verschiedenen Anbietern Lösungen bereitgestellt, um die Vielzahl an Daten entsprechend automatisiert verarbeiten zu können (z.B. SAS Anti-Money Laundering).75

Insgesamt stellt die Regulierung einen großen Themenkomplex im Zusammenhang mit dem Thema der Digitalisierung im Bankenbereich dar. Die Regularien werden dabei immer komplexer und stellen die Akteure am Markt vor wachsende Herausforderungen. Gleichzeitig bietet sich durch die Digitalisierung der entsprechenden Prozesse aber auch die Chance, hierdurch einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

[...]


1 Vgl. Munzinger, P., Vergleich Buchdruck, 2017, o.S.

2 Vgl. bspw. Huber, D., Kaiser, T., Industrie 4.0, 2017, S. 17 ff.; Fasel, D., Meier, A., Big Data, 2016, S. 1 ff.

3 Vgl. ARD, ZDF, Online Nutzer, 2017, o.S.

4 Vgl. BMWi, Digitaler Wandel, 2018, o.S.

5 Vgl. Statistisches Bundesamt, Beliebtheit Online Banking, 2017, o.S.

6 Vgl. Berger, R., Herausforderungen Banken, 2018, S. 5.

7 Vgl. Nickel, H., Beratung Banken, 2018, S. 1 ff.

8 Vgl. Fehr, M., Filialbanken vs. Direktbanken, 2017, o.S.

9 Vgl. Sinn, W., Schmundt, W., Deutschlands Banken, 2014, S. 4 ff.

10 Vgl. Hellenkamp, D., Non Banks, 2015, S. 15; Brämer, P., Gischer, H., Richter, T., Drei Säulen, 2010, S. 319 ff.

11 Universalbanken können neben dem klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft auch Investmentbanking-Dienstleistungen unter einem Dach anbieten, im Trennbankensystem geht entweder das eine oder das andere, vgl. bspw. Hellenkamp, D., Non Banks, 2015, S. 38 ff.

12 Vgl. Wolf, T., Strohschen, J.-H., Def. Digitalisierung, 2018, S. 58.

13 Vgl. Wolf, T., Strohschen, J.-H., Def. Digitalisierung, 2018, S. 58.

14 Vgl. Wolf, T., Strohschen, J.-H., Def. Digitalisierung, 2018, S. 58.

15 Vgl. Wolf, T., Strohschen, J.-H., Def. Digitalisierung, 2018, S. 58.

16 Vgl. Wolf, T., Strohschen, J.-H., Def. Digitalisierung, 2018, S. 64.

17 Vgl. Wolf, T., Strohschen, J.-H., Def. Digitalisierung, 2018, S. 59.

18 Vgl. Uhrbach, N., Ahlemann, F., Kodak, 2016, S. 10.

19 Vgl. Swoboda, U., Retail-Banking und Private-Banking, 2004, S. 159 ff.

20 Vgl. Friedrich, M., Def. Retail Banking, 2002, S. 19 ff.

21 Vgl. Swoboda, U., Retail-Banking und Private-Banking, 2004, S. 159 ff.

22 Vgl. Chabrecek, P., Retail- und Commercial-Banking, 2012, o.S.

23 Vgl. Knüfermann, M., Ethik Banken, 2005, S. 21 ff.

24 Vgl. Kempermann, J., et al., Businessmodelle Banken, 2018, S. 135; Friedrich, M., Def. Retail Banking, 2002, S. 19 ff.

25 Vgl. Knüfermann, M. et al., Ethik Banken, 2005, S. 19 ff.

26 Vgl. BCBS, Basel III, 2017, S. 17.

27 Vgl. Krah, E., Multikanal-Beratung, 2015, S. 1 ff.

28 Vgl. Knüfermann, M., et al., Ethik Banken, 2005, S. 23 ff.

29 Vgl. Brock, H., Bieberstein, I., Multi- und Omnichannel-Management in Banken, 2015, S. 121 ff.

30 Vgl. SZ, Irrtum IBM, 2010, o.S.

31 Vgl. Spiegel Online, Commodore 64, 2012, o.S.

32 Vgl. Mac History, Geschichte Apple, 2018, o.S.; Dörner, S., Geschichte Microsoft, 2018, o.S.

33 Vgl. Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Geschichte Internet, o.J., o.S.

34 Vgl. Morozov, E., et al., Big Data, 2015, S. 2.

35 Vgl. Fasel, D., Meier, A., Big Data, 2016, S. 1 ff.

36 Vgl. Swoboda, U., Retail-Banking und Private-Banking, 2004, S.17.

37 Vgl. Borchers, D., BTX Banking, 2010, o.S.

38 Vgl. Zillmann, M., Digitale Retailbanken, 2015, S. 9 ff.

39 Vgl. Swoboda, U., Retail-Banking und Private-Banking, 2004, S. 29 ff.

40 Vgl. Zillmann, M., Digitale Retailbanken, 2015, S. 19.

41 Vgl. Geiling, L., Distributed Ledger-Technologie, 2016, S. 2.

42 Vgl. Krah, E.-S., Hüthig, S., Distributed Ledger, 2018, o.S.

43 Vgl. Prescreen Magazin, Def. Demografischer Wandel, 2018, o.S.

44 Vgl. bpb, Dem. Wandel, 2017, o.S.

45 Vgl. Frees, B., Koch, W., Internetnutzung nach Altersstruktur, 2015, S. 367 ff.

46 Vgl. Dapp, T., Stobbe, A., Wruuck, P., Wachstumslokomotive Internet, 2013, S. 10.

47 Vgl. Buhl, H.U., et al., Digitale Kundensegmentierung, 2012, S. 46 ff.

48 Vgl. Neuman, J., Entstehung FinTechs, 2015, o.S.

49 Hernaes, C., Notwendigkeit Banken, 2017, o.S.

50 Vgl. Hernaes, C., Notwendigkeit Banken, 2017, o.S.

51 Vgl. BaFin, Fintechs, 2016, o.S.

52 Vgl. N26 GmbH, Digital Pioneer, 2018, o.S.

53 Vgl. Kyriasoglou, C., Paypal, 2015, o.S.

54 Vgl. Anhang A1.

55 Vgl. BCBS, Regulatorik FinTech, 2018, S. 10.

56 Vgl. Luber, T., Wachstum Direktbanken, 2017, o.S.

57 Vgl. Rehfisch, M., Zukunft Banken, 2018, o.S.

58 Vgl. Keese, A., Regulatorik erhöht den Druck, 2018, o.S.

59 Vgl. Glebe, D., Dotcom-Krise, 2008, S. 104 ff.

60 Vgl. Glebe, D., Dotcom-Krise, 2008, S. 104 ff.

61 Vgl. Glebe, D., Dotcom-Krise, 2008, S. 106.

62 Bekanntes Regelwerk ist bspw. der Basel III-Akkord, der im Jahr 2017 erneut überarbeitet wurde, vgl. hierzu bspw. BCBS, Basel III, 2017, S. 1 ff.

63 Vgl. BCBS, Regulatorik FinTech, 2018, S. 1 ff.

64 Vgl. BCBS, Regulatorik FinTech, 2018, S. 24 ff.

65 Vgl. Europäisches Parlament, PSD II, 2015, S. 1 ff.

66 Vgl. Europäisches Parlament, PSD II, 2015, S. 5.

67 Vgl. Bramberger, M., PSD II API, 2019, S. 70 ff.

68 Vgl. Huch, S., PSD II Überblick, 2014, S. 5 ff.

69 Vgl. Europäisches Parlament, PSD II, 2015, S. 6.

70 Vgl. Europäisches Parlament, DSGVO, 2016, S. 1 ff.

71 Vgl. BMWi, EU-DSGVO, 2019, o.S.

72 Vgl. Europäisches Parlament, DSGVO, 2016, S. 14.

73 Vgl. Europäisches Parlament, DSGVO, 2016, S. 14.

74 Vgl. Europäisches Parlament, DSGVO, 2016, S. 31.

75 Vgl. SAS, SAS AML, 2018, o.S.

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Die Digitalisierung im Bankenumfeld und deren Auswirkungen auf das Retail Banking
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
91
Katalognummer
V494840
ISBN (eBook)
9783346001894
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitalisierung, Bankenbranche, Retail Banking, Finanzinstitute, Banken, Banking 4.0, Wirtschaft, Finanzbranche, Deutscher Bankenmarkt, Kreditinstitute, Vertrieb, Omni-Channel-Vertriebsstruktur, Distributed Ledger-Technology
Arbeit zitieren
Anne Catherine Becker (Autor), 2019, Die Digitalisierung im Bankenumfeld und deren Auswirkungen auf das Retail Banking, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494840

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