In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist die Bedeutung der digitalen Welt immer größer geworden. Kaum ein Mensch kommt noch ohne vernetzte und digitale Inhalte aus, die Veränderung wird zunehmend rasanter, neue Produkte und Möglichkeiten werden immer schneller vorgestellt. Einige Autoren vergleichen die Relevanz dieser Entwicklung sogar mit der Erfindung des Buchdrucks. Hierdurch bedingt entstehen in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft neue Herausforderungen und Möglichkeiten. Begrifflichkeit, die in diesem Zusammenhang genannt werden, sind beispielsweise Industrie 4.0, Big Data oder Künstliche Intelligenz.
Es ist ebenfalls zu erkennen, dass die Digitalisierung auch im Finanzsektor angekommen ist, sich weiter verbreitet und damit auch das klassische Retail Banking, also das Geschäft mit einer Vielzahl von privaten Kunden, deutlich verändert.
Neben den historisch niedrigen Zinsen, selbstwertenden / kritischen Kunden, den zunehmenden regulatorischen Anforderungen und dem demografischen Wandel stellt die Digitalisierung die Finanzbranche vor unausweichliche Herausforderungen.
Über Jahre etablierte Finanzmarktstrukturen brechen auf und Kreditinstitute haben enorme Verluste sowie hohe Kosten zu verzeichnen, die sie an ihre Kunden weitergeben. Eine damit einhergehende sinkende Kundenzufriedenheit führt zu Abwanderungen zu neuen Wettbewerbern und Marktteilnehmern.
Während Banken in den 1970er Jahren durch hohe Erträge, wachsende Bilanzsummen und verhältnismäßig geringe Eigenkapitalkosten „goldene Zeiten“ erfahren haben, sind heute nachhaltige Veränderungen und eine Neuorganisation des Retail Bankings unabdingbar.
Mit diesen Veränderungen, der Frage wie digitale Transformation zu verstehen ist und jener nach den tatsächlichen Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bankenbranche und das Retail Banking beschäftigt sich die vorliegende Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aufgabenstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
2 Abgrenzung zentraler Begrifflichkeiten und Grundlagen
2.1 Digitalisierung
2.2 Retail Banking
3 Wandel der Umweltfaktoren
3.1 Neue Technologien
3.2 Soziodemographischer Wandel
3.3 Eintritt neuer Wettbewerber
3.4 Änderungen gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen
4 Bedeutung der Digitalisierung in der Bankenbranche
4.1 Für die Kundenseite
4.2 Für die Bankenseite
4.3 Das digitale Geschäftsmodell
5 Finanzdienstleister in Zeiten der Digitalisierung
5.1 Non-Banks und Near-Banks
5.2 Direktbanken
5.3 Traditionelle Banken
6 Empirische Untersuchung in Form einer Online-Umfrage
6.1 Methodik der Untersuchung
6.2 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
6.3 Kritische Betrachtung der gewählten Methode
6.4 Schlussfolgerungen und Ableitung von Handlungsempfehlungen
7 Fazit und Ausblick für weitere Untersuchungen
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor-Thesis untersucht, wie sich die fortschreitende Digitalisierung auf den deutschen Finanzsektor, insbesondere auf das Retail Banking, auswirkt. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Veränderungen in den Kundenbedürfnissen, die Rolle neuer Wettbewerber wie FinTechs sowie die notwendige strategische Neuausrichtung traditioneller Bankinstitute.
- Grundlagen der Digitalisierung und Definition des Retail Bankings
- Analyse veränderter Umweltfaktoren (Technologie, Demografie, Regulatorik)
- Wettbewerbsanalyse: Traditionelle Banken versus Non-Banks, Near-Banks und Direktbanken
- Bedeutung digitaler Geschäftsmodelle für die Kundenbeziehung
- Empirische Erhebung zum Nutzungsverhalten und zu Erwartungen der Bankkunden
Auszug aus dem Buch
3.1 Neue Technologien
Wie vorrangehend erwähnt, beeinflussen neue Technologien zunehmend die Bankenbranche und zählen damit zu den Grundlagen der Einführung und Entwicklung der Digitalisierung. Angefangen von der Entwicklung mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets, welche heutzutage auch von Bankkunden als primäre Informationsquelle genutzt werden, bis hin zu diversen Schlagworten wie „Big Data“, „E-Commerce“ und „5G-Technologien“.
War die Nutzung digitaler Technologien noch vor hundert Jahren undenkbar (beispielhaft sei hier das Zitat des damaligen IBM-Vorstands Thomas Watson angeführt, welcher 1943 vermutete, es gäbe einen weltweiten Bedarf von lediglich fünf Computern), so sind diese Technologien und Verfahren mittlerweile fester Bestandteil unserer heutigen Welt. Die Verbreitung nahm insbesondere ab den späten 1970er Jahren ihren Lauf, als viele namhafte Firmen erschwingliche Heimcomputer auch für Privathaushalte auf den Markt brachten. Beispielhaft sei hier der bis heute meistverkaufte PC, der Commodore 64, genannt. Auch traten hier erstmals einige Firmen auf den Markt, die bis heute die digitale Welt nachhaltig prägen: So führte Apple 1977 mit dem Apple I ebenfalls einen eigenen PC, wenn auch in Kleinserie, ein. Etwa gleichzeitig trat mit Microsoft ein weiteres Schwergewicht im digitalen Zeitalter auf die Bühne. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Geschwindigkeit der Entwicklung immer neuer Technologien stetig zu, ein weiterer Schub stellte die Erfindung und Verbreitung des Internets insbesondere ab dem Jahr 1993 dar, in Folge dessen auch die stetig steigende Vernetzung ihren Lauf nahm.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Aufgabenstellung, der Zielsetzung sowie der methodischen Vorgehensweise und des Aufbaus der Arbeit.
2 Abgrenzung zentraler Begrifflichkeiten und Grundlagen: Definition und Erläuterung der Begriffe Digitalisierung und Retail Banking im Kontext der Bankwirtschaft.
3 Wandel der Umweltfaktoren: Untersuchung technologischer, soziodemographischer, wettbewerbsrelevanter und regulatorischer Faktoren, die den Bankenmarkt beeinflussen.
4 Bedeutung der Digitalisierung in der Bankenbranche: Beleuchtung der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bedürfnisse der Kunden, die Bankenseite und die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle.
5 Finanzdienstleister in Zeiten der Digitalisierung: Analyse der verschiedenen Marktteilnehmer, unterteilt in Non-Banks, Near-Banks, Direktbanken und traditionelle Banken.
6 Empirische Untersuchung in Form einer Online-Umfrage: Vorstellung der Methodik, Analyse der Daten aus der Befragung zum Kundenverhalten und Ableitung von Handlungsempfehlungen.
7 Fazit und Ausblick für weitere Untersuchungen: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im digitalen Bankenumfeld.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Retail Banking, FinTechs, Direktbanken, Bankenmarkt, Kundenverhalten, Online-Banking, Soziodemographischer Wandel, Regulierung, Datenschutz, PSD II, Omni-Channel-Vertrieb, Kundenbindung, Innovation, Bankfiliale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Digitalisierung die Bankenbranche im Allgemeinen und das Retail Banking im Speziellen verändert und welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Institute ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf technologische Treiber, demografische Verschiebungen, den Markteintritt neuer Wettbewerber wie FinTechs sowie die Auswirkungen regulatorischer Anforderungen auf die Geschäftsmodelle von Banken.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel der Arbeit ist es, einen umfassenden Überblick über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Bankgeschäfte im Retail Banking zu geben und daraus praktische Handlungsempfehlungen für Kreditinstitute abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu den Hintergründen der Digitalisierung mit einer eigenen empirischen Untersuchung in Form einer Online-Umfrage unter Retail-Banking-Kunden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Umweltfaktoren, die Darstellung der Bedeutung der Digitalisierung für Kunden und Banken, eine Typologisierung verschiedener Finanzdienstleister sowie eine detaillierte Auswertung der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Digitalisierung, Retail Banking, FinTechs, Kundenverhalten, Online-Banking, Omni-Channel-Vertrieb und Bankenmarkt.
Wie stehen die verschiedenen Kundengruppen zur digitalen Bankberatung?
Die Umfrage zeigt eine Altersabhängigkeit: Während "Digital Natives" nahezu vollständig auf digitale Kanäle setzen und die Filiale meiden, bevorzugen ältere Generationen weiterhin den persönlichen Kontakt, insbesondere bei komplexen Finanzprodukten.
Welchen Stellenwert nimmt das Filialnetz im digitalen Zeitalter ein?
Das Filialnetz bleibt relevant, sollte jedoch für die Zielgruppen, die noch persönlichen Kontakt suchen, als "abgespeckte" Version in Form von Flagship-Filialen neu konzipiert werden, anstatt ein flächendeckendes Netz aufrechtzuerhalten.
- Quote paper
- Anne Catherine Becker (Author), 2019, Die Digitalisierung im Bankenumfeld und deren Auswirkungen auf das Retail Banking, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494840