Der Begriff Ethnie und seine Verfremdung im Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2005

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.0 Erläuterung der Begriffe Ethnie und Kultur

2.0 Verschiedene Möglichkeiten des Verständnisses und der Bezug zu anderen wichtigen Fachbegriffen
2.1 Drei grundlegende Ansätze, das Vorkommenvon Ethnien zu interpretieren
2.2 Der Begriff Ethnie in Anlehnung an dieFachausdrücke Soziale Klasse,Statusgruppe, Ständesystem und Rasse..

3.0 Die Rolle der Ethnie im Nationalsozialismus
3.1 Die Funktion der Ethnologie im Nationalsozialismus.
3.2 Die Verfremdung des Ethnien- und Rassenbegriffs im Nationalsozialismus.

4 Schlussbemerkung

Die Auseinandersetzung mit Ethnien ist gegenwärtig präsenter denn je. Nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch auf nationalem Level, wie es die vor kurzem hitzig diskutierte Debatte um die missglückte Integration in Deutschland geborener Einwandererkinder verdeutlichte. Häufig als bloßer Ersatz für den stark vorbelasteten Begriff der Rasse geläufig, bleibt eine klare Definition des Fachausdrucks im öffentlichen Sprachgebrauch doch häufig schleierhaft. Worum es sich aber bei einer Ethnie genau handelt, wie unterschiedlich der Begriff aufgefasst werden kann, aber auch inwiefern eine Abgrenzung von anderen fachbezogenen Ausdrücken wie beispielsweise dem eben genannten Rassenbegriff herzustellen ist, das soll Thema meiner hier vorliegenden Arbeit sein.

Diesbezüglich befasse ich mich nach einer knappen Definition von Ethnie und dem unmittelbar damit in Verbindung stehenden Terminus der Kultur mit verschiedenen Möglichkeiten, den Ethnienbegriff zu verstehen und mit ihm umzugehen. Im anschließenden Teil meiner Arbeit grenze ich den Fachausdruck von den verwandten Termini der Sozialen Klasse, der Statusgruppe, des Ständesystems und vor allem der Rasse ab, um mich abschliessend quellenkritisch mit dem Ethnien- und Rassenverständnis des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Zu diesem Zweck schildere ich allgemein die Situation der Ethnologie unter dem faschistischen Regime und gehe dann, ausgehend von Adolf Hitlers Propagandaschrift „Mein Kampf“, auf die Problematik des fälschlichen Umgangs mit dem Fachterminus Rasse ein, der als Grundlage für Antisemitismus und Rassenpolitik im Allgemeinen diente.

1.0 Erläuterung der Begriffe Ethnie und Kultur

Der Begriff Ethnie bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch Gruppierungen, welche den Glauben an eine gemeinsame Geschichte, Abstammung und Kultur teilen. Abgeleitet aus dem altgriechischen Wort Ethnos, welches als Bezeichnung für fremde, also nichtgriechische Menschengruppen diente, ist dieser ursprüngliche Gebrauch insbesondere für das Verständnis des Begriffs Ethnologie von Bedeutung. Aufgabe jener Wissenschaft ist es, sich mit fremdartig anmutenden, gesellschaftlichen Erscheinungen zu befassen, wobei mittlerweile die bewusst subjektive Betrachtungsweise und der bewertende Vergleich mit dem Vertrauten abgelegt wurde, welche der antike Begriff implizierte.

Wie oben erwähnt steht der Begriff Ethnie in direktem Zusammenhang mit dem Ausdruck Kultur. Dieser ist auf den sehr weit gefassten lateinischen Begriff cultura zurückzuführen, welcher mit Pflege, Anbau, Ausbildung, tätige Verehrung übersetzt werden kann. Unter einer Kultur werden in der Ethnologie sämtliche innovative Errungenschaften sowohl materieller als auch immaterieller Natur verstanden, welche innerhalb einer Gesellschaft ihre Anwendung finden. Dabei ist es unerheblich, ob diese tatsächlich dort entstanden sind oder lediglich von anderen Kulturen übernommen wurden.

2.0 Verschiedene Möglichkeiten des Verständnisses von Ethnien und der Bezug zu anderen wichtigen Fachbegriffen

2.1 Drei grundlegende Ansätze, das Vorkommen von Ethnien zu interpretieren

Wenngleich die intensive Auseinandersetzung mit dem Begriff Ethnie erst in der jüngeren Geschichte zunehmend an Bedeutung gewann, reichen die Theorien zu Ursache und Ursprung der Entstehung verschiedener Ethnien bis in die Anfänge der ethnologischen Wissenschaft zurück.

Die ursprüngliche "primordialistische Theorie" deklariert diesbezüglich, dass ethnische Zugehörigkeit bereits biologisch determiniert sei. Demnach wird mit altruistischem Verhalten innerhalb einer Ethnie allein das Ziel verfolgt, eigenes Genmaterial und damit auch das der nächsten Verwandten, welches dem Eigenen ja am ähnlichsten ist, weiterzugeben. Diese aus der Soziobiologie stammende Theorie setzt eine Übereinstimmung von Ethnie und Rasse voraus, worauf im folgenden Kapitel noch näher eingegangen wird. So vereinfachend es auch klingen mag, die biologische Abstammung allein für die Zugehörigkeit zu bestimmten Ethnien verantwortlich zu machen, muss dennoch eingestanden werden, dass zum Einen der Wissensbildungsprozess von Kindern meist durch ihre nächsten Verwandten geschieht und so die Ethnie indirekt durch die Rasse beeinflusst wird. Zum Anderen scheint, wie Clifford Geertz in seinem Werk „Old Societies and new States“ schreibt, eine starke, personelle, nicht selten alles überwindende Bindung zur eigenen Rasse zu bestehen.

„But for virtually every person, in every society, at almost all times, some attachment seem to flow more from a sense of natural-some would say spiritual-affinity than from social interaction.“1

Jedoch tritt diese Verbundenheit trotz ihrer außerordentlichen Bedeutung auf Grund der geringen Zahl biologischer Verwandter gegenüber politischen Staatsgemeinschaften zurück, bleibt aber in diesem Fall weiterhin latent bestehen. Das primordialistische Verständnismodell von Ethnie kann jedoch nicht erklären, wie und warum der Wechsel einzelner Personen zwischen Ethnien jederzeit möglich ist und auch geschieht.

Ende der 1960er Jahre entwickelte sich die von funktionalistischen Strömungen beeinflusste "instrumentalistische Theorie": Danach ist das Gefühl ethnischer Zusammengehörigkeit ein Restbestand aus vorindustriellen Epochen, welcher in frühen politischen Konflikten eine Rolle spielte, aber eigentlich in einem modernen Staat zunehmend zurückgedrängt werden müsste. Dies ist jedoch nicht der Fall: Vielmehr zeigte sich, dass Konflikte zwischen Ethnien sogar oft erst innerhalb moderner Nationalstaaten verstärkt wurden und noch werden.

Ein dritter konstruktivistischer Ansatz wurde ausgehend von dem norwegischen Ethnologen Fredrik Barth und seinem 1969 erschienen Werk "Ethnic groups and Boundaries" entwickelt.

1 Geertz Clifford: Old societies and new states;1963: S.110

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Begriff Ethnie und seine Verfremdung im Nationalsozialismus
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Grundfragen der Ethnologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V49491
ISBN (eBook)
9783638459372
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begriff, Ethnie, Verfremdung, Nationalsozialismus, Grundfragen, Ethnologie
Arbeit zitieren
Michael Wallner (Autor:in), 2005, Der Begriff Ethnie und seine Verfremdung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49491

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