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Über die Instabilität der Faust-Figur im Roman "Herzgewächse" von Hans Wollschläger

Ein literaturwissenschaftlicher Vergleich mit der Tragödie "Faust" von J. W. von Goethe und dem Roman "Doktor Faustus" von Thomas Mann als Hypotexte

Titel: Über die Instabilität der Faust-Figur im Roman "Herzgewächse" von Hans Wollschläger

Bachelorarbeit , 2018 , 49 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Johanna Schultze (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit ist eine literaturwissenschaftliche Untersuchung zur Instabilität der Faust-Figur im Roman "Herzgewächse" von Hans Wollschläger. Ein Fokus liegt dabei auf dem Vergleich mit der Tragödie "Faust" von J. W. von Goethe und dem Roman "Doktor Faustus" von Thomas Mann als Hypotexte.

Die in dieser Arbeit als Hypotexte gewählten Werke von Johann Wolfgang von Goethe und Thomas Mann sollen als Vergleichsstationen für die Faust-Verarbeitung in "Herzgewächse" dienen. Behandelt wird auch die Frage, warum bei allen drei Texten von faustischen Motiven die Rede sein kann und wie die Faust-Problematik, nämlich letztendlich die Identitätsspaltung, in den "Herzgewächsen" transportiert wird. Dabei wird gezeigt, wie der Autor Wollschläger die Instabilität seiner Faust-Figur psychoanalytisch inszeniert und auf die Spitze treibt: Durch die Form des Tagebuchromans kann er die Innenschau eines Faust-Typs aus unmittelbarer Nähe darstellen. Und mit seiner, dem Tagebuchroman sehr gattungstypisch vorausgeschickten Herausgeberfiktion, der er wiederum seinen eigenen Autorennamen Hans Wollschläger verleiht, versetzt er den Leser selbst in das faustische Spiegelkabinett.

Danach werden zentral die Stellen der drei Texte untersucht, in denen es zu den Teufelsgesprächen kommt, die die Faust-Literatur schon immer charakteristisch geprägt haben. Nach einem Vergleich dieser so genannten Studierzimmerszenen und des Teufelspakts kann eine Charakterisierung der in "Herzgewächse" agierenden faustischen Figuren Adams und Galland gelingen und weitere Indizien für eine destabilisierte, schizoide Persönlichkeit gesammelt werden. Wie Thomas Mann während der Katastrophe, zeichnet Wollschläger ein Bild davon, wie es um Deutschland nach dem Krieg steht, welche Konflikte und welches Trauma die Individuen in sich tragen, und lässt sich und den Leser dabei tief in die Strudel des Menschheitsgeheimnisses hineinziehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herzgewächse oder Der Fall Adams – der Faust-Mythos im Tagebuch

2.1 Wollschlägers Verarbeitung des Faust-Mythos: Parallelen zu Goethe und Mann

2.2 Der Tagebuchroman „Herzgewächse“

2.3 Die Herausgeberfiktion und Autorenschaft von Hans Wollschläger

3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Teufelsgesprächen

3.1 Die Kontaktaufnahme

3.2 Die Studierzimmer-Szene

3.3 Der Teufelspakt

4. Die nächste Stufe des Faust-Mythos: Abschied von der Humanität

4.1 F.A. Galland – ein böser Geist aus der Vergangenheit

4.1.1 Gallands Charakter

4.1.2 Gallands Sprache

4.2 Michael Adams – ein Faust der Vergangenheitsbewältigung

4.2.1 Doktor Faustus mit schizoiden Symptomen

4.2.2 Ein selbstkritischer Faust

4.2.3 Wir in effigie – Adams und seine „zweite Hälfte“ auf einer symbolischen Anklagebank

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Instabilität der Faust-Figur in Hans Wollschlägers Roman „Herzgewächse“ durch einen intertextuellen Vergleich mit den Hypotexten von Johann Wolfgang von Goethe und Thomas Mann. Ziel ist es, die spezifische Ausprägung der faustischen Identitätsspaltung unter Berücksichtigung der historischen und psychoanalytischen Kontexte der Nachkriegszeit sowie der narratologischen Besonderheiten der Tagebuchform aufzuzeigen.

  • Analyse des Faust-Mythos im Kontext der deutschen Nachkriegsgesellschaft
  • Untersuchung der gattungsspezifischen Merkmale des Tagebuchromans als Medium für Identitätskrisen
  • Vergleichende Untersuchung der Teufelsgespräche und Pakt-Szenen
  • Aufdeckung der psychologischen Instabilität der Figur Michael Adams
  • Reflektion über die Rolle von Fiktion, Faktizität und der Herausgeberfiktion

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Kontaktaufnahme

Die Kontaktaufnahme mit einem mephistophelischen Gegner vollzieht sich in allen drei Werken sehr unterschiedlich. Bei Goethe treffen Faust und Mephistopheles sehr früh aufeinander. Mephistopheles verbirgt sich zu Beginn in der Gestalt eines schwarzen Pudels, dem Faust und sein Assistent Wagner beim Osterspaziergang in der Szene „Vor dem Tor“ begegnen. Der Auftritt dieses Pudels scheint die direkte Folge auf Fausts berühmte vorangehende Klage

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt, mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
O gibt es Geister in der Luft,
Die zwischen Erd und Himmel herrschend weben,
So steiget nieder aus dem goldnen Duft
Und führt mich weg, zu neuem buntem Leben!
Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein!44

Hier spricht Faust deutlich seinen Wunsch nach überirdischer Hilfe, nach Magie aus. Er erträgt seinen Zwiespalt und seine Unzufriedenheit, die ihm sein anderer Trieb45 bereitet, kaum noch. Die Kontaktaufnahme geschieht also auf Initiative von Faust. Und gleichzeitig realisiert sie sich auch nur für den anfälligen Faust unter Zutun einer ganz anderen „Gefahrenquelle“, nämlich von Seiten seines Famulus Wagner. Faust beobachtet anfänglich an dem Pudel „Feuerstrudel“46 und spürt, wie er „magisch leise Schlingen / Zu künft’gem Band um unsere Füße zieht“47. All diese dämonischen Assoziationen bleiben seinem Famulus Wagner verborgen: „Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.“48 Es ist schließlich auch dieser unerschütterliche, blinde Optimist Wagner, der Faust dazu überredet, dass der drollige Hund eine „pudelnärrische“49 Unterhaltung biete und Fausts Gunst ganz und gar verdiene50. Nur deshalb

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Faust-Rezeption bei Mann und Wollschläger sowie die Fragestellung nach der Instabilität der Figur Adams.

2. Herzgewächse oder Der Fall Adams – der Faust-Mythos im Tagebuch: Untersuchung der Gattungsform, der Intertextualität zu Goethe/Mann und der Rolle der Herausgeberfiktion.

3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Teufelsgesprächen: Analyse der Kontaktaufnahme, der Studierzimmer-Szenen und des Teufelspakts in den drei Vergleichswerken.

4. Die nächste Stufe des Faust-Mythos: Abschied von der Humanität: Betrachtung der Figur Galland als Projektion, der psychologischen Verfassung von Adams und der Funktion des Schreibens als Identitätsbewältigung.

Schlüsselwörter

Faust-Mythos, Hans Wollschläger, Herzgewächse, Thomas Mann, Johann Wolfgang von Goethe, Tagebuchroman, Teufelspakt, Identitätsspaltung, Schizophrenie, Nachkriegsliteratur, Psychologisierung, Intertextualität, Moderne, Michael Adams, F.A. Galland

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die moderne Faust-Adaption in Hans Wollschlägers Roman „Herzgewächse oder Der Fall Adams“ und setzt diese in Bezug zur literarischen Tradition des Faust-Stoffes bei Goethe und Thomas Mann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Fokus stehen die Identitätskrise und psychische Instabilität der Hauptfigur, die Gattung des Tagebuchromans als Instrument der Selbsterkundung sowie die Dekonstruktion des Faust-Mythos in der deutschen Nachkriegszeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die spezifische Art der Identitätsspaltung der Figur Michael Adams nachzuweisen und zu zeigen, wie Wollschläger durch die Tagebuchform eine „psychoanalytische“ Innenschau der faustischen Problematik betreibt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche, vergleichende Analyse durchgeführt, die intertextuelle Bezüge herausarbeitet und gattungstheoretische sowie psychoanalytische Ansätze zur Interpretation der Figurenkonstellationen einbezieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Romanstruktur (Tagebuchroman/Herausgeberfiktion), eine vergleichende Analyse der klassischen Faust-Motive (Kontaktaufnahme, Teufelspakt) und eine detaillierte Charakterisierung der ambivalenten Figuren Adams und Galland.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Identitätsspaltung, schizoide Symptomatik, Intertextualität, Vergangenheitsbewältigung und die Dekonstruktion des mythologischen Erbes bestimmt.

Inwiefern beeinflusst die Nachkriegszeit das Handeln der Figur Adams?

Die Zeit der „Stunde Null“, des Wiederaufbaus und der verdrängten Schuld bildet den Hintergrund, der Adams’ Wunsch nach Selbsterkenntnis und gleichzeitig seinen Widerstand gegen die gesellschaftliche Verdrängung motiviert.

Welche Bedeutung kommt der Figur F.A. Galland zu?

Galland fungiert als mephistophelische Figuration und Alter Ego von Adams, wobei seine Figur zwischen realer Person und psychotischer Halluzination des Protagonisten oszilliert.

Was ist das Besondere an der „Wir in effigie“-Stelle im Roman?

Diese Stelle markiert einen narrativen Bruch außerhalb der normalen Tagebuchdatierungen und dient als zentraler Moment der symbolischen Konfrontation mit der eigenen Identität auf der „Anklagebank“.

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Details

Titel
Über die Instabilität der Faust-Figur im Roman "Herzgewächse" von Hans Wollschläger
Untertitel
Ein literaturwissenschaftlicher Vergleich mit der Tragödie "Faust" von J. W. von Goethe und dem Roman "Doktor Faustus" von Thomas Mann als Hypotexte
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Johanna Schultze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
49
Katalognummer
V495108
ISBN (eBook)
9783668991750
ISBN (Buch)
9783668991767
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über mann thomas faustus doktor goethe faust tragödie vergleich wollschläger hans herzgewächse roman faust-figur instabilität hypotexte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johanna Schultze (Autor:in), 2018, Über die Instabilität der Faust-Figur im Roman "Herzgewächse" von Hans Wollschläger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495108
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Leseprobe aus  49  Seiten
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