Die gegenwärtige gesellschaftliche Situation der Frau im Iran. Zwänge und Chancen


Bachelorarbeit, 2019
43 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Kontext der Frauenrechte im Iran
2.1 Das Schah-Regime 1941-
2.2 Die islamische Revolution von
2.3 Die Amtszeit Präsident Khatamis ab

3. Gesetzlich verankerte Rechte und Pflichten der iranischen Frau
3.1 Der Verhüllungszwang
3.2 Das Familienrecht im Iran
3.3 Gesellschaftliche Einschränkungen der iranischen Frau

4. Die Interpretationsarten des Koran

5. Feministische Strömungen im Iran
5.1 Der islamische Feminismus
5.2 Der säkulare Feminismus

6. Ausdruck der weiblichen Protestkultur
6.1 Frauenzeitschriften
6.2 Die Kampagne „Eine Million Unterschriften für mehr Frauenrechte“
6.3 Die Facebook-Kampagne „My Stealthy Freedom“
6.4 Cyberfeminismus

7. Erfolge und Konsequenzen der Proteste

8. Kultureller Relativismus des Westens

9. Zukunftsaussichten für Frauenrechte im Iran

10. Schlusserklärung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit thematisiert die gesellschaftliche Situation der Frau im Iran und analysiert die dem Staat entgegengebrachten Proteste von Seiten der Frau im aktuellen und historischen Kontext. Der Iran besitzt eine der höchsten Selbstmordraten von Frauen weltweit. Dies ist größtenteils der institutionalisierten Diskriminierung zuzuschreiben, die Frauen und Mädchen aller Gesellschaftsschichten erfahren müssen (Vgl. Safiarian 2011). Ich möchte mit dieser Arbeit herausfinden, weshalb diese Diskriminierung besteht und ob iranische Frauen mit den Protesten und Kampagnen, die über die letzten 40 Jahre seit der islamischen Revolution 1979 stattgefunden haben, eine Chance haben die auf islamischem Recht basierende iranische Verfassung bezüglich Frauenrechten zu verbessern. Die Thematik der Frauenrechte im Iran ist von besonderer Aktualität und Relevanz, da im Moment Proteste bezüglich des Hidschabzwangs1 im Iran in vollem Gange sind. In regelmäßigen Abständen liest man von Verhaftungen iranischer Frauen, die lediglich ihr Kopftuch in der Öffentlichkeit abnahmen oder ein Tanzvideo ins Internet stellten. Diese Nachrichten und auch mein eigener Besuch im Iran im Jahr 2015 bewegten mich dazu mich näher mit der gesellschaftlichen Situation der Frau im Iran auseinanderzusetzen und herauszufinden, worauf die diskriminierenden Gesetze basieren. Ziel dieser Arbeit ist, einen Überblick zu geben über konkrete Gesetze, konkrete Protestaktionen, den aktuellen Stand des Feminismus im Iran und die Zukunftsaussichten für Frauenrechte im Iran. Im ersten Teil der Arbeit werden die Rechte der Frau in einen historischen Kontext gesetzt und darauf aufbauend analysiert, wie sich diese in der Zeit unter Schah Mohammad Pahlavi bis 1979, nach der islamischen Revolution 1979 und unter Staatspräsident Khatami ab 1997 verändert haben. Im zweiten Teil wird aufgezeigt, worin die Rechte und Pflichten von Frauen aktuell und konkret in Bezug auf den Kopftuchzwang, das familiäre Leben und bezüglich einer Vielzahl an weiteren gesellschaftlichen Einschränkungen bestehen. Weiterhin soll erläutert werden, wie der Koran aktuell interpretiert wird. Außerdem sollen die beiden grundlegenden Strömungen des Feminismus im Iran dargestellt werden. Im Fokus des darauffolgenden Kapitels steht der Ausdruck der weiblichen Protestkultur. Hier untersuche ich das Medium Frauenzeitschriften, zwei ausgewählte Kampagnen und das Medium Internet, um zu verdeutlichen, wie iranische Frauen aktiv für ihre Rechte kämpfen. Nachfolgend wird beschrieben, wie der Staat auf die Proteste reagiert, welche Erfolge dadurch bereits erzielt werden konnten und weshalb der internationale Druck auf den Staat bezüglich Frauenrechte im Iran so gering ausfällt. Abschließend soll in einem Ausblick geprüft werden, wie es um die Zukunft der Frauenrechte im Iran steht und ob die aktuellen Proteste eine Chance haben, das diskriminierende Rechtesystem zu verändern. Insbesondere hinsichtlich der begrenzten Länge dieser Arbeit gilt es zu beachten, dass ich mich in Bezug zur Auswahl der Theorie und der relevanten Gesetze und Proteste auf die wichtigsten Informationen beschränkt habe. Der Begriff des Staatsfeminismus oder auch Gleichstellungspolitik genannt, beschreibt den institutionalisierten Feminismus, der als Gegenstück zum Patriarchat verstanden werden kann.

2. Geschichtlicher Kontext der Frauenrechte im Iran

2.1 Das Schah-Regime 1941-1979

Frauenrechte im Iran unterlagen schon immer einer starken Fluktuation. Unter Schah2 Muhammad Reza Pahlavi, der ab 1941 die Staatsführung von seinem Vater Reza Schah Pahlavi übernahm, gewann das Thema Frauenrechte kontinuierlich an Bedeutung. Er führte den Staatsfeminismus weiter, den sein Vater in seiner Amtszeit von 1925 bis 1941 eingeleitet hatte. Eine große Errungenschaft für iranische Frauen war das im Jahre 1963 erkämpfte Wahlrecht und weitere Rechte zugunsten der Frau im Zuge der weißen Revolution. Diese war ein Reformprogramm, das dazu dienen sollte, den Iran nach westlichen Vorstellungen umzugestalten. Nichtsdestoweniger richtete sich die Regierung des Schahs weiterhin nach dem Islam und seinen Prinzipien aus, was die Gleichstellung von Mann und Frau, oder lediglich eine ökonomische Autonomie für Frauen weiterhin unmöglich machte (Vgl. Maghissi 1994: 44). Im Jahre 1967 wurde ein neues Familiengesetz vorgestellt, welches Frauen eine verbesserte Rechtslage im Bereich der Scheidung einbrachte. So hatten Frauen nun endlich die Möglichkeit sich unter bestimmten Umständen von ihren Männern scheiden zu lassen. Auf dieses Gesetz wird im späteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer eingegangen. Im Zuge dieses Familienschutzgesetzes verschärfte sich das Recht von Männern bezüglich Polygamie, während für temporäre Ehen keine Restriktionen eingeführt wurden. Temporäre Ehen können zwischen einer Stunde und 99 Jahren andauern und dienen dem sexuellen Vergnügen von Männern (Vgl. Haeri 2014: 218-129). Das Familienschutzgesetz behandelte zudem das Sorgerecht. Frauen konnten nun im Todesfall ihres Ehemanns das Sorgerecht für ihre Kinder erhalten, während es zuvor direkt an die Eltern des Ehemanns gegangen war (Vgl. Maghissi 1994: 45). Viele Punkte bezüglich des Familienrechts blieben jedoch unverändert. Nach einer Scheidung stand einer Frau weiterhin keine Unterhaltszahlung zu, bei Tod ihrer Eltern erbte sie nur die Hälfte des Betrages, den ihre Brüder erbten, und Männer konnten ihren Ehefrauen verbieten arbeiten zu gehen oder ins Ausland zu reisen. Außerdem besaß ein Mann sogar das Recht, seine Ehefrau, Mutter oder Schwester zu ermorden, wenn diese fremdgegangen war, um die Ehre seiner Familie zu retten. Das Familienschutzgesetz erhielt 1975 eine Erweiterung. Nach der Einführung des neuen Scheidungsrechts verließen viele Frauen der Oberschicht ihre Ehemänner, mit welchen die Ehe unerträglich geworden war und bemühten sich vor Gericht um das Sorgerecht für ihre Kinder. Nichtsdestotrotz war es für ledige oder geschiedene Frauen nahezu unmöglich einen Platz in der Gesellschaft zu finden und außerhalb ihrer Familie ein sicheres Leben aufzubauen. Sie konnten trotz Scheidung also weiterhin nicht selbstbestimmt leben (Vgl. Maghissi 1994: 45-46). Auch im Bildungssystem führte Mohammad Schah einige Verbesserungen durch. Viele Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, vor allem in der Provinz, besaßen zu Beginn seiner Amtszeit nicht die Möglichkeit zur Schule zu gehen und die Mädchen, die das Glück hatten zur Schule gehen zu können, wurden dort in den meisten Fällen lediglich auf ihre zukünftige Rolle als Mutter und Ehefrau vorbereitet. Diese Rolle nahmen die meisten Mädchen relativ früh ein, da sie legal ab dem 15. Lebensjahr mit Männern jeden Alters verheiratet werden konnten. In ländlichen Regionen stellte es jedoch die Norm dar, seine Tochter sogar noch früher zu verheiraten. Unter Mohammad Reza Schah wurde die Bildung von Mädchen und Frauen zunehmend gefördert, sodass beispielsweise im Jahre 1977/78, kurz vor dem Ende seiner Regierungszeit und der islamischen Revolution, 30,9 % der Universitätsbesucher weiblich waren (Vgl. Maghissi 1994: 47). Die Frauenquote in einigen Industrien stieg ebenfalls an, die Frauen arbeiteten jedoch größtenteils unter sehr schlechten Arbeitskonditionen. Viele besaßen keine Arbeitsversicherung, keine Krankenversicherung und es wurde keine Rücksicht darauf genommen, dass diese neben ihrer Arbeit ebenfalls ihre Kinder zu versorgen hatten (Vgl. Maghissi 1994: 48). Die Anzahl an Frauen in höheren Posten wie beispielsweise Managerpositionen überschritt nie die 2,8 % (Vgl. Mahdi 2004: 433). Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass Frauen trotz Staatsfeminismus weiterhin am Rande der Gesellschaft angesiedelt waren. Dabei gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass es iranischen Frauen freigestellt war, ob sie sich mit Kopftuch oder Tschador, also einem langen, den Kopf und teilweise das Gesicht und den Körper bedeckenden Schleier verhüllen wollten oder nicht. Unter Imam Reza Schah wurde Ende der 1920er Jahre im Zuge seiner Westorientierung sogar ein Schleierverbot erlassen (Vgl. Abid 2001: 95). Der Staatsfeminismus von Mohammad Reza Schah ging so weit, dass er eine iranische Frauenorganisation ins Leben rief, deren Funktion es war, Frauen in die Politik einzubeziehen und gegenüber des Westens, und auch innerhalb des Irans das Bild eines modernen Staates zu erzeugen, der sich um die Rechte der Frauen kümmert und deren Stellung in der Gesellschaft verbessert (Vgl. Maghissi 1994: 51). Gleichzeitig saßen jedoch hunderte weiblicher politischer Gefangener in den Gefängnissen Irans. Darüber hinaus wurden in den letzten sieben Jahren seiner Amtszeit nicht weniger als 42 liberal denkende Frauen im Kampf mit dem Militär auf den Straßen getötet (Vgl. Mahdi 2004: 433). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die gesellschaftliche Situation der iranischen Frau und ihre Rechte unter Mohammad Reza verbessert haben, jedoch fand weiterhin eine starke Diskriminierung und Kontrolle statt, da die Unterwerfung der Frau als der Grundpfeiler zu sehen ist, auf dem die Identität iranischer Frauen aufgebaut war (Vgl. Maghissi 1994: 44).

2.2 Die islamische Revolution von 1979

Am 16. Januar 1979 veränderte sich die iranische Gesellschaftsordnung radikal. Der Monarch Mohammad Schah wurde gestürzt und es folge die Ausrufung der Islamischen Republik. Die Wurzeln der islamischen Revolution von 1979 gehen bereits auf das Jahr 1908 zurück, als von den Erdölvorkommen im Iran lediglich die Oberschicht profitierte. Dies trug dazu bei, dass die Wohlstandsschere zunehmend auseinanderklaffte und in sozialen Unstimmigkeiten gipfelte. Die Bevölkerung wünschte sich eine gerechtere Aufteilung der materiellen Güter. Ein weiterer Grund für den Sturz des Monarchen war das immer größer werdende Verlangen der Bevölkerung nach Meinungsfreiheit. Viele Traditionalisten3 waren zudem der Meinung, dass unter dem Regime des Schahs und seinem Plan der Verwestlichung des Irans das Thema Freizügigkeit eine zu bedeutsame Rolle spielte. Sie waren darüber besorgt, dass Bilder von westlichen Frauen ihren eigenen Ehefrauen und Kindern falsche Ideen in den Kopf setzen würden und sahen die als Bedrohung der gesellschaftlichen und religiösen Ordnung an. Grundsätzlich vertraten sie den Standpunkt, dass die Rechte der Frau wieder mehr eingeschränkt werden sollten, da sie beispielsweise mit dem von Mohammad Reza Schahs eingeführten Familienschutzgesetz nicht einverstanden waren. Die gesellschaftliche Rolle des Islams sollte wiederhergestellt werden, da der Islam für diese traditionellen Iraner, Männer und Frauen, einen identitätsgebenden Faktor darstellte. So begannen im Jahre 1978 die ersten Demonstrationszüge durch die Hauptstadt Teheran, bis am 16. Januar 1979 der Monarch gestürzt wurde, er aus dem Land flüchtete und die Islamische Republik ausgerufen wurde (Vgl. Nowkam 2003: 19-20). Die Islamisierung der Gesellschaft und die damit einhergehende radikale gesellschaftliche Veränderung schlug sich in vielen Bereichen nieder und schränkte die Rechte der Frau drastisch ein. Die Wiedereinführung des Hidschabzwangs unter Gewaltandrohung war nur eine der vielen Einschnitte in die Grundrechte der iranischen Frauen (Vgl. Abid 2001: 23). Unverzüglich nach der Wahl von Ruholla Khomeini zum Präsidenten der islamischen Republik implementierte dieser - entgegen der Erwartung des Volks - die Scharia und institutionalisierte damit die Geschlechterungleichheit. Es folgte die Abschaffung des Familienschutzgesetzes, sowie die Einführung des islamischen Rechts. Kleine Mädchen durften nun schon ab dem Alter von 9 Jahren verheiratet werden und erhielten im Gegensatz zu Jungen gleichen Alters strafrechtliche Verantwortlichkeit. Mütter verloren erneut bei einer Scheidung oder bei Tod des Ehemannes automatisch das Sorgerecht für ihre Kinder (Vgl. Kian 1997: 75-77). Dies war nicht das Ziel der Frauen, die in der Revolution gekämpft hatten. Die Frau nimmt in der iranischen Verfassung eine sehr ambivalente Stellung ein. Einerseits wird sie als ein des männlichen Schutzes bedürftiges Wesen dargestellt, andererseits wird ihr Dasein durch zahlreiche Sittengesetze eingeschränkt (Vgl. Parhisi 2010: 310). Darüber hinaus wurde nun Mutterschaft als die Seele der neuen Verfassungsordnung angesehen. Von Frauen wurde nun erwartet sich ausschließlich auf ihre traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter zu konzentrieren. Aus diesem Grund wurden viele von ihnen aus ihren Arbeitsverhältnissen entlassen, beispielsweise waren nach der Revolution lediglich 6,5 % der Mitarbeiter im Industriegewerbe Frauen, und Berufe wie Richterin oder Rechtsanwältin wurden ihnen komplett untersagt. Frauen hatten nun nicht mehr das Recht einen militärischen Rang einzunehmen und im Parlament war die Anzahl an Frauen an einer Hand abzuzählen. Religiöse und rechtliche Führung war in der iranischen Verfassung, abgesehen vom Vizepräsidentenamt, nur für Männer vorgesehen (Vgl. Abid 2001: 23). Lediglich im Bereich der Kindererziehung und dem Gesundheitswesen waren weiterhin Frauen erwünscht. Hierzu äußerte sich in der iranischen Frauenzeitschrift Zanan die Soziologieprofessorin Zhaleh Shaditalab4:

Following the revolution, everything which remained from the pre-revolutionary time was rejected…Under the pretext that the West and its mode is evil, women were dismissed from the administrative system, and the home was considered the best and most suitable place for them… [Kian 1997:77]

Auch im Bereich des Bildungswesens mussten Frauen nun Einschränkungen hinnehmen. Eine Vielzahl an gemischten Schulen wurde geschlossen, da Mädchen nun nicht mehr von männlichen Lehrern und Professoren unterrichtet werden sollten. Viele Studiengänge, unter anderem Veterinärmedizin, naturwissenschaftliche Fächer, Agrarwissenschaften und auch künstlerische Fächer waren unter dem Vorwand Frauen seinen aus sozialen, moralischen, psychischen und physischen Gründen ungeeignet für derartige Berufe, nicht länger für sie zugänglich (Vgl. Schuckar 2003: 191f). Vor Gericht waren zudem die Auswirkungen von Khomeinis Geschlechterpolitik zu sehen. Zeugenaussagen von Frauen wurden, basierend auf der Scharia, nun weniger Glaubwürdigkeit geschenkt als der eines Mannes (Vgl. Abid 2001: 23). Eine weitere Einschränkung ist darin zu sehen, dass Morgengabe, die sogenannte mahr nun sehr hoch angesetzt wurde und stetig erhöht wurde. Die mahr wird offiziell bei der Heirat an die Frau oder ihre Familie ausgezahlt. Außerdem war es für Frauen ein sehr langwieriger und komplizierter Prozess ihre Morgengabe nach der Hochzeit oder während der Ehe einzufordern. Aus diesem Grund waren Frauen nun finanziell noch abhängiger von ihren Ehemännern als zuvor (Vg.l Nowkam 2003: 79f) Außerehelicher Geschlechtsverkehr und Ehebruch wurden nun mit Peitschenhieben und Steinigung bestraft, da die Scharia es so vorsieht (Vgl. Schuckar 2003: 190). Die politischen Rechte, die sich die Frauen in den letzten Jahren vor und während der Revolution erkämpft hatten, blieben ihnen jedoch erhalten. Sie besaßen weiterhin das Recht wählen zu gehen, und wurden sogar von Staatsoberhaupt Khomeini dazu ermutigt dieses Recht zu nutzen. Durch die große Partizipation von Frauen an der Revolution war er gezwungen, ihre politischen Rechte zu unterstützen, da sie sich diese seiner Ansicht nach verdient hatten und Gott zufrieden war mit ihrer Arbeit (Vgl. Kian 1997: 76-78). Die zuvor genannten Einschränkungen der Frau waren jedoch nicht das, was Khomeini vor seiner Wahl versprochen hatte. Anstatt der maskulinen Hegemonie hatte dieser ursprünglich verkündet, demokratische Freiheiten und die Gleichberechtigung von Mann und Frau einzuführen (Vgl. Hutter 2009: 69f). Stattdessen wurden neue politische Organe kreiert, die alle Entscheidungen auf ihre islamischen Grundwerte kontrollieren sollten. Dies implizierte die Unterbindung jeglicher Art von Emanzipation der Frau. Dieses neue politische System der sogenannten welajat-e fagih, der absoluten Herrschaft der Geistlichkeit im Iran, beinhaltet, dass wichtige politische Organe hauptsächlich von Geistlichen besetzt werden, um sicherzugehen, dass alle verabschiedeten Gesetze auf islamischen Prinzipien basieren (Vgl. Nowkam 2003: 23-25). Die darauffolgende Unzufriedenheit unter iranischen Frauen führte zu einer starken Vermehrung von unabhängigen Frauenorganisationen und zur Gründung islamischer Frauenzeitschriften, auf die im späteren Verlauf dieser Arbeit noch eingegangen wird (Vgl. Maghissi 1994: 1). Die Revolution brachte jedoch nicht nur negative Aspekte bezüglich Geschlechtergleichheit mit sich, denn bei Frauen war nun ein gestiegenes Bildungsniveau zu beobachten. Tatsächlich waren nach Wiedereröffnung der Universitäten 1982 63 % der Universitätsbesucher weiblich. Es musste sogar eine Männerquote eingeführt werden, um den Ansturm einzudämmen. Auf dieses Phänomen wird in einem späteren Kapitel eingegangen. Die verfassungsrechtliche Bildungsgarantie ist die einzig positive Entwicklung seit der Einführung der iranischen Verfassung, die als oberstes Verfassungsprinzip eine sogenannte „Ewigkeitsgarantie“ für den Islam eingeführt hat (Vgl. Parhisi 2010: 119, 310). Der Islam soll das Bindeglied zwischen Staat und Gesellschaft darstellen und zur inneren Festigkeit dienen (Vgl. Parhisi 2010: 122).

2.3 Die Amtszeit Präsident Khatamis ab 1997

Am 23. Mai 1997 wurde der liberale Seyyed Mohammad Khatami, ehemaliger Kultusminister, in der ersten demokratischen Wahl nach der islamischen Revolution zum reformierten Präsidenten gewählt (Vgl. Nowkam 2003: 13). Bei dieser Wahl bewarben sich auch zum ersten Mal Frauen, sie machten jedoch lediglich ca. 4 % der Wahlkandidaten aus. Khatami gewann diese Wahl mit 70 % der Stimmen, die er zum großen Teil den iranischen Frauen und der Jugend zu verdanken hatte (Vgl. Nowkam 2003: 95f). Die Wahl Khatamis war für sie ein Protest gegen die damalige gesellschaftliche Situation und gegen die Konservative Elite an der Macht (Vgl. Nowkam 2003: 14). Vor seiner Wahl propagierte er, in seiner Amtszeit gleiche Rechte für Frauen und Männer einführen zu wollen, ebenso wie Meinungsfreiheit, soziale Sicherheit und die Wahrung der Menschenrechte. Die Rechte von Frauen, Jugendlichen und Intellektuellen sollten unter Berücksichtigung islamischer Regeln gelockert werden (Vgl. Nowkam 2003: 94f). Kurz nach seiner Wahl setze Khatami die ersten Gesetzesentwürfe zugunsten der Frau durch – die Reformation des Gesetzes zur Morgengabe und die Verbesserung der Frauenrechte bezüglich der Scheidung (Vgl. Nowkam 2003: 13). Ebenso machte er eine Frau zu seiner Vizepräsidentin und stellte stetig weitere Beraterinnen ein (Vgl. Nowkam 2003: 97). Dies gab den Frauen Hoffnung und sie waren der Überzeugung, dass sich ihre Rolle in der Gesellschaft nun endlich zum Besseren wenden würde. Tatsächlich konnten Frauen unter seinem Regime endlich wieder buntere Kopftücher und kürzere Mäntel, ja sogar offene Schuhe tragen. Es war nicht länger verboten, auf den Straßen iranische Popmusik zu hören. Er appellierte an die Iraner, dem Westen offener gegenüberzustehen und legte großen Wert darauf, die kulturelle Stellung der Frau zu verbessern. Er vertrat die Meinung, dass Frauen und Männer zwar unterschiedlich seien, jedoch nicht einander über- oder untergeordnet (Vgl. Parhisi 2010: 274-276). Zudem plädierte er für eine weiter gefasste Interpretation der islamischen Texte, sie sollten menschenrechtsorientierter und hermeneutischer betrachtet werden (Vgl. Parhisi 2010: 276). Leider wurde Khatami trotz allem seinen Wahlversprechen nicht gerecht. Er lehnte viele Gesetzesentwürfe ab, da sie ihm zu unislamisch erschienen und unter seinem Regime wurden ebenfalls viele repressive Maßnahmen ergriffen, wie beispielsweise das Verbot einiger Zeitschriften, die er als unislamisch empfand. Im Jahre 1999 kamen die ersten Studentenunruhen seit 1979 auf, welche die erste richtige Kritik an der Führung Khatamis zum Ausdruck brachten, sowie den großen Wunsch nach Demokratie und Freiheit. Die Unruhen endeten schon nach wenigen Tagen blutig und bewegten Khatami nicht zu einer Änderung seines Führungsstils (Vgl. Nowkam 2003: 98) Er wurde trotzdem 2001 erneut zum Präsidenten gewählt. Dies geschah aus Angst, die neu gewonnenen Freiheiten für Frauen zu verlieren, da die alternativen Präsidentschaftskandidaten sehr konservativ waren (Vgl. Nowkam 2003: 97-99). In seiner zweiten Amtszeit lockerte Khatami die Rechte für Frauen langsam weiter auf. Das Mindestalter zur Verheiratung junger Mädchen wurde nun auf 13 Jahre erhöht und Frauen durften allein für ein Studium ins Ausland gehen und brauchten nicht länger die Erlaubnis ihres Ehegatten (Vgl. Hoodfar 1999: 23). Letztendlich kann festgehalten werden, dass Khatami den Erwartungen vor allem der weiblichen Bevölkerung nicht gerecht wurde, jedoch den Frauen und Reformern durch seinen überzeugenden Wahlkampf Mut verschaffte und sie psychologisch stärkte. Somit erreichte der Kandidat Khatami mehr als der Präsident Khatami in Bezug auf die Verbesserung der Geschlechterungleichheit (Vgl. Nowkam 2003: 104).

3. Gesetzlich verankerte Rechte und Pflichten der iranischen Frau

3.1 Der Verhüllungszwang

Die Kopftuchpflicht ist das auffälligste sichtbare Zeichen für die Ungleichheit der Geschlechter in der Gesellschaft Irans (Vgl. Hutter 2009: 66). Sie wird als die Basis für weibliche Immunität bezeichnet und wird von der Regierung nicht als Einschränkung angesehen (Vgl. Abid 2001: 94). Kopftücher und iranische Frauen haben über die Zeit ein gespaltenes Verhältnis zueinander entwickelt, welches im Folgenden näher erläutert werden soll. (Vgl. Parhisi 2007:311) Unter Reza Schah war es Frauen freigestellt, ob sie Kopftuch oder Tschador tragen wollten. Unter Imam Reza Schah wurde Ende der 1920er Jahre wie zuvor bereits erwähnt sogar ein Schleierverbot erlassen, da der Iran verwestlicht werden sollte. Dies führte dazu, dass das Tragen des Hidschabs zu einem Teil einer Protestkultur gegen die kulturelle Entfremdung und den Imperialismus des Westens darstellte (Vgl. Abid 2001: 95). Der befreiende und revolutionäre Aspekt des Hidschabs änderte sich jedoch schlagartig nach der islamischen Revolution. Nun waren ausnahmslos alle Frauen gezwungen, sich zu verschleiern. Tatsächlich aber konnten iranische Frauen durch das nach der Revolution erlassene Gesetz ihre Stellung in der Gesellschaft insgesamt verbessern. Aufgrund der allgemeinen Gültigkeit des Gesetzes war nun kein äußerer Unterschied mehr zwischen gebildeten und ungebildeten Frauen wahrzunehmen. Durch ihr asexuelles Erscheinungsbild, welches fremde und eigene sexuelle Impulse abwehren sollte, war es Frauen möglich die Universität zu besuchen, verschiedene Berufe auszuüben und dadurch wirtschaftliche Emanzipation zu erlangen. Die Verhüllung schütze sie vor Belästigungen im höheren Bildungswesen und am Arbeitsplatz. Aus diesem Grund waren Väter und Ehemänner eher gewillt ihre Töchter und Frauen derartige Tätigkeiten zu gestatten. Das Kopftuch oder der Tschador entwickelte sich somit zu einem Merkmal ihrer Identität, welches ihnen gesellschaftliche Akzeptanz verschaffte und ihnen vielerlei Möglichkeiten eröffnete (Vgl. Parhisi 2010: 311). Im heutigen Iran sorgt die Kleidung der Frau weiterhin für öffentliche Diskussion und bleibt ein Politikum (Vgl. Abid 2001: 95). Mit der Einführung eines neuen Gesetzes zu Beginn der 90er Jahre wurden Frauen nun mit einer Verwaltungsstrafe belehrt, wenn sie sich nicht an die vom Staat festgelegten Kleidungsvorschriften hielten (Vgl. Abid 2001: 97). Diese beinhalten das Kopftuch, einen langen, knie- bis knöchellangen Mantel und eine lange Hose. Durch verschiedene Farben und Muster können dezente Akzente gesetzt werden. Viele Frauen tragen unter dieser vorgeschriebenen Bekleidung bunte, modische Kleidung die dann zu Hause oder bei Besuchen zum Vorschein kommt. Der Tschador wird meist von Frauen aus religiösen Kreisen getragen (Vgl. Abid 2001: 98). Auch mehrere Schichten des Hidschabs zu tragen ist ein Anzeichen für eine sehr konservative Einstellung der Trägerin. Außerdem können durch unterschiedliche Trageweisen verschiedene politische Statements gemacht werden, indem Akzente durch Farben gesetzt werden. Inwieweit der Haaransatz zu sehen sein darf ist von Region zu Region unterschiedlich und ist in konstanter, stiller Verhandlung (Vgl. Keddie und Karimkhany 2001: 138f). Viele islamische Frauenzeitschriften vertreten die Meinung, dass der Hidschab aus persönlicher Überzeugung getragen, und nicht erzwungen werden sollte, da das Tragen sonst seinen moralischen Wert verliere (Vgl. Abid 2001: 97). Viele iranische Frauen sind außerdem der Ansicht, dass mit dem Kopftuchzwang nur das Äußere der Frau gesehen wird, und innere Werte und Charaktereigenschaften außer Acht gelassen werden. Selbst sehr religiöse geprägte Frauen sind demnach oft nicht zufrieden mit diesem Gesetz (Vgl. Abid 2001: 99). Seit 1981 wurden immer mehr Gesetze erlassen, welche Strafen für das Nichteinhalten des Hidschabgesetzes festlegen. So mussten Frauen im Laufe der Zeit mit Geldstrafen, Peitschenhieben oder sogar Gefängnis rechnen, wenn sie sich dem Staat nicht beugen wollten und sich in der Öffentlichkeit nicht verschleierten. Seitdem existiert eine öffentliche Diskussion über richtige und falsche Art der Verschleierung und darüber, ab welchem Punkt eine Frau für eine Überschreitung verhaftet werden kann (Vgl. Schuckar 2003: 188). Im Iran existiert eine sogenannte Gashte ershad, eine Sittenpolizei, deren Aufgabe es ist alle islamischen Gesetze bezüglich Kleidung, und Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht durchzusetzen. Wenn eine Frau ohne Kopftuch von der Sittenpolizei erwischt wird, und diese nach einer Aufforderung zum Bedecken ihres Haars nicht folgt, wird sie verhaftet (Vgl. Jalaeipour 2006: X). Dann wird sie zum sogenannten Vozara gebracht, einem temporären Gefängnis für Frauen, wo sie über das korrekte Tragen des Hidschabs belehrt wird. Außerdem werden ihre Fingerabdrücke genommen und Fotos gemacht. Bevor sie wieder entlassen werden kann, muss ein Verpflichtungsvertrag unterschrieben werden. Erst dann kann sie von ihrer Familie abgeholt werden, die ihr einen weiten Hidschab mitbringt, damit sie sich verschleiern kann, bevor sie das Gefängnis verlässt. Bei weiteren Vergehen werden Frauen stärker bestraft, beispielsweise mit zuvor erwähnten Geldstrafen, Peitschenhieben oder einer Gefängnisstrafe (Vgl. Hamzehei 2014: 13). Viele Frauen begannen in den letzten Jahren den Hidschabzwang etwas lockerer zu nehmen, da sie sich nach ihren eigenen Regeln bedecken wollten, wenn sie schon zur Verschleierung gezwungen waren. Viele Frauen tragen nun offene Schuhe, betonen die Form ihres Körpers durch engere Kleidung mehr und tragen ihr Kopftuch so, dass ein Großteil der Haare nicht bedeckt sind (Vgl. Abid 2001: 99). Durch diesen stillen Widerstand wird das Leben, speziell im Sommer unter den gleißenden Temperaturen Irans erträglicher. Diese Form der Bekleidung produzierte in der Gesellschaft den Begriff „bad hijabi“, zu Deutsch schlechter Hidschab. „Good hijabi“ wird verwendet, um Frauen zu beschreiben, die dunkle Kopftücher und weite Kleidung tragen (Vgl. Asghar 2015: 8). Alles in allem zeigt sich, dass das Kopftuch aktuell als Symbol für die weibliche Unterwerfung unter dem Regime angesehen werden kann und für die islamische Ideologie wirbt (Vgl. Keddie und Karimkhany 2001: 138). Der Kopftuchzwang ist somit eine wichtige Komponente der Politisierung der iranischen Frau (Vgl. Keddie und Karimkhany 2001: 139).

3.2 Das Familienrecht im Iran

Das iranische Eherecht ist recht komplex in Bezug auf Scheidungen, Sorgerecht und finanzielle Aspekte, und hat sich in den letzten 100 Jahren stark verändert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, unter Reza Schah, hatten Männer das alleinige Recht sich grundlos scheiden zu lassen. Es genügte lediglich eine Verstoßungsformel in Gegenwart zweier weiterer Männer auszusprechen, die Frau musste demnach nicht einmal präsent sein, um geschieden zu werden (Vgl. Nowkam 2003: 37f) Zu Beginn der 1930er Jahre waren Männer gezwungen für eine Ehescheidung in ein Notariatsbüro zu gehen und sie dort einzureichen. Frauen konnten sich weiterhin nicht ohne Grund scheiden lassen (Vgl. Nowkam 2003: 40f). Sie hatten nun jedoch die Möglichkeit sich einvernehmlich scheiden zu lassen, meist aber nur, wenn sie auf ihre Brautgabe, die sogenannte mahr, verzichteten oder ihrem Ehemann Geld für die Scheidung anboten (Vgl. Nowkam 2003: 45). Frauen hatten auch die Möglichkeit bei der Eheschließung im Ehevertrag einige Klauseln einzubringen, die ihnen in besonderen Fällen das Recht zur Scheidung gewährten. Beispiele dafür sind, die Unauffindbarkeit des Ehemanns, im Fall von Härte und Bedrängnis, oder bei plötzlichem Stopp der Unterhaltszahlung gegenüber der Ehefrau. Außerdem musste der Mann nun bei einer Eheschließung offenlegen, ob er bereits verheiratet war (Vgl. Nowkam 2003: 43f). Polygamie stand und steht Männern immer noch frei. Ihnen ist es gestattet bis zu vier Ehefrauen gleichzeig zu besitzen und zudem eine unlimitierte Anzahl an Ehefrauen auf Zeit (Vgl. Nowkam 2003: 45). Dadurch soll Prostitution und Ehebruch präventiv verhindert werden (Vgl. Haeri 2014: 218-129). Mit der Einführung des Familiengesetzes von 1967 und mit seiner Erweiterung 1975 verlängerte sich die Liste von Scheidungsgründen für Frauen. Nun durften sich Frauen auch scheiden lassen, wenn ihr Ehemann mehr als fünf Jahre ins Gefängnis musste, bei Drogenabhängigkeit seinerseits, bei einer schwer zu behandelnden Krankheit, bei Geisteskrankheit, Zeugungsunfähigkeit oder bei einer weiteren Heirat ohne Zustimmung der Ehefrau. Für manche dieser Scheidungsgründe war es jedoch sehr schwer Beweise zu erbringen (Vgl. Nowkam 2003: 46-50). Die Aufhebung des Familienschutzgesetzes nach der islamischen Revolution führte zu einem Anstieg von grundlosen Scheidungen von Seiten der Männer und ebenso zu einem stetigen Anstieg der Polygamie (Vgl. Schuckar 2003: 190f). Polygamie wirkt sich schlecht auf die finanzielle Situation der Ehefrau aus, da sie umso weniger Haushaltsgeld von ihrem Mann erhält, je mehr Ehefrauen er zur selben Zeit hat. Außerdem wirkt sich Polygamie auf den Erbanteil für Frauen und Kinder aus, da das Geld im Todesfall gerecht auf alle aufgeteilt werden muss (Vgl. Nowkam 2003: 58). Voreheliche Beziehungen sind laut Scharia nicht erlaubt. Vor der Hochzeit benötigt eine Frau die schriftliche Zustimmung ihres Vaters, oder die des nächsten männlichen Verwandten, falls der Vater bereits verstorben ist (Vgl. Kazemi-Trensch 2003: 147, 156). Im heutigen Iran erhalten Frauen bei einer Scheidung seitens des Ehemanns eine finanzielle Abfindung für ihre Tätigkeiten während der Ehe, beispielsweise für das Stillen oder die Betreuung der gemeinsamen Kinder (Vgl. Nowkam 2003: 52). Im Ehevertrag können heutzutage ebenfalls weitere Klauseln zum Schutz der Frau angegeben werden, beispielsweise eine Reiseerlaubnis des Ehemanns, Erwerbserlaubnis, oder eine Verpflichtung des Ehemanns das Studium seiner Frau finanziell zu unterstützen (Vgl. Nowkam 2003: 54). Ferner wurde die Situation der Frau im Bereich des Sorgerechtes verbessert. Im Falle einer Scheidung oder Tod des Ehemanns fiel das Sorgerecht zuvor direkt an die Eltern des Ehemannes, wenn der Sohn mindestens zwei Jahre alt und die Tochter mindestens neun Jahre alt war (Vgl. Nowkam 2003: 81). Heutzutage wird im Interesse des Kindes entschieden (Vgl. Abid 2001: 104). Das Mindestheiratsalter für Mädchen liegt im Moment bei 13 Jahren, in Ausnahmefällen ist sogar eine Ehe mit neun Jahren legal. Kinderehen sind somit weiterhin laut Verfassungsordnung erlaubt (Vgl. Matlabil et al. 2013: 1). Die iranische Frau wird als das Bindungsglied zwischen der islamischen Gesellschaft und der Familie betrachtet. So gilt diese als Basis des islamischen Staats, die laut Koran Beeinträchtigung erfährt, wenn die Frau neben der Rolle als Ehefrau und Mutter auch eine gesellschaftliche Stellung einnimmt (Vgl. Parhisi 2010: 162f).

[...]


1 Als Hidschab wird ein islamisches Kopftuch bezeichnet

2 Deutsch: Herrscher

3 Anhänger einer anti-modernen Weltanschauung

4 Iranische Feministin und Autorin

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Die gegenwärtige gesellschaftliche Situation der Frau im Iran. Zwänge und Chancen
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Translation und Mehrsprachige Kommunikation)
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
43
Katalognummer
V495120
ISBN (eBook)
9783346001900
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Iran, Feminismus, Proteste, Islam, Islamische Feministinnen
Arbeit zitieren
Sabrina Raff (Autor), 2019, Die gegenwärtige gesellschaftliche Situation der Frau im Iran. Zwänge und Chancen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495120

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