Einleitung
„Die Wurzeln der linguistischen Gesprächsanalyse sind in der (amerikanischen) Ethnomethodologie zu suchen, d.h. in der Beschäftigung mit Ordnungen und Strukturen, die dem Handeln und den Interaktionen der Menschen in verschiedenen Kulturen und Ethnien zugrunde liegen.“ (Linke/Nussbaumer/Portmann 1994, S.258).
Über Gesprächsanalyse lässt sich im Allgemeinen sagen, dass ihr Gegenstandsbe-reich fast ausschließlich die ‚gesprochene Sprache’ ist. Die Analyse beschäftigt sich in erster Linie mit den verschiedenen sprachlichen Verhaltensweisen der Gesprächspartner. Allerdings legt die Forschung nicht nur Wert auf die Sprache, sondern auch auf körperliche Gestikulation und Mimik. Um diese Verhaltensweisen gut analysieren zu können werden in der Forschung gerne Ton- und Videoaufzeichnungen, genauer gesagt Transkripte von Gesprächen verwendet.
Einige Bereiche der Gesprächsanalyse sind unter anderem der Zusammenhang zwischen Rede und Gegenrede, die Rollenverteilung während eines Sprechaktes, die Sprecherwechsel, der Anfang und das Ende eines Gesprächs und die Themenwahl.
Weiterhin beschäftigt sich die Forschung mit der „Aufdeckung unbewusster Regeln und Automatismen“ (Linke/Nussbaumer/Portmann 1994, S.259).
In meiner Arbeit beschäftigen mich unter anderem Fragen wie:
Wie kommt man in einem Gespräch zu Wort?
Wie erfolgt der Sprecherwechsel?
Woran merkt man, wenn ein Gesprächsbeitrag zu Ende ist?
Wie ist die Rollenverteilung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsgegenstand ‚Gespräch’
3. Die ‚Teile’ des Gespräch
3.1 Die Anfangsphase des Gesprächs
3.2 Die Gesprächsmitte (Hauptteil)
3.3 Die Beendigungsphase
4. Kategorien der Gesprächsanalyse
4.1 Mikrostruktur
4.2 Makrostruktur
4.2.1 Die Anfangsphase des Gesprächs
4.2.2 Die Gesprächsmitte (Hauptteil)
4.2.3 Die Beendigungsphase
5. Beteiligungsrollen
6. Analysekategorien
6.1 Sprecherwechsel
6.2 Formen des Sprecherwechsels
6.3 Sprecher
6.4 Hörer
6.5 Organisationspannen und Reparaturmechanismen
6.6 Funktion der Partikel
6.7 Funktion nonverbalen Verhaltens
7. Methodologischer Exkurs
7.1 Transkription
8. Zum Verhalten benachbarter Gesprächsbeiträge
8.1 Initiierung vs. Respondierung
8.2 Paarigkeit von Gesprächsbeiträgen
8.3 Responsivität und Nicht-Responsivität
8.4 Textuelle Verknüpfung von Gesprächsbeiträgen
9. Die Rollen der Gesprächspartner
9.1 Institutionelle bzw. organisatorische Rollen
9.2 Akzidentelle funktionale Rollen
9.3 Feste soziale Rollen
10. Wichtige Gesprächsregeln
11. Fazit
12. Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Strukturen und Mechanismen mündlicher Kommunikation, um ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Gespräche organisiert sind, wie Rollen verteilt werden und welche Regeln das Gelingen von Interaktionen bestimmen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie Gesprächsteilnehmer durch sprachliche und nonverbale Mittel koordiniert interagieren.
- Strukturmodelle von Gesprächen (Anfangs-, Haupt- und Beendigungsphase)
- Mechanismen des Sprecherwechsels und Interaktionsrollen
- Funktion von Partikeln und nonverbalem Verhalten in der Interaktion
- Methoden der Transkription und Gesprächsanalyse
- Regeln für erfolgreiches Gesprächsverhalten
Auszug aus dem Buch
4.1 Mikrostruktur
Die Mikrostruktur von Gesprächen gibt sich vor allem in der Abfolge und in Zusammenspiel der Gesprächsbeiträge sowie in der Art und Weise des Sprecherwechsels zu erkennen und wird überlagert von der Makrostruktur. (Linke/Nussbaumer/Portmann 1994, S.282)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema in der Ethnometodologie und definiert das Interesse an den unbewussten Regeln und Strukturen mündlicher Kommunikation.
2. Forschungsgegenstand ‚Gespräch’: Dieses Kapitel beleuchtet das Gespräch als grundlegende Form des Sprachgebrauchs und unterscheidet zwischen inhalts- und organisationsorientierten Analyseperspektiven.
3. Die ‚Teile’ des Gespräch: Hier wird die makrostrukturelle Unterteilung eines Gesprächs in Anfangs-, Haupt- und Beendigungsphase theoretisch und praxisnah dargelegt.
4. Kategorien der Gesprächsanalyse: Das Kapitel differenziert zwischen der Mikrostruktur (Sprecherabfolge) und Makrostruktur (Phasenverlauf) von Interaktionen.
5. Beteiligungsrollen: Es wird die Bedeutung aktiver Hörer- und Sprecherrollen sowie deren gegenseitige Beeinflussung durch verbale und nonverbale Signale erörtert.
6. Analysekategorien: Dieser zentrale Teil untersucht die Details der Gesprächsorganisation, vom Sprecherwechsel und Reparaturmechanismen bis hin zur Funktion von Partikeln und nonverbalem Verhalten.
7. Methodologischer Exkurs: Es werden der hermeneutische Ansatz sowie Techniken der Transkription als wissenschaftliche Grundlage der Gesprächsanalyse erläutert.
8. Zum Verhalten benachbarter Gesprächsbeiträge: Das Kapitel analysiert, wie Gesprächsbeiträge aufeinander bezogen sind, etwa durch Paarigkeit (Frage-Antwort) oder Responsivität.
9. Die Rollen der Gesprächspartner: Hier werden unterschiedliche Rollenkonstellationen, wie institutionelle oder feste soziale Rollen, in ihrer Auswirkung auf das Gesprächsgefüge beschrieben.
10. Wichtige Gesprächsregeln: Zusammenstellung praktischer Verhaltensweisen, die ein produktives und wertschätzendes Gesprächsklima fördern.
11. Fazit: Die Autorin reflektiert die Erkenntnis, dass erfolgreiche Kommunikation durch gegenseitige Rücksichtnahme und Bewusstmachung der eigenen Gesprächsstruktur möglich wird.
12. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Gesprächsanalyse, Ethnometodologie, Sprecherwechsel, Mikrostruktur, Makrostruktur, Gesprächsphasen, Kommunikation, Partikeln, nonverbales Verhalten, Transkription, Interaktion, Turn-taking, Gesprächsrollen, Kommunikationsregeln, Responsivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den linguistischen Grundlagen der mündlichen Kommunikation und analysiert, wie Gespräche strukturiert sind und funktionieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Phasenstruktur von Gesprächen, Sprecherwechsel-Mechanismen, nonverbale Kommunikation, Rollenverteilung und Gesprächsregeln.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die unbewussten Strukturen und Regeln zu schaffen, die mündliche Interaktionen steuern und ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den hermeneutischen Ansatz der Gesprächsanalyse und stützt sich auf die Aufbereitung von Gesprächen durch Transkription.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mikro- und Makrostrukturen von Gesprächen, Beteiligungsrollen, Reparaturmechanismen sowie die Funktion von Partikeln und Mimik/Gestik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Gesprächsanalyse, Sprecherwechsel, Interaktion, Kommunikation und Gesprächsphasen sind die zentralen Begriffe.
Wie gehen Gesprächspartner mit Kommunikationspannen um?
Laut Kapitel 6.5 können Pannen wie Schweigen oder Unterbrechungen durch Reparaturmechanismen behoben werden, etwa indem der Vorredner das Wort wieder übernimmt oder der Unterbrochene den Satz beendet.
Welche Bedeutung haben Partikeln für den Gesprächsverlauf?
Partikeln dienen als redeleitende Elemente, die Pausen füllen, den Informationsverlust bei Überlappungen minimieren oder eine inhaltliche Absicherung/Abtönung ermöglichen.
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- Theresa Wachauf (Author), 2003, Grundlagen der mündlichen Kommunikation. Die Gesprächsanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49513