Mutterschaft in der Adoleszenz und das Bild der guten Mutter

Veränderung der Rolle und Stellung der Frau in der Gesellschaft


Hausarbeit, 2016
29 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frühe Mutterschaft
2.1. Soziodemografische Daten
2.2. Definition Adoleszenz
2.3. Definition Mutterschaft

3. Das Bildnis der guten Mutter
3.1. Das normative Muster der guten Mutter: Mutterliebe und Mutteridentität
3.2. Mutterliebe und Mutteridentität im historischen Wandel

4. Sozialisationsaspekte Jugendlicher und persönliche Ableitung auf das Mutterbild
4.1. Familie
4.2. Peer Group
4.3. Schule
4.4. Medien

5. Das Leben als junge Mutter veranschaulicht anhand einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „Wenn Teenager Eltern werden“
5.1. Junge Mütter ohne Partner

6. Fazit

1. Einleitung

Teenager und gleichzeitig Mutter sein – zwei komplett unterschiedliche Lebenslagen. Die frühe Mutterschaft ist ein radikaler Bruch, der eine große Veränderung der gewohnten Lebenswelt mit sich bringt.

Das Phänomen der frühen Mutter ist in aller Munde. Die Medien präsentieren täglich das Leben der Jugendlichen und ihrer Kinder. Beispiele hierfür sind Formate wie der Kinofilm „Juno“ (Moviepilot 2007), oder Sendungen wie „Teenie Mütter- Wenn Kinder Kinder kriegen“ (RTL2 2011), „Teen Mom“ (MTV 2009) und viele mehr. Sie alle spiegeln Einzelschicksale und damit verbundene Problematiken mit einem abwertenden Beigeschmack wieder, ohne individuelle wissenschaftliche Hintergründe zu beachten.

Betrachtet man die Thematik der jungen Mutterschaft, so ist es neben dem eigentlichen Leben von großer Wichtigkeit grundlegend zu beobachten, wie sich die Rolle und Stellung der Frau in der Gesellschaft im Laufe der Zeit verändert hat. Denn eine jede Mutter unterliegt schon immer dem Druck, den Anforderungen die an eine gute Mutter gestellt werden, gerecht zu werden.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, das normative Konstrukt der guten Mutter im Wandel und mit besonderer Betrachtung auf die Einflüsse und Anforderungen, die an eine adoleszente Mutter gestellt werden, zu erarbeiten. Hierfür wird auf ausgewählte wichtige Sozialisationsinstanzen, wie zum Beisipiel die Familie, die Schule, die Peer Group und die Medien aus der Lebenswelt Jugendlicher eingegangen. Anhand der Studie „Wenn Teenager Eltern werden“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, soll ein tieferer Einblick in das Leben junger Mütter sowie die Anwendung der erarbeiteten Aspekte ermöglicht werden. Zentrale Fragen sind, wie sich das Bild der guten Mutter begründet, wodurch Mutterbilder und Mutterschaft (im Wandel) beeinflusst werden und ob jugendliche Mütter diesen Anforderungen gerecht werden können sowie altersspezifische Einflüsse auf die Konstruktion des Mutterbilds.

2. Frühe Mutterschaft

Um in der Thematik Fuß zu fassen, werden zu Beginn soziodemografische Daten zu minderjährigen Schwangerschaften und der Geburtenrate im Allgemeinen aufgezeigt. Anschließend wird das breit gefächerte Themengebiet der Adoleszenz definiert, um eine genaue Untersuchungseinheit dieser Arbeit zu bestimmen und gleichzeitig näherzubringen, was es heißt, im Jugendalter Mutter zu werden. Zusätzlich wird überleitend zum Kapitel „Das Bildnis der guten Mutter“ festgelegt, was Mutterschaft überhaupt bedeutet.

2.1. Soziodemografische Daten

In Deutschland gibt es keine einheitliche statistische Erfassung von Mutterschaften. Rückschlüsse sind über die Geburtenstatistik und die Schwangerschaftsabbruchstatistik möglich (BZgA 2007). Ich bediene mich in meiner Analyse der Geburtenstatistik des statistischen Bundesamts und einer Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie in Abbildung 1 des durchschnittlichen Alters der Mutter bei der Geburt zu erkennen ist, steigt das Alter der deutschen Frauen bei der Geburt des ersten Kindes seit Jahren an. Im Schnitt ist eine Frau zu dem Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes 29,5 Jahre alt (neue Bundesländer: 28,4). Im Vergleich liegt der Altersdurchschnitt noch 5 Jahre zuvor bei 28,8 Jahren, was eine Steigerung um 0,7 Jahre bedeutet (Statistisches Bundesamt 2016b, 2016a).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betrachtet man den Prozentsatz minderjähriger Mütter, so sinkt dieser seit den 1980er Jahren leicht. 2009 waren deutschlandweit 0,73% aller Gebärenden minderjährig, im Vergleich waren es 2013 nur noch 0,41%. Die Abbildung 2 zeigt eine erste leichte Steigerung im Folgejahr, von 2823 auf 3071 lebendgeborenen Kindern von Mütter unter 18 Jahren (Statistisches Bundesamt 2015b).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der folgenden Abbildung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird auf die Zusammensetzung des Alters minderjähriger Schwangerschaften näher eingegangen. Es fällt auf, dass die Anzahl der unter 16-Jährigen rapide abnimmt. Die meisten jungen Frauen sind zwischen 16 und 17 Jahren, wenn sie minderjährig schwanger werden (BZgA 2007).

Medien wie zum Beispiel Boulevardpressen berichten immer wieder dramatisierend über Schwangerschaften und Geburten von minderjährigen Frauen. Diese Berichte vermitteln den Eindruck, frühe Mutterschaft sei ein wachsendes Thema, allerdings bestätigen die genannten Daten des Statistischen Bundesamts einen Rückgang. Nichtsdestotrotz ist es ein wichtiges gesellschaftliches und politisches Anliegen, ungewollte Schwangerschaften im Jugendalter zu vermeiden und werdende Mütter umfassend zu beraten und zu unterstützen. Als Gründe für adoleszente Schwangerschaften können sehr viele genannt werden, zu den Hauptgründen zählen aber weniger der Wunsch nach einem Kind, sondern überwiegend sexuelle Frühreife, mangelnder sexueller Wissensstand und eine unzureichende Aufklärung sowie der Bildungsstand (BZgA 2007).

Wird die Geburtenrate im Gesamten betrachtet, stabilisiert sich diese in Deutschland statistisch gesehen, allerdings auf einem niedrigen Niveau, was Deutschland zu einem kinderarmen Land macht. Die meisten Geburten zählte man im Jahr 1946. Gegen Ende der 1960er Jahre kam es zu einem starken Geburtenrückgang, dabei sank die Zahl der Geburten im Jahr 1972 zum ersten Mal unter die Millionen Marke und stabilisierte sich dann zwischen 0,8 und 0,9 Millionen. Erstmals 1991 begann die Rate mit Ausnahme einzelner Jahre wieder zu fallen (Statistisches Bundesamt 2012).

Die dritte Abbildung bildet die natürliche Bevölkerungsbewegung von 1990 bis 2015 ab. Hier gab es in den Jahren 2014 und 2015 eine leichte Steigerung der Lebendgeborenen. Der aktuellste Wert aus 2015 zeigt in Deutschland 738.000 lebendgeborene Kinder, was eine Steigerung zum Vorjahr von 3,2% oder 23.000 Neugeborenen ausmacht. Die Graphik veranschaulicht unter anderem auch den demografischen Wandel. Deutlich erkennbar sind schon seit 1990 weniger Lebendgeborene als Gestorbene, dieser Trend nimmt im Verlauf der Jahre immer mehr zu (Statistisches Bundesamt 2015a).

Die Zahl der geborenen Kinder hängt von der Anzahl der potenziellen Mütter und der Geburtenhäufigkeit ab. Veränderungen in der Geburtenhäufigkeit haben in der Regel einen stärkeren Einfluss auf die Geburtenzahl, allerdings können Verschiebungen in der Zahl und in der Altersstruktur der Frauen im gebärfähigen Alter (statistisch betrachtet Frauen zwischen 15 und 49 Jahren) die Geburtenzahl merklich beeinflussen (Statistisches Bundesamt 2012). Die momentane Geburtenziffer aus 2015 ist das erste mal seit 33 Jahren bei 1,5 Kinder pro Frau, diese Zahl wurde zuletzt 1982 erreicht. Im Vergleich zum Wert der Jahres 2014, der bei 1,47 lag, wurden 27 Babys pro 1000 Frauen mehr geboren, somit setzt sich diese positive Entwicklung fort (Statistisches Bundesamt 2016b).

2.2. Definition Adoleszenz

Die Zielgruppe dieser Hausarbeit orientiert sich an dem Begriff „Adoleszenz“, welcher die Phase der Anpassung an Veränderungen der Pubertät darstellt. Der Übergang vom Kind zum Jugendlichen und vom Jugendlichen zum Erwachsenen stellt eine äußerst komplizierte Zeit dar und kann unter verschiedenen Blickwinkeln höchst unterschiedlich ausfallen. Für gewöhnlich gilt sie als besonders schwierig für alle Beteiligten, denn es finden äußerliche Veränderungen statt sowie auch veränderte Denkweisen. Der Kern der Adoleszenz besteht darin, nach Unabhängigkeit zu streben und eine soziale Identität zu entwickeln. Zeitlich gesehen erstreckt sich diese Phase über 11 Jahre, angefangen mit dem vollendeten 10. Bis zum 21. Lebensjahr (Oerter und Montada 1995). Es ist schwer zu sagen, wann die Kindheit aufhört und wann das Erwachsensein eintritt. Ein Altersrahmen dieser Größe ist jedoch aufgrund mehrerer Aspekte sinnvoll. Zwar ist die Volljährigkeit in Deutschland schon mit 18 Jahren erreicht, doch müssen Gründe beachtet werden, die den Abschluss der Adoleszenz hinauszögern. Einerseits tritt die Geschlechtsreife immer früher ein, andererseits nehmen Bildung und Ausbildung immer mehr Zeit in Anspruch. Die verlängerte Bildungs- und Ausbildungszeiten eröffnen Chancen, sich noch relativ unbelastet von sozialer Verantwortung seiner Ausbildung zu widmen, allerdings bedeutet dies gleichzeitig eine längere Abhängigkeit von den Eltern. Als Abschluss der Adoleszenz werden äußere Merkmale wie der Übergang in das Beschäftigungssystem und der Aufbau einer festen Partnerbeziehung gesehen, denn dadurch übernimmt der junge Mensch die Erwachsenenrolle (Bier-Fleiter und Grossmann 1989).

Bezogen auf die Thematik der Hausarbeit handelt es sich demnach um junge Frauen, die in einer Phase schwanger werden, in der individuelle Entwicklungsprozesse noch nicht abgeschlossen sind (Oerter und Montada 1995). Die jugendliche Mutter steht dadurch vor spezifischen Problemen, Anforderungen und Herausforderurngen, die sich von denen einer Mutter außerhalb der Adoleszenz maßgeblich unterscheiden. Denn sie werden in einem Alter mit den Pflichten der Mutterschaft konfrontiert, in dem sie selbst kaum Schritte in die Selbstständigkeit getan haben und deswegen selbst noch als „halbe Kinder“ betrachtet werden (Bier-Fleiter und Grossmann 1989). Auf die Pflichten der Mutterschaft wird in den folgenden Kapiteln eingegangen.

2.3. Definition Mutterschaft

„Daß Frauen Mütter werden können, ist eine der wenigen universellen Komponenten im Geschlechterverhältnis und in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung. Daß Frauen weltweit ihre Kinder aufziehen und für das Wohl ihrer Familie zuständig sind, ist aber ein kulturelles Faktum und kein biologisches. […] Es geschieht leicht, dass die kulturellen Aspekte der Mutterschaft als biologische verstanden werden und daß sie als Fundament der Geschlechterideologie dienen. […] Ich möchte deutlich machen, dass die Institution der Mutterschaft und die Art der frühen Mutter-Kind-Beziehung von verschiedenen Kulturen unterschiedlich gestaltet und getragen wird“ (Nadig 1987, S.81).

Dem Zitat kann entnommen werden, dass Mutterschaft nicht auf die Fähigkeit des Gebärens eines Kindes reduziert werden kann. Sie ist kein universales Gut, sondern kulturell bedingt sowie historisch wandelbar. Demnach ist die individuelle Ausprägung der Mutterschaft abhängig von beispielsweise der Schichtzugehörigkeit, ethischen Rahmenbedingungen oder das Mitwirken des Vaters. Gleichzeitig übt die Gesellschaft gewisse Zwänge aus, ein Beispiel hierfür ist das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen (Herwartz-Emden 1995b). Mutter sein steht in engem Zusammenhang mit dem weiblichen Selbstkonzept, welches sozial konstruiert ist. Dies bedeutet, dass vorherrschende Ideale von Mutterschaft in Sozialisationsprozessen angeeignet beziehungsweise variiert werden, hier zeigt sich eine hohe Übereinstimmung mit den Geschlechterrollen (Herwartz-Emden 1995a).

Aus dieser Verschmelzung von Geschlechts- und Mutterrolle resultiert ein starker sozialer Druck auf Frauen zu heiraten und Kinder zu bekommen. Zudem bedeutet es meist eine große Veränderung im Lebenslauf von Frauen, denn Auswirkungen gehen weit über den aktiven Part einer Mutterschaft hinaus (Alfermann 1997). Doch ob die Mutterschaft wirklich ein essenzieller und natürlicher Teil von Weiblichkeit ist und welche Eigenschaften eine gute Mutter ausmachen, wird nun diskutiert.

3. Das Bildnis der guten Mutter

Wie bereits angesprochen, sind die Anforderungen an eine gute Mutter mit den stereotypen Geschlechterrollen sehr eng verbunden. Insbesondere feministische Wissenschaftler betonen die negativen Folgen dieser Anforderungen, sie sprechen von Verzicht auf Selbstverwirklichung durch Erwerbsarbeit sowie Übernahme der Hausfrauenrolle und Kindererziehung. Frauen sind dadurch abhängig vom Mann und damit in einer geringeren Machtposition. Allerdings wird argumentiert, dass die Frauen- und Mutterrolle nicht ganz getrennt betrachtet werden kann, denn Schwangerschaft, Geburt und Stillen stellen solch intensive Erfahrungen und emotionale Bindungen dar, dass es schwierig ist, von nicht einzigartigen weiblichen Erfahrungen auszugehen (Alfermann 1997).

Im Kapitel „Das normatives Muster der guten Mutter: Mutterliebe und Mutteridentität“ geht es um die Abgrenzung der oben angesprochenen weiblichen und männlichen Identität und ihren zugeordneten Attributen.

3.1. Das normative Muster der guten Mutter: Mutterliebe und Mutteridentität

Die gesellschaftliche Vorstellung von Normen und Werten in der sozialen Welt in Hinsicht auf die Geschlechterrollen rücken das Bild der guten Mutter in den Vordergrund. So stellen Mütter auch dementsprechende Ansprüche an sich selbst. Frauen wollen gute Mütter sein, indem sie ihre Kinder richtig und liebevoll erziehen (Alfermann 1997). Doch was beinhaltet eigentlich das normative Muster einer guten Mutter und was ist Mutterliebe und Mutteridentität?

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Details

Titel
Mutterschaft in der Adoleszenz und das Bild der guten Mutter
Untertitel
Veränderung der Rolle und Stellung der Frau in der Gesellschaft
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
29
Katalognummer
V495156
ISBN (eBook)
9783346004345
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Familiensoziologie, Mutterrolle, Adoleszenz, Familien, Familienbild, Geschlechterrollen
Arbeit zitieren
Simone Merkle (Autor), 2016, Mutterschaft in der Adoleszenz und das Bild der guten Mutter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495156

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