Rollenspiel - Theoretische Begründung und praktisches Beispiel


Hausarbeit, 2002

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Rollenbegriff, Identifikation,
Inter-Rollen-Konflikt, Konfliktgehalt,
Entscheidungszwang

2. Hauptteil
2.1. Theoretische Grundannahmen
Intentionen, Varianten des Rollenspiels,
Bedingungen und Kriterien
2.2. Rollenspielpraxis
Rollenspiel: „Aus Conrad seinem Sohn
wird mal was Vernünftiges“
Vorbereitung, Informationsphase, Vorbereitungsphase,
Rollenspielphase, Rollendistanzierung,
Diskussionsphase, Ergebnisphase, Transferphase,
Rollenveränderung

3. Fazit

4. Anhang

Literaturliste

1. Einleitung:

Analysiert man der Begriff „Rollenspiel“ einmal genauer, kristallisiert sich folgende interessante Eigenschaft heraus: man stößt auf die Termini „Rollen“ und „Spiel“, wobei der Begriff „Rollen“ eher auf die Soziologie verweist und der Begriff „Spiel“ auf die pädagogische Kategorie.

Der Rollenbegriff besagt, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft Inhaber von Rollen und Positionen ist, um so die Orientierung am Verhalten anderer möglich zu machen. „In allen Gesellschaften sind Menschen nach Positionen klassifiziert. Sie sind zum Beispiel: Väter, Mütter, Jugendliche, Lehrer, Politiker, Jäger, Krieger, Medizinmänner usw.“[1] Jedoch kann man auch eine weitere Differenzierung innerhalb größerer und kleinerer sozialer Gruppen vornehmen. So ist ein Parteimitglied nicht einfach ein Parteimitglied; hierbei gibt es einen Parteivorsitzenden, einen Parteivorstand, einen Parteisprecher, einen Parteitagsdelegierten, Parteimitglieder, usw. Von den Inhabern solcher und anderer sozialer Positionen wird ein bestimmtes Verhalten oder Handeln erwartet, nach denen man sich dann im eigenen Handeln richten kann. Hierbei sind keine detaillierten Kenntnisse über den Einzelnen nötig, um zu wissen, wie er in etwa handeln wird. Die Rollen sind demnach auf jedes Individuum gleichsam gültig. Jedoch kann ein Einzelner auch mehrere Rollen innehaben; so ist ein Jugendlicher auf der einen Seite ein Kind seiner Eltern und auf der anderen Seite gleichsam ein Schüler.

Man kann bei einem Rollenspiel demnach zwei Rollenmerkmale[2] differenzieren; zum einem das der Identifikation und zum anderen des Konfliktgehaltes und des Entscheidungszwanges. Identifikation bedeutet hier, dass der Schüler die thematisch und situativ festgelegte Rolle durch vollen Einsatz seiner Persönlichkeit gestalten muss. Zudem muss er so spielen, dass er das Problem in der fiktiven Realität lösen kann; das heißt, er muss mit der zugewiesenen oder spontan eingefühlten Rolle agieren und reagieren können. Um dies zu bewältigen, ist eine Identifikation mit der Rolle nötig. Für den Lehrer ist es hierbei wichtig zu wissen, wie die relevanten Bedingungsfaktoren der Zielgruppe sind, um eine Identifikation zu ermöglichen. Denn in Situationen, die fern des Erfahrungsbereiches oder Vorstellungsvermögens der Schüler liegen, können sich die Schüler nur sehr bedingt oder gar nicht hineinversetzen und somit auch nicht damit identifizieren.

Wenn die Anforderungen an die Rollen, die einer inne hat, verschieden sind, kann es zu Konflikten kommen. Dies nennt man einen Inter – Rollen – Konflikt[3]. Konflikte können ebenfalls auftreten, wenn verschiedene Ansprüche an eine Rolle gestellt werden. Hiermit ist der Intra – Rollen – Konflikt[4] gemeint. Diese Konflikte sind jedoch lebendige Grundelemente des sozialen Lebens. Beim Rollenspiel wird eine Lösung eben dieser Konflikte gefordert. Um eine sozial gerechte Lösung oder argumentativ ausgehandelte Kompromisse zu finden, besteht der Zwang, den sachlichen Gehalt des Konfliktes zu finden. Vorraussetzung, dass die Schüler diesen Schritt vollziehen können, ist natürlich, dass auch der Lehrer das Problem oder den Konflikt als Sachproblem[5] begreift. Zudem muss auch er im eigenem Verständnis jegliche Vorurteile ablegen; das bedeutet, auch er muss begreifen, dass es sich nicht um Machtprobleme handelt. Denn es ist nicht das Ziel dem Gegenüber verbal zu „besiegen“ und ohne Kompromissfähigkeit seine persönlichen Interessen ohne Rücksicht auf Verluste durchzudrücken; vielmehr ist es das Ziel, eine möglichst für alle Beteiligten gerechte Lösung zu finden. Und letztlich ist es hierbei auch Aufgabe des Lehrers, die Art, den Umfang und die Komplexität des Konfliktes festzulegen und darzustellen. Auch ist es wichtig für die Spielenden, zu begreifen, dass soziale Rollen einen verschieden großen Interpretationsspielraum haben. So muss man hier unterscheiden zwischen hoch institutionalisierten Rollen, wie zum Beispiel der eines Richters oder Polizisten, in denen ein eher geringerer Interpretationsspielraum gegeben ist, und gering strukturierten Positionen, wie zum Beispiel der eines Jugendlichen, in denen ein sehr großer Interpretationsspielraum vorliegt.[6] So bedeutet der Konfliktgehalt einer Rolle für den Schüler nicht einfach nur die Umsetzung von vorgegebenen Handlungsmustern; es bedeutet, auch die Fähigkeit zu besitzen oder zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen, da zumeist eine Vielzahl von Handlungsvarianten vorliegt.

Der Spielbegriff kann aus der pädagogischen Sicht gleichsam Motivation, wie auch Informationsvergrößerung[7] bedeuten.

So lässt sich vermerken, dass das Rollenspiel einen Beitrag zur Entwicklung von Problemlösungsverhalten von Schülern beitragen kann. Um dies erfolgreich als Lehrer durchführen zu können, ist es von Bedeutung, sich der Intentionen des Rollenspiels bewusst zu sein, die Rollenspielarten zu kennen, um dann, in Hinsicht der Zielgruppe und des Zwecks, einen entsprechend geeigneten Typus auswählen zu können, sowie die Kenntnis über Vorbereitungsaufgaben und Hinweise für die Durchführung, um sich sicher mit dieser Methode bewegen zu können. Auf diese Punkte werde ich im Folgenden eingehen.

2.1. Theoretische Grundannahmen:

Die Intentionen[8], bzw. Ziele, die mit der Durchführung von Rollenspielen verfolgt werden, sind zum einen die Befähigung zur Entwicklung von Empathie, womit das Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse anderer gemeint ist. Des weiteren ist das Ziel der Befähigung zur kommunikativen Kompetenz zu nennen, denn der Spieler hat hier die Aufgabe, je nach Situation unterschiedliche Sprechstrategien anzuwenden. Auch die Rollendistanz ist eines der Ziele; da es vorkommen kann, dass übernommene Rollen in veränderten Situationen in Frage gestellt werden können. Und schließlich die Ambiguitätstoleranz, die Fähigkeit, divergierende Erwartungen und Bedürfnisse tolerieren zu können.

Dafür sollten Rollen und Situationen gewählt werden, die der Schüler aus seiner Lebenserfahrung heraus schon kennt.[9] Die Themenwahl aus dem sozialem Nahbereich des Schülers ermöglicht, dass die Frage nach den schauspielerischen Fähigkeiten entfällt, denn es sind immer typische Situationen, die gespielt werden. Zudem können sie ihr eigenes Handeln dann besser verstehen lernen und sich in das Denken und Fühlen Anderer besser hineinversetzen. Durch die Übernahme anderer Perspektiven kann somit ein vertieftes Verständnis für Rollen anderer erzeugt werden. Auch ist die Möglichkeit des Ausprobierens für Schüler von Bedeutung. Sie haben hier die Chance, verschiedene Konfliktlösungsmuster auszuprobieren und auch, welche Wirkung sie jeweils auf andere haben. Weitere Ziele sind, dass die Schüler lernen, ihre Interessen frei zu artikulieren und auch durchzusetzen und sie erhalten Gelegenheit, Hemmungen abzulegen.

Ein Nachteil dieser Vorstellung von Rollenspielen ist jedoch, dass sie zum politischen Lernen eher beschränkt geeignet sind, da die eben angesprochene Realitätsnähe hier fehlt. Ein solches Problem ergibt sich zum Beispiel bei der Rolle eines Polizisten, denn diese stammt nicht aus dem unmittelbaren Nahbereich eines Schülers. An dieser Stelle wird deutlich, dass man bei der Verwendung von stark formalisierten und institutionalisierten Rollen, die klarer definiert sind und bei denen man einen geringeren Interpretationsspielraum besitzt, die notwendigen Informationen der jeweiligen Rolle noch erarbeiten muss. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man teilt im Vorhinein Rollenkarten aus, auf denen alle notwendigen Informationen enthalten sind, oder man stellt als Lehrer spezifisches Infomaterial zur Verfügung, aus denen sich die Schüler die für das Spiel wichtigen Informationen selbst herausarbeiten. Bei der Verwendung eben solcher Rollen ist zwar ein erheblich geringerer Interpretationsspielraum, aber dennoch genügend offener Raum, den der Spieler durch seinen persönlichen Einsatz ausschmücken kann. So liegt es zum Beispiel in seinem Ermessen, ob er den Polizisten als eher autoritär oder verständnisvoll wirken lässt. So wie hier die Bedeutsamkeit des Materials[10], das der Lehrer zur Verfügung stellt, zu erkennen ist, ist auch zu erkennen, dass der Übergang von sozialen Rollen zu formalisierten Rollen, gleichsam ein Übergang von Lebenshilfe und sozialen Lernen zum politischen Lernen ist.

[...]


[1] Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.13. Z.19ff.

[2] Kolb, Gerhard (1981): Methoden der Arbeits-, Wirtschafts- und Gesellschaftslehre: praktische Beispiele für den Unterricht. S.28.

[3] Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.14.

[4] ebd.

[5] vgl. Giesecke, Hermann (1973): Methodik des politischen Unterrichts. S.77.

[6] vgl. Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.15 f.

[7] vgl. Kolb, Gerhard (1981): Methoden der Arbeits-, Wirtschafts- und Gesellschaftslehre: praktische Beispiele für den Unterricht. S.29.

[8] vgl. Kolb, Gerhard (1981): Methoden der Arbeits-, Wirtschafts- und Gesellschaftslehre: praktische Beispiele für den Unterricht. S.30.

[9] vgl. . Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.15 f.

[10] vgl. Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.17.

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Details

Titel
Rollenspiel - Theoretische Begründung und praktisches Beispiel
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V49525
ISBN (eBook)
9783638459600
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rollenspiel, Theoretische, Begründung, Beispiel
Arbeit zitieren
Regine Riedel (Autor), 2002, Rollenspiel - Theoretische Begründung und praktisches Beispiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49525

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