Offenbarung in den abrahamitischen Weltreligionen


Seminararbeit, 2017
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Offenbarungsbegriff in den drei monotheistischen Weltreligionen
2.1 „Offenbarung“ im Christentum
2.2 „Offenbarung“ im Judentum
2.3 „Offenbarung“ im Islam

3. Geltungsanspruch der heiligen Schriften im Vergleich
3.1 Die Bibel
3.2 Die Tora
3.3 Der Koran

4. Fazit

5. Schluss

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die drei abrahamitischen Weltreligionen Judentum, Islam und Christentum sind die drei Weltreligionen, die monotheistisch glauben. Dennoch kam es auf Grundlage der verschiedenen Glaubensrichtungen in der Geschichte stets zu blutigen Konflikten katastrophaler Ausmaße. Ob es dabei um das Jahr 1095 und die Kreuzzüge nach Jerusalem ging, um die ansässigen Muslime zu vertreiben oder um das 21. Jahrhundert und den Aufstieg des Islamischen Staates geht, spielt in der vorliegenden Seminararbeit keine wichtige Rolle. Viel mehr liegt der Fokus auf den Gemeinsamkeiten und Differenzen der abrahamitischen Weltreligionen in Bezug auf die Wahrheits- und Geltungsansprüche ihrer heiligen Schriften und auf die Offenbarung des jeweiligen Gottes. Als Textgrundlage wird ein Auszug aus Karl Heinz Menkes „Jesus ist Gott der Sohn – Denkformen und Brennpunkte der Christologie“ dienen. Hinzukommend wird in den folgenden Kapiteln mit Hilfe von entsprechender Sekundärliteratur versucht, die Gemeinsamkeiten und Differenzen zu skizzieren.

Der Hauptteil dieser Seminararbeit wird dabei wie folgt gegliedert: Im zweiten Kapitel dieser Seminararbeit wird zunächst der Begriff Offenbarung im Christentum auf Basis der Textgrundlage erläutert. In den nachfolgenden Unterkapiteln wird dieser Offenbarungsbegriff dann mit denen des Judentums und des Islams verglichen. Die drei heiligen Schriften der monotheistischen Religionen werden dann in einem dritten Kapitel auf deren Wahrheits- und Geltungsanspruch untersucht. Die Ergebnisse dieser Analysen werden letztendlich in einem – den Hauptteil abschließenden – vierten Kapitel zusammengefasst.

2. Der Offenbarungsbegriff in den drei monotheistischen Weltreligionen

Der Hauptteil dieser Arbeit setzt sich mit den jeweiligen Offenbarungsbegriffen und den Wahrheits- bzw. Geltungsansprüchen der drei abrahamitischen Weltreligionen auseinander. Dabei werden beiden Themen jeweils ein Kapitel mit drei Unterkapiteln gewidmet, um zunächst das Verständnis des Christentums zu skizzieren und dieses Verständnis dann jeweils mit dem Judentum und dem Islam zu vergleichen. Im Abschlusskapitel werden die Ergebnisse der Vergleiche gebündelt zusammengefasst.

2.1 „Offenbarung“ im Christentum

Der Begriff „Offenbarung“ wird im Folgenden basierend auf der zuvor genannten Textgrundlage Karl-Heinz Menkes erklärt. In diesem Textausschnitt erklärt Menke inwiefern Gott Mensch wird. Stellt dabei aber die Problematik auf, dass der Mensch Jesus aus Nazaret, wie jeder andere Mensch auch zeitlich und räumlich erfahrbar gewesen ist, aber dennoch Gott gewesen sein soll.1 Deshalb stellt Menke klar, dass etwa beim Weihnachtsfest von der Menschwerdung Gottes gesprochen wird, diese aber nur eine metaphorische Bedeutung hat. Denn letztendlich „versteckt [Gott] sich nicht unter dem Bettlermantel des Menschseins Jesu“2 oder nutzt seine menschliche Form etwa als eine Larve. Stattdessen sagt Menke:

„Dieses Menschsein ist seine Offenbarung. Oder anders formuliert: Nur wenn Gott im Geschehen der Inkarnation ohne Abstriche bliebt, was er ist, nämlich Gott, bedeutet seine so genannte Menschwerdung nicht die Diminuierung oder Verbergung seiner Gottheit, sondern im Gegenteil deren Offenbarung.“3

Das heißt es kann bei der Menschwerdung nicht etwa von einer Verwandlung Gottes in einen Menschen die Rede sein, da Jesus aus Nazaret somit nur ein Versteck für Gottes Göttlichkeit gewesen wäre. Tatsächlich hat sich Gott in Jesus Christus offenbart, indem er in diesem ohne jegliche Abzüge seiner Göttlichkeit zu den Menschen kam. So offenbart sich ein Beziehungsgefüge aus dem Vater – Gott – und seinem einzigen Sohn – Jesus Christus – in Jesus Christus, da Gott selbst diese Vater-Sohn-Beziehung ist.4

Um sich den Menschen nun in Jesus Christus zu offenbaren, ist es notwendig auf die Erde zu den Menschen – den Sündern - hinabzusteigen und sich dort taufen zu lassen als Zeichen dafür, „dass er an den Platz der Sünder tritt. […] Die Taufe ist Todesannahme für die Sünden der Menschheit“5. So begibt sich Gott auf die gleiche Ebene, wie die Menschen und behält als innertrinitarische Vater-Sohn-Beziehung dennoch seine Göttlichkeit.

Des Weiteren ist genau dieses herabsteigen aus Liebe zu den Menschen der Punkt in dem die Offenbarung am Deutlichsten wird. Denn die Liebe des Herabsteigens, welche letztendlich dafür sorgt, dass Jesus Christus die Sünden der Menschen auf sich nehmen kann, zog sich wie ein roter Faden durch die Handlungen nach seiner Taufe: Sei es bei der Begegnung mit dem „blinden Bartimäus […] oder [dem] verachteten Zollbeamten Zachäus.“6 Derartige Begegnungen verdeutlichen Jesus Liebe, welche sich insbesondere dann zeigt, wenn er sich an die Bedürftigen und Verachteten wendet und sozusagen zu diesen Personen herabsteigt. All das tut er ohne nach oben steigen zu wollen und sich etwa dem Willen seines Vaters zu wieder setzen. Wenn auch als König gefeiert, schenkt er seine göttliche Liebe an die, die vermeintlich unter ihm stehen.7 Diese Liebe als Offenbarung gipfelt in Jesus Tode am Kreuz, bei der Menke von „der herabgestiegenen, gekreuzigten, angenagelten Liebe des Jesus von Nazaret“8 spricht. Dadurch wird der Tod wiederum nicht etwa zur Trennung der Menschen von Gott, sondern zu dem Weg zu Gott.9

2.2 „Offenbarung“ im Judentum

Das Judentum geht, wie das Christentum und der Islam auch, davon aus, dass es nur eine einzige Wahrheit gibt, welche im eigenen Gott – JHWH – liegt. Allerdings unterscheidet sich die Art der Offenbarung im Judentum von den beiden anderen abrahamitischen, monotheistischen Weltreligionen.

Während die Christen von Jesus als Gott und als Offenbarung sprechen bzw. an diese glauben, ist es bei den Juden so, dass sie durch das Befolgen der Gesetze der Tora in Gemeinschaft mit JHWH treten.10 So glauben die Juden, dass die Tora eine „Interpretation des ewigen Logos“11 ist, welche einem Juden das makellose jüdische Leben vorschreibt, das gelebt werden sollte, um das ewige Leben zu erreichen. Menke sagt, dass das „in Jesus Christus Fleisch gewordene Wort nicht als Konkretion, Personifikation oder Wiederholung der Tora […] sondern umgekehrt als deren Grund, Ermöglichung, Kriterium und Maßstab“12 dient. Man kann also sagen, dass das Judentum zwar das gleiche Heil, wie das Christentum sucht, nämlich die Gemeinschaft mit Gott, aber diese auf unterschiedlichen Wegen sucht. Die Juden tun dies, indem Sie die Tora befolgen, so wie es einst Jesus Christus als Maßstab der Tora tat.

2.3 „Offenbarung“ im Islam

Der Islam, welcher im Gegensatz zum Christentum und Judentum eine reine Buchreligion ist, betrachtet die Heilige Schrift - den Koran - als das Wort ihres eigenen Gottes: Allah.13 Im Detail bedeutet dies, dass Allah sich im Koran offenbart hat. Anders, als es in Jesus Christus im Christentum und Judentum der Fall ist.

Allah selbst jedoch – so wird vermutet – galt schon „mindestens ab dem I. Jahrhundert vor Christus [als für alltägliche Hilfsdienste] entrückter Hochgott“14, was nahelegt, dass er ursprünglich keineswegs der einzige Gott im Ur-muslimischen Glauben war. Stattdessen hat sich dies erst im Verlauf der Jahrhunderte dazu entwickelt. Erst durch den Propheten Muhammad, welcher in der Zeit der Dichter in Arabien auftrat15, kam es zu der Geburt des Islams, wie man ihn heute kennt. Muhammad gelang es durch „die Behauptung, von Gott und nicht nur von Dschinn inspiriert zu sein“16 den Sinn der altarabischen, priesterlosen Religion vorzugeben und zu lenken. Amman spricht hier von einer „religiöse[n] und gesellschaftliche[n] Revolution“17.

Unter dem Gesichtspunkt dieser Revolution lässt sich die Offenbarung, welche letztendlich zur Geburt des heutigen Islams und zum Ende der altarabischen Religion, mit Allah als einem von mehreren Göttern, führte, wie folgt erklären: Die altarabische Gemeinschaft und deren Religion war „eine Gemeinschaft, die allen Grund hatte, mit sich zufrieden zu sein.“18 Erst durch die Singularitätspredigten des Muhammad wurde eine Heilsbotschaft verkündet, die diese Gemeinschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Die damalige „heile und in allen Schichten prosperierende Welt“19, welche von den Qurais geführt und vergemeinschaftet wurde, war ursprünglich nicht durch Monotheismus groß geworden, sondern vertraute auf die polytheistische Struktur mit Allah als Hochgott. Daher waren die Singularitätspredigten Muhammads, die gegen die verschiedenen Götter der arabischen Stämme gerichtet waren, eine Gefahr für die Gemeinschaft.20 Durch Muhammads Predigten, welche letztendlich zur Verschriftlichung des Korans führten, kam es also zu einer Revolution der altarabischen Religion. Denn der bisherige Hochgott Allah sprach durch seinen Propheten zur arabischen Gemeinschaft. Allah offenbarte sich jedoch nicht im Propheten selbst, sondern im Koran. Menke stellt diese Form der Offenbarung wie folgt in den Kontrast zum Christentum:

„An die Stelle der christlichen Inkarnation ist die islamische Inlibration oder – wenn man die jeweils zum Ereignis werdende Rezitation als den eigentlichen Koran betrachtet – die islamische Inverbation getreten. Jeder Satz des Koran ist ein Satz des einen und einzigen Gottes selbst.“21

Da der Offenbarungsbegriff im Islam also hauptsächlich durch die Heilige Schrift geprägt ist, und dem Geltungsanspruch des Korans noch ein eigenes Unterkapitel gewidmet ist, wird dieses Thema im entsprechenden Kapitel fortgeführt.

3. Geltungsanspruch der heiligen Schriften im Vergleich

Judentum, Islam und Christentum gelten als Buchreligionen, da sie alle drei ihre eigenen Heiligen Schriften, die das Grundgerüst des Glaubens darstellen. Die Tora, der Koran und die Bibel nehmen allerdings jeweils völlig verschiedene Rollen in ihren zugehörigen Religionen ein und haben somit auch unterschiedliche Geltungsansprüche. Die folgenden Unterkapitel werden diese aufzeigen.

[...]


1 Vgl. MENKE, Karl-Heinz, Jesus ist Gott der Sohn. Denkformen und Brennpunkte der Christologie, Regensburg, 2008, 25.

2 Ebd., 25.

3 Ebd., 25.

4 Vgl. Ebd., 26.

5 Ebd., 26.

6 Ebd., 27.

7 Vgl. Ebd., 26-27.

8 Ebd., 27.

9 Vgl. Ebd., 27.

10 Vgl. Ebd., 33.

11 Ebd., 33.

12 Ebd., 33.

13 Vgl. Ebd., 34.

14 Amman, Ludwig, Die Geburt des Islam. Historische Innovation durch Offenbarung, Göttingen, 2001, 29-30.

15 Vgl. Ebd., 82.

16 Ebd., 82.

17 Ebd., 83.

18 Ebd., 84.

19 Ebd., 84.

20 Vgl. Ebd., 85.

21 MENKE, Karl-Heinz, Jesus ist Gott der Sohn. Denkformen und Brennpunkte der Christologie, Regensburg, 2008, 34.

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Details

Titel
Offenbarung in den abrahamitischen Weltreligionen
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V495263
ISBN (eBook)
9783668997332
Sprache
Deutsch
Schlagworte
offenbarung, weltreligionen
Arbeit zitieren
Tim Nienaber (Autor), 2017, Offenbarung in den abrahamitischen Weltreligionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495263

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