In der Arbeit soll der Vorgang einer investigativen Recherche am Fallbeispiel des Massakers von My Lai, das sich Ende der 1960er Jahre in Nordvietnam ereignete, erörtert werden. Die Arbeitsweise des investigativen Journalisten Seymour Hersh soll dabei Schritt für Schritt und möglichst detailliert dargestellt werden. Es soll vermittelt werden, wie bei einer investigativen Recherche vorgegangen wird und welche Barrieren es dabei zu überwinden gilt.
Zunächst sollen die theoretischen Grundlagen der investigativen Recherche erläutert werden. Dabei wird eine möglichst genaue Definition des investigativen Journalismus angestrebt. Im Anschluss daran wird beschrieben, worum es sich bei einer Case Study handelt. Daraufhin wird kurz auf Hintergrundinformationen zum Fall My Lai sowie die involvierten Personen eingegangen. Im Zentrum der Arbeit steht die Recherche Seymour Hershs zum Fall. Danach werden die Folgen der Enthüllung sowohl für die Beteiligten als auch für die Öffentlichkeit thematisiert. Abschließend nimmt der Autor Stellung zu der öffentlichen Kritik an der Arbeitsweise von Hersh.
In Zeiten von Digitalisierung, Fake News und einer extremen Schnelllebigkeit der Medien wird investigativem Journalismus ein immer höherer Stellenwert zugeschrieben. Die Konkurrenz ist durch die heutige Medienvielfalt groß und der Zeitdruck in den Redaktionen nimmt stetig zu. Studien zeigen, dass die durchschnittliche Recherche-zeit pro Arbeitstag abnimmt Jedoch können nur sorgfältig recherchierte Enthüllungsberichte die Stellung der Medien als vierte Gewalt im Staat sichern.
Inhaltsverzeichnis
1. Relevanz des investigativen Journalismus
2. Investigativer Journalismus
3. Case Study
4. Hintergrundinformationen zum Fall
5. Die Recherche Hershs
6. Die Folgen der Recherche
7. Kritik der Öffentlichkeit an Seymour Hersh
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess einer investigativen Recherche am konkreten Fallbeispiel des Massakers von My Lai. Dabei wird detailliert analysiert, wie der Journalist Seymour Hersh methodisch vorging, mit welchen Barrieren er konfrontiert war und welche Auswirkungen seine Arbeit auf die Öffentlichkeit sowie die beteiligten Personen hatte.
- Grundlagen und Definitionen des investigativen Journalismus
- Methodik der Einzelfallstudie (Case Study)
- Hintergrund zum Massaker von My Lai und den Akteuren
- Analyse der Recherchestrategien und Überwindung von Informationsbarrieren
- Folgen der Enthüllungsberichterstattung
- Kritische Reflexion der journalistischen Arbeitsweise
Auszug aus dem Buch
5. Die Recherche Hershs
Nach einer kurzen Beschreibung der wichtigsten beteiligten Personen ist es nachfolgend das Ziel dieser Einzelfallstudie, die Recherche Seymour Hershs zum Fall My Lai genau zu untersuchen. Es soll dargestellt werden, welchen Barrieren sich Hersh bei seiner investigativen Recherche stellen musste und wie er Schritt für Schritt vorgegangen ist.
Im März 1969 schrieb Ronald L. Ridenhour einen Brief an das Pentagon, an das Weiße Haus, an das Außenministerium der Vereinigten Staaten sowie an 24 Kongressabgeordnete, in dem er das Massaker von My Lai beschrieb. Daraufhin begann die US-Army innerhalb von vier Monaten, weitere Recherchen zum Fall My Lai zu betreiben. Das Ergebnis davon war die Anklage William Calleys im September 1969, der für den Mord an 109 Zivilisten in My Lai beschuldigt wurde (Hersh, 1972). Über das Massaker oder die Ermittlungen zu Calley wurde zuerst nichts öffentlich gemacht, jedoch gab es nach und nach mehr Berichte, sodass die Armee ein Gremium für weitere Ermittlungen einrichtete. Im März 1970 endeten die Untersuchungen der US-Armee (Hersh, 1972).
Hershs erster Tipp erreichte ihn durch den amerikanischen Rechtsanwalt und Journalisten Geoffrey Cowan. Cowan hatte einen Anruf von einem Freund bekommen, der eine geheime Quelle im US-Militär hatte. Sein Freund erzählte ihm, dass ein amerikanischer Soldat des Mordes an vietnamesischen Zivilisten beschuldigt wird (Miraldi, 2013, S. 1). Zunächst versuchte Cowan die Informationen an die Washington Post zu vermitteln, jedoch interessierte sich die Zeitung nicht dafür. Ein Kollege empfahl Cowan, den Journalisten Seymour Hersh zu kontaktieren (Miraldi, 2013, S. 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Relevanz des investigativen Journalismus: Erläutert den Stellenwert investigativer Arbeit als vierte Gewalt im Kontext von Digitalisierung und wachsendem Zeitdruck.
2. Investigativer Journalismus: Definiert investigative Recherche als Aufdeckung von Missständen gegen Widerstände und beleuchtet die Rolle des Journalisten als Watch-Dog.
3. Case Study: Beschreibt den Forschungsansatz der Einzelfallstudie und deren Merkmale für eine detaillierte, qualitativ orientierte Untersuchung.
4. Hintergrundinformationen zum Fall: Liefert die historischen Fakten zum Massaker von My Lai 1968 und stellt die zentralen involvierten Akteure vor.
5. Die Recherche Hershs: Detailliert die schrittweise Vorgehensweise von Seymour Hersh, die Informationsbeschaffung und die Überwindung von Hindernissen.
6. Die Folgen der Recherche: Analysiert die gesellschaftlichen Auswirkungen der Enthüllung sowie die juristischen Konsequenzen für die Beteiligten.
7. Kritik der Öffentlichkeit an Seymour Hersh: Setzt sich mit der kritischen Auseinandersetzung über die Verwendung anonymer Quellen und ethische Standards auseinander.
Schlüsselwörter
Investigativer Journalismus, Seymour Hersh, My Lai Massaker, Recherche, Informationsbeschaffung, Anonymität, Presseethik, Vietnamkrieg, Case Study, Aufdeckungsjournalismus, Quellenarbeit, Journalistische Recherche, Fallstudie, Enthüllungsjournalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der investigativen Berichterstattung über das Massaker von My Lai und untersucht dabei exemplarisch die Arbeitsweise des Journalisten Seymour Hersh.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die methodischen Grundlagen des investigativen Journalismus, die Durchführung einer Fallstudie sowie die Analyse von Informationsbarrieren und deren Überwindung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, den investigativen Rechercheprozess von Seymour Hersh Schritt für Schritt zu rekonstruieren und die allgemeinen Herausforderungen investigativer Arbeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Einzelfallstudie (Case Study), um ein komplexes Geschehen detailliert und aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des investigativen Journalismus, eine Einzelfallstudie zum Fall My Lai sowie eine anschließende Reflexion über die Folgen der Enthüllung und die Kritik an der Arbeitsweise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Investigativer Journalismus, Recherche, My Lai, Quellenarbeit und Presseethik charakterisiert.
Wie gelang es Seymour Hersh, die Informationen über das Massaker zu verifizieren?
Hersh betrieb eine sehr aufwendige Recherche, bei der er zahlreiche Informanten (darunter beteiligte Soldaten) kontaktierte und durch den Abgleich verschiedener Aussagen sowie persönlichen Kontakt die Beweise für das Massaker zusammenführte.
Welche Rolle spielten anonyme Quellen bei der Recherche?
Anonyme Quellen waren für Hersh essenziell, um Zugang zu Informationen zu erhalten, die das Militär offiziell vertuschen wollte, was jedoch auch zu heftiger Kritik an seiner Methodik führte.
- Arbeit zitieren
- Luise Deschl (Autor:in), 2018, Die investigative Recherche am Fall "My Lai" von Seymour Hersh, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495286