Hinter den Kulissen des ersten Kreuzzuges. Motive, Verlauf und Folgen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Kreuzzugs

3. Motive des ersten Kreuzzuges
3.1 Situation vor dem Kreuzzug
3.2 Motive der Herrscher
3.3 Motive des Volkes und der Kreuzritter

4. Verlaufs des ersten Kreuzzuges
4.1 Aufruf zum Kreuzzug
4.2 Der Volkskreuzzug
4.3 Der Kreuzzug der Ritter

5. Folgen des ersten Kreuzzuges

6. Abschließende Bemerkungen

Anhang

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

„Bald […] flohen alle Verteidiger der Stadt von den Mauern, und die Unsrigen folgten ihnen und trieben sie vor sich her, sie tötend und niedersäbelnd, bis zum Tempel Salomons, wo es ein solches Blutbad gab, dass die Unsrigen bis zu den Knöcheln im Blut wateten.“1 Dieses Zitat stammt aus einem Augenzeugenbericht über die Eroberung Jerusalems am 13 Juni 1099, kurz vor dem Ende des ersten Kreuzzuges. Wie konnte es zu einem solchen grausamen Unterfangen kommen? Und warum schlossen sich damals so viele Menschen an? Diesen Fragen geht die folgende Arbeit nach, aber auch der Verlauf und die Folgen des ersten Kreuzzuges werden aufgezeigt. Denn der erste Kreuzzug war erst der Auftakt zu noch vielen weiteren Kreuzzügen.

2. Definition des Kreuzzugs

Unter einem Kreuzzug versteht man einen von Päpsten ausgerufener heiliger Krieg. Es handelt sich um eine bewaffnete Unternehmung zur Widererlangung christlicher Besitzrechte oder zum Schutze der Kirche oder der Christen gegenüber Feinden der Christenheit.2 Zu den Glaubensfeinden innerhalb und außerhalb der christlichen Welt gehörten Heiden, Andersgläubige, gegebenenfalls Christen, die als Feindes des Glaubens oder der Kirche angesehen wurden3 sowie politische Gegner des Papsttums4. Der Zweck eines Kreuzzugs liegt in der Rückgewinnung oder Verteidigung der Heiligen Stätten Palästinas, insbesondere Jerusalems.5 Nach der Auffassung der Zeitgenossen wurde der Kreuzzug der Christenheit unmittelbar von Gott durch den Mund des Papstes empfohlen.6 Der Kreuzzug war Bußübung und Kriegszug zugleich.7 Er war eine konsequente Fortführung der Pilgeridee und im Grunde nichts anderes als „eine bewaffnete Wallfahrt, die mit besonderen geistlichen Privilegien ausgestattet war und als besonders verdienstvoll galt.“8 Um diesen Krieg mit der friedliebenden und gewaltlosen Lehre Christi in Einklang zu bringen, wurde die Lehre vom „gerechten Krieg“ entwickelt. Ein Krieg war demnach nur zulässig, wenn er der Verteidigung oder der Wiedererlangung geraubten Gutes diente.9 Dies war in Bezug auf Jerusalem der Fall und somit galt der Kreuzzug damals als gerechtfertigt.

Die Bezeichnung „Kreuzzug“ entwickelte sich allerdings erst im 13. Jahrhundert. Im Mittelalter wurde eine solche Unternehmung überwiegend mit expeditio, iter in terram sanctam (Reise ins heilige Land) und – vor allem zu Beginn der Kreuzzüge – mit peregrinatio (Wallfahrt) umschrieben.10

3. Motive des ersten Kreuzzuges

3.1 Situation vor dem Kreuzzug

Palästina gehörte nach der Teilung des Römischen Reiches im Jahre 295 zum Oströmischen Reich, dem späteren byzantinisches Reich. In den Jahren 636-638 erfolgte die Eroberung Jerusalems durch die Muslime.11 Im Zuge der arabischen Expansion im 8. und 9. Jahrhundert breitete sich der Islam weiter aus. Binnen weniger Jahrzehnte wurde der Vordere Orient, Nordafrika, Spanien und Sizilien sowie weite Teile Mittelasiens eingenommen.12 Byzanz verteidigte sich damals heftig und erlebte von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts ein Blüteperiode, in der verlorene Gebiete zurückerobert werden konnten.13 Allerdings kam es bald zu einer Bedrohung an der Ostgrenze durch die türkischen Seldschuken.14 Im Jahr 1081 erfolgte im Zuge einer schweren inneren Krise die Machtübernahme durch den General Alexios I. Komnenos.15

3.2 Motive der Herrscher

Unter Kaiser Alexios I. Komnenos kam es im byzantinischen Reich zu einem Mangel an professionellen Soldaten. Diese wurden aber zur Verteidigung des Reiches und für eine militärisch aktive Außenpolitik dringend benötigt.16 Er hoffte auf Hilfe von dem lateinischen Westen mit seinen hochqualifizierten ritterlichen Kämpfern. Das Bedienen fremder Kriegsdienste war damals nichts Besonderes, wohl aber die Bitte um Militärhilfe bei dem Papst, welcher gar nicht über solche verfügte.17 Der Hilferuf dürfte dem Papst Urban II. nicht ganz unwillkommen gewesen sein, inmitten des Investiturstreites. Es bestand ein Konflikt zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Heinrich IV. und dem von ihm favorisierten Gegenpapst Clemens III.. Die Autorität Urbans stand noch in Frage und war regional beschränkt. So war es für Urban ein großer Erfolg und eine Aufwertung seiner Stellung, dass sich der Kaiser des Osten mit seiner Bitte um Hilfe an ihn wandte und nicht an seinen Konkurrenten.18

3.3 Motive des Volkes und der Kreuzritter

Für viele Menschen war es damals unerträglich zu wissen, „daß die durch Christi Leben und Passion geheiligten Stätten sich in der Hand der Heiden befanden, die man ansonsten in Europa so erfolgreich bekämpfte und zurückdrängte.“19 Die Vorstellung, den bedrängten Mitchristen im Osten zur Hilfe kommen zu müssen, ist ein wichtiges Argument beim päpstlichen Kreuzzugsaufruf.20 Hinzu kam die große Rolle der Pilgerfahrt im Hochmittelalter. Es herrschte ein reger Pilgerverkehr zwischen Europa und dem Heilige Land Palästina. Durch die seldschukische Invasion erfuhr diese Entwicklung allerdings einen Rückschlag. Somit verfolgten viele das persönliche Ziel, ins Heilige Land zu ziehen, um Jerusalem zu „befreien“.21

Ein weiteres Motiv der Bevölkerung zum Aufbruch in die Ferne war die Hoffnung auf Auskommen oder sogar Wohlstand.22 Auch die adlig-ritterliche Schicht wollte aus der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation Europas fliehen und hoffte im fernen Orient zu Wohlstand und Unabhängigkeit zu gelangen.23 Allerdings ließen sich nur die wenigsten, die die Kämpfe überlebten, tatsächlich in Palästina nieder. Die Hoffnung auf neue Wohngebiete war wohl für die Kreuzfahrer wenig bedeutend.24 Erst später kam es zu Siedlungsbewegungen, die aber nicht mit den Kreuzzügen gleichzusetzen sind.25 Zu den Motiven der Kreuzritter zählten vielmehr innere Beweggründe beziehungsweise Ideale.26

Ein weiters wichtiges Motiv vieler Kreuzfahrer war der Wunsch, durch die Teilnahme an dem Kreuzzug für begangene Sünden Buße zu tun.27 Papst Urban verkündete, dass durch diesen besonderen Akt der Buße Aussicht auf Vergebung aller irdischen Bußstrafen bestand.28 Aber durch die mündliche Weiterverbreitung durch Dritte hieß es bald, dass sogar die Tilgung aller Sünden versprochen wird und dass die Kreuzfahrer unmittelbar in das Paradies einzögen, sollten sie während des Zuges sterben.29 Man glaubte damals, dass der Kreuzzug unmittelbar von Jesus Christus selbst durch den Papst als Sprachrohr gebilligt wurde30 und es sich demnach um einen gerechten Krieg handele.31 Die Kreuzfahrer waren nach der Rede von Papst Urban davon überzeugt nach Gottes Willen zu handeln. Das Hauptmotiv war somit weitgehend religiöser Natur.

4. Verlaufs des ersten Kreuzzuges

4.1 Aufruf zum Kreuzzug

Der Anlass des ersten Kreuzzuges lieferte die türkische Eroberung des byzantinischen Kleinasiens.32 Der byzantinische Kaisers Alexios I. Komnenos bittet den Papst Urban II. um Unterstützung gegen die Türken. Auf dem Konzil von Clermont im November 1095 ging Papst Urban II. auf die vorhergegangene Bitte des Kaisers ein.33 Es wurde bekannt gemacht, dass das Konzil öffentlich getragen und der Papst eine wichtige Ansprache halten werde. Die Versammlung wurde auf ein offenes Feld vor den Toren der Stadt verlegt, aufgrund des großen neugierigen Publikums, das auch aus Klerikern und Laien bestand.34 Urban wandte sich der Lage der Christenheit im Osten zu. Er schilderte wortgewandt und rhetorisch geschickt „die angebliche Unterdrückung und grausame Verfolgung der christlichen Brüder im Orient durch die Muslime.“35 Die orientalische Christenheit sei ohne schleunige und entschlossene Hilfe von außen in ihrer Existenz bedroht.36 Er forderte die Ritter auf, „in seinem Namen gegen die Feinde des christlichen Glaubens zu Felde zu ziehen.“37 Und dafür gewährte er jenen, „die in diesem gerechten Krieg ihr Leben ließen“ den Nachlass für ihre Sünden (remissio peccatorum).38 Die Zuhörer müssen von Urbans Rede zutiefst beeindruckt gewesen sein, denn immer wieder wurde er von dem Zuruf „Deus lo vult!“ („Gott will es!“) unterbrochen.39 Kaum hatte Urban seine Rede beendet, bat Bischof Adhémar von Le Puy als erster, sich diesem Kriegszug anschließen zu dürfen. Er wurde daraufhin auch von Urban zum geistlichen Führer des geplanten Unternehmens ernannt.40 Hunderte oder Tausende folgten seinem Beispiel. Als äußeres Erkennungszeichen für das Gelübde, sich dem geplanten Zug in den Orient anschließen zu wollen, solle ein auf das Überkleid geheftetes Stoffkreuz sein. Somit war die Idee des „Kreuz“-Zuges geboren.41

Die große Resonanz auf seinen Aufruf wird Urban wohl überrascht haben und sie reichte weiter als er sich es vorgestellt hatte. Es gab Kreuzzugswillige in Spanien, Italien, England und Deutschland. Vor allem gab es eine große Anzahl von Armen, die er nicht anzuziehen beabsichtigte.42 Schließlich zogen nicht wie geplant, eine Schar Ritter aus Frankreich in Richtung Osten. Vielmehr bildeten sich mehrere, aus allen Bevölkerungsschichten zusammengesetzte „Wellen“43. Diese bestanden insgesamt aus rund 120.000 Männer und Frauen, davon vermutlich weniger als 10 Prozent Ritter und Adlige.44 Es können drei solcher Wellen unterschieden werden. Die erste Welle stellte den erfolglosen Volkskreuzzug dar. Der zweiten Welle, dem Kreuzzug der Ritter, gelang die Eroberung Jerusalems. Die dritte Welle schließlich, die frühestens 1098 aufbrach wurde 1101 weitgehend vernichtet.45

[...]


1 Régine Pernoud (Hrsg.): Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten, 5. Aufl., dtv, München 1980, S. 100

2 Vgl. Jonathan Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, in: Theologische Realenzyklopädie, hg. v. Gerhard Krause u. Gerhard Müller, Bd. 20, Berlin, New York 1990, S. 1.

3 Vgl. Nikolas Jaspert: [Art.] Kreuzzugsbewegung, in: Lexikon für Theologie und Kirche, hg. v. Walter Kasper, Bd. 6, 3. Völlig neu bearb. Aufl., Freiburg/Br. u.a. 1997, Sp. 469.

4 Vgl. Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, S. 1.

5 Vgl. Jaspert: [Art.] Kreuzzugsbewegung, Sp. 469.

6 Vgl Jonathan Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, in: Lexikon des Mittelalters, hg. v. Bautier, Robert-Henri u.a., Bd. 5, München und Zürich 1991, Sp. 1508.

7 Vgl. Ebd.

8 Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, 9. Aufl., Kohlhammer, Stuttgart, Berlin und Köln 2000, S. 19.

9 Vgl. Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, S. 20.

10 Vgl. Ebd.

11 Vgl. Nikolas Jaspert: Die Kreuzzüge, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S. 1.

12 Vgl. Peter Thorau: Die Kreuzzüge, Verlag C. H. Beck, München 2004, S. 11.

13 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 3.

14 Vgl. Ebd. S. 4.

15 Vgl. Ebd.

16 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 24.

17 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 24..

18 Vgl. Ebd. S. 25.

19 Ebd. S. 38.

20 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 9.

21 Vgl. Ebd. S. 21.

22 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 38.

23 Vgl. Ebd. S. 39.

24 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 18.

25 Vgl. Ebd.

26 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 18.

27 Vgl. Ebd. S. 29.

28 Vgl. Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge, 4. Aufl., dtv, München 2003, S. 106.

29 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 29f..

30 Vgl. Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, S. 1.

31 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 27.

32 Vgl. Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, Sp. 1510.

33 Vgl. Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, S. 1.

34 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 26.

35 Ebd.

36 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 26.

37 Ebd. S. 27.

38 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 27.

39 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 35.

40 Vgl. Thorau: Die Kreuzzüge, S. 27.

41 Vgl. Ebd.

42 Vgl. Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, S. 2.

43 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 35.

44 Vgl. Riley-Smith: [Art.] Kreuzzüge, Sp. 1510.

45 Vgl. Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 35.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Hinter den Kulissen des ersten Kreuzzuges. Motive, Verlauf und Folgen
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Einführung in die Techniken wissenschaftlichen Arbeitens in Theologie und Religionswissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V495291
ISBN (eBook)
9783346001122
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Volkskreuzzug, Kreuzritter
Arbeit zitieren
Eva Stoll (Autor), 2009, Hinter den Kulissen des ersten Kreuzzuges. Motive, Verlauf und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495291

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