"Wie können wir Kindern den Islam erklären?" (Fach: Katholische Religion)


Unterrichtsentwurf, 2014
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Rahmenbedingungen
1.1 Schulische und unterrichtliche Rahmenbedingungen
1.2 Lerngruppe und Lernvoraussetzungen
1.3 Didaktische Abschnittsplanung

2 Didaktische Entscheidungen
2.1 Analyse des Sachverhalts und didaktische Reduktion
2.2 Gestaltung der Lernaufgabe

3 Konzeptionelle Schwerpunktsetzung
3.1 Zielformulierung
3.2 Kompetenzen

4 Methodisch-didaktische Aspekte der Lernhandlung
4.1 Einstieg
4.2 Strukturierung
4.3 Erarbeitung
4.4 Präsentation
4.5 Besprechung und Reflexion
4.5 Selbstreflexion

5 Freiräume

6 Lernschleife

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Rahmenbedingungen

1.1 Schulische und unterrichtliche Rahmenbedingungen

Die Unterrichtsstunde mit dem Thema „Wie können wir Kindern den Islam erklären?“ findet in der Unterstufe der Fachschule für Sozialwesen statt. Die Grundlage bildet der Lehrplan für die Fachschule Sozialwesen, Fachrichtung Sozialpädagogik des Landes Rheinland-Pfalz.1 Dieser orientiert sich an den Handlungsfeldern der pädagogischen Praxis und gliedert sich in Lernmodule. Ich unterrichte die Lerngruppe im Lernmodul 9 b: Prozesse religiöser Bildung und Erziehung gestalten (Katholische Religion/Religionspädagogik).2 In der Unterrichtseinheit werden folgende im Lehrplan aufgeführte Kompetenzen gefördert:3 „Kulturelle und religiöse Vielfalt wahrnehmen und wertschätzend gestalten“, „Das Fremde verstehen und respektieren und zugleich das Eigene wahren“ sowie „Religiöse Fragen und Äußerungen von Kindern […] verstehen, anregen und begleiten“. Weiterhin wird die Fähigkeit zur interreligiösen Verständigung und damit auch zur interkulturellen Elternarbeit gefördert. Dies ist laut Lehrplan für angehende Erzieher wichtig, „da pädagogische Fachkräfte Vorbildfunktionen haben und Menschen unterschiedlichster Herkunft gerecht werden müssen“.4 Bei der Planung wurde außerdem der interne Arbeitsplan der Schule und das eingeführte Lehrbuch5 herangezogen.

Zur Förderung der genannten Kompetenzen wurde die Lernsituation „Religionspädagogik und religiöse Vielfalt – Wie gehen wir damit um?“ geschaffen. Dabei setzen sich die Schüler mit der Situation der Erzieherin Sabine in der Modell-Kindertagesstätte6 auseinander. Die Kita-Gruppe ist religiös bunt gemischt, wobei neben Christen die meisten Kinder muslimisch sind. Im Rahmen ihrer Tätigkeit erlebt Sabine verschiedene Situationen aufgrund der unterschiedlichen Kulturen und Religionen, in denen sie entsprechend reagieren muss. In der Unterrichtseinheit werden die Schüler zunächst für die Chancen und Probleme sensibilisiert, die sich im multikulturellen und multireligiösen Kontext ergeben. Sie befassen sich mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam, der neben dem christlichen Glauben in Deutschland am häufigsten vertreten ist. Anschließend erarbeiten sie sich Prinzipien im Umgang mit religiöser Vielfalt und nehmen die Herausforderungen als Erzieher wahr. In der gezeigten Stunde wenden sie diese Prinzipien an, indem sie anhand auftretender Kinderfragen Handlungsmöglichkeiten erarbeiten, wie sie Kindern den Islam erklären können. In den nächsten Stunden setzen sie sich mit der Gestaltung von Festen und der Elternarbeit im multireligiösen Kontext auseinander.

1.2 Lerngruppe und Lernvoraussetzungen

Die Fachschule für Sozialpädagogik besteht aus 21 Schülern (20 x w; 1 x m). Der Unterricht in Religionspädagogik erfolgt konfessionell gemischt (12 evangelisch, 7 katholisch, 2 konfessionslos) durch eine evangelischen Pfarrerin. Seit Beginn des Schuljahres hospitiere ich und halte gelegentlich Stunden. Die dargestellte Unterrichtseinheit wurde von mir geplant und durchgeführt. Gegenüber den Fachlehrern und mir wird ein höflicher und respektvoller Umgang gepflegt. Das Lernklima ist von einer vertrauensvollen und entspannten Atmosphäre geprägt. Das Verhältnis zwischen den Schülern ist harmonisch und wertschätzend.

Die Vorbildung der Schüler ist sehr heterogen, sowohl hinsichtlich schulischer (Sekundarabschluss I, Fachhochschulreife, allgemeine Hochschulreife, abgeschlossenes Lehramtsstudium), als auch beruflicher Ausbildung (u. a. Hotelfachangestellte, Bäckereifachverkäuferin, Einzelhändlerin, Augenoptikerin, Sozialassistentin, Hauswirtschafterin). Diese Diversität wirkt sich gewinnbringend auf den Unterricht aus. In den mündlichen Beiträgen der einzelnen Schüler lassen sich keine Unterschiede, begründet auf die unterschiedliche Vorbildung, erkennen. Die meisten Schüler möchten später in einer Kita arbeiten, aber auch in Kinderkrippen, mit Jugendlichen oder mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Ich gestalte deshalb Lernsituationen unterschiedlicher Art, um allen Schülern gerecht zu werden. Im Frühjahr absolvierten die Schüler ein siebenwöchiges Praktikum in einer Kita. Die Lernsituation dieser Unterrichtseinheit richte ich danach aus, da durch das Praktikum eine gemeinsame Ausgangsbasis besteht und sich alle Schüler mit ihren Erfahrungen einbringen können. Vier Schülerinnen haben bereits selbst Kinder im Alter zwischen zwei und neun Jahren und bereichern den Unterricht durch eigene Erlebnisse mit ihren Kindern. Die Schüler sind gegenüber dem religionspädagogischen Unterricht aufgeschlossen, zeigen Interesse an religiösen Themen und sind insgesamt sehr wissbegierig, motiviert und lerneifrig. Häufig entstehen lebendige Diskussionen und Reflexionen auf hohem Niveau.

Das Leistungsniveau in der Klasse ist insgesamt hoch. Die Kommunikationskompetenz ist bei einem Großteil der Schüler stark ausgeprägt, was sich durch häufige, qualitativ hochwertige und sprachlich gut strukturierte Beiträge zeigt. Ungefähr ein Drittel der Lerngruppe sind eher ruhige Schüler, die sich nicht so oft am Unterricht beteiligen, aber bei Gruppenarbeiten aktiv sind und gute Ergebnisse bei schriftlichen Leistungen zeigen. Die Schüler bearbeiten Arbeitsaufträge selbstständig und zeigen Eigeninitiative bei der Erstellung von Lernprodukten, z. B. in Form von Plakaten. Die Methodenkompetenz der Schüler, insbesondere die Präsentationskompetenz konnte mittlerweile auf ein hohes Niveau gefördert werden (insbesondere durch Lernmodul 2: Kommunikation, Lern- und Arbeitstechniken). Die Schüler verfügen über eine ausgeprägte Sozialkompetenz, weshalb die Zusammenarbeit in Gruppen sehr gut und routiniert funktioniert. Die Schüler sind mit unterschiedlichen Methoden der Sozialform Gruppenarbeit vertraut, so auch mit dem Galeriegang in gemischten Gruppen. Die Gruppenmitglieder sprechen sich ab, verteilen die Rollen und gehen dabei sehr wertschätzend miteinander um. In Gruppen arbeiten die Schüler effektiv, unabhängig davon ob eine Zuteilung der Gruppenmitglieder nach Sympathie, Zufall oder Themeninteresse erfolgt. Eine Einteilung der Gruppen meinerseits z. B. nach Leistungsniveau erachte ich als nicht notwendig. Zumal in Religionspädagogik keine bedeutenden Leistungsunterschiede bestehen und die Schüler in ihrem späteren Berufsleben auch mit unterschiedlichen Personengruppen zusammenarbeiten müssen. In der gezeigten Stunde erfolgt die Gruppeneinteilung nach Zufall, indem ich vor der Stunde die Gruppenmitglieder auslose. In der Klasse wird gegenseitig kritisches Feedback akzeptiert, z. B. bei Präsentationen oder Plakatgestaltung. Mir erscheint es, dass diese Kritik auch angenommen und umgesetzt wird. Es findet ein stetiges Lernen durch Lehren statt, auch aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen und Vorkenntnisse der Schüler. Der Fokus der gezeigten Stunde liegt auf der Übertragung ihres Vorwissens auf einen Fall aus der Berufspraxis, was eine hohe Transferleistung von den Schülern verlangt, da sie nur wenig Erfahrung in der Arbeit in einer Kita haben.

1.3 Didaktische Abschnittsplanung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Didaktische Entscheidungen

2.1 Analyse des Sachverhalts und didaktische Reduktion

„Die Welt trifft sich im Kindergarten“8 - Dieser Buchtitel bringt die Situation in unseren Kitas auf den Punkt. Die Gruppen sind heute ethnisch, kulturell und religiös bunt zusammengesetzt. In Deutschland stammt die Mehrheit der Kinder mit Migrationshintergrund (über 50 %) aus der Türkei.9

Es ist Aufgabe der Erzieher, die Kinder religionspädagogisch zu begleiten. Um bestmöglich auf die Kinder einzugehen ist es notwendig, sich mit anderen Religionen auszukennen und diese versuchen zu verstehen. Schüler der Fachschule sollten bereits ein Grundwissen über die verschiedenen Religionen mitbringen. Allerdings bestanden in dieser Lerngruppe Wissenslücken und die Schüler äußerten großes Interesse am Islam. Deshalb setzten sie sich zunächst mit dem Islam sowie den Unterschieden und Gemeinsamkeiten mit dem Christentum auseinander. Darauf aufbauend sollen die angehenden Erzieher lernen, interreligiöse Lernprozesse bei den Kindern anzubahnen. Im Umgang mit religiöser Vielfalt finden folgende Prinzipien Anwendung: Akzeptanz und Wertschätzung (Kindern mit wertschätzender Grundhaltung entgegenkommen, unabhängig von Herkunft, Sprache und Religion), Repräsentanz (Kinder sollen sich in Kitas mit ihren unterschiedlichen religiösen Hintergründen wieder finden können, z. B. in Büchern, Geschichten, Speisen und Festen) und Biografiebezug (individuelle Lebensgeschichte jedes Kindes berücksichtigen und Probleme sowie bestimmte Verhaltensweisen nicht vorschnell kulturell deuten).10 Daraus ergeben sich Herausforderungen für Erzieher: Die Vielfalt der religiösen Wahrheiten aushalten; Mit fremden religiösen Traditionen achtsam umgehen; Begegnung mit Religionen ermöglichen.11 Dies entspricht der Sichtweise der Katholischen Kirche zum interreligiösen Dialog, wonach dieser als notwendige Bedingung von Frieden in der Welt angesehen wird. Insbesondere der Dialog mit dem Islam soll von Achtung und Zuneigung geprägt sein.12

Interreligiöses Lernen in der Kita geschieht vor allem in der Begegnung, bei gemeinsamen Aktionen, beim Betrachten von Bildern und Bilderbüchern oder beim Erkunden von Sakralräumen. Dabei kann das Interesse für andere Religionen geweckt, Wissen aufgebaut sowie zum Abbau von Vorurteilen beigetragen werden.13 Die Kinder sollen lernen, dass unterschiedliche Religionen, Feste und Bräuche nebeneinander bestehen dürfen und geachtet werden. Dabei werden sich die Kinder ihrer eigenen Religionszugehörigkeit bewusst, nehmen Unterschiede wahr und setzen sich mit Religionen anderer Kinder der Gruppe auseinander.14 Dabei ist beispielsweise auch wichtig, die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam in den Vordergrund zu stellen.

[...]


1 Vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (Hrsg.): Lehrplan für die Fachschule Sozialwesen. Fachrichtung Sozialpädagogik, 20.05.2011.

2 Vgl. Ebd., S. 27 f.

3 Vgl. Ebd., S. 28.

4 Vgl. Ebd. S. 24.

5 Vgl. Möller, Rainer; Tschirch, Reinmar (Hrsg.): Arbeitsbuch Religionspädagogik für ErzieherInnen, 5. Aufl., Stuttgart (Kohlhammer) 2012.

6 „Kindertagesstätte“ wird künftig mit „Kita“ abgekürzt.

7 LM = Lernmodul des Lehrplans für die Fachschule Sozialwesen, Fachrichtung Sozialwesen.

8 Vgl. Ulich, Michaela; Oberhuemer, Pamela; Soltendieck, Monika: Die Welt trifft sich im Kindergarten: Interkulturelle Arbeit und Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen, 4. Aufl., Berlin (Cornelsen) 2012.

9 Vgl. Fleck, Carola; Leimgruber, Stephan: Interreligiöses Lernen in der Kita, Köln (Bildungsverlag EINS) 2011, S. 7.

10 Vgl. Möller, Rainer; Tschirch, Reinmar (Hrsg.): Arbeitsbuch Religionspädagogik für ErzieherInnen, 5. Aufl., Stuttgart (Kohlhammer) 2012, S. 149 f.

11 Vgl. Ebd., S. 161.

12 Vgl. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.): Apostolisches Schreiben EVANGELII GAUDIUM des Heiligen Vaters Papst Franziskus, Bonn 2013, S. 169 ff.

13 Vgl. Fleck, Carola; Leimgruber, Stephan: Interreligiöses Lernen in der Kita, Köln (Bildungsverlag EINS) 2011, S. 16 f.

14 Vgl. Fleck, Carola; Leimgruber, Stephan: Interreligiöses Lernen in der Kita, Köln (Bildungsverlag EINS) 2011, S. 16 f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Wie können wir Kindern den Islam erklären?" (Fach: Katholische Religion)
Veranstaltung
Lernmodul 9b: Prozesse religiöser Bildung und Erziehung gestalten
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V495321
ISBN (eBook)
9783346003775
ISBN (Buch)
9783346003782
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich um eine Lehrprobe an einer Berufsbildenden Schule in Rheinland-Pfalz.
Schlagworte
Erzieher, Erzieherfachschule, Religiöse Bildung, Religionspädagogik, Kulturelle Bildung, Religiöse Vielfalt, Kindergarten, Kita, Multikultureller Kontext, Multireligiöser Kontext, Gruppenarbeit, Galeriegang, Plakaterstellung, Materialkoffer, Islam, Interreligiöse Kompetenz
Arbeit zitieren
Eva Stoll (Autor), 2014, "Wie können wir Kindern den Islam erklären?" (Fach: Katholische Religion), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495321

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