Die gesetzliche Frauenquote. Eine kritische Auseinandersetzung


Hausarbeit, 2016
15 Seiten, Note: BC

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

l Einleitung

2 Aktuelle Situation

2.1 In der Politik

2.2 In der Wirtschaft

3 Grunde fur eine Unterreprasentation

4 Frauenquote und Unternehmenserfolg

5 Kontroversen

5.1 Quote und Gerechtigkeit

5.2 Quote und Qualifikation

5.3 Quote und Freiheit

6 Alternativen zur Frauenquote

7 Ausblick

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

„Weibliche Fuhrungskrafte sind in deutschen Unternehmen deutlich unterreprasentiert“1 Aus diesem Grund wird in Deutschland schon lange uber den Erlass einer Frauenquote diskutiert, die den Anteil der Frauen in Spitzenpositionen in der Wirtschaft gesetzlich regeln soll. Im Marz diesen Jahres wurde das Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Mannern und Frauen an Fuhrungspositionen in der Privatwirtschaft und dem offentlichen Dienst verabschiedetet. Es verpflichtet groBe Unternehmen in Deutschland, bei Neubesetzungen von Aufsichtsraten einen Anteil von Frauen in Hohe von mindestens 30 Prozent zu berucksichtigen. Fur den Fall, dass es nicht genug Frauen im Aufsichtsrat gibt um diesen Anteil zu erreichen, bleibt der zu besetzende Stuhl unbesetzt. Betroffen sind von dieser Quote 108 borsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige deutsche Unternehmen. Weitere 3500 Unternehmen werden dazu angehalten, sich eine beliebig gewahlte Zielvorgabe zu setzten. Eine Kontrolle sowohl der aufgelegten, als auch der freiwilligen Quote soll erstmalig nach einem Jahr geschehen, Sanktionen bei Nichteinhaltung sind nicht geplant.2

Dieses Gesetz soll dazu dienen, den Anteil von Frauen in Fuhrungspositionen in Deutschland langfristig zu steigern. Es soll weiterhin durch eine Geschlechterparitat zu einer heterogenen Zusammensetzung der Fuhrungsebene fuhren, um bessere wirtschaftliche Ergebnisse zu fordern.3 Aber ist dieses Gesetz wirklich notwendig oder ist es ein zu groBer staatlicher Eingriff in die Wirtschaft? Durch den heutigen demographischen Wandel und den daraus resultierenden Fachkraftemangel wird es fur Unternehmen schon heute zunehmend schwieriger, gut ausgebildete Fachkrafte fur sich zu gewinnen und an sich zu binden. Werden sie dadurch in Zukunft nicht automatisch auf gut ausgebildete Frauen fur Fuhrungspositionen zuruckgreifen mussen, um Stellen besetzen zu konnen? Und woraus resultiert diese Unterreprasentation von Frauen in Fuhrungspositionen, wollen Frauen uberhaupt in Fuhrungspositionen arbeiten?

Diese Hausarbeit thematisiert eine kritische Auseinandersetzung mit der Frauenquote. Hierzu wird zunachst die aktuelle Situation von Frauen in Fuhrungspositionen dargestellt. AnschlieBend werden Grunde fur die Unterreprasentation von Frauen erlautert und der Zusammenhang von Unternehmenserfolg und Frauenquote untersucht. Im darauf folgenden Kapitel werden die Kontroversen der Frauenquote aufgezeigt. Im 6. Kapitel der Hausarbeite geht es um mogliche Alternativen zu einer gesetzlich festgelegten Frauenquote. Den Abschluss bildet ein Ausblick.

2 Aktuelle Situation

Fur eine Studie der Europaischen Kommission wurden die Mitglieder der Aufsichts- und Verwaltungsrate je Land in Europa erfasst. Betrachtet werden jeweils die maximal 50 groBten borsennotierten Unternehmen eines Landes. Im April 2015 wurden Daten von 619 Unternehmen erhoben. Spitzenreiter der Studie ist Island mit einem Frauenanteil im Aufsichts- oder Verwaltungsrat von 43 Prozent, gefolgt von Mazedonien und der Slowakei mit jeweils 30 Prozent. Deutschland liegt mit einem Anteil von nur 7 Prozent deutlich darunter, sogar noch unter dem Durchschnitt von 8 Prozent.4

In Norwegen gibt es bereits seit 2006 eine Frauenquote, die einen Anteil von Frauen in Aufsichtsraten von 40 Prozent vorschreibt.5 Dies bezieht sich nicht nur auf das Prasidentenamt, sondern auch auf die Mitgliedsamter. Im April lag Norwegen mit 36 Prozent Frauenanteil knapp unter der auferlegten Quote.6 Auch in den Niederlanden ist eine Einfuhrung der Frauenquote fur 2016 vorgesehen. Fur alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern gilt dann ein Frauenanteil von mindestens 30 Prozent im Aufsichtsrat und im Vorstand.7

Auch an deutschen Hochschulen ist ein geringer Frauenanteil zu merken. Im Jahr 2012 wurden von insgesamt 52900 Professor Stellen lediglich 9000 von Frauen besetzt. Dies entspricht einem Anteil von 20 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren ergab sich eine Steigerung des Anteils der Professorinnen an deutschen Hochschulen um 9 Prozent, im Jahr 2002 betrug dieser lediglich 11 Prozent.8

2.1 In der Politik

Einige Parteien in Deutschland folgen einer selbstauferlegten Frauenquote. Die Partei Die Grunen hat es sich zu Ziel gesetzt, einen Anteil von Frauen in Hohe von 50 Prozent zu erreichen. Hierzu starteten sie bereits 2012 mit einer Mitgliederwerbekampagne, die gezielt Frauen ansprechen sollte.9 Im Jahr 2014 erreichten sie einen Anteil von 38,5 Prozent und waren damit die Partei mit dem hochsten Frauenanteil.10 Diese selbsterlegte Quote gilt aber allgemein fur Mitglieder der Partei und lasst keinerlei Ruckschlusse auch Frauen in Spitzenpositionen bei der Partei ziehen. Der Frauenanteil im Bundestag betragt 36 Prozent und liegt damit oberhalb der geforderten Quote fur die borsennotierten Unternehmen.11

2.2 In der Wirtschaft

Der Anteil von Frauen in Fuhrungspositionen variiert stark nach UnternehmensgroBe. Ein hoher Frauenanteil ist besonders in kleinen Unternehmen mit 1 bis 10 Mitarbeitern zu finden. Die folgende Statistik bildet den Frauenanteil in Fuhrungspositionen in Deutschland nach UnternehmensgroBe im Jahr 2015 (Stand 04. Mai) ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Frauenanteil nach UnternehmensgroBe 201512

Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsraten der 200 groBten Unternehmen in Deutschland ist seit 2006 kontinuierlich von 7,8 Prozent auf 18,4 Prozent in 2014 gestiegen.13 Damit liegt er aber noch weit unter der geforderten Quote von 30 Prozent.

3 Grunde fur eine Unterreprasentation

Um uber die Notwendigkeit einer Frauenquote zu diskutieren, ist es erforderlich, auch die Hintergrunde des Erlass dieser zu kennen. Das Ziel dieses Gesetzes ist es, die Unterreprasentation von Frauen in Spitzenpositionen zu bekampfen. Doch woraus resultiert die Unterreprasentation von Frauen in Fuhrungspositionen?

Der Hauptgrund fur eine Unterreprasentation der Frau in Spitzenpositionen aus Sicht einer Statistik des statistischen Bundesamts ist vor allem die Erwerbstatigkeit von Frauen, auf die Familienplanung und Kinderbetreuung einen groBen Einfluss haben. So waren im Jahr 2012 lediglich 32 Prozent der Frauen mit einem Kind unter drei Jahren berufstatig. Dieser Prozentsatz steigert sich mit dem Alter des Kindes. Die Erwerbstatigkeit der Manner dagegen lag unabhangig von dem Alter der Kinder bestandig zwischen 82 und 85 Prozent.14 Durch die steigende Anzahl an Vatern, die ihr Recht auf Elternzeit in Anspruch nehmen, konnte sich ein Wandel ergeben. Auch eine Umfrage von Statista, einem Statistik-Portal, fuhrt zu dem Ergebnis, dass die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Hauptgrund fur die Unterreprasentation ist. 73 Prozent der Befragten nannten diesen Grund.15

Dies kann allerdings nicht der einzige Grund fur eine Unterreprasentation sein, denn trotz der Geburtenruckgange ist kein signifikanter Anstieg von Frauen in Fuhrungspositionen zu vermerken. Ein Abnehmen des Geburtenruckgangs ist seit circa 1965 zu vermerken, trotzdem gibt es eine Unterreprasentation. 54 Prozent der Teilnehmer der Umfrage gaben als zweiten Grund fur eine Unterreprasentation die mangelnde Flexibilitat der Arbeitgeber an. Fuhrungspositionen auch in Teilzeit zu besetzen ist fur viele noch nicht vorstellbar.16

Auch die mangelnde Anzahl von Frauen in den sogenannten MINT Facher wird oft als ein Grund genannt. Der Anteil der MINT-Erstabsolventinnen an den MINT-Erstabsolventen liegt aber bereits seit 2003 konstant knapp uber 30 Prozent. Betrachtet man nur das Fach Technik wird eine Unterreprasentation deutlicher: Hier liegt der Anteil der Erstabsolventinnen nur etwa bei 22 Prozent.17

[...]


1 Kienbaum (2014)

2 Vgl. Bundesgesetzblatt (2015) S.642 ff

3 Vgl. Bundesministerium fur Familien, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesministerium der Justiz und fur Verbraucherschutz (2015) S. 1f

4 Vgl. Europaische Kommission (2015)

5 Vgl. Steffens (2010) S. 4

6 Vgl. Europaische Kommission (2015)

7 Vgl. Steffens (2010) S. 4

8 Vgl. Stat. Bundesamt Wiesbaden (2014) S. 10

9 Vgl. Die Grunen (2015)

10 Vgl. Statista (2014) Umfrage zu dem Anteil der Frauen an den Mitgliedern der politischen Parteien Deutschlands

11 Vgl. Deutscher Bundestag

12 Vgl. Statista (2015) Frauenanteil in Fuhrungspositionen in Deutschland nach UnternehmensgroBe im Januar 2015

13 Vgl. Statista (2014) Anteil der Frauen in den Aufsichtsraten der 100 bzw. 200 groBten Unternehmen von 2006 bis 2014

14 Vgl. MINT Zukunft schaffen

15 Vgl. Statista (2015) Woran liegt es, dass Frauen in Fuhrungspositionen in Deutschland unterreprasentiert sind?

16 Vgl. Statista (2015) Woran liegt es, dass Frauen in Fuhrungspositionen in Deutschland unterreprasentiert sind?

17 Vgl. MINT Zukunft schaffen

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die gesetzliche Frauenquote. Eine kritische Auseinandersetzung
Hochschule
Nordakademie Hochschule der Wirtschaft in Elmshorn
Note
BC
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V495324
ISBN (eBook)
9783668987159
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, auseinandersetzung, frauenquote
Arbeit zitieren
Jana Schott (Autor), 2016, Die gesetzliche Frauenquote. Eine kritische Auseinandersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495324

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