Going international? Marktanalyse des australischen Kunstmarktes als erster Schritt zur Selbstvermarktung bildender Kunst am Beispiel Perth


Seminararbeit, 2004
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Going international

Kultur und deren Bedeutung

Der Kunstmarkt

Was unterscheidet den Kunstmarkt von anderen Märkten?

Wovon wird der Kunstmarkt bestimmt

Bildende Kunst in Australien von 1780 bis heute

Marktanalyse Kunstmarkt (West-)Australien

Deutsche und australische Künstler im Vergleich

Potential australischer Kunstmarkt

Marktauswahlentscheidung

Eintrittsbarrieren des australischen Kunstmarkts

Fazit

Anhang: Quellenverzeichnis

Vorwort

Der Grund, weshalb ich mich für diese Arbeit entschied, ist eine für 2005 von mir geplante Bildausstellung in West-Australien, Perth.

Im Kontext internationalen Marketings beschreibe ich als ersten Schritt zur Selbstvermarktung eine Marktanalyse des australischen Kunstmarktes mit besonderem Fokus auf West-Australien, Perth. Sie soll Aufschluss darüber geben, inwieweit der australische Kunstmarkt für mich und meine künstlerischen Arbeiten sowohl in finanzieller als auch repräsentativer Hinsicht Potential bietet.

Um dieser Frage näher zu kommen, zeige ich grundlegende Prinzipien des internationalen Handelns auf und versuche, daraus Rückschlüsse für den australischen Kunstmarkt zu ziehen. Die Prinzipien für die Untersuchung weiterer internationaler Kunstmärkte dürften ähnlich sein. Es soll sich in diesem Falle lediglich um eine „Fallstudie“ handeln.

Auch gehe ich auf die Bedeutung unterschiedlicher Kulturen und Gebräuche ein, und warum das Wissen um diese so wichtig für internationale unternehmerische Tätigkeiten ist.

In groben Zügen erkläre ich, wie der Kunstmarkt an sich aussieht, wie er funktioniert und welche Bedeutung der australischen Kunstgeschichte zukommt. Über einen Vergleich deutscher und australischer bildender Künstler beschreibe ich die Ist-Situation, und leite daraus künftige Tendenzen ab.

Im letzten Schritt zeige ich das derzeitige Marktpotential auf und die sich daraus für mich ergebenden Chancen und Risiken.

Anmerkung: Die männliche Schreibweise der Künstler schließt stets beide Geschlechter ein, es sei, ich verweise ausdrücklich auf eine Unterscheidung zwischen Künstlern und Künstlerinnen, wie es etwa beim Einkommen der Fall ist.

Einleitung

Going international

Warum überhaupt international agieren?

Seit Beendigung des 2. Weltkrieges ist ein stetiger Anstieg internationaler Verflechtungen von Volkswirtschaften und Ländergrenzen überschreitender Geschäftstätigkeiten von Unternehmen zu verzeichnen. In Theorie und Praxis wird dieses Phänomen unter dem Schlagwort der Internationalisierung behandelt[1].

Schlägt man unter dem Schlagwort Internationalisierung/Globalisierung nach, findet man zum Beispiel folgende Definition[2]:

Weltweites Zusammenwirken und eine immer stärker werdende Verknüpfung der nationalen Märkte und Gesellschaften auf Grund von Entwicklungen im Bereich des Informationen- und Warentransportes. Sie bezeichnet eine Zunahme der nationenübergreifenden wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen.

Mit der Verdichtung der transnationalen Beziehungen geht eine Zunahme der wechselseitigen Abhängigkeiten einher. Das gilt nicht nur für Politik, Kommunikationsprozesse, Kapital- und Warenverkehr sondern unter anderem auch für den Bereich Kultur[3].

Vergleicht man die Weltwirtschaftsleistung von 1950 – 1999, lässt sich ein Anstieg um durchschnittlich 3,8% verzeichnen. Der Weltexport im gleichen Zeitraum stieg vergleichsweise um durchschnittlich 6,2% an, was Indikator für eine zunehmende Verflechtung der Weltwirtschaft ist[4].

Insbesondere seit den 1980er Jahren lässt sich eine gesamtwirtschaftliche Internationalisierung verzeichnen, die sich in zunehmendem Maße auch im Dienstleistungssektor bemerkbar macht[5].

Die Gründe, weshalb Unternehmen sich für eine Internationalisierung ihrer Geschäftstätigkeiten entscheiden, können sein

- Sättigungstendenzen (stagnierende Nachfrage, wachsende Konkurrenz)
- Internationale Handelsverflechtungen und (zunehmende Liberalisierung der Handelspolitik weltweit)
- Kostenstrukturveränderungen (steigende Fixkosten, die bspw. eine Mengenerweiterung in der Produktion notwendig machen, um die stückbezogenen Fixkosten zu senken)

Die Gründe für deutsche Künstler und Künstlerinnen bzw. deren Galeristen, sich international zu vermarkten, können unterschiedlich sein, sind aber denen wirtschaftlicher Unternehmen sehr ähnlich. Denn Kunst ist streng genommen ebenso ein Wirtschaftsgut wie Biotechnologie, Agrarprodukte, Dienstleistungen etc.

Ein Grund kann folglich sein, neue Märkte erschließen zu wollen. In Zeiten einer stark wachsenden Zahl an Nachwuchskünstlern bei konstant kleiner Zahl[6] an Abnehmern ist auf dem deutschen Markt unter Umständen nur noch wenig Gewinn zu machen, weil die ökonomische Situation schlechter ist als anderswo. Darüber beklagen sich z. B. deutsche Galeristen und Künstler, mit denen Dr. Gabriele Saure von Arte Global zusammenarbeitet[7]. Das Resultat ist, das sich bei weniger guten wirtschaftlichen Verhältnissen das Käuferverhalten in Hinblick auf Kunst verändert, sprich, die Kaufkraft nachlässt.

Ein anderer Grund, international tätig zu werden, kann für eine Galerie oder einen Künstler sein, dass sich der Kunstgeschmack weltweit unterscheidet. Ein Künstler, der in Deutschland nicht ankommt, kann durchaus andernorts Karriere machen.

Auch Sendungsbewusstsein kann eine Rolle beim Eintreten in den internationalen Markt spielen: Zum Beispiel, deutsche Kultur im Ausland vermitteln oder Kooperationsvereinbarungen mit anderen Galeristen eingehen zu wollen.

Wirtschaftliche Vorteile, Publikumsinteresse, neue Märkte und „Weltfähigkeit“ von Kunst und Künstlern machen den internationalen Markt also auch für bildende Kunst attraktiv.

Ich habe mich für eine Markanalyse des australischen Kunstmarktes für bildende Kunst entschieden, weil ich herausfinden möchte, inwieweit er mir Potential bieten kann, wie es mein Heimatmarkt u. U. nicht kann. Zu welchem Ergebnis ich gekommen bin, werden weitere Ausführungen beschreiben.

Neben einer entsprechenden Marktanalyse, die Auskunft gibt über ausländisches Kaufverhalten und Marktpotentiale, ist es für Galeristen bzw. Künstler unabdingbar, ein gewisses Gespür und Wissen um Mentalitäten zu entwickeln und zu erforschen, will man in die Riten und Gebräuche eines Landes einsteigen. Die Australier werden aufgrund ihrer kulturellen Dispositionen eine andere Kunst vorziehen, als die Chinesen beispielsweise. Doch was versteht man überhaupt unter Kultur?

Kultur und deren Bedeutung

Will man global agieren, ist es für Geschäftstreibende wichtig, sich über die Bedeutung von Kultur Gedanken zu machen, denn wie bereits ein altes Sprichwort sagt: „Andere Länder, andere Sitten und Gebräuche“.

Fons Trompenaars, Global Manager und Gründer des Centre for International Business, beschreibt in seinem Buch Handbuch Globales Managen, dass internationale Geschäftsbeziehungen nur dann erfolgreich sind, wenn kulturelle Barrieren abgebaut werden. Das lässt sich jedoch nur bewerkstelligen, indem man die Unterschiede im Denken, Fühlen und Managen begreift, sie aufgreift und sinnvoll für eine kooperative Partnerschaft nutzt.

Er beschreibt Kultur als eine „Zwiebel“, deren Schichten freigelegt werden müssen, wenn man in den Kern vordringen möchte. Die äußere Schale sind die offensichtlichsten Merkmale einer Kultur. Es sind gemäß seiner Definition zunächst überschaubare Realitäten wie zum Beispiel Sprache, Hautfarbe, Nahrung, Landwirtschaft, Architektur, Denkmäler, Mode, Kunst.

Weiter verborgen finden sich Religion, Riten, Gebräuche, Ansichten, Wertvorstellungen usw. Auch unsere eigene Kultur ist uns im täglichen Leben nicht gegenwärtig. Wie leben in und mit ihr, ohne uns ihrer immer bewusst gewahr zu sein. Als Teil unseres Gedankengutes verbringt unsere Kultur die meiste Zeit ihres Daseins im Unterbewusstsein. Erst bei bewusst herangezogenen Vergleichen oder in fremden Umgebungen werden wir ihrer gewahr (zum Beispiel bei Reisen).

Wie unterschiedlich Kultur definiert wird, beschreibt auch Trompenaars, der in zahlreichen Seminaren auf die Frage, was man unter Kultur versteht, oftmals so viele Antworten erhalten hat, wie Teilnehmer anwesend waren. Trompenaars beschreibt jedoch drei elementare Faktoren, mit denen sich jedes menschliche Wesen auseinander zu setzen hat, ganz gleich, aus welchem Kulturkreis. Diese sind:

- menschliche Beziehungen
- Zeitgefühl und
- Einstellung zur Umwelt[8]

Wir alle haben uns mit diesen drei Fragen auseinander zu setzen, ganz gleich, ob wir es mit einem Gesellschaftssystem zu tun haben, in dem Universalismus oder Partikularismus (Gesetze contra Beziehungen), Kollektivismus oder Individualismus (die Gruppe contra den Einzelnen), Gefühlsbetontheit oder Rationalismus (Spannbreite ausgedrückter Gefühle), Leistung oder Ansehen (Statusdenken) vorherrschen.

Doch wie erlangt ein Galerist bzw. Künstler Wissen um die jeweilige Mentalität eines Landes? Und was ergibt sich daraus für ihn hinsichtlich seiner Geschäftstätigkeit? Darauf kann man natürlich keine allgemeingültige Antwort geben, denn jede Region, jedes Land unterliegt seiner eigenen Kultur und ist von Fall zu Fall verschieden.

Nur zu leicht aber wird Internationalisierung mit Universalismus der eigenen Wertvorstellungen des Heimatlandes weltweit verwechselt. Hier ist es wichtig, fundamentale Denkweisen ausländischer Kulturen ausfindig zu machen, sie zu analysieren und entsprechend zu respektieren. Um andere Kulturen entdecken zu können, muss man Fehler begehen und bereit sein, aus ihnen zu lernen.

In nunmehr 1 ½ Jahren Aufenthalt in Australien hatte ich Gelegenheit, mich mit den Gegebenheiten dieses Landes auseinander zu setzen. Ich habe mit Australiern zusammengelebt und gearbeitet, viel über das Land, die Lebensumstände und die Menschen gelernt.

[...]


[1] Backhaus/Büschken/Voeth: Internationales Marketing, S. 25

[2] Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2003, 1993-2002 Microsoft Corporation

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Globalisierung#Kapital-_und_Warenverkehr

[4] Backhaus/Büschken/Voeth: Internationales Marketing, S. 25

[5] Backhaus/Büschken/Voeth: Internationales Marketing, S. 27

[6] Hirsch, Marion: Selbstvermarktung bildender Künstler, S.

[7] E-Mail Dr. Gabriele Saure, Arte Global

[8] Trompenaars: Handbuch Globales Managen, S. 22, 23

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Going international? Marktanalyse des australischen Kunstmarktes als erster Schritt zur Selbstvermarktung bildender Kunst am Beispiel Perth
Hochschule
Universität der Künste Berlin
Veranstaltung
Seminar Internationales Marketing
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
31
Katalognummer
V49535
ISBN (eBook)
9783638459662
ISBN (Buch)
9783638734882
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Going, Marktanalyse, Kunstmarktes, Schritt, Selbstvermarktung, Kunst, Beispiel, Perth, Seminar, Internationales, Marketing
Arbeit zitieren
Tanja Stojanovic (Autor), 2004, Going international? Marktanalyse des australischen Kunstmarktes als erster Schritt zur Selbstvermarktung bildender Kunst am Beispiel Perth, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49535

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