In der gesetzlichen Krankenversicherung in der Bundesrepublik Deutschland sind derzeit ca. 71 Millionen Menschen, also ungefähr 90% der Gesamtbevölkerung, versichert1. Gesetzliche Regelungen zu den Mitgliedern der GKV finden sich im SGB V. Ausgehend von einer Pflicht zur Versicherung in der GKV für Arbeiter, Angestellte Beschäftigte, Arbeitslose, Behinderte, Rentner und Student en findet sich auch die Möglichkeit der Befreiung von der Versicherungspflicht für Personen, deren Jahreslohn die sog. Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt. Nach den Absätzen 6 und 7 des § 6 SGB V liegt diese derzeit bei 42.300 EUR. Die GKV finanziert sich durch Beiträge. Diese bemessen sich prozentual am Arbeitslohn und sind jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu zahlen. Der Beitrag orientiert sich also an der finanziellen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Person. Wenigverdiener zahlen geringere Beiträge, gut verdienende Personen dafür mehr. Dies, verbunden mit der Tatsache, daß die Beiträge unabhängig von dem jeweiligen Gesundheitszustand des Versicherten erhoben werden, manifestiert das der GKV zu Grunde liegende Solidaritätsprinzip. Eine weitere Säule in der Organisation und Finanzierung der GKV ist das Sachleistungsprinzip. Es bedeutet, daß, unabhängig von den entstehenden Kosten, jeweils das medizinisch Notwendige für den jeweiligen Patienten geleistet wird. Das Gewähren der medizinischen Sachleistung erfolgt für den Patienten also ohne mit dem Leistungserbringer in eine ökonomische Beziehung treten zu müssen. Die Wirtschaftskraft der verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen wird durch den Risikostrukturausgleich sichergestellt. Etwaige aus der Mitgliederstruktur resultierende Wettbewerbsvorteile sollen dadurch vermieden bzw. die Nachteile ausgeglichen werden.
Inhaltsverzeichnis
A Die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung
B Aktuelle Probleme
C Die Bürgerversicherung
D Das Modell der Gesundheitsprämien
E Kombinationsansätze
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Zukunftsfähigkeit der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland und analysiert, ob und wie die konträren Modelle der Bürgerversicherung und der Gesundheitsprämien zu einem effizienten System kombiniert werden können.
- Grundlagen der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland
- Demographische Herausforderungen und Finanzierungsprobleme
- Analyse des Modells der Bürgerversicherung
- Analyse des Modells der Gesundheitsprämien
- Internationale Lösungsansätze am Beispiel der Niederlande
Auszug aus dem Buch
E Kombinationsansätze
In den Niederlanden findet sich ein Beispiel der Kombination der zwei primär divergenten Modelle. Prämisse des niederländischen Modells ist eine grundsätzliche Versicherungspflicht für alle Einwohner. Die Trennung zwischen GKV auf der einen und PKV auf der anderen Seite wird aufgehoben. Die derzeitigen privaten Versicherungen können so bestehen bleiben, die bisherigen gesetzlichen können sich umwandeln. Dieser neue Ansatz ist weder im Modell der Bürgerversicherung, noch dem der Gesundheitsprämien enthalten.
Bei der Bürgerversicherung soll die PKV über das Grundleistungspaket der GKV hinausgehende Zusatzleistungen versichern, beim Modell der Gesundheitsprämien soll die PKV wie bisher nur unter stärkerem Wettbewerb bestehen. Auch im niederländischen Modell ist den neuen Versicherungen ein Standardpaket mit vorgeschriebenen, medizinisch notwendigen Leistungen vorgegeben. Es besteht die Möglichkeit für Versicherte, gewünschte Zusatzleistungen hinzuzukaufen. Dies würde also dem Grundsatz der Umwandlung der bisherigen PKV in reine Zusatzversicherer nach dem Modell der Bürgerversicherung entsprechen.
Das Prinzip der Stärkung des Wettbewerbs, gefordert von der Herzog-Kommission bei Ihrem Modell der Gesundheitsprämie, findet sich auch im niederländischen Modell. Im niederländischen Modell wird die Wirtschaftlichkeit durch die Möglichkeit einer Eigenbeteiligung gefördert. Dies fördert auch den bewußten Umgang mit der Ressource Gesundheitskosten, da dadurch beispielsweise das in Deutschland verbreitete Ärztehopping durch finanzielle Anreize bei kostenbewußtem Umgang verhindert wird. Wie in beiden deutschen Modellen, findet sich auch in den Niederlanden der sog. Kontrahierungszwang, also die Pflicht für die Kassen, jeden Patienten aufzunehmen. Dies ist bisher in Deutschland nur bei der GKV der Fall.
Zusammenfassung der Kapitel
A Die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung: Beschreibt die Grundlagen der GKV in Deutschland, inklusive des Solidaritäts- und Sachleistungsprinzips sowie der Beitragsbemessung.
B Aktuelle Probleme: Analysiert die Herausforderungen durch Arbeitslosigkeit und die demographische Entwicklung, die das Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsempfängern belasten.
C Die Bürgerversicherung: Erläutert das Reformmodell, das die Versicherungspflicht massiv ausdehnt, um nahezu die gesamte Bevölkerung in das GKV-System zu integrieren.
D Das Modell der Gesundheitsprämien: Stellt das Modell vor, das eine Abkopplung der Beiträge von den Arbeitskosten vorsieht und durch Pauschalprämien ersetzt.
E Kombinationsansätze: Betrachtet das niederländische System als mögliches Vorbild für eine Synthese aus Bürgerversicherung und Gesundheitsprämie.
Schlüsselwörter
Gesetzliche Krankenversicherung, GKV, Bürgerversicherung, Gesundheitsprämien, Demographischer Wandel, Finanzierung, Solidaritätsprinzip, Sachleistungsprinzip, Sozialversicherung, Risikostrukturausgleich, PKV, Arbeitslosigkeit, Gesundheitskosten, Wettbewerb, Niederlande
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gegenwärtigen Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland und bewertet verschiedene Reformvorschläge zur Sicherung der Zukunft des Gesundheitssystems.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die demographischen Herausforderungen, das Modell der Bürgerversicherung, das Modell der Gesundheitsprämien sowie internationale Vergleichsbeispiele wie das niederländische Gesundheitswesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob eine Kombination aus dem Modell der Bürgerversicherung und dem Modell der Gesundheitsprämien eine tragfähige Lösung für die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung darstellen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und vergleichende Analyse der bestehenden Experten-Kommissionsvorschläge (Rürup- und Herzog-Kommission) sowie eine Betrachtung des niederländischen Gesundheitsmodells.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der aktuellen Probleme der GKV, die detaillierte Beschreibung der Reformkonzepte der Kommissionen und die Untersuchung von Kombinationsansätzen anhand internationaler Beispiele.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie GKV, Bürgerversicherung, Gesundheitsprämien, Demographischer Wandel und Sozialversicherung geprägt.
Was unterscheidet das Modell der Gesundheitsprämien grundlegend von der Bürgerversicherung?
Die Bürgerversicherung hält an der beitragsabhängigen Finanzierung fest, während das Modell der Gesundheitsprämien die Beiträge von den Arbeitskosten entkoppelt und durch steuerfinanzierte Pauschalprämien ersetzt.
Welche Rolle spielt die private Krankenversicherung (PKV) in den diskutierten Modellen?
In der Bürgerversicherung fungiert die PKV primär als Anbieter von Zusatzleistungen, während sie im Gesundheitsprämien-Modell als kapitalgedeckte Versicherung erhalten bleibt.
Welche Besonderheit weist das niederländische System laut Autor auf?
Das niederländische Modell integriert Elemente beider deutscher Konzepte, indem es die Versicherungspflicht für alle Einwohner einführt, den Wettbewerb stärkt und eine Mischung aus Pauschalbeträgen und einkommensabhängigen Beiträgen nutzt.
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- Sebastian Exner (Author), 2004, Die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung in der Zukunft: Lassen sich Bürgerversicherung und Gesundheitsprämien kombinieren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49544