Mit der hier vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden, einen in der westlichen Forschung bisher unbefriedigend aufgearbeiteten Themenkomplex - die kommunistische Abrechnung mit Kriegsverbrechern, Kollaborateuren und „Verrätern“ in Jugoslawien während des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach - im Sinne einer Synthese in groben Zügen darzustellen. In keinem anderen später kommunistischen Satellitenstaat Ost- und Südosteuropas war die Bestrafung von Kriegsverbrechern und Kollaborateuren und die Abrechnung mit „Volksfeinden und Spionen“ derart eng mit der totalen Machtübernahme durch die Kommunistische Partei verknüpft wie in Jugoslawien. Unter dem Motto „Abrechnung“ sind auf dem Gebiet Jugoslawiens im Zeitraum von 1943 bis 1950 schätzungsweise 180'000 Menschen umgekommen. Die überwältigende Mehrheit dieser Menschen starb ohne vorhergehende Gerichtsverhandlung, ohne dass ihre Schuld festgestellt und ihnen das Recht auf Verteidigung zugestanden worden wäre.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Einleitung
- Thematik
- Methoden
- Literatur und Forschungslage
- I. Hauptteil: Vorgeschichte
- Krieg und Bürgerkrieg
- Die Aufteilung Jugoslawiens
- Zwischen Kollaboration und Widerstand: Zur Lage in Slowenien
- Der "Unabhängige Staat Kroatien" (NDH)
- Entstehung und Trägerschichten
- Zum Programm der ustaše: Inhalt, Realisierung und Konsequenzen
- Die "Volksdeutschen" im NDH: Von den Tätern zu den Opfern?
- Die katholische Kirche im NDH
- Die Aufteilung Serbiens
- Die deutsche Militärverwaltung in Serbien
- Die ungarischen Annexionsgebiete
- Titos Partisanen im Kampf
- Die kommunistische Machtübernahme
- Etappen und politische Organe
- Entwicklung der militärischen und zivilen Gerichtsbarkeit
- Krieg und Bürgerkrieg
- II. Hauptteil: Abrechnung und Vergeltung
- Gesetze und Institutionen
- Vorbemerkungen
- Gesetzliche Grundlagen
- Die Kriegsverbrecherkommissionen: Struktur und Tätigkeit
- "OZNA sve dozna": Die kommunistische Geheimpolizei
- Die Spezialeinheit der Armee: Der KNOJ
- Opfergruppen
- Die Italiener in Istrien, Dalmatien und Julisch-Venetien: Verfolgung und Flucht
- Die Ausschaltung nationaler Kräfte in Serbien
- Zum Schicksal der Jugoslawiendeutschen in Kroatien, Bosnien und der Vojvodina
- Staatsrechtliche Prämissen
- Die "volksdeutsche" Bevölkerung in Slawonien und Syrmien
- Repressionen im Banat, der Bačka und der Baranja
- Die Deportation in die Sowjetunion
- Die Deutschen in den Arbeitslagern
- Die Verfolgung und Teilaussiedlung von Magyaren
- Die Vernichtung der četnici
- "Bleiburg" und die Todesmärsche
- Die Abrechnung mit slowenischen Gegnern des Volksbefreiungskampfes
- Die Vertreibung der Deutschen aus Slowenien
- Die katholische Kirche im kommunistischen Jugoslawien
- Slowenien
- Kroatien
- Prozesse gegen Kriegsverbrecher, Kollaborateure und "Volksfeinde"
- Die Diskriminierung und Ausschaltung politischer Gegner
- Gesetze und Institutionen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die kommunistische Abrechnung mit Kriegsverbrechern, Kollaborateuren und "Verrätern" in Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie zielt darauf ab, diesen in der westlichen Forschung bisher unzureichend behandelten Themenkomplex umfassend darzustellen und zu synthetisieren. Die Arbeit erkennt die Komplexität des Themas an und geht bewusst das Risiko einer weniger tiefgründigen, dafür aber breiter angelegten Betrachtung ein, da es bislang keine vergleichbare Gesamtdarstellung gibt.
- Die verschiedenen Formen der Kollaboration und des Widerstands während des Zweiten Weltkriegs in Jugoslawien
- Die rechtlichen und institutionellen Grundlagen der kommunistischen Vergeltungsmaßnahmen
- Die verschiedenen Opfergruppen und ihre Schicksale (z.B. Volksdeutsche, Italiener, Magyaren)
- Die Rolle der kommunistischen Geheimpolizei (OZNA) und anderer repressiver Organe
- Die langfristigen Folgen der kommunistischen Abrechnung für die jugoslawische Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Das Vorwort bedankt sich bei zahlreichen Personen für die Unterstützung bei der Erstellung der Diplomarbeit, sowohl in wissenschaftlicher als auch in persönlicher Hinsicht. Besonderer Dank gilt dem Betreuer, den Eltern für die finanzielle Unterstützung, einem Freund für die Lektoratsarbeit und diversen Personen und Institutionen, die durch die Bereitstellung von Unterlagen und Material zum Gelingen der Arbeit beigetragen haben.
Einleitung: Die Einleitung beschreibt die Thematik der Arbeit – die kommunistische Abrechnung mit Kriegsverbrechern und Kollaborateuren in Jugoslawien – und deren bisherige unzureichende Behandlung in der westlichen Forschung. Sie rechtfertigt die breite, weniger tiefgründige Herangehensweise mit dem Fehlen einer vergleichbaren Gesamtdarstellung des Themas. Die Einleitung weist zudem auf die Komplexität der Thematik hin und die Herausforderungen, die sich aus der Bearbeitung einer so großen Anzahl von Teilaspekten ergeben.
I. Hauptteil: Vorgeschichte: Krieg und Bürgerkrieg: Dieses Kapitel beschreibt den Zweiten Weltkrieg und den Bürgerkrieg in Jugoslawien, einschließlich der Aufteilung des Landes und der komplexen Dynamiken zwischen Kollaboration und Widerstand. Es analysiert die Situation in Slowenien, die Rolle des Unabhängigen Staates Kroatien (NDH), einschließlich der Ustaše, der Volksdeutschen und der Katholischen Kirche. Weiterhin werden die Aufteilung Serbiens, die deutsche Militärverwaltung und die ungarischen Annexionsgebiete behandelt. Schließlich wird der Kampf der Partisanen unter Tito beleuchtet. Das Kapitel legt den historischen Kontext für die nach dem Krieg folgenden Abrechnungen dar.
I. Hauptteil: Vorgeschichte: Die kommunistische Machtübernahme: Dieses Kapitel analysiert die Übernahme der Macht durch die Kommunisten in Jugoslawien, indem es die Etappen dieses Prozesses detailliert beschreibt, und die Entwicklung der politischen Organe sowie der militärischen und zivilen Gerichtsbarkeit untersucht. Es beleuchtet die strukturellen Veränderungen und die Etablierung von Machtstrukturen, welche die Grundlage für die nachträgliche Abrechnung mit den Gegnern des Regimes bildeten.
II. Hauptteil: Abrechnung und Vergeltung: Gesetze und Institutionen: Dieses Kapitel befasst sich mit den rechtlichen Grundlagen und Institutionen, die die kommunistische Abrechnung ermöglichten. Es beschreibt die Kriegsverbrecherkommissionen, die kommunistische Geheimpolizei OZNA und die Spezialeinheit KNOJ, und analysiert ihre Struktur und Tätigkeit. Der Fokus liegt auf der rechtlichen Legitimation und den praktischen Mechanismen der Vergeltungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Jugoslawien, Zweiter Weltkrieg, Kommunismus, Kriegsverbrecher, Kollaboration, Widerstand, Partisanen, Vergeltung, OZNA, KNOJ, Volksdeutsche, Italiener, Magyaren, Chetniks, Bleiburg, Repressionen, Deportationen, katholische Kirche, Gesetze, Institutionen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Diplomarbeit: Kommunistische Abrechnung in Jugoslawien
Was ist das Thema der Diplomarbeit?
Die Diplomarbeit untersucht die kommunistische Abrechnung mit Kriegsverbrechern, Kollaborateuren und „Verrätern“ in Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie beleuchtet diesen in der westlichen Forschung bisher unzureichend behandelten Themenkomplex umfassend.
Welche Aspekte werden in der Arbeit behandelt?
Die Arbeit behandelt verschiedene Formen der Kollaboration und des Widerstands im Zweiten Weltkrieg in Jugoslawien, die rechtlichen und institutionellen Grundlagen der kommunistischen Vergeltungsmaßnahmen, die Schicksale verschiedener Opfergruppen (Volksdeutsche, Italiener, Magyaren etc.), die Rolle der Geheimpolizei OZNA und anderer repressiver Organe, sowie die langfristigen Folgen der Abrechnung für die jugoslawische Gesellschaft.
Welche Kapitel umfasst die Arbeit?
Die Arbeit gliedert sich in eine Einleitung, einen Hauptteil mit zwei Abschnitten („Vorgeschichte“ und „Abrechnung und Vergeltung“) und ein Fazit (implizit durch Zusammenfassung und Schlüsselwörter). Der erste Hauptteil beschreibt den Zweiten Weltkrieg und den Bürgerkrieg in Jugoslawien, inklusive der Aufteilung des Landes und der komplexen Dynamiken zwischen Kollaboration und Widerstand. Der zweite Hauptteil konzentriert sich auf die rechtlichen Grundlagen und Institutionen der kommunistischen Abrechnung, sowie auf die verschiedenen Opfergruppen und deren Schicksale.
Welche Opfergruppen werden betrachtet?
Die Arbeit untersucht das Schicksal verschiedener Opfergruppen, darunter Volksdeutsche, Italiener, Magyaren, Četniks und Angehörige der katholischen Kirche. Es wird auf die jeweiligen Repressionen, Deportationen und Vertreibungen eingegangen.
Welche Rolle spielten Institutionen wie die OZNA und der KNOJ?
Die Arbeit analysiert die Rolle der kommunistischen Geheimpolizei OZNA und der Spezialeinheit KNOJ. Der Fokus liegt auf ihrer Struktur, Tätigkeit und ihrem Beitrag zur Durchführung der Vergeltungsmaßnahmen.
Welche rechtlichen Grundlagen gab es für die Abrechnung?
Die Arbeit untersucht die gesetzlichen Grundlagen und Institutionen, die die kommunistische Abrechnung ermöglichten, einschließlich der Kriegsverbrecherkommissionen und ihrer Tätigkeit.
Wie ist der methodische Ansatz der Arbeit?
Die Arbeit wählt aufgrund des Mangels an vergleichbaren Gesamtdarstellungen einen breiten, weniger tiefgründigen Ansatz, um den komplexen Themenkomplex umfassend darzustellen. Sie berücksichtigt die Komplexität des Themas und die Vielzahl an Teilaspekten.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Jugoslawien, Zweiter Weltkrieg, Kommunismus, Kriegsverbrecher, Kollaboration, Widerstand, Partisanen, Vergeltung, OZNA, KNOJ, Volksdeutsche, Italiener, Magyaren, Četniks, Bleiburg, Repressionen, Deportationen, katholische Kirche, Gesetze, Institutionen.
Wo findet man detaillierte Informationen zu den einzelnen Kapiteln?
Das Inhaltsverzeichnis der Arbeit bietet eine detaillierte Übersicht über die einzelnen Kapitel und Unterkapitel. Die Kapitelzusammenfassungen liefern jeweils einen knappen Überblick über den Inhalt.
- Arbeit zitieren
- Dr. phil. Michael Portmann (Autor:in), 2002, Kommunistische Abrechnung mit Kriegsverbrechern, Kollaborateuren, 'Volksfeinden' und 'Verrätern' in Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach (1943-1950), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49575