Gibt es eine globale Gerechtigkeit im Klimawandel?


Hausarbeit, 2019
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Forschungsstand

Theoretischer Teil
John Rawls
Kurze Begriffsdefinition
Geschichtliche Entwicklung der globalen Maßnahmen gegen den Klimawandel

Maßnahmen gegen den globalen Klimawandel

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Die Welt ist voller Ungleichheiten, die moralisch gesehen alarmierend sind, und der Abstand zwischen reichen und armen Ländern vergrößert sich zunehmend“

(Martha Nussbaum 2006: 210)

Im Zuge einer sich beschleunigenden Globalisierung sind wir mehr denn je mit weltumgreifenden Problemen konfrontiert. Ob es sich dabei um Armut in Afrika, Überbevölkerung in Südostasien, die globale Erderwärmung, Kohlendioxidemissionen in den USA, oder den Raubbau an Bodenschätzen in der Arktis handelt: Unabhängig von unserem Wohnort gehen uns diese Probleme etwas an, sei es unmittelbar, weil wir ihre ökonomischen oder politischen Folgekosten bezahlen, sei es mittelbar, weil sie uns moralisch betroffen machen. Doch von wem werden diese Folgekosten getragen und agieren die Akteure gerecht. Das Thema soziale Gerechtigkeit wird im Klimadiskus selten thematisiert, dabei stellt der drohende Klimawandel die Menschheit in den verschiedensten Bereichen vor große Herausforderungen. Im öffentlichen Diskus stehen vor allem die ökonomischen und gesellschaftliche-politischen Dimensionen in Bezug auf das Nord-Süd Verhältnis im Vordergrund. Die Ursachen des Klimawandels als auch die Folgewirkungen sind ungleich über den Globus verteilt. Daraus resultiert das Menschenrechte untergraben werden und Entwicklungsländer in ihren Entwicklungschancen eingeschränkt werden. Die sozialen Verteilungsfragen stellen sich daher auch auf nationaler Ebene und nicht nur auf transnationaler Ebene.

Eine der zentralen Herausforderungen ist: Ob der Klimawandel auf der Basis der Theorien von John Rawls auf globaler Ebene gerecht ist. Diese Frage zielt darauf ab, genauer zu erklären, was globale Gerechtigkeit im Kontext des Klimawandels bedeutet. Dazu wird zunächst ein kurzer Überblick über den aktuellen Forschungsstand in dem Feld der Gerechtigkeitstheorien und des Klimawandels gegeben. Anschließend wird in dem Kapitel der Begriff «Klimawandel» genauer definiert und die wichtigsten politischen Ereignisse dargestellt. Das dient zum einen einer einheitlichen Grundlage und zeigt parallel die historische Entwicklung auf, die als Basis für die spätere Analyse der Gerechtigkeitstheorie auf die Thematik des Klimawandels dient. In der Analyse wird die Frage nach globaler Gerechtigkeit im Klimawandel, im Fokus stehen. Anhand der verschiedenen Klimagipfel werden verschiedene Aspekte des Klimawandels betrachtet und geprüft, ob die Theorie von John Rawls darauf anwendbar ist. Denn ein stabiles und gerechtes Globalklima ist die Voraussetzung für ein friedliches Leben auf der Erde

Forschungsstand

Die Literatur über globale Gerechtigkeit besteht aus einer Reihe miteinander verknüpfter und sich überschneidender philosophischer Diskussionen über die ethnischen Normen. Diese beziehen sich auf die Interaktionen zwischen Menschen, Staaten, Unternehmen und anderen Akteuren, die auf globaler Ebene agieren, sowie die Gestaltung der sozialen Institutionen und verknüpft diese Thematiken miteinander.

Die Theorie der Internationalen Beziehungen und das damit verbundene Primat des Nationalstaats hat das Nachdenken über Gerechtigkeit lange dominiert. Die Theorien der Internationalen Beziehungen beruhen auf einem Modell unabhängiger Nationalstaaten. Im Zuge der Globalisierung erodiert dieses Weltbild zunehmend. Der souveräne Einzelstaat gerät dadurch im besonderen Maße unter Druck. Die innere Souveränität, das bedeutet soziale Regeln innerhalb seines Territoriums durchzusetzen und das ökonomische Vermögen, wird durch die ökonomische Globalisierung unterlaufen. Die Fähigkeit, ihre Verteidigungs- und Sicherheitsinteressen aus eigener Kraft zu realisieren, ist die äußere Souveränität von Nationalstaaten (vgl. Hahn 2009: 12ff.).

Das Themengebiet Gerechtigkeit und Gerechtigkeitstheorie ist aber auch im Bereich der politischen Philosophie bestens dokumentiert, da die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit eine der Herausforderungen der gegenwärtigen politischen Philosophie ist. Besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Gerechtigkeitsbegriff zunehmend erweitert, etwa um die Fragen der Generationengerechtigkeit oder der globalen Gerechtigkeit.

Zu den wichtigen zeitgenössischen Gerechtigkeitsmodellen zählt die "Theorie der Gerechtigkeit" (1971) des amerikanischen Philosophen John Rawls (1921-2002).Diese war der Anstoß für die Liberalismus-Kommunitarismus-Debatte, die im angelsächsischen Sprachraum zunächst präsent war und dann mit Verzögerung auch im europäischen Raum publik wurde.

Der Philosoph Wolfgang Kersting ist ein bekannter Vertreter der Gerechtigkeitsdebatte im deutschsprachigen Raum. Er stellt die unterschiedlichen Theorien und Grundlagen der sozialen Gerechtigkeit vor, verfolgt die aktuelle Diskussion der Verteilungsgerechtigkeit bis hin zu Fragen nach Bürgereinkommen, Bürgerarbeit etc. und entwirft schließlich eine eigene Theorie politischer Solidarität (vgl. Kersting 2000:118ff.).

Der Philosoph Jürgen Habermas sieht vor, dass gesellschaftlichen Entscheidungen im Idealfall ein offener Diskurs aller Beteiligten vorausgehen. Dabei sollen sie allerdings nicht wie beim Modell von John Rawls dank einer "Informationsbeschränkung" eine gemeinsame Perspektive einnehmen, sondern sich in die Perspektive und damit das Selbst- und Weltverständnis aller anderen versetzen. Im Diskurs wird durch Argumente und Gegenargumente ein Ergebnis gefunden, dem alle Akteure zustimmen können. Gerechtigkeit entsteht auf diese Weise nicht gemäß übergeordneten Prinzipien, sondern durch den Konsens der tatsächlich Betroffenen (vgl. Bayrischer Rundfunk 2013).

Der US- amerikanische Philosoph Thomas Nagel erwähnt, dass die Begriffe und Theorien globaler Gerechtigkeit sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Er vertritt die Meinung, dass der Bedarf an brauchbaren Ideen für den globalen oder internationalen Fall die politische Theorie vor ihre gegenwärtig wichtigste Aufgabe stellt, vielleicht sogar vor die Möglichkeit, langfristig einen praktischen Beitrag zu leisten, wenn auch nur sehr langfristig (vgl. Broszies; Hahn 2010: S.104ff.).

Die US- amerikanische Philosophin Iris Marion Young sieht Gerechtigkeit eng verknüpft mit sozialer Verbundenheit. Als Ausgangspunkt der Gerechtigkeitsverpflichtung sind Beziehungen zwischen Individuen und Politische Institutionen als Antwort zu sehen.

„Wenn ich jeden Morgen unter der Voraussetzung in meinen Wagen steige, dass ich an der nächsten Tankstelle billiges Benzin tanken kann, dann erstrecken sich Prinzipien und Pflichten der Gerechtigkeit auf meine Beziehungen zu all jenen Personen – von den Arbeitern auf den Ölfeldern über die Händler zu allen an Produktion, Veredelung, Transport und Verkauf Beteiligten - , die daran mitwirken, dass das Benzin in meinem Tank landet. So betrachtet handeln wir alle innerhalb einer Konstellation wechselseitig voneinander abhängiger Institutionen, für die gewisse Gerechtigkeitsprinzipien gelten sollten“ (Broszies; Hahn 2010: S. 329ff.).

Die ebenfalls US-amerikanische Philosophin Martha C. Nussbaum verbindet globale Gerechtigkeit mit Fähigkeiten. In Nussbaums Theorie geht es gezielt um die Förderung, um Fähigkeiten zu erlangen, die ein gutes und gelungenes Leben ausmachen. Die Grundidee ist eng mit dem aristotelischen Essentialismus verbunden (vgl. Broszies; Hahn 2010: S.209ff.).

Die Literatur über globale Gerechtigkeit sowohl im Kontext der Internationalen Beziehung als auch im Bereich der Politischen Philosophie ist reichlich vorhanden. Doch gibt es kaum Literatur, die die Themengebiete globale Gerechtigkeit und Klimawandel kombiniert. Daher nun ein kurzer Überblick über aktuelle Literatur zum Klimawandel.

Der Aufsatz vom Center for International Environmental Law and CARE International listet systematisch auf, wie verschiedene Klimaauswirkungen zum Beispiel der Meeresspiegelanstieg, Temperaturanstieg, extreme Wetterereignisse und Niederschlagsänderungen den Menschen und den Lebensunterhalt der Menschen beeinflussen werden - und welche konkreten Menschenrechte diese Auswirkungen haben (vgl. Center for International Environmental Law and CARE International 2015).

Der Aufsatz von Orellana und Johl fast zusammen, wie die Auswirkungen des Klimawandels und Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimas den vollen und wirksamen Genuss der Menschenrechte beeinträchtigen. Der Text argumentiert, dass Klimaauswirkungen und Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels viele Kulturen der Völker auf der ganzen Welt zerstören könnten, Landflächen unbewohnbar werden und dadurch die Existenzmittel beraubt werden - was im Widerspruch zu den Rechten steht, die in den wichtigsten internationalen Menschenrechtsinstrumenten festgelegt werden (vgl. Orellana, M.; Johl, A. 2013).

Der Artikel von Atapattu erklärt, dass die Folgen des Klimawandels über die Umwelt und die Gesundheit der Menschen hinausgehen und die gesamte Reihe der Menschenrechte einschließen, die völkerrechtlich anerkannt sind - bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle. Die internationale Gemeinschaft war jedoch unzureichend und sollte stattdessen einen ganzheitlichen Ansatz zum Klimawandel verfolgen, der die Auswirkungen auf Menschenrechte, wirtschaftliche Entwicklung und internationale Konflikte berücksichtigt. Atapattu erklärt, dass infolge des globalen Klimawandels ein breites Spektrum von Menschenrechten verletzt werden kann (vgl. Atapattu, S. 2008).

In dem Artikel von Lanyi werden die Auswirkungen des Klimawandels auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte beschrieben, insbesondere das Recht auf Nahrung, Wasser, Gesundheit und Wohnraum sowie bürgerliche und politische Rechte. Das Recht auf Leben und auf indigene kulturelle Rechte stehen dabei besonders im Fokus. Diese Rechte werden sowohl im australischen als auch im internationalen Kontext diskutiert. Er unterscheidet zwischen direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf die Wahrnehmung der Menschenrechte. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Rechte sind direkt auf extreme Wetterereignisse zurückzuführen, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden kann. Es führt auch zu indirekten Auswirkungen auf das menschliche Leben durch Verschlechterung der Gesundheit, mangelnder Zugang zu sauberem Trinkwasser, erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten und verschiedene andere Konsequenzen (vgl. Lanyi 2012).

Theoretischer Teil

In diesem Teil der Hausarbeit, wird die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls genauer erläutert. Bei John Rawls liegt der Fokus auf der Vertragstheorie, sowie auf den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit und der zwei Grundfunktionen der Gesellschaft.

Im Anschluss wird der Begriff Klimawandel genauer definiert um eine einheitliche Basis zu schaffen. Der Klimawandel ist eine aktuelle und sehr komplexe Thematik, die verschiedene Definitionen haben kann. Nach der Begriffsdefinition wird nun dann die geschichtliche Entwicklung der Klimaverhandlungen in einem kurzen Überblick genauer erläutert. Dies dient einem besseren Verständnis der Themenlage.

John Rawls

Die Theorie der Gerechtigkeit von dem US-amerikanischen Philosoph John Rawls hat 1971 eine grundlegende Diskussion über die Frage der Gerechtigkeit in der politischen Philosophie ausgelöst. Bis heute ist seine Theorie bestand vieler Debatten und Diskurse. Seine Gerechtigkeitstheorie ist eine Vertragstheorie, die den allgemeinen Prinzipen für die gerechte Gestaltung der Gesellschaft beschreibt. Dies ist eine Weiterentwicklung des Grundgedankens von John Lockes und Emmanuel Kants Vorstellungen. Nach Rawls hat eine Gesellschaft zwei Grundfunktionen: Die Förderung der Interessenharmonie und die Bewältigung von Konflikten. Um diese Aufgaben zu lösen, bedarf es der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit als Fairness ist dabei eine methodische Herleitung des Status der Gerechtigkeitsbestimmung.

John Rawls Gerechtigkeitskonzept wird als egalitärer Liberalismus eingeordnet, da es Freiheit und Gleichheit der Individuen in einer Gesellschaft im Hauptfokus stellt. Das bedeutet, die Gleichheit der Lebensaussichten, und damit um die Herstellung von Chancengleichheit und die Sicherung eines sozialen Minimums durch die Gleichverteilung von Grundgütern.

Rawls definiert zudem uneinschränkbare Grundrechte, zu denen das Recht zu wählen und öffentliche Ämter zu bekleiden, die Rede- und Versammlungsfreiheit, die Gewissens- und Gedankenfreiheit, die persönliche Freiheit, zu der der Schutz vor psychischer Unterdrückung und körperlicher Misshandlung sowie der Schutz vor willkürlicher Festnahme und Haft gehören, sowie das Recht auf Eigentum zählen (Rawls 1975: 82).

Nach Rawls Ansicht ist Gerechtigkeit ein Beziehungsgeflecht zwischen allen Mitgliedern der Gesellschaft, dass diese als fair ansehen. In diesem Zusammenhang steht Fairness für Nichtbenachteiligung und zufriedenstellende Beteiligung aller an der Wohlstandsmehrung, ohne dass dies Gleichheit bedeutet (vgl. Benz, B.; Huster, E.-U.; Schütte, J.; Boeckh, Jürgen 2015). Die Gerechtigkeitsvorstellungen, auf die sich Rawls bezieht, ist eine politische Gerechtigkeitskonzeption, die allgemein gehalten wurde und eng mit dem Gedanken des Gesellschaftsvertrags verbunden ist.

Vertragstheorien haben den Zweck Naturzustandstheorien zu verbessern. Das zentrale Element des Vertragsmodells ist nicht der Vertrag, sondern die Vertragssituation. Das bedeutet, der Ausgangspunkt der hypothetischen Einigung. Bei Rawls entspricht das dem Schleier des Nichtwissens im Urzustand. Dieser Zustand definiert das Problem, das durch den Vertrag gelöst werden soll. Ob eine Einigung auf ein bestimmtes Verfassungsprinzip beziehungsweise Verteilungsgrundsatz vernünftig ist, hängt von den Umständen ab, unter denen die Einigung erfolgt (vgl. Kersting 2000: 69ff.).

Die Theorie des Gesellschaftsvertrages ist universell, da jede Gesellschaft ein Grundkonzept des Zusammenlebens und Interaktionen nach innen und außen haben muss. Rawls Ausgangspunkt ist eine „abgeschlossenen, sich selbst genügenden liberalen und demokratischen Gesellschaft“ (Rawls 2010: 57). Rawls behauptet, nur in Betrachtung des Völkerrechtes handelt es sich um eine größer Allgemeinheit (Rawls 2010: 57ff.). Rawls definiert den Gerechtigkeitsbegriff durch seine Grundsätze für die Zuweisung von Rechten und Pflichten und die richtige Verteilung gesellschaftlicher Güter. Eine Gerechtigkeitsvorstellung ist eine Ausdeutung dieser Funktion (vgl. Rawls 1975: 26).

Basierend darauf skizziert er seine Theorie durch eine fiktive Ausgangssituation als Urzustand.

Dabei definiert Rawls Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit, die wichtig für die gesellschaftliche Regelung der Güterverteilung sind. Sie ermöglichen die die Zuweisung von Rechten und Pflichten in den grundlegenden Institutionen der Gesellschaft (vgl. Rawls 1975:

21ff.). Die Individuen befinden sich dabei in einem hypothetischen Urzustand, dem "Schleier des Nichtwissens", indem niemand weiß, welche Rolle er nach Verabschiedung der Grundsätze in der neuen Ordnung einnehmen wird. Dieser Zustand legt die normativen Grundstrukturen des Zusammenlebens fest. Die Individuen sind stets selbstbestimmte und vernünftige Bürger und parallel auch freie, gleiche und lebenslang uneingeschränkt kooperationsfähige Gesellschaftsmitglieder.

Dabei hat jeder die gleichen Rechte bei der Wahl der Grundsätze und stimmt verbindlich zu, dass diese eingehaltern werden. Jedes Individuum nimmt dabei eine neutrale Position bei der Festlegung der Grundsätze ein. Besonders wichtig ist Rawls auch, dass die Individuen die gesellschaftlichen Grundgüter anerkennen. Dazu zählen besonders die Rechte, Freiheiten und Chancen, Einkommen und Vermögen sowie die sozialen Grundlagen der Selbstachtung.

Wenn diese Grundlagen gegeben sind, können sich die Beteiligten nach Rawls auf zwei Grundprinzipien einigen.

Die erste Gerechtigkeitsgrundsatz von Rawls ist die Chancengleichheit. Diese unterteilt sich in zwei Prinzipen. Das erste ist das Prinzip ist das Prinzip gleicher Freiheit. „Jeder Person hat das gleiche Recht auf das umfassendste Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten, dass für alle möglich ist“ (Broszies, C. ; Hahn, H. 2010: 19). Unter dieses Prinzip fallen, auf der allgemeinsten Ebene, die klassischen Grundrechte, Menschenrechte sowie die zwischenmenschliche Toleranz und der Respekt. Das zweite Prinzip ist die Rechtfertigung von Ungleichheiten. Wobei Rawls hier das Argument der Chancengleichheit als ein Kriterium für die Rechtfertigung von Ungleichheit nutzt. Denn das System gleicher Grundfreiheit muss für alle gleich vereinbar sein.

In dem zweiten Gerechtigkeitsgrundsatz sind soziale und ökonomische Ungleichheiten so geregelt, dass

„sie sowohl a) den am wenigsten Begünstigten die bestmöglichen Aussichten bringen als auch b) mit Ämtern und Positionen verbunden sind, die allen gemäß der fairen Chancengleichheit offenstehen" (Broszies, C. ; Hahn, H. 2010: 19).

Der zweite Gerechtigkeitsgrundsatz unterteilt sich in das Differenz- und Utilitätsprinzip.

In dem Differenzprinzip beschäftigt sich Rawls mit der Frage wann und unter welchen Bedingungen in einer Gesellschaft Ungleichheit gerechtfertigt werden können. Rawls argumentiert, dass Ungleichheit nur dann gerechtfertigt ist, wenn der am wenigsten Privilegierte auch noch profitiert. Das bedeutet, dass jedes Individuum den größtmöglichen Vorteil haben muss. Damit argumentiert Rawls gegen einen reinen Utilitarismus, da der Grundgedanken des Utilitarismus auf der Maximierung des Gesamtnutzen der Gesellschaft liegt, ohne Rücksicht auf die Belange und Befindlichkeit des Einzelnen zu betrachten. Vor allem berücksichtigt der Utilitarismus, die Verschiedenheit der einzelnen Menschen nicht. Bei Rawls liegt der Hauptfokus nicht auf dem Gesamtnutzen, sondern wird ins Verhältnis zum Einzelnutzen gesetzt. Rawls argumentiert, dass der Gesamtnutzen nur dann gerecht ist, wenn der Einzelnutzen auch noch profitiert (Broszies, C. ; Hahn, H. 2010: 23ff.).

Aus Rawls Sicht ist die Gesellschaft ein Kooperationssystem, indem jeder Einzelne, der daran teilnimmt, einen möglichst großen Vorteil erzielen kann. Diesem System treten freie und vernünftige Menschen bei, wenn die Prinzipien der Gerechtigkeit in einer Ausgangssituation der Gleichheit festgelegt werden. „Diese Betrachtungsweise der Gerechtigkeitsgrundsätze nenne ich Theorie der Gerechtigkeit als Fairness“ (Rawls 1975: 28).

Das zweite Prinzip ist das Utilitätsprinzip, dass besagt das alle in gleichen Teilen profitieren müssen. Damit stellt Rawls eine Sicherung des Gemeinwohles fest. Rawls formuliert des Weiteren zwei Vorrangregeln als Nebenbedingungen. Zum einen gelten die Gerechtigkeitsgrundsätze in einer hierarchischen Ordnung. Freiheit kann nur dann eingeschränkt werden, wenn diese Einschränkung die Freiheit im Gesamtsystem stärkt und alle dieser Einschränkung zustimmen können. Zum anderen besagt die zweite Vorrangsregel, dass die Chancengleichheit Vorrang gegenüber dem Differenzprinzip hat, solange die Chancenungleichheit nicht die Situation der Schlechter gestellten verbessert.

Kurze Begriffsdefinition

Das Klima der Erde befindet sich im stetigen Wandel, das sich in den Veränderungen der durchschnittlichen Temperatur über einen längeren Zeitraum hinweg äußert. Durch den Klimawandel sterben Arten aus und parallel entstehen neue. Der Mensch und seine moderne Lebensweise beeinflussen die natürlichen Prozesse des Wandels enorm (vgl. Globalisierung Fakten). Der Begriff Klimawandel bedeutet eine messbare Veränderung des Klimas auf der Erde, hervorgerufen durch die Zunahme des natürlichen und anthropogen Treibhauseffektes.

Die Veränderung wird anhand der durchschnittlichen Temperatur der Erde gemessen (vgl. Günther 2018). Die globale Mitteltemperatur der Luft in Bodennähe steigt seit der Industrialisierung kontinuierlich, für einen bedeutenden Teil dieses Anstiegs ist die Menschheit verantwortlich. Der momentane rapide Klimawandel geht auf eine anthropogen verursachte Veränderung des Klimas zurück. Eine Ursache für diese Annahme ist der erhöhte Ausstoß von Treibhausgasen (vgl. IPCC 2007: 13 ff.).

In der Atmosphäre wird Kohlenstoffdioxid (CO2), durch großflächig angelegte Entwaldung und das Verbrennen fossiler Energieträger angereichert. Diese sind beispielsweise Kohle und Erdöl.

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Gibt es eine globale Gerechtigkeit im Klimawandel?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Politikwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V495980
ISBN (eBook)
9783346005090
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gibt, gerechtigkeit, klimawandel
Arbeit zitieren
Zoe Gebhard (Autor), 2019, Gibt es eine globale Gerechtigkeit im Klimawandel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495980

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