In dieser Arbeit wird nach den Ursachen für die großen wirtschaftlichen Unterschiede in Italien gesucht. Dies erfolgt unter besonderer Berücksichtigung der geographischen Ökonomie und der Analyse von Wirtschaftsräumen. Zunächst wird der Begriff des Raumes erklärt und ein Raumkonzept dargelegt. Ein weiteres Kapitel behandelt einen Exkurs über die Frage, wie es gegen Ende des letzten Jahrzehntes zur Finanzkrise gekommen ist und wie sich diese zu einer Krise der europäischen Einheitswährung gewandelt hat.
Im Anschluss soll mit Hilfe der Raumkonzepte untersucht werden, wie es zu den großen Disparitäten innerhalb der Apenninenhalbinsel gekommen ist und welche Faktoren ursächlich waren. Danach wird ein Überblick über die Strukturpolitik in Italien seit den 1950er Jahren gegeben und inwieweit diese Bemühungen von Erfolg gekrönt waren. Ein Blick auf die Situation in Süditalien seit 2007 wird zeigen inwieweit die Finanzkrise die Region getroffen hat.
Die Wirtschaftstheorie des Keynesianismus wird in die Arbeit mit einfließen und es wird betrachtet, inwieweit dieser die Ökonomie Italiens neu befeuern könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was sind (wirtschaftliche) Räume in der Geographie?
2.1. Raumkonzepte
2.2. Wirtschaftsraum
3. Die Finanz- und Wirtschaftskrise – Eine kurze Einführung
3.1. Ausgangslage der Krise
3.2. Die Eurokrise und die Auswirkungen in Italien
4. Die Fragmentierung der italienischen Ökonomie. Das Nord Süd-Gefälle
4.1. Die Ursachen für die Disparitäten in Italien
4.2. Die Wirtschaftsförderungspolitik nach 1945
4.3. Die Situation seit 2008
5. Lösungsansätze zur Bekämpfung der wirtschaftlichen und sozialen Disparitäten – aus Sicht des Keynesianismus und alternativen Möglichkeiten
6. Schlussbetrachtung und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen der starken wirtschaftlichen Disparitäten zwischen Nord- und Süditalien unter Einbeziehung geographischer Ökonomie und raumwirtschaftlicher Ansätze. Ziel ist es, die historische Entwicklung der wirtschaftlichen Fragmentierung zu analysieren, die Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise auf die italienische Ökonomie zu beleuchten und zu bewerten, inwieweit keynesianische Lösungsansätze oder alternative Konzepte zur Stärkung der süditalienischen Regionen beitragen können.
- Grundlagen der Wirtschaftsgeographie und Raumkonzepte
- Ursachen und historische Entwicklung des italienischen Nord-Süd-Gefälles
- Einfluss der Finanzkrise und Eurokrise auf die italienische Wirtschaft
- Effektivität der bisherigen Strukturförderungspolitik (Mezzogiorno-Politik)
- Keynesianische Theorie als Ansatz zur Überwindung sozialer und wirtschaftlicher Disparitäten
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Ursachen für die Disparitäten in Italien.
In der Antike gehörten die Insel Sizilien und die Regionen im Süden des italienischen Stiefels zu den reichen Provinzen des römischen Imperiums, was vor allem den naturräumlichen Gegebenheiten geschuldet war. Zum einen ermöglichten die Böden und das Klima den Anbau von (Wein-)Trauben und Oliven. Diese beiden Produkte nahmen einen großen Wirtschaftsfaktor ein. Zum anderen war die Lage im geographischen Zentrum des Mare Mediterraneum bedeutsam und der Süden Italiens fungierte als frühzeitlicher logistischer Umschlagplatz von Waren aus allen Teilen des Imperiums. Auch im Mittelalter und der Renaissance blieb der Süden ein wirtschaftliches Handelszentrum, egal unter welcher Herrschaft die Region stand.
Dies wandelte sich erst in der Frühneuzeit, als durch die beginnende Technisierung die Regionen im Norden einen geomorphologischen und hydrographischen Vorteil ausspielen konnten. Zudem konnte die Topographie durch den Bau von Wassermühlen südlich der Alpen energetisch in Wert gesetzt werden. Zum anderen konnten durch landwirtschaftliche Innovationen größere Flächen bewirtschaftet werden. Diese waren jedoch nur im Norden (Po-Ebene) vorhanden, der Süden war durch seine bergige Langschaft nicht geeignet. Zudem verlagerten sich bereits im Spätmittelalter die großen Handelsströme aus dem Mittelmeerraum zusehends in nördlichere Gefilde, wovon Städte wie Mailand (Lombardei), Turin (Piemont) und Venedig (Venezien), aber auch Genua (Ligurien) und Florenz (Toskana) und viele kleinere Städte profitierten.
Außerdem verfügte der Norden in der Frühneuzeit über ein ausgewiesenes Bankensystem. Diese Vorteile nutzten dem Norden vor allem während der Hochphase der italienischen Industrialisierung nach der politischen Einigung der italienischen Halbinsel um 1870. In den folgenden Jahrzehnten entstanden im Norden große Industriezentren für Textil-, Schuh-, und Möbelindustrie, später auch Maschinen- und Fahrzeugbau, im frühen 20. Jahrhundert schließlich auch Chemie- und Elektroindustrien. Die Verstädterung im Norden zog aus dem Süden über Jahrzehnte hinweg eine Vielzahl junger Arbeitskräfte ab, die in der dortigen Agrarwirtschaft fehlten. Auch in die USA setzte ein Abwanderungsprozess ein, der durch diverse Ernährungskrisen befeuert wurde. Dieses Ausbluten schwächte den Süden, der durch die Rohstofflieferungen in den Norden für die Zukunft benachteiligt war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Fragmentierung in Deutschland und der Europäischen Union, führt den Nord-Süd-Konflikt in Italien ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit unter Berücksichtigung wirtschaftsgeographischer Methoden.
2. Was sind (wirtschaftliche) Räume in der Geographie?: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Wirtschaftsgeographie, stellt verschiedene Raumkonzepte wie den Containerraum oder Verflechtungsraum vor und diskutiert deren Eignung zur Analyse ökonomischer Disparitäten.
3. Die Finanz- und Wirtschaftskrise – Eine kurze Einführung: Hier wird der Ursprung der Finanzkrise 2007 auf dem US-Immobilienmarkt dargestellt, deren Übergang zur europäischen Schuldenkrise erläutert und die spezifische wirtschaftliche Ausgangslage Italiens in diesem Kontext beleuchtet.
4. Die Fragmentierung der italienischen Ökonomie. Das Nord Süd-Gefälle: Dieses Kapitel analysiert tiefgreifend die historischen Ursachen der Disparitäten, bewertet die bisherige italienische Wirtschaftsförderungspolitik (Mezzogiorno-Politik) seit 1945 und untersucht die ökonomischen Auswirkungen der Finanzkrise ab 2008 auf Süditalien.
5. Lösungsansätze zur Bekämpfung der wirtschaftlichen und sozialen Disparitäten – aus Sicht des Keynesianismus und alternativen Möglichkeiten: Das Kapitel diskutiert keynesianische Konzepte zur Nachfragesteuerung als Instrument zur Wirtschaftsförderung und stellt diese den bisherigen Ansätzen der Angebotsseite und Strukturförderung gegenüber.
6. Schlussbetrachtung und Fazit: Das Fazit hinterfragt die Wirksamkeit bisheriger großangelegter Strukturförderung, plädiert für lokal angepasste Projekte und betont die strategische Bedeutung von Kooperationen im Mittelmeerraum zur Überwindung wirtschaftlicher Rückständigkeit.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsgeographie, Mezzogiorno, Nord-Süd-Gefälle, Italien, Finanzkrise, Eurokrise, Strukturpolitik, Keynesianismus, Disparitäten, Verflechtungsraum, Regionalentwicklung, Wirtschaftsraum, Infrastruktur, Industrialisierung, Wirtschaftsförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den wirtschaftlichen Unterschieden zwischen dem industrialisierten Norden Italiens und dem strukturschwachen Süden (Mezzogiorno) sowie den Versuchen, diese Disparitäten politisch und wirtschaftlich auszugleichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die geographische Definition von Wirtschaftsräumen, die historische Genese des italienischen Nord-Süd-Gefälles, die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf Italien und die Bewertung verschiedener wirtschaftspolitischer Lösungsansätze.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Ursachen der wirtschaftlichen Fragmentierung in Italien zu identifizieren und zu bewerten, wie durch neue Ansätze, insbesondere unter Einbeziehung keynesianischer Theorien oder lokaler Projekte, eine nachhaltige Entwicklung im Süden gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse wirtschaftsgeographischer Raumkonzepte und der Auswertung ökonomischer Daten zur Strukturpolitik in Italien, wobei der Fokus auf einer interdisziplinären Betrachtung liegt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung seit der Antike, die Entwicklung der italienischen Industrie nach 1945, das Scheitern großer Strukturprojekte sowie die verschärfenden Auswirkungen der Eurokrise auf die süditalienischen Arbeitsmärkte.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Wirtschaftsgeographie, Mezzogiorno, Nord-Süd-Gefälle, Strukturpolitik und Keynesianismus geprägt.
Warum war Italien zu Beginn der Finanzkrise ein „Sorgenkind“ der Eurozone?
Obwohl Italien kaum von der direkten Immobilienblase betroffen war, leisteten die hohe Staatsverschuldung, die wirtschaftliche Stagnation vor der Krise und die geringe internationale Wettbewerbsfähigkeit einen erheblichen Beitrag zur Krisenanfälligkeit des Landes.
Welche Rolle spielt die Mafia in der wirtschaftlichen Entwicklung Süditaliens?
Die Mafia fungierte laut Arbeit als „Staat im Staate“, die kriminell Kapital abschöpfte und dadurch notwendige Investitionen verhinderte, was die Ansiedlung wettbewerbsfähiger Industrien nachhaltig behinderte.
Welchen Stellenwert haben lokale Projekte gegenüber Großprojekten im Fazit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass groß angelegte industrielle Großprojekte in der Vergangenheit oft scheiterten, während kleinteilige, lokal orientierte Projekte als vielversprechender für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung angesehen werden.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Der Nord-Süd-Konflikt in Italien. Wirtschaftliche Fragmentierung des Euroraumes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495981