Die Philosophie von SPECIAL OLYMPICS ist es, mit dem Mittel Sport die Akzeptanz von Menschen mit geistiger Behinderung in der Gesellschaft zu verbessern.
International wurde 1988 vom IOC offiziell anerkannt und ist heute als weltweit größte Sportorganisation für geistig und mehrfachbehinderte Menschen in über 190 Staaten vertreten. Als wichtigstes Ziel formuliert die SO Organisation, geistig behinderten Menschen die Möglichkeit zu geben, mit ganzjährigem Sporttraining und Wettbewerben in verschiedenen olympischen Disziplinen körperliche Fitness zu entwickeln, sowie ihre Begabungen und Fähigkeiten mit anderen zu teilen. Behinderte Menschen sollen vor allem die Chance haben, durch den Sport Anerkennung aus eigener Kraft zu gewinnen und in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Demzufolge ist es das Hauptanliegen der Special Olympics, mit Hilfe von Wettkampfsport geistig behinderte Menschen gesellschaftlich zu integrieren.
Mit dem allgemeinpädagogischen Paradigma der Integration ist jedoch grundlegend die Frage nach der Bewältigung von Heterogenität verbunden. Dabei wird in der wissenschaftlichen Literatur kontrovers diskutiert, inwiefern der Umgang mit Heterogenität als Problem oder vielmehr als Chance angesehen werden muss. Im Mittelpunkt pädagogischer Diskussionen steht vor allem die Frage nach der Balance zwischen Gleichheit und Gemeinsamkeit einerseits und Verschiedenheit und Differenzierung andererseits (BOBAN/HINZ 1993, S. 337). Während bei der Bewältigung von Heterogenität lange Zeit die Strategie durch Homogenisierung im Vordergrund stand, wird diese heute verstärkt kritisiert.
Angesichts dieses Wandels geht es insbesondere auch in der aktuellen Forschung der Behindertenpädagogik und des Behindertensports um die Frage, wie sich Gemeinsamkeit ohne Ausgrenzungsdrohung entwickeln kann, so dass letztendlich ein "Miteinander des Verschiedenen" ermöglicht wird. Festzustellen ist, dass Heterogenität allgemein im Bereich des (Behinderten)-Sports noch weitgehend als Problem eingestuft wird. Die Konsequenz im allgemeinen ist, dass durch gezielte Homogenisierung
versucht wird, dem Problem „Heterogenität“ zu begegnen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMFORMULIERUNG UND ZENTRALE FRAGESTELLUNG
1.2 AUFBAU
2 HERANGEHENSWEISE AN DEN BEGRIFF GEISTIGE BEHINDERUNG
2.1 DEFINITION GEISTIGE BEHINDERUNG
2.2 GEISTIGE BEHINDERUNG UND MÖGLICHE HALTUNGEN
3 SPORT ALS INTEGRATIONSMEDIUM
3.1 DIE INTEGRATIVE BEDEUTUNG VON SPORT
3.2 DER INTEGRATIONSBEGRIFF IM PÄDAGOGISCHEN KONTEXT
3.3 INTEGRATIONSTHEORIEN
3.3.1 Die Theorie des gemeinsamen Gegenstandes nach FEUSER
3.3.2 Der ökosystemische Ansatz nach SANDER
3.3.3 Die Theorie integrativer Prozesse nach REISER
3.4 BEDEUTUNG DER INTEGRATIONSTHEORIEN FÜR DAS INTEGRATIONSSPORTLICHE KONZEPT DER SPECIAL OLYMPICS
3.5 HETEROGENITÄT UND INTEGRATIVE PROZESSE
4 SPECIAL OLYMPICS – DIE ORGANISATION UND IHRE IDEE
4.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG VON BEWEGUNG, SPIEL UND SPORT GEISTIG BEHINDERTER MENSCHEN IN DEUTSCHLAND
4.1.1 Special Olympics Deutschland e.V.
4.2 HISTORISCHE ENTWICKLUNG VON SPECIAL OLYMPICS INTERNATIONAL
4.3 VERANSTALTUNGSKULTUR UND PRINZIPIEN VON SPECIAL OLYMPICS EVENTS
4.4 WETTKAMPFSPORTARTEN UND FACHSPORTLICHE GRUNDLAGEN
4.4.1 Bewertung der „Sport Skills Guides“
4.5 METHODISCHE GRUNDLAGE – DIE PROGRAMME
4.5.1 Das Konzept der „Unified Sports”
4.5.2 Das “Motor Activities Training Program”
4.5.3 Das „Volunteer“ Konzept
4.5.4 Das Familienkonzept
4.6 ZUSAMMENFASSUNG UND BEWERTUNG DER SPECIAL OYLMPICS IDEE
5 BEHINDERTENSPORTLICHE LEITBILDER
5.1 VORBEMERKUNG
5.2 DIE LEITBILDER DES TRADITIONELLEN BEHINDERTENSPORTS
5.2.1 Das normalitätsorientierte Leitbild
5.2.2 Das behinderungsorientierte Leitbild
5.2.3 Das Ziel Integration als Illusion?
5.2.4 Integration als Synthese
5.3 LEITBILDER ALS INSTRUMENT ZUR EINORDNUNG DER ARGUMENTATIONSGRUNDLAGE DER SPECIAL OLYMPICS IDEE
5.4 DER NORMALITÄTSORIENTIERTE INTEGRATIONSANSATZ DER SPECIAL OLYMPICS ORGANISATION
5.4.1 Der Normalitätsansatz und die Bedeutung für die Special Olympics
5.5 INTEGRATIONSANSATZ DER SPECIAL OLYMPICS UND ANSATZPUNKTE FÜR DAS INTEGRATIONSSPORTLICHE KONZEPT
6 DIE SPECIAL OLYMPICS NATIONAL GAMES 2004 IN HAMBURG
6.1 WETTKÄMPFE UND RAHMENPROGRAMM DER SO-NATIONAL GAMES 2004 IN HAMBURG
6.2 DIE AUSTRAGUNGSORTE IN HAMBURG
6.2.1 Das Healthy Athletes Programm in der Olympic Town
6.3 DIE OFFIZIELLEN WETTKAMPFSPORTARTEN
6.4 DIE TEILNEHMERZAHL UND –STRUKTUR
6.5 DIE RICHTLINIEN DER SO-ORGANISATION BEI DEN NATIONAL GAMES
6.5.1 Das Volunteerkonzept – Hamburgs Schüler als Helfer
6.5.2 Das Integrationssportprogramm „Unified Sports“
6.5.3 Das wettbewerbsfreie Angebot
6.5.4 Das Familienprogramm
6.6 FRAGESTELLUNGEN UND ANFORDERUNGEN AN EIN INTEGRATIONSSPORTLICHES KONZEPT FÜR DIE SPECIAL OLYMPICS
7 EIN INTEGRATIONSSPORTLICHES KONZEPT FÜR SPECIAL OLYMPICS VERANSTALTUNGEN
7.1 ANSÄTZE DES INTEGRATIONSSPORTS ALS KONZEPTGRUNDLAGE
7.2 MODELL DER „DIMENSIONEN DER INTEGRATION“
7.3 DAS INTEGRATIONSSPORTMODELL ALS INTEGRATIVER IMPULS FÜR DAS SPECIAL OLYMPICS KONZEPT
7.3.1 Übertragung des Familiensportkonzeptes auf die Special Olympics
7.3.2 Die gemeinsamen Spiel- und Sportangebote für alle im I. und III. Tagesabschnitt
7.3.3 Differenzierte Angebote des II. Tagesabschnitts
7.4 WEITERE BEISPIELE UND ANSÄTZE FÜR EIN INTEGRATIONSSPORTLICHES KONZEPT
7.4.1 Einführung neuer Sportarten (Das Beispiel Korfball)
7.4.2 Familienmitglieder als Bewegungspartner
8 SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, inwiefern die Special Olympics als Sportveranstaltung für geistig behinderte Menschen soziale Integration durch Sport fördern. Dabei wird das bestehende normalitätsorientierte Wettkampfkonzept hinterfragt und auf Basis integrationspädagogischer Theorien ein erweitertes, praxisorientiertes Konzept entwickelt, das Heterogenität als Chance begreift und soziale Kontakte zwischen behinderten und nichtbehinderten Teilnehmern stärker forciert.
- Analyse des Heterogenitätsdiskurses in der Behindertenpädagogik und im Behindertensport.
- Kritische Beleuchtung der Special Olympics Ideologie und deren Normalisierungsansatz.
- Evaluation der National Games 2004 in Hamburg hinsichtlich ihrer integrativen Wirkungskraft.
- Entwicklung eines neuen, ganzheitlichen Tagesabschnittskonzepts für Special Olympics Veranstaltungen.
- Förderung der personalen und sozialen Integration durch differenzierte Bewegungs- und Sportangebote.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemformulierung und zentrale Fragestellung
Die Philosophie von SPECIAL OLYMPICS ist es, mit dem Mittel Sport die Akzeptanz von Menschen mit geistiger Behinderung in der Gesellschaft zu verbessern. (SO International, INC. 1997, Artikel 1, Sektion 1.02)
Special Olympics International wurde 1988 vom IOC offiziell anerkannt und ist heute als weltweit größte Sportorganisation für geistig und mehrfachbehinderte Menschen in über 190 Staaten vertreten. Als wichtigstes Ziel formuliert die SO Organisation, geistig behinderten Menschen die Möglichkeit zu geben, mit ganzjährigem Sporttraining und Wettbewerben in verschiedenen olympischen Disziplinen körperliche Fitness zu entwickeln, sowie ihre Begabungen und Fähigkeiten mit anderen zu teilen. Behinderte Menschen sollen vor allem die Chance haben, durch den Sport Anerkennung aus eigener Kraft zu gewinnen und in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Demzufolge ist es das Hauptanliegen der Special Olympics, mit Hilfe von Wettkampfsport geistig behinderte Menschen gesellschaftlich zu integrieren.
Mit dem allgemeinpädagogischen Paradigma der Integration ist jedoch grundlegend die Frage nach der Bewältigung von Heterogenität verbunden. Dabei wird in der wissenschaftlichen Literatur kontrovers diskutiert, inwiefern der Umgang mit Heterogenität als Problem oder vielmehr als Chance angesehen werden muss. Im Mittelpunkt pädagogischer Diskussionen steht vor allem die Frage nach der Balance zwischen Gleichheit und Gemeinsamkeit einerseits und Verschiedenheit und Differenzierung andererseits (BOBAN/HINZ 1993, S. 337). Während bei der Bewältigung von Heterogenität lange Zeit die Strategie durch Homogenisierung im Vordergrund stand, wird diese heute verstärkt kritisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung formuliert die Problemstellung bezüglich der Integration geistig behinderter Menschen und führt die zentrale Forschungsfrage ein, ob Heterogenität bei Special Olympics als Chance begriffen werden kann.
2 HERANGEHENSWEISE AN DEN BEGRIFF GEISTIGE BEHINDERUNG: Dieses Kapitel definiert geistige Behinderung nicht als festen Zustand, sondern als prozesshaftes Geschehen und vergleicht defektologische und dialogische Haltungen.
3 SPORT ALS INTEGRATIONSMEDIUM: Es werden zentrale Integrationstheorien (Feuser, Sander, Reiser) vorgestellt, um die theoretische Basis für ein integratives Sportkonzept zu schaffen, das Heterogenität wertschätzt.
4 SPECIAL OLYMPICS – DIE ORGANISATION UND IHRE IDEE: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick und beleuchtet die Struktur sowie die methodischen Programme wie Unified Sports und das Volunteer-Konzept.
5 BEHINDERTENSPORTLICHE LEITBILDER: Es erfolgt eine Einordnung der Special Olympics Organisation in bestehende Leitbilder des Behindertensports, wobei das normalitätsorientierte Leitbild kritisch hinterfragt wird.
6 DIE SPECIAL OLYMPICS NATIONAL GAMES 2004 IN HAMBURG: Hier wird die praktische Umsetzung der Special Olympics in Hamburg analysiert, wobei Defizite bei der tatsächlichen Integration offenbart werden.
7 EIN INTEGRATIONSSPORTLICHES KONZEPT FÜR SPECIAL OLYMPICS VERANSTALTUNGEN: Auf Basis von Rhekers Modell wird ein konkreter Konzeptentwurf entwickelt, um durch differenzierte Angebote eine stärkere soziale Integration zu ermöglichen.
8 SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine Veränderung der traditionellen Ausrichtung, um Special Olympics hin zu einer Veranstaltung für alle zu entwickeln.
Schlüsselwörter
Special Olympics, Geistige Behinderung, Integration, Heterogenität, Integrationssport, Normalisierungsprinzip, Unified Sports, Behindertensport, Soziale Integration, Pädagogische Konzepte, Sportveranstaltung, Inklusion, Homogenisierung, Wettkampfsport, Differenzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Special Olympics und dessen Wirksamkeit bei der sozialen Integration von Menschen mit geistiger Behinderung durch Sport.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Verständnis von geistiger Behinderung, die Bedeutung von Integration im pädagogischen Sportkontext, der Umgang mit Heterogenität sowie die Evaluation konkreter Sportveranstaltungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwiefern bei einer Veranstaltung wie den Special Olympics durch Heterogenität auf verschiedenen Ebenen integrative Prozesse eingeleitet werden können, anstatt nur Homogenität anzustreben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die durch praktische Erfahrungen und Experteninterviews (u.a. mit Trainern und Schülern/Volunteers) während der National Games in Hamburg gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffs- und Theorieanalyse, eine Untersuchung der Special Olympics Organisation und deren Programme sowie eine kritische Bestandsaufnahme der National Games 2004 in Hamburg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Integration, Heterogenität, Special Olympics, Geistige Behinderung, Integrationssport, Normalisierung und Inklusion sind die maßgeblichen Begriffe.
Warum wird das normalitätsorientierte Leitbild kritisiert?
Weil es durch die Tendenz zur Homogenisierung und Selektion in Sportgruppen dazu führen kann, dass gerade schwerstbehinderte Menschen ausgegrenzt werden und somit das Ziel einer umfassenden sozialen Teilhabe verfehlt wird.
Was schlägt der Autor als Alternative vor?
Der Autor schlägt ein „Tagesabschnittskonzept“ vor, das eine Mischung aus gemeinsamen Spielangeboten für alle Teilnehmer und differenzierten Wahlmöglichkeiten vorsieht, um individuelle Bedürfnisse und soziale Begegnungen besser zu vereinen.
- Quote paper
- André Holzmüller (Author), 2005, Heterogenitaet als Chance für die Special Olympics? - Ein Konzept aus integrationssportlicher Perspektive zum Anlass der Special Olympics National Games 2004 in Hamburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49599