Überrendite kleiner Aktiengesellschaften. Der Size-Effekt


Seminararbeit, 2018
43 Seiten, Note: 1,3
Sebastian M. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen und Ansätze zur Bestimmung der Überrendite kleiner Aktiengesellschaften
2.1 Kapitalmarkttheoretische Grundlagen
2.2 Kapitalmarkteffizienz als theoretisches Fundament
2.3 Der Size-Effekt

3. Kritische Analyse unterschiedlicher Ansätze zur Renditebestimmung kleiner Aktiengesellschaften
3.1 Kritische Analyse des CAPM
3.2 Identifikation von Erklärungsansätzen für den Size-Effekt
3.3 Mehrfaktorenmodelle als alternative Bewertungsansätze

4. Empirische Untersuchung des Size-Effekts
4.1 Auswahl der Erhebungs- und Auswertungsmethodik
4.2 Durchführung der Performanceanalyse ohne Risikobereinigung
4.3 Ermittlung von risikobereinigten Überrenditen

5. Schlussbetrachtung

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Abstufung der Informationseffizienz von Kapitalmärkten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Monatsrenditen der Portfolios ohne Risikobereinigung

Tab. 2 Monatliche Überrenditen und Betawerte der Vergleichs-portfolios

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Erklärung und Prognose von Aktienrenditen zählt in der Finanzpraxis zu den bedeutendsten Aufgaben. Auch in der modernen Finanzwissenschaft nimmt dieses Forschungsfeld eine dominierende Rolle ein.[1] Primärer Grund hierfür ist, dass sowohl institutionelle Anleger als auch private Anleger daran interessiert sind, ihr Kapital unter Berücksichtigung des individuellen Rendite- und Risikoprofils am Kapitalmarkt bestmöglich anzulegen. Wesentliches Ziel dabei ist letztendlich die positiven Renditeentwicklungen bestmöglich auszunutzen und dadurch einen Vermögenszuwachs zu generieren.

In der Finanzwissenschaft dominierte zu diesem Forschungsfeld bis in die 90er-Jahre fast ausschließlich das CAPM (Capital Asset Pricing Model). Das CAPM dient zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten (Cost of Equity) und wird daher zur Erklärung und Prognose von Aktienrenditen verwendet. Bei der Unternehmensbewertung ist es bis heute weltweit das primäre Instrument zur Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes, mit dem die zukünftigen Zahlungsströme (Cashflows) des zu bewertenden Unternehmens diskontiert bzw. abgezinst werden.[2] So wurde in einer von Graham und Harvey durchgeführten Untersuchung 2001 festgestellt, dass 73 % von insgesamt 395 befragten CFOs aus den USA und Kanada zur Ermittlung der Eigenkapitalkosten fast immer das CAPM verwenden.[3]

Dennoch wird das CAPM seit Jahrzehnten sowohl von der Wissenschaft als auch von der Praxis energisch kritisiert. Neben speziellen Problemstellungen, wie z. B. aktuell die Auswirkungen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise, sieht sich das CAPM mit grundlegenden Eigenschaften des Kapitalmarktes konfrontiert. Eine zentrale Eigenschaft bzw. Voraussetzung für das Modell ist die Gültigkeit der Informationseffizienzhypothese für die Kapitalmärkte. Diese Informationseffizienzhypothese muss zumindest bei Aktiengesellschaften mit verhältnismäßig geringer Markt- bzw. Börsenkapitalisierung angezweifelt werden. Banz und Reinganum haben in den frühen achtziger Jahren erstmals festgestellt, dass die Aktienrenditen kleiner Gesellschaften vom CAPM nicht richtig beschrieben werden und bei diesen Unternehmen womöglich aufgrund der Firmengröße eine Überrendite[4] entsteht.[5] Seitdem beschäftigt sich die Wissenschaft weltweit ausführlich mit dieser Thematik. Es existieren für mittlerweile alle wichtigen Kapitalmärkte empirische Untersuchungen zum sogenannten Size-Effekt (Größeneffekt) bzw. Kleinfirmeneffekt (KFE). Auf Basis der Erkenntnisse dieser Untersuchungen wurden von der Wissenschaft im Laufe der Zeit Erweiterungen des klassischen CAPM in Form von alternativen Kalkulationsmodellen entwickelt.[6] Primäres Ziel dabei war das Schaffen von mehr Flexibilität hinsichtlich des Modellansatzes und die Unterlegung weniger restriktiver Annahmen im Vergleich zum von Sharpe und Lintner aufgestellten CAPM.[7]

Ziel dieser Arbeit ist es, den aktuellen Stand der Forschung zum Size-Effekt systematisch aufzuarbeiten, eine kritische Analyse der vorhandenen Modellansätze vorzunehmen und anhand einer empirischen Analyse die Existenz des Size-Effekts am deutschen Aktienmarkt zu überprüfen. Dabei bezieht sich die Analyse auf den Zeitraum 2007 bis 2016.

Die Forschungsfrage, die mit Hilfe dieser Arbeit beantwortet werden soll, lautet daher:

Erzielten Aktien kleiner deutscher Aktiengesellschaften im Vergleich zu Aktien großer deutscher Aktiengesellschaften zwischen 2007 und 2016 eine höhere risikobereinigte Rendite?

Um die aufgestellte Forschungsfrage zu beantworten, ist die Arbeit wie folgt gegliedert: Nach der einleitenden Darstellung der Problemstellung und Zielsetzung in Kapitel 1 werden in Kapitel 2 zunächst grundlegende Begriffe und Modelle zur Rendite- und Risikobestimmung von Aktien erläutert. Zudem wird ausführlich auf die Theorie der Kapitalmarkteffizienz eingegangen. Das Kapitel schließt mit einem Überblick über die in der Wissenschaft bereits erzielten Erkenntnisse zum Size-Effekt. In Kapitel 3 werden zunächst Probleme und Grenzen der Renditeberechnung anhand des CAPM aufgezeigt. Anschließend werden Erklärungsansätze, die für das Auftreten des Size-Effekts verantwortlich sein könnten, diskutiert. Hierbei wird insbesondere auf die notwendige Berücksichtigung von spezifischen Merkmalen kleiner Aktiengesellschaften eingegangen. Abschließend werden Mehrfaktorenmodelle, als Erweiterung des CAPM, vorgestellt. In Kapitel 4 wird überprüft, ob der Size-Effekt zwischen 2007 und 2016 in Deutschland existierte und kleine Aktiengesellschaften gegenüber großen eine risikobereinigte Überrendite erzielten. In der Schlussbetrachtung werden die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst.

2. Theoretische Grundlagen und Ansätze zur Bestimmung der Überrendite kleiner Aktiengesellschaften

2.1 Kapitalmarkttheoretische Grundlagen

Das zur Erklärung und Prognose von Aktienrenditen verwendete CAPM wurde ursprünglich von Sharpe (1964), Lintner (1965) und Mossin (1966) entwickelt.[8] Dabei dienten als Ausgangspunkt zur Entwicklung des Modells die Erkenntnisse der MPT (Modern Portfolio Theory) von Markowitz (1952,1959) und Tobin (1958). Markowitz beschäftigte sich mit der Risikominimierung durch Diversifikation bei der Wertpapierinvestition.[9] Dabei hat Markowitz mit seiner Arbeit zum einen die Diversifikation bei Wertpapierinvestments wissenschaftlich begründet und quantifiziert und zum anderen ermittelt, welche und wie viele Wertpapiere hierfür notwendig sind.[10] Durch die Anwendung der MPT kann das unsystematische Risiko gegen Null diversifiziert werden und damit letztendlich ein optimales Portfolio unter Berücksichtigung von Rendite (μ) und Risiko (σ)[11] konstruiert werden. Das systematische Risiko (Marktrisiko) hingegen bleibt bestehen, da dieses Risiko (z.B. Zinsentwicklung, Inflationsrate oder Naturkatastrophen) sämtliche Aktien des Kapitalmarktes betrifft und daher auch nicht durch Diversifizierung beseitigt werden kann.[12] Ein Portfolio gilt als optimal, wenn:

1. Das Portfolio erreichbar ist bzw. alle verfügbaren Wertpapiere vom Anleger gehandelt werden können.
2. Das Portfolio effizient ist. Ein Portfolio gilt als effizient, wenn kein anderes Portfolio bei gegebenem Erwartungswert eine niedrigere Standardabweichung (alternativ auch Varianz)[13] oder bei gegebener Standardabweichung einen höheren Erwartungswert aufweist.
3. Das Portfolio die Risikonutzenfunktion (das individuelle Risikoprofil) des Anlegers maximiert.

Demnach werden sämtliche Anlageentscheidungen nach dem sogenannten μ/σ-Prinzip getroffen.[14]

1958 wurde die MPT von Tobin um die Geldanlage zum risikolosen Zinssatz (Anlage ohne Risiko) ergänzt. Je nach Risikobereitschaft des Anlegers wird ein Teil des Investmentkapitals in das effiziente Portfolio mit risikobehafteten Wertpapieren und der restliche Teil zum risikolosen Zinssatz angelegt.

Das auf diese Erkenntnisse aufgebaute CAPM ist ein Kapitalmarktgleichgewichtsmodell, welches besagt, dass die Renditen aller risikobehafteten Anlagen eine Funktion ihrer Kovarianz mit dem Marktportfolio sind.[15] Somit lässt sich die geforderte bzw. erwartete Rendite einzelner Wertpapiere methodisch ermitteln und letztendlich die allgemeine Preisbildung am Kapitalmarkt erklären.

Für das CAPM werden folgende Modellannahmen getroffen:[16]

1. Alle Anleger haben homogene Erwartungen, da sie von den gleichen Erwartungswerten, Varianzen und Kovarianzen sämtlicher Wertpapiere ausgehen.
2. Alle Anleger sind risikoavers und ziehen ein höheres einem niedrigeren Vermögen vor. Das heißt jeder Anleger bewertet σ negativ und μ positiv.
3. Jedem Anleger stehen die gleichen Informationen kostenlos und zur selben Zeit zur Verfügung. Somit wird ein vollkommener Kapitalmarkt unterstellt.
4. Der Kapitalmarkt ist im Gleichgewicht. Somit gilt für jedes einzelne Wertpapier: Angebot = Nachfrage.
5. Es wird eine einheitliche, einperiodige Betrachtung verwendet.
6. Es gibt keine Transaktionskosten, keine Steuern oder andere Markteinschränkungen und Leerverkäufe[17] sind unbegrenzt möglich.
7. Es besteht die Möglichkeit der unbegrenzten Kapitalanlage und -aufnahme zu einem gegebenen risikolosen Zinssatz. Aufgrund dieser Annahme werden die Anleger nur in risikobehaftete Anlagen investieren, wenn diese ausreichend bepreist sind.

Die ersten sechs der dargestellten Annahmen sind auch für die MPT gültig. Aufgrund der bisher dargestellten Grundlagen und Modellannahmen lässt sich das sogenannte Marktportfolio, welches alle anderen Portfolios hinsichtlich Rendite-/Risiko-Verhältnis dominiert, bestimmen. In Verbindung mit der risikolosen Geldanlage ergibt sich die sogenannte Kapitalmarktlinie (Capital Market Line).

Da jedes einzelne Wertpapier einen bestimmten Anteil am Marktportfolio einnimmt, kann der Wert eines einzelnen Wertpapieres im Verhältnis zum Marktportfolio bestimmt werden.[18] Dies wird durch die Wertpapierlinie ausgedrückt. So wird die Renditeerwartung eines Investors bzw. aller Investoren zu einem bestimmten Zeitpunkt für eine Kapitalanlage bestimmt. Diese Renditeerwartung ([ ) ergibt sich nach dem CAPM aus dem risikolosen Zinssatz ( ) zuzüglich einer Risikoprämie. Diese Risikoprämie ergibt sich aus der Differenz der erwarteten Rendite des Marktportfolios und dem risikolosen Zinssatz multipliziert mit dem wertpapierspezifischen Risikomaßstab (Betafaktor). Das CAPM wird somit wie folgt dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit:

E[Ri] = Erwartete Rendite der Investition i

Rf= risikoloser Zinssatz

βi= Sensitivität der Titel- bzw. Portfoliorendite in Bezug zur Marktüberschussrendite

E[Rm]= erwartete Rendite des Marktportfolios

E[Rm]= = Marktüberschussrendite

αi= Jensen-Alpha[19]

Der Betafaktor drückt dabei das unsystematische - nicht diversifizierbare - Risiko eines einzelnen Wertpapiers aus. Eine Aktie mit einem Betafaktor kleiner 1 ist somit weniger riskant als der Markt.[20] Der Betafaktor ist im CAPM die einzige verbleibende entscheidungsrelevante Komponente, da das systematische Risiko nicht in Form einer Risikoprämie vergütet wird.[21] Die zentrale Aussage des CAPM ist somit, dass der Markt eine Übernahme von Risiken mit einer höheren Rendite vergütet.

2.2 Kapitalmarkteffizienz als theoretisches Fundament

Die Voraussetzung für die Realisierung von optimalen Kapitalanlageentscheidungen ist ein effizienter und stabiler Kapitalmarkt. Dabei gilt ein Kapitalmarkt als stabil, wenn eine Neigung zum Kapitalmarktgleichgewicht besteht.[22] Kapitalmarkteffizienz hingegen bedeutet im engeren Sinn Informationseffizienz. Damit ist gemeint, dass alle verfügbaren Informationen jederzeit in sämtlichen Wertpapierkursen berücksichtigt sind. Aufgrund dieser Gegebenheit besitzt kein Marktteilnehmer einen Informationsvorsprung, welchen er gewinnbringend nutzen kann.[23]

Bis heute wird die Frage, ob bzw. zu welchem Grad Kapitalmarkteffizienz vorhanden ist, kontrovers diskutiert.[24] Der Verfasser dieser Arbeit schließt sich der Meinung von u. a. Beiker an, dass in der Realität keine vollständige Informationseffizienz vorliegt.[25] Dies wird damit begründet, dass Informationen offensichtlich häufig nur begrenzt verfügbar sind und es auch keine ausnahmslos homogene Erwartungshaltung gibt. Beispielsweise lassen sich Investoren u. a. in fundamental und technisch orientierte Anleger unterteilen, welche per Definition unterschiedliche Strategien verfolgen und somit unterschiedliche Erwartungshaltungen haben.

Fama, welcher sich ausführlich mit der Effizienz von Kapitalmärkten auseinandergesetzt hat und auf den sich die Markteffizienzhypothese zurückführen lässt, unterscheidet drei Arten von Informationseffizienz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Abstufung der Informationseffizienz von Kapitalmärkten. Die Abbildung zeigt die drei Ausprägungen der Informationseffizienz. (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Steiner, M./Bruns, C./Stöckl, S. (2012), S. 40.)

Wie in der Grafik dargestellt, schließen höhere Ausprägungen der Informationseffizienz niedrigere Ausprägungen ein.[26] Dabei gelten jene Kapitalmärkte als schwache informationseffiziente Kapitalmärkte, bei denen die Wertpapierkurse nur Informationen aus der vergangenen Kursentwicklung vollständig berücksichtigen. Werden sämtliche öffentlich verfügbaren Informationen in den Wertpapierkursen berücksichtigt, handelt es sich um halbstrenge Informationseffizienz. Von strenger Informationseffizienz wird gesprochen, wenn auch nicht öffentlich verfügbare Informationen bereits in die Wertpapierkurse eingepreist sind.[27] Nicht öffentlich verfügbare Informationen sind häufig nur wenigen Kapitalmarktteilnehmern bekannt. Deshalb können auf einem streng informationseffizienten Kapitalmarkt selbst durch den Einsatz von Insiderinformationen keine Überrenditen erzielt werden. Ab der halbstrengen Informationseffizienz wiederum lassen sich durch eine Fundamentalanalyse keine Überrenditen mehr erzielen. In schwachen informationseffizienten Kapitalmärkten lassen sich per Definition keine zukünftigen Marktpreise aus vergangenen Kursentwicklungen ableiten, da das Kursbild der Vergangenheit bereits im Wertpapierkurs berücksichtigt ist.[28]

Die Annahme über die Effizienz von Kapitalmärkten ist bei der Wahl der Anlagephilosophie bzw. -strategie von entscheidender Bedeutung. Unterstellt der Anleger eine vollständige bzw. strenge Informationseffizienz, dann sollte dieser passiv investieren, z. B. durch die Investition in einen ETF.[29] Die Form des aktiven Investierens hingegen sollte angewandt werden, wenn von einem nicht informationseffizienten Kapitalmarkt ausgegangen wird. Das Ziel beim aktiven Investieren ist, auf Basis eigener Annahmen bzw. Prognosen eine Überrendite zu erzielen. Die Entscheidung, ob das aktive gegenüber dem passiven Portfoliomanagement bevorzugt werden soll, wird bis heute sowohl von Wissenschaft als auch Praxis kontrovers diskutiert.

Von den Praktikern wird angemerkt, dass sich die empirischen Tests zur Kapitalmarkteffizienz fast ausschließlich auf Marktindizes oder große Aktiengesellschaften beschränken.[30] Kleinere Aktiengesellschaften (auch Nebenwerte genannt), Private Equity und Firmen in Emerging-Markets wurden dabei in die Tests meist nicht einbezogen. Studien belegen, dass bei Aktien aus diesen Segmenten häufiger temporäre Bewertungsblasen entstehen. Diese Aktien verfügen im Gegensatz zu Large Caps[31] auch häufig über keine professionelle Research-Betreuung.[32]

2.3 Der Size-Effekt

Empirische Untersuchungen haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder Zustände am Kapitalmarkt ausfindig gemacht, die sich nicht mit den bisherigen Kapitalmarkttheorien erklären lassen.[33] Diese Zustände werden als Kapitalmarktanomalien bezeichnet. Eine dieser Anomalien ist der Size-Effekt. Dieser steht für die im CAPM zu niedrig bewerteten Eigenkapitalkosten von Unternehmen, deren Marktkapitalisierung verhältnismäßig gering ist. In der Literatur werden als Ursache für das Auftreten des Size-Effekts mehrere Erklärungsansätze, wie etwa Transaktionskosten oder Liquiditätsrisiken diskutiert. Neben modellbezogenen und methodischen Fehlspezifikationen wird die Annahme von Ineffizienzen des Kapitalmarkts als weiterer Erklärungsansatz herangezogen.[34]

Die Wissenschaft hat dem Size-Effekt eine hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Über den Size-Effekt gibt es international zahlreiche empirische Untersuchungen. Dabei wird zur Untersuchung des Effekts jeweils mindestens eine der im Folgenden beschriebenen zwei Hauptmethoden verwendet. Bei der ersten Methode werden Aktien anhand ihrer Größe (Marktkapitalisierung) zunächst in Gruppen sortiert und anschließend die Durchschnittsrenditen der gebildeten Gruppen verglichen. Bei der zweiten Methode handelt es sich um die Regressionsanalyse. Mit einer Regressionsanalyse kann der Zusammenhang von zwei oder mehreren Variablen untersucht werden. Beispielsweise kann so auf einen Zusammenhang zwischen Rendite und spezifischen Aktienmerkmalen, wie etwa die Marktkapitalisierung, geschlossen werden. Empfohlen wird die Verwendung von beiden Methoden.[35] Im Folgenden soll auf die aus Sicht des Verfassers wichtigsten Untersuchungen zum Size-Effekt eingegangen werden und deren Erkenntnisse zusammenfassend dargestellt werden.

Die ersten Untersuchungen zum Size-Effekt stammen von Banz (1981) und Reinganum (1981) und wurden zeitgleich im Journal of Financial Economics veröffentlicht. Banz war der erste, der das Phänomen des Size-Effekts entdeckte. Er untersuchte zwischen 1926 und 1975 alle an der NYSE gelisteten Aktiengesellschaften. Dabei stellte er fest, dass Aktien mit niedriger Marktkapitalisierung über den gesamten Beobachtungszeitraum eine statistisch signifikant höhere risikobereinigte Rendite erzielten als Aktien mit höherer Marktkapitalisierung.[36] Besonders stark trat dieser Effekt bei den kleinsten Unternehmen auf. Jedoch stellte Banz in seiner Studie auch fest, dass der Size-Effekt innerhalb des 40-jährigen Untersuchungszeitraums nicht durchgehend stabil war und es auch keine lineare Abhängigkeit zwischen erwarteter Rendite und Size-Effekt gab.[37]

Reinganum hingegen stellte bei seiner Untersuchung nicht nur eine unterschiedliche Höhe und durchgehende Signifikanz der Überrendite fest, sondern sogar einen phasenweise negativen Size-Effekt.[38] In der Untersuchung von Reinganum wurden ausgewählte Aktien der NYSE und der AMEX[39] zwischen 1963 und 1977 analysiert. Laut Reinganum wird das Renditeverhalten von Aktien durch das CAPM nicht korrekt beschrieben.[40]

[...]


[1] Vgl. Hanauer/Kaserer/Rapp (2012), S. 469.

[2] Vgl. Ziemer (2018), S. 2.

[3] Vgl. Graham/Harvey (2001), S. 201-202.

[4] Die Überrendite definiert sich als Differenz zwischen der realisierten Rendite und der Rendite, die laut dem Modell bzw. der Theorie zu erwarten gewesen wäre. Vgl. hierzu: Brown/Warner (1980), S. 207-208 sowie Dimson/Marsh (1986), S. 119-120.

[5] Vgl. Banz (1981), S. 3-18 und Reinganum (1981b), S. 19-46.

[6] Vgl. Vogler (2009), S. 382.

[7] Vgl. Ebenda.

[8] Vgl. Sharpe (1964), S. 425-442, Lintner (1965), S. 13-37 und Mossin (1966), S. 768-783.

[9] Vgl. Markowitz (1952), S. 77-91 und Grimm/Schuller/Wilhelmer (2014), S. 279.

[10] Vgl. Grimm/Schuller/Wilhelmer (2014), S. 276.

[11] Die Rendite wird in diesem Zusammenhang als positive Differenz und das Risiko als negative Differenz zwischen realisierter und erwarteter Rendite definiert. Die Rendite (μ) wird im Folgenden durch den Erwartungswert und das Risiko (σ) durch die Standardabweichung bzw. Varianz ausgedrückt.

[12] Vgl. Grimm/Schuller/Wilhelmer (2014), S. 277.

[13] Häufig wird die Standardabweichung gegenüber der Varianz favorisiert, da diese die gleiche Dimension wie die Rendite hat. Vgl. Beiker (1993), S. 14.

[14] Vgl. Möller (1988), S. 780.

[15] Vgl. Bodie/Kane/Marcus (2011), S. 289.

[16] Vgl. Reilly/Brown (2012), S. 208 und Hillier/Grinblatt/Titman (2012), S. 140.

[17] Bei einem Leerverkauf wird ein noch nicht im Besitz befindliches Wertpapier auf Termin verkauft.

[18] Vgl. Steiner/Bruns/Stöckl (2012), S. 24.

[19] Das Jensen-Alpha wurde 1968 von dem US-Ökonom Michael C. Jensen eingeführt und steht für den signifikanten Renditeanteil, der durch das CAPM nicht erklärt werden kann. Vgl. hierzu Jensen (1968), S. 389-416.

[20] Vgl. Reilly/Brown (2012), S. 217.

[21] Vgl. Ziemer (2018), S. 140.

[22] Vgl. Beiker (1993), S. 7.

[23] Vgl. Steiner/Bruns/Stöckl (2012), S. 41-42.

[24] Vgl. Gränitz (2013), S. 42.

[25] Vgl. Beiker (1993), S. 8.

[26] Vgl. Steiner/Bruns/Stöckl (2012), S. 39.

[27] Vgl. Fama (1970), S. 383-418.

[28] Vgl. Bruns/Meyer-Bullerdiek (2013), S. 149 und Fama (1991), S. 1578.

[29] Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der ein Marktportfolio (z. B. den DAX) bzw. dessen Wertentwicklung abbildet.

[30] Vgl. Spremann (2000), S. 1099.

[31] Aktiengesellschaften mit hoher Marktkapitalisierung werden als Large Caps bezeichnet.

[32] Vgl. Hasler (2011), S. 18.

[33] Vgl. Kuhn (1970), S. 52-53.

[34] Vgl. Beiker (1993), S. 50.

[35] Vgl. Fama/French (2008), S. 1654.

[36] Vgl. Banz (1981), S. 7.

[37] Vgl. ebenda, S. 9-10.

[38] In vier von 18 Perioden war der Size-Effekt negativ. Vgl. hierzu Reinganum (1983), S. 31-32.

[39] An der AMEX sind Aktien mit noch wesentlich geringerer Marktkapitalisierung gelistet.

[40] Vgl. Reinganum (1981a), S. 52-53.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Überrendite kleiner Aktiengesellschaften. Der Size-Effekt
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
43
Katalognummer
V496052
ISBN (eBook)
9783346008886
ISBN (Buch)
9783346008893
Sprache
Deutsch
Schlagworte
überrendite, aktiengesellschaften, size-effekt
Arbeit zitieren
Sebastian M. (Autor), 2018, Überrendite kleiner Aktiengesellschaften. Der Size-Effekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496052

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