Einkauf in China. Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses


Diplomarbeit, 2014
164 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Referat:

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Vorbereitung durch den Einkäufer
1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
1.2 Beschaffungsdokumente
1.3 Vorteile einer guten Vorbereitung
1.4 Chinas Relevanz und Checkliste für eine gute Vorbereitung.

2 Einkaufsstrategien in China
2.1 Einkauf über Händler
2.2 Direkte Marktanalyse
2.3 Messen
2.4 Einkaufsrepräsentanz
2.5 Checkliste zur Auswahl der optimalen Einkaufsstrategie

3 Lieferantensuche, -bewertung und –auswahl
3.1 Typen von Lieferanten [50]
3.2 Sourcing – Regionen
3.3 Lieferantensuche
3.4 Lieferantenbewertung und -auswahl
3.5 Checkliste für eine erfolgreiche Lieferantenauswahl

4 Vertragsabschluss
4.1 Vertragsgestaltung
4.2 Anwendbares Recht und Streiterledigung
4.3 Checkliste für die Vertragsgestaltung

5 Qualitätssicherung
5.1 Art der Qualitätssicherung
5.2 Kriterien für die Qualitätskontrolle
5.3 Reklamationsabwicklung
5.4 Checkliste für die erfolgreiche Qualitätssicherung

6 Logistik und Transport
6.1 Beschaffungslogistik in China
6.2 Seetransport und Zölle
6.3 Transportkosten
6.4 Checkliste für die optimale Zoll- und Transportabwicklung.

7 Schlusswort

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anlagenverzeichnis

Berechnung der Transportkosten

Berechnung des Zieleinkaufspreises [118]

Messeverzeichnis [119]

Catalogue

Declaration of Conformity

Quality Control Instructions

REACH and RoHS Supplier Confirmation

Supplier Agreement

Referat:

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Analyse der Anforderungen an Unternehmen und den zu bewältigenden Problemstellungen beim Einkauf von Handelswaren in China. Die dargebotenen Methoden und Vorgehens-weisen für die Aufbereitung der Beschaffungsdokumente, die Lieferanten-suche und –bewertung, die Vertragsgestaltung und die Durchführung der Qualitätskontrolle dienen der Planung und Strukturierung des Beschaf-fungsvorganges, um die mit dem Einkauf in China verbundenen Risiken abwenden zu können. Es werden die rechtlichen und logistischen Rahmenbedingungen des Importes abgehandelt, um eine Grundlage zur Entscheidung für oder gegen den Bezug von Waren aus China zu bieten. Mittels Beispielen standardisierter Musterdokumente werden wesentliche Punkte für die Anwendung in der Praxis aufbereitet.

Vorwort:

China rangiert derzeit bei den bedeutendsten Handelspartnern Österreichs an vierter Stelle und wird in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen. Für substituierbare Handelswaren, welche im Einzelhandel an den Endkon-sumenten verkauft werden, wie z.B.: Handwerkzeuge, Garten- und Haus-haltsprodukte, Spielzeuge und Kleidung herrscht aufgrund der Verfügbarkeit im Internet und der mit den traditionellen Geschäften konkurrierenden Online-Shops hoher Preisdruck am Markt. Daher müssen Händler Wege fin-den, günstiger einzukaufen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Der Einkauf im China kann jedoch nicht auf das simple Auslösen einer Bestel-lung bei einem chinesischen Anbieter reduziert werden. Er ist als globale, umfassende Beschaffungsaufgabe zu betrachten, da China aufgrund der räumlichen Distanz, der unterschiedlichen Auffassung von Qualität, dem intransparenten Rechtssystem und der chinesischen Mentalität auch bei technisch wenig anspruchsvollen, vermeintlich preisgünstigen Waren ein erhöhtes Gefahren- und Verlustpotenzial in sich birgt.

Die gegenständliche Diplomarbeit dient als Leitfaden für Unternehmen, welche den Bezug von Waren aus China in Betracht ziehen. Die Zusam-menstellung an Informationen soll als Hilfestellung zur fundierten Entschei-dungsfindung über die Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit des China-Importes, und zur Durchführung eines strukturierten Beschaffungsvorgan-ges dienen. Das Hauptziel der Diplomarbeit ist, ein Bewusstsein zu schaf-fen, dass die Qualität der Vorbereitung, Planung, Steuerung und Kontrolle über die Qualität des Endproduktes entscheiden. Die Entscheidungsträger müssen die gesamte Kostensituation bewerten, und dürfen nicht nur den auf den ersten Blick günstigeren Einkaufspreis als Entscheidungskriterium heranziehen.

Danksagungen:

Ohne die Hilfe der nachstehenden Personen und Organisationen wären die Absolvierung des berufsbegleitenden Studiums und die Erstellung der Diplomarbeit nicht möglich gewesen.

Ich bedanke mich bei der Hochschule Mittweida (FH) und dem Studien-zentrum Weiz, durch deren Arbeit es möglich ist, auch bei zeitintensiven Berufen Weiterbildungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Aufstiegs-chancen wahrzunehmen.

Vielen Dank an Prof. Dr. Dr. H.c. Ing. Lindner und an Prof. Mag. Greistorfer für die intensive, umfassende Betreuung und Unterstützung bei der Diplom-arbeit.

Weiters möchte ich meinen Freunden danken, welche meine Bemühungen stets unterstützt haben, und meinem Partner, der mir zur Seite steht und gemeinsam mit mir in eine erfolgreiche Zukunft blickt.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Taric-Abfrage

Abbildung 2: Verzeichnis

Abbildung 3: working light function

Abbildung 4: torch light function

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die wichtigsten Handelspartner Österreichs 2012

Tabelle 2: Einfuhr, Ausfuhr und prozentuelle Veränderungen nach SITC-Klassifikation Jänner- Dezember 2012

Tabelle 3: Table I. Sample Size Code Letters

Tabelle 4: Table II. Single Sampling Plans For Normal Inspection

Tabelle 5: AQL table

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Vorbereitung durch den Einkäufer

1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen

1.1.1 Produktsicherheit

Da Importeure für die Produktsicherheit verantwortlich sind, müssen vor dem Import die für das jeweilige Produkt geltenden Vorschriften zum Nachweis der Produktsicherheit ermittelt werden. Mit der CE–Kennzeichnung am Produkt, welche in der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 geregelt ist, bestätigt der Hersteller oder ein vom Hersteller schriftlich bevollmächtigter Vertreter, dass dieses mit den Sicherheitsanforderungen und den Rechtsvorschriften übereinstimmt, ein Konformitätsbewertungs-verfahren durchgeführt wurde und die technische Dokumentation verfügbar ist. 1

Die Durchführung des Konformitätsbewertungsverfahrens, die Zusammen-stellung der technischen Dokumentation, die Ausstellung der Konformitäts-erklärung und die CE–Kennzeichnung des Produktes sind Aufgaben des Herstellers. Im Konformitätsbewertungsverfahren wird das Produkt auf die Erfüllung der Anforderungen geprüft. 2

In den für das Produkt geltenden Richtlinien ist festgelegt, welche Prüfmethoden zulässig sind und ob ein Notified Body, eine von der EU akkreditierte Prüfstelle, für die Prüfung herangezogen werden muss. 3 Im NANDO–Verzeichnis (New Approach Notified and Designated Organisations) der EU sind die akkreditierten Prüfstellen aufgelistet. 4 Mit der EG-Konformitätserklärung bestätigt der Hersteller, dass die Anforderungen an das Produkt erfüllt werden, es mit den erforderlichen Gefahrenhinweisen und Gebrauchsvorschriften versehen und daher sicher in seiner Anwendung ist. 5

Der Importeur darf nur Produkte in Verkehr bringen, bei denen zuvor vom Hersteller ein Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt, die technische Dokumentation erstellt, die CE–Kennzeichnung angebracht und die Begleitdokumente beigefügt wurden. 6 Ist der Hersteller dazu nicht in der Lage, muss der Importeur diese Pflichten erfüllen, bzw. kann der Importeur, wenn er Produkte unter Eigenmarke auf den Markt bringt, als Hersteller gelten. 7 Die Einhaltung der mit der CE-Kennzeichnung verbundenen Pflichten ist zwingend vorgeschrieben, wenn das Produkt unter eine oder mehrere der Richtlinien fällt, welche die CE-Kennzeichnung vorsehen. 8 Eine Auflistung befindet sich in der Declaration of Conformity im Anhang. Die Unterlassung der CE–Kennzeichnung und der damit verbundenen Pflichten und die CE-Kennzeichnung von Produkten, welche nicht von den oben angeführten Richtlinien erfasst sind, sind nicht zulässig. 9

Bei schadhaften Produkten kann der Importeur nach dem Produkthaftungs-gesetz schadensersatzpflichtig werden. Die Produkthaftung umfasst Tod, Körperverletzung, Gesundheitsschädigung und Sachschäden beim Konsu-menten. 10 Schadhaftigkeit bedeutet, dass es sich um ein gefährliches Produkt handelt oder dass im Falle eines sicheren Produktes die Bedien- und Warnhinweise fehlen und dadurch bei der Anwendung Gefahren entstehen können. 11 Der Unterschied zu einer herkömmlichen Vertrags-verletzung ist, dass bei schadhaften Produkten die Haftung verschuldens-unabhängig ist.12

Zur Absicherung können Vereinbarungen getroffen werden, welche den Hersteller verpflichten, dem Importeur alle direkten und indirekten Schäden zu ersetzen, welche im Zusammenhang mit fehlender oder falscher CE-Kennzeichnung der Produkte oder unsicheren Produkten entstehen. Vertragsbestimmungen, nach welchen der Hersteller jegliche Haftung ausschließt, sollten nicht akzeptiert werden. 13

1.1.2 REACH

Die Abkürzung REACH steht für die Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien. Zur Sicherstellung der sicheren Verwen-dung von Stoffen müssen diese bewertet, registriert und zugelassen werden. REACH betrifft alle Endprodukte, unabhängig von der Art des Produktes und ob dieses als Gefahrgut oder Chemikalie eingestuft wird. 14

Die REACH–Verordnung (EG) 1907/2006 schreibt vor, dass Importeure von Stoffen oder Gemischen diese bei der Einfuhr von mehr als einer Tonne pro Jahr bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA mit Stoffbezeichnung, Einstufung, Kennzeichnung, physikalisch - chemischen Daten, Verbleib und Verhalten in der Umwelt, den Ergebnissen toxikologischer und ökotoxikologischer Studien und den Angaben zur sicheren Verwendung registrieren müssen. Stoffe, die aus einem Erzeugnis beabsichtigt freigesetzt werden, müssen auch ab einer Tonne pro Jahr registriert werden. Stoffe, die für den Menschen oder die Umwelt besorgniserregend sind, werden Substances of Very High Concern (SVHC) genannt. Um diese Stoffe in Verkehr bringen zu dürfen, muss eine Zulassung beantragt werden. Werden diese Stoffe unbeabsichtigt freigesetzt, müssen sie mit einer Tonne pro Jahr registriert werden, wenn der Stoff im Erzeugnis zu 0,1 Masseprozent enthalten ist. Mengenunabhängig besteht ab 0,1 Masseprozent eine Informationspflicht an den Kunden mit Benennung des Stoffes. Ab einer jährlichen Menge von 10 Tonnen muss für Stoffe oder Stoffe als Bestandteil einer Zubereitung ab 0,1 % zusätzlich ein Stoffsicherheitsbericht erstellt werden, welcher über die Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt informiert.15

Weitere Pflichten, die im Zusammenhang mit REACH entstehen können, sind die Gefahrenkennzeichnung gemäß dem Globally Harmonised System of Classification and Labelling of Chemicals (GHS), welches in der EU durch die Classification, Labelling and Packaging–Verordnung (CLP) zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen umgesetzt ist, 16 sowie die Meldung von Einstufungs- und Kennzeich- nungsdaten von reinen Stoffen und Bestandteilen von Gemischen und die Erstellung von Sicherheitsdatenblättern. 17 Die Meldepflicht besteht auch beim Inverkehrbringen von gefährlichen Stoffen als Bestandteil von Stoffen oder Produkten, wenn die Produkte selbst nicht registrierungspflichtig sind. 18

Im Optimalfall enthalten die importierten Erzeugnisse keinen der auf der SVHC-Liste angeführten Stoffe, bzw. überschreiten diese die erlaubten Grenzwerte nicht. Kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Erzeugnis SVHC–Stoffe, welche die damit verbundenen Pflichten auslösen, vorhanden sind, ist zu überlegen, ob ein gleichwertiges Produkt, welches hinsichtlich REACH weniger oder keinen Aufwand verursacht, bezogen werden kann. Der Käufer muss sich vom Lieferanten bestätigen lassen, dass das Produkt frei von SVHC-Stoffen ist und der REACH–Verordnung entspricht. Bei Verstößen muss der Lieferant zu Pönalezahlungen verpflichtet werden. Bei entsprechender Auftragsgröße ist es ratsam, eigene Erzeugnisanalysen vornehmen zu lassen. Der Lieferant muss verpflichtet werden, die Kontaktdaten des Herstellers zum Rückgriff zwecks Informations-beschaffung bereitzustellen. Vor dem Import sind der Aufwand und die Kosten für die Registrierung, der Unsicherheitsfaktor aufgrund der Nichtverfügbarkeit von Daten und die Komplexität der vorgeschriebenen Risikobewertungen zu bedenken.

1.2 Beschaffungsdokumente

Die Beschaffungsdokumente enthalten die Anforderungen des Käufers an das Produkt. Sie dienen der Einholung von Angeboten und sind die Basis für die Abwicklung der Bestellung. Die Dokumente werden dem Lieferanten zusammen mit der Anfrage bzw. Bestellung übersendet und enthalten immer eine genaue Leistungsbeschreibung. Hierbei kann es sich um Zeichnungen oder Produktkataloge handeln, welche für die Herstellung der Ware ausreichend und verständlich aufbereitet sein müssen. 19

Detailliert ausgearbeitete und vollständige Beschaffungsdokumente verringern das Risiko von Abweichungen bei der Produktion aufgrund fehlender oder mangelhafter Angaben und die daraus resultierenden Qualitätsprobleme. Im Optimalfall werden bei der Anfrage bereits kritische Punkte, wie Garantien, Gewährleistungsfristen, notwendige Zertifizierungen sowie die einzuhaltenden Normen und Gesetze, angesprochen, um den Lieferanten über die Anforderungen des Käufers vollständig aufzuklären. Zur ordnungsgemäßen Ausstellung der Beschaffungsdokumente müssen ausreichende Spezifikationen der zu beschaffenden Produkte vorliegen.

Die genaue Aufschlüsselung der Bestandteile eines Produktes dient dazu, bei der Analyse möglicher Kosteneinsparungen die Kostentreiber zu identifizieren. Sparpotenziale liegen in der Reduzierung von Vormaterial-preisen, bei der Standardisierung der Vormaterialien, Teile und Transport-verpackung sowie der Optimierung der Individualverpackung für den kostengünstigen Transport.

Bei der Festlegung der Produktspezifikationen werden die genaue Beschreibung und der Inhalt des Produktes, das enthaltene Zubehör, die Individual- und Überverpackung, die Verpackungseinheit, die Farbe mit Angabe des Farbsystemes für Produkt und Verpackung, die Barcode-nummer, das Aussehen inklusive Logos und Aufdrucken, die Funktionen, die speziellen Anforderungen an das Produkt, einzuhaltende Sicherheits-standards und Normen, zu verwendende Rohstoffe und Vormaterialien mit exakter Angabe der Materialart, Material- und Oberflächengüte, die Größe, Abmessung und Gewicht, die Marke, Struktur und das Design, die geforderte Qualität und etwaige Toleranzen festgelegt und mit Fotos, Skizzen und produktbezogenen Zeichnungen belegt. 20

Angaben zu neuen Produkten müssen spätestens mit der Bestellung übersandt werden. Gleichbleibende Vorgaben zur Versandabwicklung, Verpackung und Qualitätskontrolle können zu Beginn der Geschäfts-beziehung in einer Lieferantenvereinbarung, welche in der Einkaufs-bestellung referenziert wird, festgelegt werden. Die Ziele der Beschaffungs-dokumente sind die Standardisierung und damit verbundene Rationali-sierung des Einkaufes, die Schaffung einer Grundlage für die Waren-kontrolle und die schriftliche Definition der Eigenschaften des Vertrags-gegenstandes.

1.3 Vorteile einer guten Vorbereitung

Der Vorteil einer guten Vorbereitung liegt darin, die Risiken noch vor Geschäftsabschluss zu identifizieren und sich dadurch entsprechend ab-sichern zu können.

Die kritischen Punkte beim Einkauf in China liegen in der Schaffung der Voraussetzungen im Unternehmen, der Entscheidung über die zu bezie-henden Produkte, der Ermittlung der rechtlichen Rahmenbedingungen des Importes, der Definition der Produktspezifikationen und Qualität, der Einschätzung der Kostensituation, der laufenden Kommunikation und Über-wachung sowie der kostenoptimalen Organisation der Transporte.

Die Vorteile beim Einkauf in China sind Preis und Menge. Kostenvorteile entstehen durch ein höheres Produktionsvolumen, Spezialisierung und den Standort im Niedriglohnland China. Der Einkauf in China gestaltet sich erfolgreich und unproblematisch, wenn die Produktion von großen Stück-zahlen möglich ist, das Produkt zur üblichen Produktpalette des Produzen-ten gehört und dieser entsprechende Erfahrung bei der Herstellung der Ware aufweisen kann. Chinesische Lieferanten sind vorrangig auf hohe Einkaufsvolumen und Massenproduktion ausgerichtet, was einerseits Preis-vorteile aufgrund der Standardisierbarkeit bietet, aber auch die Individua-lisierung der Produkte teurer macht. Langjährige Exporterfahrung des Produzenten nach Europa und in die USA ist ein erstes Indiz für seriöse Lieferanten, die langfristig ihr Qualitätsniveau halten können. 21

Die Bedarfsanalyse legt fest, welche Produkte in welchen Mengen benötigt werden. Es wird abgeklärt, ob es sich um den Bezug bestehender Produkte zur Abdeckung des regelmäßigen Bedarfes handelt oder ob nach neuen Produkten gesucht werden soll. Die Entscheidung über den einmaligen oder regelmäßigen Bezug beeinflusst die Preisgestaltung des Lieferanten maßgeblich. 22

Niedrige Einkaufsmengen werden von den Lieferanten, besonders bei Erst-bestellungen, welche die Errichtung von speziellen Produktionsvorrichtun-gen, die rein für die Herstellung dieses einen Produktes verwendet werden, ungern akzeptiert. 23

Nach Analyse des eigenen Sortiments und der Produkte der Wettbewerber können geeignete Produkte identifiziert werden. Es wird überprüft, welche Produkte umsatzstark sind, und ob sich der Import lohnt, da höhere Margen durch günstigere Einkaufspreise erreicht werden können. Wenn die Nachfrage nach neuen Produkten besteht, wird geklärt, ob es sinnvoll ist, diese in das Sortiment aufzunehmen. 24 Bei der einmaligen Beschaffung eines neuen Produktes muss der Aufwand für die notwendigen Vorarbeiten für den Bezug des Produktes den zu erwartenden Absätzen gegenüber gestellt werden. 25 Dazu gehören alle Kosten, die entstehen, um das Produkt import- und vertriebsfähig aufzubereiten, wie für Prüfungen durch externe Testinstitute, die Erstellung des Verpackungslayouts und der Begleitdokumente, 26 sowie personelle Ressourcen für den operativen Einkauf, wie z.B.: die laufende Lieferantenbetreuung und Organisation der Verschiffungen. Im Anhang befindet sich eine Beispielrechnung, welche zur Ermittlung des Zieleinkaufspreises dient, um einen ersten Richtwert für die Einholung von Anfragen zu erhalten.

Einsparungen seitens des Lieferanten aufgrund ungenauer Spezifikationen müssen verhindert werden. Der Lieferant soll nicht die Chance bekommen, aufgrund fehlender Vorgaben in den Beschaffungsdokumenten billigeres und geringerwertigeres Material zu verwenden, um seine Kosten zu senken. 27 Zahlreiche Änderungen nach Abschluss der Bestellung aufgrund unklarer Spezifikationen, welche den Produktionsbeginn verzögern, die Produktionsdauer verlängern und zu Kostensteigerungen führen, müssen vermieden werden. 28

Eine optimale Kommunikation zwischen Einkäufer und Lieferant ist gegeben, wenn der Einkäufer sich über die abzuklärenden Punkte im Klaren ist und diese gezielt abfragen kann. Die Verhandlungsbasis soll auf klaren Zielvorstellungen aufgebaut werden, da ansonsten der Lieferant aufgrund von Unwissenheit und schlechter Vorbereitung seitens des Einkäufers vor-rangig seine Interessen durchsetzen wird.

Um die Lieferzeiten optimal zu planen, muss ein Zeitplan aufgestellt werden, der die Anforderungen der Kunden berücksichtigt und die termin-gerechte Lieferung sicherstellt. Wenn der Lieferant die Produktion in unrea-listisch kurzer Zeit fertigstellen muss, ist dies eine häufige Ursache von Qualitätsproblemen, da die Ausführungsgüte vernachlässigt wird. 29 Weiters müssen bei der Planung der Lieferungen die chinesischen Feiertage mitberücksichtigt werden. Die Einhaltung der Lieferzeiten wird häufig von den Feiertagen verzögert, da in den Fabriken vor Antritt der Feiertage oft Produktionsspitzen auftreten. Bei der Organisation der Trans-porte wird je nach Gesamtgewicht und Gesamtvolumen der notwendige Verschiffungscontainer gewählt. Zur Kalkulation der Frachtkosten müssen die Frachtraten des Spediteurs für den jeweiligen Hafen und Container für die Seefracht und für den Inlandstransport erfragt werden.

Bei der Entscheidung über die Menge ist auf volle Container zu achten, da die Frachtraten für Vollcontainer günstiger sind und sich die Verschiffungskosten bei Containerteillieferungen nicht optimal auf die Menge verteilen. Nur durch einen preisgünstigen Transport können die Kostenvorteile, die der Einkauf in China bietet, optimal genutzt werden.

1.4 Chinas Relevanz und Checkliste für eine gute Vorbereitung

Wer erfolgreich in China einkaufen möchte, kann dieses Vorhaben nicht ohne gründliche Vorbereitung realisieren. Aufgrund der umfassenden recht-lichen Rahmenbedingungen für Importeure und der verschiedenen im Vor-feld abzuklärenden Fragestellungen sind eine zeitaufwendige und sorg-fältige Analyse und umfangreiche Vorarbeiten erforderlich.

Tabelle 1: Die wichtigsten Handelspartner Österreichs 2012

Quelle: Statistik Austria, erstellt am 13.08.2013

Die Statistik des Jahres 2012 über die wichtigsten Handelspartner Österreichs im Import führt China auf Platz vier. Da es ein immenses Arbeitskräfteangebot in China gibt und daher große Produktionskapazitäten verfügbar sind, durch das Internet Preise im Handel schneller und bequemer vergleichbar werden und sich aufgrund der Konkurrenz durch Online-Shops der Preisdruck im Handel verschärft, gewinnt der Einkauf in China aufgrund der Kostenthematik immer mehr an Relevanz.

Die am häufigsten aus China importierten Warengruppen laut obiger Einfuhrsstatistik 2012 nach SITC-Klassifikation sind Maschinen und Fahr-zeuge, Fertigwaren, Brennstoffe und Energie sowie bearbeitete Waren. Da den Großteil der Importe Maschinen ausmachen, ist die Kenntnis und Anwendung der Maschinenrichtlinie und der damit verbundenen CE-Kenn-zeichnung essentiell. Hinsichtlich der Kategorie Fertigwaren und bearbeitete Waren, in welcher im Einzelhandel verkaufte Handelswaren und Konsum-güter, wie z.B.: Handwerkzeuge oder Kleidung, enthalten sind, ist die Beachtung der Reach-Verordnung zum Schutz des Endkonsumenten vor toxischen Stoffen unvermeidbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Einfuhr, Ausfuhr und prozentuelle Veränderungen nach SITC-Klassifikation Jänner- Dezember 2012

Quelle: Statistik Austria, erstellt am 28.6.2013

Folgende Punkte sollten bei Erwägung des Einkaufes in China bei der Vor-bereitung jedenfalls beachtet werden:

Wenn die Zuständigkeiten festgelegt sind, muss die Zielsetzung geklärt werden. Dazu ist es erforderlich, den Bedarf hinsichtlich der zu beschaf-fenden Produkte zu ermitteln und die gewünschte Preisersparnis fest-zusetzen, denn ohne exakte Zielsetzung geht viel Zeit und Geld verloren, ohne ein konkretes Ergebnis erreicht zu haben. Die grundlegende Entschei-dung ist die Wahl des richtigen Produktes. Mittels einer Marktanalyse kön-nen die Angebote der Konkurrenz verglichen werden. Je nachdem, wie man sich von der Konkurrenz unterscheiden will, werden die Anforderungen an das Produkt mitbeeinflusst.

Es ist erforderlich, den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die marktfähige Aufbereitung des Produktes genau zu kennen und ent-sprechend in die Kalkulation miteinzubeziehen. Daher ist eine genaue Re-cherche über die Marktanforderungen an Design und Verpackung sowie hin-sichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen, wie z.B.: Begleitunterlagen und Kennzeichnung, durchzuführen 30 und zu überlegen, ob die erfor-derlichen Ressourcen vorhanden sind, um das Produkt in der gewünschten Aufbereitung und entsprechend der rechtlichen Anforderungen in Verkehr zu bringen. Um rechtliche Probleme zu vermeiden, ist es notwendig, sich im Vorfeld über die Vorschriften für den Import des betreffenden Produktes zu informieren und sich entsprechend vorzubereiten bzw., wenn der Aufwand für den rechtskonformen Import des Produktes den zu erwartenden Gewinn übersteigt oder die erforderlichen personellen oder finanziellen Ressourcen für die Aufbereitung des Produktes nicht gegeben sind, sich gegebenenfalls gegen den Bezug des Produktes zu entscheiden.

Bei der Kalkulation sind die Nebenkosten für die Abwicklung des Auftrages, wie Logistik, Zoll und Finanzierungskosten, im Vorfeld zu ermitteln, 31 ent-sprechend zu berücksichtigen und die beschafften Mengen kostenoptimal zu wählen. Die optimalen Produkte im China-Import haben eine hohe Dichte an US-Dollar beim Transport.

Die Beschaffungsdokumente, welche die Basis für die Auftragsanbahnung und -erteilung sind, müssen genau auf die Bedürfnisse abgestimmt sein und alle erforderlichen Informationen enthalten, damit gleich zu Beginn die Lieferanten zielgerichtet kontaktiert und über die Rahmenbedingungen für den Einkauf, wie die Konformität mit der für das Produkt relevanten Normen und Verordnungen, informiert werden können.

Die Spezifikationen und Konditionen in den Beschaffungsdokumenten sollen klar und transparent gestaltet sein und den Lieferanten ohne Miss-verständnisse ermöglichen, äquivalent anzubieten und zu liefern, um etwaige Qualitätsprobleme aufgrund fehlender oder ungenauer Infor-mationen zu vermeiden. Aufgrund der Tendenz zur Nachverhandlung sollten alle wichtigen Punkte detailliert schriftlich geregelt werden. 32 Je höher die Standardisierung und je mehr Informationen vorweggenommen werden, desto schneller und effizienter kann der operative Einkauf von Anfrage über Bestellung und Lieferverfolgung abgewickelt werden, und es bleibt mehr Zeit für strategische Arbeit und das Aufspüren von neuen Produkten, um den Geschäftsbereich zu erweitern.

2 Einkaufsstrategien in China

2.1 Einkauf über Händler

Händler, sogenannte „trading companies“, konzentrieren sich bevorzugt auf eine Artikelgruppe. Sie können innerhalb dieser auf spezialisierte Fabriken zurückgreifen und daher rasch die angefragten Produkte aufspüren. Händ-ler können aufgrund ihrer lokalen Vernetzung und zahlreichen Kontakte, aber auch innerhalb anderer Produktkategorien passende Lieferanten fin-den. Meistens sind Händler aber regional tätig, sodass Produzenten aus anderen Gebieten eventuell nicht berücksichtigt werden. 33

Die wichtigsten Vorteile des Einkaufes über Händler sind die Flexibilität und der geringe administrative Aufwand, da Händler unterschiedlichste Produkte ausfindig machen können und der Eigenaufwand für die Recherche und Lieferantensuche entfällt. Die Gesamtkosten niedriger Auftragsvolumen und Einzelbestellungen über Händler sind geringer als beim Direktbezug in den Fabriken. 34

Fabriken verlangen in der Regel eine Mindestbestellsumme und lehnen Bestellungen, die darunter liegen, ab oder reihen diese in der Produktions- planung nach hinten, was sich negativ auf die Lieferzeiten auswirkt. Wird eine Bestellung, die viele unterschiedliche Artikel von verschiedenen Produ-zenten enthält, bei einem Händler platziert, gibt es nur einen Ansprech-partner beim Einkauf und weniger Verwaltungsaufwand aufgrund der Zusammenfassung in einer Bestellung.

Fabriken räumen kleinen, ausländischen Kunden oft schlechtere Kondi-tionen ein als einem lokalen Händler, der aufgrund seines Gesamt-auftragsvolumens, welches aus Bestellungen unterschiedlicher Käufer besteht, bessere Konditionen erhält. Händler betreiben eigene Lager und sind in der Lage, Kleinstbestellungen in unterschiedlichen Fabriken zu plat-zieren und diese zu einem gemeinsamen Container zusammenzufassen, was die optimale Auslastung des Transportmittels gewährleistet und den Koordinationsaufwand des Einkäufers bezüglich der Containerkonsoli-dierung verringert. Die vor Ort stationierten Händler können in den Fabriken, betreffend der Einhaltung der Liefertermine, persönlich Druck ausüben.

Die Nachteile liegen im Aufschlag des Händlers auf den Fabrikeinkaufs-preis, welcher den Einkauf verteuert, aber auch dass der Produzent der Ware unbekannt ist. Der Händler will vermeiden, dass Käufer und Produ-zent direkt in Kontakt treten und das Geschäft ohne den Händler abwickeln. Ein weiterer kritischer Faktor ist die fehlende Einflussnahme auf die Quali-tätssicherung durch den Käufer, welcher sich auf die Weitergabe der Stan-dards durch den Händler an den Produzenten verlassen muss. 35

Die Weitergabe von Informationen zur Bestellabwicklung kann sich verzö-gern, da diese über den zwischengeschalteten Händler geleitet werden.

Direkter Kontakt zur Fabrik ist hilfreich bei der Lösung von Qualitätspro-blemen, da die Kommunikation schneller und zielgerichteter erfolgen kann.

Die Zusammenarbeit mit einem Händler ist vor allem dann wirtschaftlich, wenn man simple Standardteile einkaufen möchte, wenig Zeit für die Re-cherche und keinen Bedarf an Individualisierung, wie z.B.: durch Verän-derung der Produktionsformen, hat. Die Lieferantensuche und Recherche eines in Österreich stationierten Einkäufers ist aufgrund geringerer Vernet-zung und fehlender Kenntnis der Lieferanten sehr aufwendig. Beim Einkauf von saisonaler Handelsware, wie z.B.: Gartenartikeln, kann das Einbe-ziehen von Händlern daher eine kostengünstige Alternative sein. Bei anspruchsvolleren Produkten ist Vorsicht geboten. Produktentwicklungen werden über die Beschaffungsdokumente, wie z.B.: technische Zeich-nungen, über den Händler an den Hersteller weitergegeben. Dies kann mit Verlust von Know-How verbunden sein, wenn der Händler die Daten auch an andere Firmen zum Nachbau des Produktes weiterverkauft. 36

2.2 Direkte Marktanalyse

Bei der direkten Marktanalyse werden die potenziellen Lieferanten vom Ein-käufer selbst aufgespürt, direkt kontaktiert und auf die Liefereignung über-prüft. Es werden die Mitarbeiter der unternehmensinternen Einkaufsab-teilung, je nach Produktkenntnis, mit der Suche nach passenden Lie-feranten und der Überprüfung hinsichtlich der Eignung und Fähigkeit, adä- quat zu liefern, betraut. Bei dieser ersten Marktbeobachtung und Sondier-ung soll abgeklärt werden, ob die gesuchten Produkte von dem betreffen- >den Produzenten hergestellt werden können. 37

Voraussetzungen für diese Art der Geschäftsanbahnung sind Vorsicht und Misstrauen, da man auf Scheinfirmen stoßen kann und chinesische Lie-feranten teilweise Lieferzusagen treffen, ohne über die erforderlichen Pro-duktionskapazitäten zu verfügen. 38 Chinesen sprechen selten ein klares Nein aus, da dies bedeutet, einen Auftrag nicht zu bekommen, was dem Verlust des Gesichtes gleichzusetzen ist.

Nachdem die Lieferfähigkeit abgeklärt wurde, können Produktmuster und genaue Spezifikationsbeschreibungen an die Lieferanten zur Erstellung eines Angebotes übersandt werden. Hier ist aber anzumerken, dass bei der Übermittlung von sensiblen Daten ein Verlust von Know-How drohen kann, daher muss, je nach Situation, die Überprüfung des Hintergrundes des Lie-feranten, wie z.B.: die Kontrolle der Geschäftslizenz, vorgezogen werden. 39

Wenn beim Angebotsvergleich die Preise sehr unterschiedlich sind, sollte man sicherstellen, dass alle Anbieter auf Basis derselben Materialien ange-boten haben, alle geforderten Zubehöre im Preis inkludiert sind und das Produkt in den gewünschten Farbe, mit den erforderlichen Aufdrucken und Aufklebern und in der richtigen Verpackung angeboten wurde. 40 Generell sollten alle Spezifikationen rückbestätigt werden, denn leider führt auch hier die Mentalität der Chinesen, Kosten zu sparen, oft dazu, dass zu Beginn mindere Qualität angeboten wird und erst bei konkreter Nachfrage auf die genauen Anforderungen des Käufers eingegangen wird.

Nach der Prüfung der Angebote sollte durch den Besuch der engeren Auswahl der potenziellen Lieferanten der erste gute Eindruck verifiziert werden.

Die persönliche Überprüfung der Lieferanten ist notwendig, um Aussagen über die wirtschaftliche Lage, Seriosität und Eignung des Lieferanten abge-ben zu können und um ungeeignete Lieferanten auszusortieren. Der Nach-teil dieser Einkaufsstrategie ist, dass die Mitarbeiter in Österreich in vielen Fällen wenig oder keine Kenntnis des chinesischen Marktes haben, sodass die Suche nach neuen Lieferanten oft ziellos erfolgt. Die Überprüfung der Unternehmen vor Ort von Österreich aus ist mit hohen Reisekosten und Zeitaufwand verbunden und wird durch den Sprachunterschied erschwert. 41

2.3 Messen

Messen sind eine Möglichkeit, eine große Anzahl von Lieferanten aus ei-nem bestimmten Geschäftsfeld räumlich zusammengefasst anzutreffen. Es gibt in China viele Fachmessen, auf denen Produkte und Lieferanten aus der jeweiligen Branche identifiziert und angesprochen werden können. Fachmessen bieten eine gute Gelegenheit, einen ersten Eindruck über das Produktprogramm und das Leistungsspektrum eines Lieferanten zu gewin-nen. Für eine umfassende, fundierte Bewertung eines Lieferanten reicht ein Messebesuch jedoch nicht aus. Hierfür müssen die potenziellen Lieferanten persönlich besucht und der Hintergrund der Lieferanten genauestens über-prüft werden. 42

Die Voraussetzung für den erfolgreichen Messebesuch ist die gründliche Planung und Vorbereitung, welche die Bestimmung der Einkäufer, die Auf-bereitung von Produktspezifikationen und Mustern der gesuchten Produkte, Vereinbarung von Treffen mit Lieferanten beinhaltet. Man sollte sich auf eine genaue Anzahl und bestimmte Art von Produkten beschränken, da das Messeangebot umfangreich ist und es für jedes Produkt viele Anbieter gibt, welche sich in der angebotenen Qualität ähnlich sind. Eine Grund-voraussetzung für die Auswahl der Mitarbeiter sind ausreichende Englisch-kenntnisse, um die gesuchten Produkte und die geforderten Qualitäten erklären und beschreiben zu können. Bei fehlenden Englischkenntnissen können alternativ chinesische Übersetzer gemietet werden. Man sollte die abzuklärenden Fragen vor dem Messebesuch mittels der Ausarbeitung eines Fragebogens antizipieren, um die potenziellen Lieferanten schon beim Erstkontakt über die Anforderungen an das Produkt und die gefor-derten Qualitätsstandards aufzuklären und um Gespräche zielgerichtet zu führen. Auch die Messenachbereitung, welche das Sichten von Katalogen, die Ausarbeitung von Anfragen und die Angebotsprüfung beinhaltet, muss im Vorfeld geplant werden. Dazu gehört, die Gespräche und die Produkte schriftlich mit Fotos zu dokumentieren, um nach Messeende die eintref-fenden Angebote beurteilen zu können. Die nach der Messe zu bearbeiten-den Produkte können zwecks Vergabe von Prioritäten in ein A, B und C-Ranking unterteilt werden, um festzulegen, welche Lieferanten und Ange-bote zuerst nachbearbeitet werden sollen. Vor allem sollten mündliche Preiszusagen notiert werden, um bei späterem Erhalt von schriftlichen Angeboten vergleichen zu können. 43

Auch hier zeigt sich, dass es große Preisunterschiede bei denselben Pro-dukten geben kann. Daher müssen bei der Nachbereitung die Angebote hinsichtlich der Gleichwertigkeit der Produkte in Materialzusammensetzung, Lieferumfang und Verpackung genau analysiert werden. Keinesfalls sollten direkt auf der Messe Bestellungen platziert werden, ohne zuvor den Hinter-grund des Unternehmens genau zu prüfen.

Es gibt zahlreiche Messen in den jeweiligen Regionen bzw. Provinzen, mit den unterschiedlichsten Inhalten. Die bedeutendsten Messezentren sind Hongkong, Shanghai und Guangzhou. 44 Die China Import & Export Fair, welche auch Kanton Fair genannt wird, ist die größte Messe in China. Sie findet im Frühjahr und Herbst (April bis Mai und Oktober) in Guangzhou statt und besteht jeweils aus drei Abschnitten. Der erste Teil der Messe kon-zentriert sich auf Eisenwaren, Baumaterialien, chemische Produkte, Maschi-nen, Fahrzeuge und Ersatzteile, Werkzeuge, Elektronik und elektronische Geräte, Lampen und Beleuchtungsartikel. Im zweiten Teil der Messe wer-den Geschenkartikel, Haushaltswaren, Naturprodukte, Möbel, Keramik, Por-zellan und Küchenartikel, Schuhe und Kopfbedeckungen, Koffer und Ta-schen, Stein- und Eisenwaren, Dekorationsartikel, Spielwaren, Korbwaren, Gartenbauartikel, Glas, Sportartikel, Reiseartikel, Uhren, Schmuck und Mö-bel angeboten. Bei den im dritten Teil ausgestellten Produkten handelt es sich um Bekleidung, Leder, Felle, Heimtextilien, Teppiche und Tapeten, Schuhe, Büroartikel und Schreibwaren, medizinische Produkte, Nahrungs-mittel, Medizin- und Gesundheitsprodukte. 45

Zur Übersicht über die Messen der unterschiedlichen Regionen befindet sich im Anhang ein Messeverzeichnis.

2.4 Einkaufsrepräsentanz

Bei steigenden Anforderungen an die Qualität der Produkte, welche intensi-vere Betreuung und Überwachung der Lieferanten vor Ort mit sich ziehen, bei kontinuierlicher Ausweitung des Einkaufsvolumens und dem dauer-haften, langfristigen Bezug von Waren aus China bietet sich die Gründung eines Vertretungsbüros an. Dieses kann Aufgaben, welche intensiven per-sönlichen Kontakt zu den Herstellern erfordern, wie Lieferantensuche, Qua-litätskontrolle und Problembewältigung, vor Ort effizient abwickeln. 46

Der Vorteil einer Einkaufsrepräsentanz liegt in der Möglichkeit der Kontroll-ausübung vor Ort. Um sicherzustellen, dass die geforderten Qualitäts-standards eingehalten werden, kann ein Einkäufer als Repräsentant nach China gesandt werden. Dieser lenkt alleine oder zusammen mit chinesisch sprechenden Mitarbeitern die Sicherstellung der Produktqualität, schreitet bei Problemen ein bzw. gibt den Herstellern Hilfestellungen im Produktions-prozess, hält nach neuen Lieferanten Ausschau, führt in den Fabriken Audits durch, besucht Messen und führt Preisverhandlungen. 47

Der Nachteil des Repräsentanzbüros ist die Limitierung auf reine Vorar-beiten zum Geschäftsabschluss, da dieses im rechtlichen Sinn kein komplett geschäftsfähiges Unternehmen ist und der Vertragsabschluss und die Rechnungslegung somit verboten sind. 48

Eine Erweiterung der Einkaufsrepräsentanz stellt die Gründung einer Han-delsfirma in Hong Kong dar, welche vollständig geschäftsfähig ist und daher die Bezahlung der Lieferanten, Verschiffung und Rechnungslegung ab-wickeln darf. Hong Kong ist eine Sonderverwaltungszone, welche bei Off-shore-Geschäften einen Steuervorteil bietet. Dies ist der Fall, wenn die Auf-tragsabwicklung über die Handelsfirma in Hong Kong erfolgt, der Lieferant und der Kunde ihren Firmensitz aber außerhalb Hong Kongs haben und der Kaufvertrag ebenfalls nicht in Hong Kong abgeschlossen wurde. Die Va-riante des Einkaufes über eine Handelsfirma in Hong Kong wird vorwiegend bei Streckengeschäften angewandt, da sie die Verschiffung frei an Bord di-rekt an Kunden in Europa ohne Weitergabe der Absenderdaten des chine-sischen Lieferanten an den Kunden ermöglicht. Somit müssen Waren nicht zwischengelagert werden, und Lagerkosten können eingespart werden. 49

2.5 Checkliste zur Auswahl der optimalen Einkaufsstrategie

Die Anforderungen, die der Einkauf in China aufgrund der räumlichen und zeitlichen Distanz mit sich bringt, sind nicht mit denen des lokalen Einkaufs gleichzusetzen. Um professionell zu arbeiten, sollte man sich im Vorfeld überlegen, wie viel Zeit man bereit ist zu investieren bzw. welche Ressour-cen innerhalb des Unternehmens bereit stehen, und danach die passende Einkaufsstrategie wählen.

Abzuklärende Punkte sind, wie viel Personal und Zeit für das Sourcing zur Verfügung stehen, und ob Mitarbeiter mit den erforderlichen Qualifikationen, wie Produktkenntnisse, Hintergrundwissen über Zulieferermärkte und Liefe- ranten um die gesuchten Produkte aufzuspüren, vorhanden sind.

Ist neben der operativen Bestellabwicklung und Lieferantenbetreuung nicht genug Zeit vorhanden, um die Anfragen der Kunden zu bedienen und neue Produkte für die Ausweitung des Lieferprogrammes zu suchen, sollte man mit vertrauenswürdigen Händlern zusammenarbeiten, welche die Produkt-suche übernehmen.

Bei technisch aufwendigen Produkten, sensiblen Daten und hohen Anfor-derungen an die Qualität, ist es ratsam, den Lieferanten selbst zu betreuen, da es bei einer zwischengeschalteten Stelle zu Informationsverlust bzw. zur Weitergabe von Know-How kommen kann. Weiters kann man beim direkten Bezug in der Fabrik, im Falle von auftretenden Qualitätsproblemen, selbst eingreifen und lenken. Jedoch ist bei einer größeren Anzahl von Lieferanten und geringen Auftragswerten bzw. Sendungsvolumen der Aufwand für die Betreuung, Organisation und Konsolidierung der Sendungen zu beachten, welcher entsprechenden zeitlichen, im Falle der Fabrikbesuche vor Ort auch finanziellen Einsatz bedeutet.

Messen sind eine gute Möglichkeit, eine große Anzahl von Lieferanten eines Fachgebietes an einem Ort anzutreffen. Aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung auf bestimmte Branchen oder Produkte, wie z.B.: Garten-messen, können saisonale Artikel eingekauft werden. Damit der Messe-besuch erfolgreich ist, muss aber eine professionelle Vorbereitung im Vor-feld stattfinden, und je nach Häufigkeit der Messebesuche sind die Reise-kosten zu berücksichtigen. Weiters sollten Messen nicht wahllos ausge-wählt, sondern zielgerichtet und je nach eigenem Produktprogramm besucht werden.

Die Gründung eines Repräsentanzbüros in China ist bei einem langfristigen Engagement sinnvoll, setzt aber genaue Recherche und Kenntnis der Rechtslage voraus. Keinesfalls ist diese Variante für den gelegentlichen Einkauf geeignet, sondern muss mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit betrieben werden, was die Entsendung von Mitarbeitern oder das Recruiting vor Ort bedeutet.

3 Lieferantensuche, -bewertung und –auswahl

3.1 Typen von Lieferanten

Beim Vergleich der Anbieter können sich große Preisunterschiede zeigen. Diese können mit auf unterschiedlichen Materialien und Materialgüten ba-sierenden Kalkulationen bzw. durch unterschiedliche Produktionsmöglich-keiten, Prozesse oder Unternehmensorganisationen begründet werden. Das Wissen über die Art des Unternehmens und dessen Organisation kann hilf-reich bei der Beurteilung der Anbieter sein. Grundsätzlich können Lieferan-ten wie folgt unterschieden werden:50

Unterscheidung durch Vorhandensein einer Exportlizenz: Exportorientierte Unternehmen mit Außenhandelslizenz lukrieren vorrangig Großaufträge. Auf den heimischen Markt orientierte Unternehmen liefern auch kleine Mengen an chinesische Handelsfirmen.

Unterscheidung über die Unternehmensform: Wholly Foreign Owned Enter-prises sind gänzlich im Besitz einer ausländischen Mutterfirma. Ventures wie die Foreign Invested Commercial Enterprises verfügen über auslän-dische Kapitalbeteiligung. Rein chinesische Unternehmen werden in staat-liche und private Unternehmen unterschieden.

Unterscheidung durch die Unternehmensgröße: Große Lieferanten bevorzu-gen Massenproduktion und Großaufträge, bei denen die Quantität höheren Stellenwert als die Qualität hat. Dies bedeutet geringere Verhandlungs-macht für Käufer mit Kleinmengen. Es können Probleme mit Lieferfristen auftreten, da in Spitzenzeiten kleine Aufträge hinten angestellt werden. Kleine Lieferanten sind für kleinere Aufträge aufgrund der schnelleren Reak-tionszeit die bessere Lösung, aber aufgrund geringerer Produktionsstabilität ist die Wahrscheinlichkeit von Qualitätsproblemen größer. Für manche Auf-träge sind Investitionen notwendig, und oftmals werden vor Produktions-beginn Anzahlungen zur Finanzierung des Materialeinkaufes gefordert.

Unterscheidung zwischen Hauptlieferant oder Back-up Lieferant: Beim Hauptlieferanten wird die Bestellung aufgrund der besseren Konditionen platziert. Der Back-up Lieferant dient als Reserve, falls beim Hauptlieferan-ten Lieferschwierigkeiten auftreten.

Unterscheidung in Hersteller, Händler oder Vermittler: Einkauf beim Herstel-ler bedeutet Bezug direkt vom Produzenten ohne zwischengeschaltete Händler. Beim Einkauf bei einer Handelsfirma werden die Waren von ver-schiedenen Herstellern vom zwischengeschalteten Händler gebündelt versendet.

Unterscheidung zwischen Lieferant oder Sublieferant: Produziert die Fabrik selbst oder findet eine Weitervergabe von Aufträgen statt. Speziell in China besteht bei der Weitergabe von Aufträgen an Sublieferanten die Gefahr, dass die geforderten Qualitätsstandards nicht eingehalten werden. Aufgrund mangelnder Transparenz, da Händler ihre Quellen schützen möchten und auch Fabriken ihre Subproduzenten nicht öffentlich machen, ist hier eine Unterscheidung sehr schwierig.

Unterscheidung in Golden Supplier, Royal Supplier oder Black Horse Supplier: Golden Supplier produzieren unter eigenem Markennamen zu fixen Preisen und Qualitäten. Royal Supplier machen die Qualität vom Preis abhängig und produzieren auch unter Kundenmarken. Black Horse Supplier produzieren auf Basis des geringsten Preises und geringer Qualität. Kundenmarken sind möglich, und bei Androhung von Qualitätskontrollen kann auch bessere Qualität hergestellt werden.

Unterscheidung in Five Star Factory oder Shadow Factory: Five Star Facto-ries sind Vorzeigefabriken mit optimalen Arbeitsbedingungen, welche dem Einkäufer beim Besuch in China vorgeführt werden. Shadow Factories sind nicht registrierte Zweitfabriken in der Nähe der Five Star Factory, in denen häufig sehr schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Arbeitssicherheit vorherrschen und die Bezahlung signifikant geringer als in der Five Star Factory ist. 51

3.2 Sourcing – Regionen

Das Prinzip der globalen Beschaffung basiert auf der Suche nach Einkaufs-quellen in Gebieten, welche sich auf bestimmteProduktgruppen oder Technologien spezialisieren. 52 Daher eignen sich je nach Art des gesuch-ten Produktes unterschiedliche Regionen für den Einkauf in China, welche für ihre Produktionsschwerpunkte und die Spezialisierung auf die folgenden Produktgruppen bekannt sind:

Yangtze River Delta 53: Das Yangtze - Flussdelta ist die produktivste Wirtschaftsregion Chinas mit den Hauptindustriezweigen Fahrzeugindustrie, automotive Zulieferbetriebe, Textilindustrie, Stahlindustrie, chemische Indus-trie, Elektrogeräte- und Elektronikindustrie, Schiffbauindustrie und Telekom-munikation. Schwerpunkte:

- Maschinenbau, Werkzeuge, Schwerindustrie, Stahlbau, Metallteile, Mechanische Komponenten, Schiffbau
- Automotive Produkte, Fahrzeugteile, Kunststoffteile, Leichtindustrie,
- Informationstechnologie, Telekommunikation, Elektronik
- Bekleidung, Lederwaren, Kosmetik, Konsumgüter, Textilien, Schuhe
- Pharmazeutika, Chemikalien

An der Mündung des Yangtze – Flusses sind verstärkt produktive Städte zu finden: Shanghai, Zhejiang, Jiangsu, Yiwu,Yongkang, Wenzhou undNingbo.

Pearl River Delta 54: Das Perlflussdelta ist eine der produktivsten Regio-nen Chinas und umfasst die Städte Guangzhou (die Hauptstadt der Provinz Guangdong), Shenzhen, Zhuhai, Foshan, Jiangmen, Dongguan, Zhong-shan, Huizhou, Huiyang, Huidong, Buluo, Zhaoqing, Gaoyao und Sihui. Schwerpunkte:

- Konsumgüter, Haushaltsgeräte, Textilien, Schuhe, Spielwaren
- Leichtindustrie, Kunststoffteile, Werkzeuge, Metallteile
- TV, Audio, Fax, Telefon, elektrische und elektronische Produkte
- Computerteile, Sportartikel, Möbel, Uhren

Der Hauptanteil Chinas Exporte nach Österreich stammt aus der Provinz Guangdong, die vorrangig Produkte der Kategorien Leicht- und Elektronik-industrie in hohen Stückzahlen produziert und exportiert:

- Haushaltsgeräte (Kühlschränke, Elektrowaren), Ventilatoren und Klimaanlagen
- Telefonapparate, Telekommunikationsartikel und Zubehör
- Kopiergeräte, Audio- und Videogeräte, EDV-Waren und Zubehör
- Möbel, Bekleidung, Schuhe, Uhren, Spielsachen, Fahrräder
- Fahrzeuge, KFZ-Zubehör, Metallwaren/Maschinen
- Plastikartikel und Verpackungen
- Chemische Rohstoffe und Produkte
Bohai Bay 55: Schwerpunkte:
- Schwerindustrie, Maschinenbau, Stahl, Metallteile, mechanische Komponenten
- Automotive Produkte, elektrische und elektronische Produkte
- Chemikalien, Pharmazeutika, landwirtschaftliche Produkte, Nahrungsmittel

3.3 Lieferantensuche

Die Besonderheiten der Lieferantensuche in China können mit der Größe und Unübersichtlichkeit des Marktes, der fehlenden Internetpräsenz und damit verbundenen Unsichtbarkeit vieler Lieferanten und der Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen Händlern und Fabriken begründet werden. 56

Man sollte sich nie auf eine Art der Suche beschränken, sondern auf so vie-len unterschiedlichen Wegen wie möglich recherchieren. Generell gibt es folgende Möglichkeiten zur Identifizierung und zur Kontaktaufnahme zu chinesischen Firmen 57:

- Externe Unternehmensberatungen, Vermittlungsbüros oder Sourcing Agenten
- Direktes Anschreiben an eine chinesische Firma mit passendem Betätigungsfeld
- Kontakte in China und Empfehlungen von bestehenden Geschäftspartnern
- Ausfuhrstatistik der chinesischen Zollbehörde (beim Statischem Zentralamt erhältlich)
- Besuch der chinesischen Fachmessen
- Außenhandelsstellen der Außenwirtschaft Österreich
- Chinesische Botschaft
- In China abgehaltene Matchmaking Events von Verbänden oder Interessensvertretungen, wie z.B.: vom Bundesverband Materialwirtschaft Einkauf und Logistik e.V.

Internet:

- Webseiten der chinesischen Lieferanten
- Anzeigen in Chinesisch sprachigen Online - Portalen
- Anzeigen in chinesischen Fachzeitschriften
- Chinesische Suchmaschine Baidu.com
- Hong Kong Trade Development Council (www.hktdc.com)

Business to Business Webseiten:

- www.alibaba.com
- www.made-in-china.com
- www.globalsources.net
- www.globalmarket.com
- www.tradebig.com
- www.B2Bmanufactures.com
- www.china-manufacturer-directory.com
- www.ttnet.net
- www.chinabusinessworld.com.

- Webseiten der chinesischen Messen mit Ausstellerverzeichnissen;
Auf www.aboutchinafair.com befinden sich Verweise zu den einzelnen Messen und jeweiligen Webseiten
- Datenbanken: Sinotrust (www.sinotrust.cn)
- Chinesisches Wirtschaftsministerium Mofcon (http://english.mofcom.gov.cn)
- Chinesisches Statistisches Zentralamt (www.stats.gov.cn/english/)

Chinesische Firmen werden auch von sich aus aktiv, indem sie im Internet nach potenziellen Kunden suchen oder nach dem Austausch der Visitenkar-ten bei Messebesuchen die Käufer kontaktieren.

Quellen aus dem Internet dienen nur zum Aufspüren von potenziellen Liefe-ranten. Sie bieten einen oberflächlichen, ersten Eindruck über die Anzahl der möglichen Anbieter für das gesuchte Produkt. Die Selbstpräsentation der Lieferanten im Internet reicht nicht für eine fundierte Beurteilung des Lieferanten hinsichtlich seiner Geschäftsfähigkeit, Seriosität, Zuverlässigkeit und der Fähigkeit, anforderungskonform zu liefern, aus.

Keinesfalls dürfen nach einer flüchtigen Kontaktaufnahme auf Webseiten Bestellungen getätigt werden, ohne vorher den Hintergrund des Lieferanten genau zu überprüfen. Im ersten Schritt der Überprüfung wird geklärt, ob es sich um ein tatsächlich existierendes Unternehmen oder um eine Schein-firma handelt. Dafür kann bei der jeweiligen regionalen Behörde, welche State Administration of Industry and Commerce (SAIC) genannt wird, die Geschäftslizenz abgerufen werden. Bei der Überprüfung der Geschäfts-lizenz muss kontrolliert werden, ob die Leistungserbringung und die in der Geschäftslizenz angeführte Tätigkeit des Unternehmens identisch sind, ob der Unterzeichner des Liefervertrages in der Firmenregistrierung aufscheint und somit unterschriftsbefugt ist. Nur Firmen mit Exportlizenz dürfen Verträ-ge mit ausländischen Firmen abschließen. Bei Nichtvorhandensein der Ex-portlizenz muss eine außenhandelsberechtigte Firma eingeschaltet wer-den. 58

3.4 Lieferantenbewertung und -auswahl

Den Anfang der Geschäftsbeziehung bildet die Anfrage, mit Übermittlung von Informationen, wie Produktspezifikationen oder Muster, an den poten-ziellen Lieferanten. Aus Sicherheitsgründen ist die Übergabe von ähnlichen Produkten in Betracht zu ziehen bzw. sind detaillierte Spezifikationen, welche sensible Daten und Produktions-Know-How enthalten können, erst nach erfolgreicher Überprüfung des Unternehmenshintergrundes zu über-mitteln. 59

Nachfolgende Möglichkeiten und Kriterien zur Beurteilung der Lieferanten und Angebote sind zu berücksichtigen:

Grundsätzliche Faktoren für die Lieferantenauswahl: 60

- Exporttätigkeit nach Europa
- Qualität und Schnelligkeit der Kommunikation
- Kunden und Zielmärkte
- Ausbildungsstand der Mitarbeiter, Englischsprachigkeit
- Fertigungsmaschinen, Technologien und Know-How
- Freie Produktionskapazität
- Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Vorhandensein einer ISO - 9001 Zertifizierung
- Finanzieller Hintergrund: verfügbarer Cash Flow für Vorleistungen (Materialeinkauf) und Ersatz bei Reklamationen

Rechtliche und finanzielle Überprüfung des chinesischen Geschäftspartners: 61

- Rechtliche Überprüfung auf Vorhandensein einer Exportlizenz
- Überprüfung der finanziellen Lage durch Bonitätsauskunft über Aus­kunfteien oder Informationsbroker

Überprüfung der Einhaltung der für den Importeur relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen:

- Kann der Lieferant die Übereinstimmung mit den jeweiligen EU-Direkti­ven, die die CE Kennzeichnung vorsehen, mittels gültigen Prüf­zertifikaten nachweisen?
- Bestätigt der Lieferant, dass keine Patente verletzt werden? - Sind die fertigen Produkte sowie die verwendeten Rohmaterialien gemäß der REACH-Richtlinie frei von jeglichen, in der SVHC-Liste angeführten toxischen Stoffen, und kann dies mit Labortests und Zertifikaten belegt werden?

Qualitative Lieferantenanalyse hinsichtlich der Fähigkeit, anforderungsgerecht zu liefern:

- Werden die gewünschten Qualitäten angeboten bzw. sind Sonderanfertigungen möglich?
- Können die geforderten Qualitätsstandards eingehalten werden,
und ist eine wirkungsvolle Qualitätskontrolle möglich?
- Welche Garantien werden geleistet?
- Kulanz, Service und Flexibilität bei Änderungen

Quantitativ - zeitliche Lieferantenanalyse hinsichtlich der Abnahmemengen und Lieferzeiten:

- Welche Mindestabnahmemengen werden verlangt, und lohnt sich die Lagerung der Ware bei höheren Bestellmengen aufgrund der Mindestabnahmemengen?
- Können bei großem Bedarf ausreichende Mengen geliefert und ein Spitzenbedarf befriedigt werden?
- Welche Lieferzeiten werden angeboten, und muss mit Lieferverzögerungen gerechnet werden?
- Können feste Liefertermine und Konventionalstrafen vereinbart werden?
- Ist es sinnvoll, den Bedarf auf mehrere Lieferanten aufzuteilen?

Hinsichtlich der eingeholten Preise ist anzumerken, dass Qualität ihren Preis hat und das billigste nicht automatisch das beste Angebot ist.

Seriöse und kompetente Lieferanten bieten einen nachvollziehbaren Preis an. Dennoch neigen chinesische Lieferanten zur Kosteneinsparung und zur Substitution von Vormaterialien. Beim Preis- und Kostenvergleich darf nicht nur der reine Einkaufspreis verglichen werden, sondern es müssen nach dem Prinzip Total Cost Of Ownership die sichtbaren und versteckten Kosten überprüft werden 62:

Sichtbare Kosten 63:

- Angebotspreis inklusive Verpackung
- Qualitätssicherungskosten
- Logistik- und Logistiknebenkosten: Transport, Lager, Zoll, Abgaben
Versteckte Kosten 64:
- Aufwendungen für Lieferantensuche & -betreuung: Telefonkosten, Reisen
- Kapitalbindung durch Lagerung und langen Seetransport
- Preiserhöhungen seitens der Lieferanten nach erfolgter Bestellung
- Folgekosten aufgrund von verspäteten Lieferungen
- Pflege der Back-up Lieferanten
- Kosten für Devisenabsicherung

Gründe für Preisunterschiede können in den folgenden Punkten begründet sein:

- Automatisierung oder Handarbeit
- Kurzzeit- oder Langzeitorientierung der Geschäftsbeziehung
- Staats- oder Privatunternehmen
Ländliche oder städtische Strukturen
- Schwankungen der Rohstoffpreise
- Kosten für Werkzeuge und Vorrichtungen: Können im Produktpreis enthalten sein oder separat verhandelt werden.

Nur wer die Infrastruktur und Prozesse des Herstellers genau kennt, kann einschätzen, ob es sich um einen realistischen Preis handelt, und wo die Verhandlungsbasis für Einsparungen liegt. Nach der Vorauswahl sollten ca. drei Lieferanten persönlich besucht werden. Lieferanten mit Preisausreißern oder Kommunikationsproblemen sind nicht zu berücksichtigen, da bei extrem niedrigen Preisen die Gefahr von geringerer Qualität, der Auslage-rung in Shadow Factories und erschwerter Zusammenarbeit droht. Hat man die drei Lieferanten, welche in die engere Auswahl kommen, bestimmt, kann ein Besichtigungstermin vereinbart werden. Die Besichtigung sollte wochen-tags angesetzt werden, um die laufende Produktion zu sehen. Bei Bedarf sollte man einen eigenen Übersetzer mitbringen. Die folgenden Punkte sind vor Ort abzuklären 65:

- Gibt es Anzeichen für eine Shadow Factory: Produktionshallen, die nach den höchsten Standards ausgerüstet sind, aber nicht in Betrieb oder nicht ausgelastet sind, was darauf schließen lässt, dass die richtige Produktion an einem anderen Ort stattfindet.
- Kapazitäten der Fertigungsstätte: Wenn der Betrieb mit dem Auftrag für mehrere Monate ausgelastet ist, muss dieser auf Subunternehmer zurückgreifen.
- Produktionsabläufe und eingesetzte Technologien
- Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit
- Arbeitsorganisation und Prozesse
- Testen der Produktqualität durch Begutachtung von Mustern aus der laufenden Produktion
- Qualitätssicherung: Wie werden Eingänge von Rohstoffen, Vormaterialien, die Fertigung und die Endprodukte geprüft, und welche Aufzeichnungen sind über die Prüfungen vorhanden?
- Ausbildung des Personals: Ist das Personal qualifiziert und ausreichend geschult für die Tätigkeiten?
- Lager: Unter welchen Bedingungen werden Waren und Rohstoffe gelagert und kann garantiert werden, dass Waren und Rohstoffe nicht durch toxische Substanzen verunreinigt werden?
- Vormaterialien und Rohstoffe: Kontrolle der Materialeingangsprüfung, Lagerung und Einsatz in der Produktion, Mitnahme von Material für etwaige Labortests
- Erfüllung der Qualitätsanforderungen in Bezug auf den eigenen Auftrag
- Qualitätskontrolle: Sind passende Prüfinstrumente vorhanden, und findet eine Endkontrolle der Waren statt?
- Sichtbares vorhandenes Vermögen: Gebäude, Maschinen, Ausstattung
- Einhaltung sozialer Standards wie Mindestlöhne und Sozialversicherung, keine Kinderarbeit 66

[...]


1, 2 vlg. Spindelbalker, Christian: CE-Kennzeichnung-Tipps für Importeure und Händler, S. 3.

3, 7, 8 vlg. Spindelbalker, Christian: CE-Kennzeichnung für Hersteller und Importeure, S. 3, 2.

4 vgl. WKO Wirtschaftskammer Österreich: CE-Kennzeichnung für Importeure-FAQ.

5, 6, 9 vlg. Spindelbalker, Christian: CE-Kennzeichnung-Tipps für Importeure und Händler, S. 8, 2, 6.

10, 11, 12, 13 vlg. Spindelbalker, Christian: CE-Kennzeichnung-Tipps für Importeure und Händler, S. 6, 8, 7, 10.

14 vgl. Kratz, Karin: REACH in der Praxis-Ein Leitfaden für Unternehmen, S. 4.

15 vgl. Haas, Claus: Reach-Info 6: Erzeugnisse-Anforderungen an Produzenten, Importeure und Händler, S. 5., und Susnik, Marko: REACH für Händler und Importeure, S. 5.

16 vgl. Susnik, Marko: Das GHS-System in der Praxis-Ein Leitfaden zur Einstufung und Kennzeichnung in der EU, S. 5-6.

17 vgl. Susnik, Marko: Das GHS-System in der Praxis, S. 44 und Das Sicherheitsdatenblatt, S. 3.

18 vgl. Haas, Claus: Reach-Info 6: Erzeugnisse-Anforderungen an Produzenten, Importeure und Händler, S. 17.

19 vgl. Qualitätsmanagementsysteme-Anforderungen EN ISO 9001:2008, Kapitel 7.4 Beschaffung, Unterkapitel 7.4.2 Beschaffungsangaben.

20 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 3.

21, 22 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 1-2.

23 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 2.

24, 26 vgl. Grimm, Stefan: Import-Produkteinkauf in China, S. 5, 21-22.

25 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 2.

27, 28, 29 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 13, 4, 2.

30 vgl. Gradt, Raimund: Einkaufen in China: Chancen und Risiken für österreichische Firmen; S. 23.

31 vgl. Gradt, Raimund: Einkaufen in China: Chancen und Risiken für österreichische Firmen; S. 23.

32 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 4, 10.

33, 34 vgl. Koenen, Franziska: AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S. 20-21, und Kracht, Jürgen; Müller, Thaddäus: Strukturelle Umsetzung des Chinaeinkaufs, S. 218.

35 vgl. Koenen, Franziska: AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S.20.

36 vgl. Koenen, Franziska: AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S. 21, und Kracht, Jürgen; Müller, Thaddäus: Strukturelle Umsetzung des Chinaeinkaufs, S. 218.

37, 38, 40 vgl. Koenen, Franziska: AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S. 21-22.

39 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 7.

41, 42 vgl. Koenen, Franziska: AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S. 22.

43 vgl. Grimm, Stefan: Import-Produkteinkauf in China, S. 18-20.

44 vgl. Aussenhandelsstelle Shanghai und Aussenhandelsstelle Hongkong: AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S. 18.

45 vgl. China Foreign Trade Centre und AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S. 17.

46, 47, 48 vgl. Kracht, Jürgen; Müller, Thaddäus: Strukturelle Umsetzung des Chinaeinkaufs, S. 219-220.

49 vgl. Kracht, Jürgen; Müller, Thaddäus: Strukturelle Umsetzung des Chinaeinkaufs, S. 220-221.

50 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 4-5.

51 vgl. Ako, Jasmine: US-China Today: Buying "Made in China".

52 vgl. Wikipedia: Beschaffungsstrategie – Wikipedia.

53, 54 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S.5, und Aussenhandelsstelle Shanghai und Aussenhandelsstelle Hongkong: AWO Fachreport Einkaufen in China-Fachbeiträge aus der Praxis, S. 9-15.

55 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 5.

56 vgl. Gradt, Raimund: Einkaufen in China: Chancen und Risiken für österreichische Firmen, S. 25.

57 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 6.

58, 59 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 6-7.

60, 61 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 7-8.

62, 63, 64 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 8.

65 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 8-9

66 vgl. Aussenwirtschaft Österreich (AWO): China: Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, S. 9.

Ende der Leseprobe aus 164 Seiten

Details

Titel
Einkauf in China. Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
2
Autor
Jahr
2014
Seiten
164
Katalognummer
V496063
ISBN (eBook)
9783346029249
ISBN (Buch)
9783346029256
Sprache
Deutsch
Schlagworte
China-Import, Global Sourcing, Handelswareneinkauf Asien-Einkauf, Beschaffung in Asien, Globaler Einkauf, Rechtliche Rahmenbedingungen, REACH, RoHS, Beschaffungsdokumente, Verträge, Einkaufsstrategie, Lieferantensuche, Lieferantenauswahl, Lieferantenbewertung, Qualitätssicherung, Verschiffung, Internationale Transportlogistik, Beschaffungslogistik China, Containertransporte, Zölle, Importe
Arbeit zitieren
Tanja Pöltl (Autor), 2014, Einkauf in China. Schritte eines erfolgreichen Beschaffungsprozesses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496063

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