Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Lehrgedicht "Der Ring" von Heinrich Wittenwiler und den darin enthaltenen Farblinien. Der Autor geht hierfür der folgenden Leitfrage nach: "Sind die finalen Farbwechsel in den rund 70 letzten Versen beziehungsweise die Nicht-Markierung des vier-zeiligen Epilogs wirklich logisch gerechtfertigt oder nicht und inwieweit entwickelt sich dabei der Charakter der Figur Bertschi Triefnas in diesem Teil?
Wittenwiler beziehungsweise ein späterer Handschriftenverfasser versah fast die komplette Geschichte mit zweierlei Farblinien. Ausgewählte Passagen wurden abwechselnd markiert. So solle Rot ein Signal für das Ernste sein und Grün als Zeichen für das Unterhaltsame dienen.
Ob jenes Schema jedoch durchgängig bis zum Ende einem logischen Verlauf folgt, bleibt teilweise umstritten. Speziell in Bezug auf den Schluss des Rings weist die Wittenwiler'sche Farbgebung für den unbedarften Leser auf den ersten Blick einige Unstimmigkeiten auf. In der mediävistischen Forschung wurde das Kolorationsproblem, ebenso wie das Leben des Bauernjungen Bertschi Triefnas und sein naives Verhalten der Welt gegenüber, bereits mehrfach analysiert und von allen Seiten beleuchtet. Nichtsdestoweniger lohnt es sich, die gewählte Farbgebung, ob absichtlich oder unabsichtlich sei vorerst dahingestellt, in Kombination mit der letztendlichen Weltflucht von Bertschi genauer zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
0. Aufbau
1. Die Bedeutung der Farblinien
2. Bertschis Weltflucht
2.1 Belagerung und Rückkehr nach Lappenhausen
2.2 Klagen und Einsicht
2.3 Flucht in den Schwarzwald
3. Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Interpretation von Bertschis Weltflucht in Heinrich Wittenwilers Werk "Ring", wobei ein besonderer Fokus auf dem vom Autor implementierten System der Farblinien als Lesehilfe liegt. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu erörtern, ob der Einsatz dieser Farblinien in den letzten Versen des Werkes konsequent angewandt wurde oder ob es sich um bewusste Abweichungen handelt, und inwiefern diese zur Charakterisierung des Protagonisten beitragen.
- Analyse des Farbliniensystems als didaktische Lesehilfe
- Untersuchung der psychologischen Entwicklung von Bertschi Triefnas
- Interpretation von Weltfluchtmotiven im spätmittelalterlichen Kontext
- Überprüfung der Logik der Textmarkierungen in den Schlussabschnitten
- Vergleich von komischen und ernsten Elementen im "Ring"
Auszug aus dem Buch
2.1 Bertschis Belagerung und Rückkehr nach Lappenhausen
Der dritte Teil des Rings setzt sich mit der kriegerischen Auseinandersetzung der Nach-bardörfer Lappenhausen und Nissingen auseinander. Ausgelöst durch einen nichtigen Grund artet das zunächst fröhliche und sehr exzessiv zelebrierte Hochzeitsfest des Paares Bertschi Triefnas und Mätzli Ruerenzumph in ein blutrünstiges Gemetzel aus, bei dem am Ende nichts mehr so ist, wie es einmal war. Da die Nissinger bereits das ausufernde Gefecht für sich entscheiden konnten, wollen sie schließlich ihr katastrophales Werk vollenden und zu guter Letzt auch Bertschi Triefnas in Beschlag nehmen. Dieser jedoch zieht es vor einige Tage lang in einem Heustadl geschützt auszuharren, um nicht seinen Feinden aus dem Nachbardorf in die Arme zu laufen. Denn vor alter veinten süessen botten / und vor fischen zwir gesotten / Hüete dich an alles spotten! (V. 9629-9631), so seine Devise. Einfach ausgedrückt, bedeutet dieses Sprichwort, er solle sich vor derart ausgekochten und bauernschlauen Gesellen in Acht nehmen, da ihre 'Waffen' ausgeklügelter seien als man glaubt. Dass diese durchaus ernstzunehmende und somit auch zurecht rot markierte Redewendung ebenso für den Lappenhausener Triefnas gilt, bekommen die Gegner bald darauf zu spüren.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Aufbau: Dieses Kapitel führt in die Handlung des "Ring" ein und thematisiert das Farbliniensystem als didaktisches Instrument des Autors.
1. Die Bedeutung der Farblinien: Es wird dargelegt, wie Heinrich Wittenwiler durch rote und grüne Markierungen zwischen ernsten Lehren und unterhaltsamen Passagen unterscheidet.
2. Bertschis Weltflucht: Dieser Abschnitt analysiert das Schicksal des Protagonisten Bertschi Triefnas und stellt die Frage, ob die farblichen Markierungen am Ende des Werkes eine logische Fortführung oder einen bewussten Bruch darstellen.
2.1 Belagerung und Rückkehr nach Lappenhausen: Hier wird der Kampf zwischen Lappenhausen und Nissingen sowie Bertschis Überlebensstrategie im Heustadl betrachtet.
2.2 Klagen und Einsicht: Das Kapitel behandelt Bertschis Erkenntnis über die Vergänglichkeit des Glücks und seine Hinwendung zu göttlichen Werten.
2.3 Flucht in den Schwarzwald: Analysiert wird Bertschis letztendliche Flucht aus seinem alten Leben und die Ambivalenz der Markierungen in den finalen Versen.
3. Fazit und Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass das Farbsystem weitgehend konsistent bleibt, jedoch Spielraum für Interpretationen hinsichtlich der Intention des Autors bietet.
Schlüsselwörter
Heinrich Wittenwiler, Ring, Farblinien, Bertschi Triefnas, Weltflucht, Didaktik, Spätmittelalter, Lappenhausen, Textmarkierung, Literaturanalyse, Narrenterminologie, Heustadl, Reue, Einsicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Interpretation von Heinrich Wittenwilers "Ring" unter besonderer Berücksichtigung der vom Autor verwendeten Farblinien als didaktische Lesehilfe.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Struktur des Farbliniensystems, die Charakterentwicklung des Protagonisten Bertschi Triefnas sowie die Interpretation von Weltflucht und Reue im mittelalterlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, ob die in den letzten 70 Versen des Werkes angewandten Farblinien logisch konsistent sind oder ob bewusste "Falschfärbungen" vorliegen, die eine spezifische Lesart erzwingen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die philologische Methoden auf die Textstruktur und die markierten Passagen anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Belagerungsszene, die Untersuchung der Klagen und Einsichtsmomente des Protagonisten sowie die Flucht in den Schwarzwald.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Farblinien, Bertschi Triefnas, didaktische Funktion, Weltflucht und Wittenwilers "Ring" charakterisiert.
Warum spielt die Belagerung von Lappenhausen eine Rolle für die Farblinienanalyse?
Die Belagerungsszene dient als Beispiel für eine geschickte Anwendung der roten Markierungen, die Bertschis Überlebenswille und seine Bauernschläue unterstreichen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der letzten Verse des Werkes?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Farbgebung weitgehend logisch rechtfertigbar bleibt, jedoch interpretatorische Spielräume für eine bewusste Irreführung des Lesers durch den Autor lässt.
- Arbeit zitieren
- Julia Schart (Autor:in), 2012, Bertschi Triefnas Weltflucht in Heinrich Wittenwilers "Der Ring" unter Berücksichtigung der Farblinien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496066