In dieser Hausarbeit wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob und inwiefern die Definition des von Thomas Hobbes eingeführten Begriffs des Naturzustandes sowie dessen Ausprägung geeignet ist. Dabei wird auch Bezug auf die Meinung des Philosophen Jean-Jacques Rousseau zu diesem Thema genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rekonstruktion der Position Thomas Hobbes‘
2.1. Definition des Naturzustandes
2.2. Übergang in den Gesellschaftszustand
3. Rekonstruktion der Gegenposition Jean-Jacques Rousseaus
3.1. Definition des Naturzustandes
3.2. Übergang in den Gesellschaftszustand
4. Auseinandersetzung mit diesen Positionen
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Auffassungen des Naturzustand-Begriffs bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, um aufzuzeigen, wie diese entgegengesetzten Menschenbilder die jeweilige staatstheoretische Begründung beeinflussen.
- Rekonstruktion der Naturzustands-Theorie von Thomas Hobbes
- Analyse des Übergangs in den Gesellschaftszustand bei Hobbes
- Gegenüberstellung mit der Naturzustands-Konzeption von Jean-Jacques Rousseau
- Untersuchung der Ursachen für die Entstehung von Ungleichheit und Konkurrenz
- Vergleichende Analyse der beiden Positionen hinsichtlich des Menschenbildes
Auszug aus dem Buch
2.1. Definition des Naturzustandes
Der Naturzustand ist ein Zustand der Anarchie, in dem es weder eine herrschende Kraft noch Recht und Gesetz gibt. Die Menschen sind völlig frei und können tun und lassen was sie wollen. Außerdem sind sie alle ungefähr mit den gleichen Kräften ausgestattet. Diese Gleichheit ist ein wichtiges Element in Hobbes‘ Theorie, da sie nicht als Gleichheit im Sinne von Klugheit oder Stärke verstanden wird, sondern als gleiches Gefährdungspotential, das jeder Mensch gegenüber jedem anderen hat.
Da ein jeder nämlich ein natürliches Bedürfnis zur Selbsterhaltung besitzt, sorgt der Zustand der Anarchie dafür, dass Menschen nur so lange friedlich in einer Gesellschaft zusammenleben können, wie nicht zwei oder mehr von ihnen dieselben Ansprüche bzw. Interessen verfolgen. Sobald dies geschieht, konkurrieren sie miteinander. Der Präzedenzfall ist dabei ein Streit um Besitz, also die Situation, in der ein und derselbe Gegenstand von mehreren Gesellschaftsmitgliedern begehrt wird, sich aber nicht aufteilen lässt. Dabei kann es dann dazu kommen, dass Menschen ihre Gegner mithilfe von intuitiv unmoralischen Handlungen ausschalten, um Zugriff auf die erforderlichen Mittel zur Selbsterhaltung zu haben. Sogar willkürliche Gewaltausübung ist denkbar, schließlich ist diese mangels Gesetzen ja nicht verboten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit die Definitionen des Naturzustandes bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau geeignet sind, ihre jeweiligen Staatstheorien zu begründen.
2. Rekonstruktion der Position Thomas Hobbes‘: Dieses Kapitel erläutert den Naturzustand als Zustand der Anarchie und des Krieges aller gegen alle sowie den bewussten Übergang in den Gesellschaftszustand durch einen Vertrag zur Selbsterhaltung.
3. Rekonstruktion der Gegenposition Jean-Jacques Rousseaus: Hier wird der Naturzustand als positiv besetzter, freier Zustand beschrieben, der durch das Mitleid geprägt ist, und der Übergang in den Gesellschaftszustand als Ursprung von Ungleichheit und Entfremdung analysiert.
4. Auseinandersetzung mit diesen Positionen: In diesem Kapitel werden die Argumente beider Philosophen systematisch gegenübergestellt und die Bedeutung des zugrunde liegenden Menschenbildes für die theoretischen Differenzen herausgearbeitet.
5. Schluss: Das Schlusskapitel resümiert, dass die Bewertung der Theorien maßgeblich vom eigenen Menschenbild abhängt und beide Ansätze trotz ihrer Kontroversität als in sich schlüssig betrachtet werden können.
Schlüsselwörter
Naturzustand, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Selbsterhaltung, Krieg aller gegen alle, Anarchie, Menschenbild, Mitleid, Gerechtigkeit, Ungleichheit, Politische Philosophie, Leviathan, Eigentum, Rechtsordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung des Naturzustandes und dessen Bedeutung für die Entstehung von staatlichen Gesellschaftsformen in der Philosophiegeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die politische Anthropologie, Vertragstheorien, die Entstehung von Recht und Gesetz sowie die Frage nach der menschlichen Natur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Konzepte von Hobbes und Rousseau vergleichend gegenüberzustellen und zu zeigen, wie unterschiedliche Menschenbilder zu gegensätzlichen politischen Schlussfolgerungen führen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der philosophiegeschichtlichen Rekonstruktion und komparativen Textanalyse von Primärquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Werke von Hobbes und Rousseau sowie eine anschließende strukturierte Gegenüberstellung der Argumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Menschenbild, Selbsterhaltungstrieb und die politische Ordnung.
Warum bewertet Hobbes den Naturzustand als negativ?
Hobbes sieht den Menschen von Natur aus als egoistisch und im ständigen Konkurrenzkampf um begrenzte Ressourcen, was ohne eine übergeordnete Macht in Gewalt mündet.
Welche Rolle spielt das Mitleid bei Rousseau?
Das Mitleid ist bei Rousseau ein natürliches Gefühl, das den Selbsterhaltungstrieb mäßigt und somit ein friedliches Zusammenleben im Naturzustand ermöglicht.
Warum führt der Gesellschaftsvertrag bei Rousseau zur Entfremdung?
Durch die Einführung von Eigentum und die damit verbundene Konkurrenz verliert der Mensch seine ursprüngliche Freiheit und Unabhängigkeit.
Inwiefern beeinflusste die Biografie Hobbes seine Theorie?
Die Erfahrungen des englischen Bürgerkriegs könnten Hobbes dazu bewogen haben, den Naturzustand besonders düster als einen Zustand ständiger Gefahr und Unsicherheit zu zeichnen.
- Arbeit zitieren
- Jan André Wieland (Autor:in), 2019, Ausprägungen des Naturzustand-Begriffs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496080