Zu Vilém Flussers Theorie der technischen Bilder


Hausarbeit, 2019
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Entwicklungsschritte der Medien

Das Technobild bei Vilém Flusser

Unterschied zum traditionellen Bild

Kritik am Technobild

Zusammenfassung

Fazit

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einführung

„Nur noch Historiker und andere Spezialisten werden in Zukunft Schreiben und Lesen lernen müssen.“[1]

Vilém Flusser, Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler, wurde am 12. Mai 1920 in Prag geboren und ist am 27. November 1991 in der Tschechoslowakei im Alter von 71 Jahren tödlich verunglückt. Er entstammte einer jüdischen Akademikerfamilie und sprach vier Sprachen. Seine Vielsprachigkeit spiegelt sich auch in seinen Inhalten wieder, so behandelte er verschiedene Thematiken in mehreren Sprachen um einen vielfältigeren Betrachtungsblick zu erhalten. Sein zentrales Thema womit er sich in vielen seiner Schriften beschäftige war der Untergang der Schriftkultur. Als Pessimist wollte der studierte Philosoph aber nie angesehen werden, obwohl er sich mit seinen Annahmen und Überlegungen stets um das Thema „Krise“ bewegte. Das Thema Kommunikation war in allen Sichtweisen ein herausstechendes Merkmal Flussers, so gehörte dies zum Mittelpunkt seiner Ansichten zu Menschen, Welt und Gesellschaft.

Der gebürtige Tscheche gehört nicht unbedingt zu den bekanntesten Philosophen. Dennoch hat er das heutige Denken über Medien mehr geprägt als sonst ein anderer Theoretiker. Seine Inhalte scheinen angesichts der schnellen Entwicklung der Neuen Medien immer aktueller zu werden.[2]

Vilém Flusser entwickelte eine ganz besondere Theorie, die sogenannte Theorie der technischen Bilder oder des Technobild. Diese veröffentlichte er bereits 1985 in seiner Schrift „Ins Universum der technischen Bilder“. Besonders heute im Zeitalter der schnellen Wandlungen der Medien hat seine Theorie immer noch große Bedeutsamkeit für Medientheoretiker. Vilém Flusser übt die Kritik am Menschen, der im Laufe der Zeit immer mehr Abstraktionsleistungen vollzieht, denn „ der Mensch vergisst, daß er es war, der die Bilder erzeugte, um sich an ihnen in der Welt zu orientieren, er kann sie nicht mehr entziffern und lebt von nun ab in Funktion seiner eigenen Bilder“ (Flusser 1985: 10).

Im Folgenden soll Vilém Flussers Theorie der technischen Bilder genauer erläutert werden und eine Einordnung des medialen „turn“ erfolgen. Weiterhin wird der Unterschied zu den traditionellen Bildern untersucht sowie die Kritik Flussers an den technischen Bildern erläutert. Abschließend folgen eine Zusammenfassung sowie ein Fazit mit Positionierung zur Theorie mit aktuellem Bezug.

Entwicklungsschritte der Medien

Sowohl unsere Möglichkeiten der Kommunikation als auch unsere Wahrnehmung haben sich im Laufe der Zeit grundlegend verändert. Während wir im heutigen 21. Jahrhundert in der Lage sind, das Weltgeschehen mittels projizierter Bilder festzuhalten, war es früher nur denkbar das Gedachte und Gesehene aufzuschreiben. War damals der Buchdruck noch revolutionär, scheint er heute lediglich nur noch eine Erinnerung an die alten Zeiten zu sein. Mittlerweile haben wir unsere eigene Welt erschaffen, in der wir mittels technischer Hilfsmittel die Macht haben, unsere eigene Wirklichkeit zu produzieren.[3]

So entwickelte sich eine Vielfalt von Medien, die im Zeitalter der Digitalisierung einen rasanten Wandel erfahren haben[4]. Jene Veränderungen oder Entwicklungsschritte der Medien lassen sich in vier sogenannten „turns“ einordnen:

1. Linguistic Turn:

Die linguistische Wende bezeichnet die Bemühungen, sprachliche Vermittlungsformen genauer zu untersuchen. Besonders durch den Wissenschaftstheoretiker Gustav Bergmann ist der Begriff „linguistic turn“ geprägt worden. Demnach bezeichnet der Begriff, dass die Sprache eine Bedingung des Denkens ist und ein Denken ohne Sprache nicht existent ist. Jede Erkenntnis und jede Wahrnehmung sind daher durch die Art und Weise der Sprache strukturiert und bestimmt.[5]

2. Semiotic Turn:

Abgeleitet vom Begriff der Semiotik, steht hier die Wissenschaft der Zeichentheorie im Fokus.

3. Iconic Turn:

Hier steht die Untersuchung der Macht und Bedeutung der Bilder im Fokus. Der Iconic Turn, die Wende vom Wort zum Bild, hat unsere Art, Wissen zu generieren, zu strukturieren und zu kommunizieren, gründlich verändert.[6] Bilder verändern unser Denken und Tun – wir erleben eine Wende in der Wahrnehmung von Bildern.

4. Medial Turn:

Kurz lässt sich zu dieser Wende sagen, dass hier jeder mediale Umbruch Reflexionsbedarf erzeugt. Es soll das Bewusstsein hervorgerufen werden, wie die derzeitigen Technologien funktionieren und uns durch ihre Funktionsweisen beeinflussen.

Vilém Flusser lässt sich dem sogenannten „iconic turn“ zuordnen, da er durch seine Veröffentlichungen um 1980 Kritik an den technischen Bildern übt.

Das Technobild bei Vilém Flusser

Spricht man heutzutage vom technischen Bild, so meint man in der Regel das Technobild von Vilém Flusser.

„Das technische Bild ist ein von Apparaten[7] erzeugtes Bild“ (Flusser 1983, S.12). Apparate hingegen sind Erzeugnisse angewandter wissenschaftlicher Texte. Daher kann man jene technischen Bilder als Produkt eines Apparates sehen, welches indirekte Erzeugnisse wissenschaftlicher Texte darstellen.

Bei der näheren Betrachtung eines Technobild wird schnell klar, dass es aus vielen kleinen elementaren Punkten zusammengesetzt ist und nicht aus einer Fläche. So ist es notwendig, sich aus den Punkten das Bild vorzustellen, um es dann sehen zu können. Und hierfür darf das Bild nur oberflächlich beschaut werden, denn wenn man es im genauen betrachtet, erkennt man nur noch die einzelnen Bildpunkte, die durch elektronische Prozesse entstanden sind. Das Bild steigt somit aus einem abstrakten fernen Punkteuniversum hervor und wird durch die Einbildungskraft der Menschen zu einem konkreten Bild (Vgl. Flusser 1983, S.15). „ Die Funktion der technischen Bilder ist, ihre Empfänger magisch von der Notwendigkeit eines begrifflichen Denkens zu befreien“ (Flusser 1983, S.16). Technobilder sind nämlich Projektionen. Sie bilden nicht die Wirklichkeit, sondern eine zu scheinende Wirklichkeit ab.

„Sie fangen bedeutungslose Zeichen auf, die aus der Welt auf sie zukommen (Photonen, Elektronen), und sie codieren sie, um ihnen eine Bedeutung zu geben. Daher ist es falsch, bei ihnen zu fragen, was sie bedeuten (außer man gäbe die bedeutungslose Antwort: Sie bedeuten Photonen). Zu fragen bei ihnen ist, wozu sie das, was sie zeigen, bedeuten. Denn was sie zeigen ist nur eine Funktion dessen, wozu sie bedeuten“ (Flusser 1985, S.51).

[...]


[1] https://beruhmte-zitate.de/autoren/vilem-flusser/

[2] Vgl. Schubert (2003): https://www.radio.cz/de/rubrik/kultur/vilem-flusser-der-prager-emigrant-und-seine-philosophie-als-medientheorie

[3] Vgl. Wilke (2011): http://www.bpb.de/izpb/7490/vom-barden-zum-blogger-die-entwicklung-der-massenmedien

[4] Vgl. ders.

[5] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Linguistische_Wende#cite_note-2

[6] Vgl. https://www.iconic-turn.com/iconic-turn/

[7] ein das Denken simulierendes Spielzeug

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zu Vilém Flussers Theorie der technischen Bilder
Hochschule
Dekra Hochschule für Medien
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V496081
ISBN (eBook)
9783346008305
ISBN (Buch)
9783346008312
Sprache
Deutsch
Schlagworte
#technobild #hausarbeit #medien
Arbeit zitieren
Tobias Haas (Autor), 2019, Zu Vilém Flussers Theorie der technischen Bilder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496081

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