In der vorliegenden Arbeit wird Vilém Flussers Theorie der technischen Bilder genauer erläutert und eine Einordnung des medialen "turn" erfolgen. Weiterhin wird der Unterschied zu den traditionellen Bildern untersucht sowie die Kritik Flussers an den technischen Bildern erläutert. Abschließend folgen eine Zusammenfassung sowie ein Fazit mit Positionierung zur Theorie mit aktuellem Bezug.
Vilém Flusser, Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler, entstammte einer jüdischen Akademikerfamilie und sprach vier Sprachen. Seine Vielsprachigkeit spiegelt sich auch in seinen Inhalten wieder, so behandelte er verschiedene Thematiken in mehreren Sprachen um einen vielfältigeren Betrachtungsblick zu erhalten. Sein zentrales Thema, womit er sich in vielen seiner Schriften beschäftige, war der Untergang der Schriftkultur.
Der gebürtige Tscheche gehört nicht unbedingt zu den bekanntesten Philosophen. Dennoch hat er das heutige Denken über Medien mehr geprägt als sonst ein anderer Theoretiker. Seine Inhalte scheinen angesichts der schnellen Entwicklung der Neuen Medien immer aktueller zu werden. Vilém Flusser entwickelte eine ganz besondere Theorie, die sogenannte Theorie der technischen Bilder oder des Technobild. Diese veröffentlichte er bereits 1985 in seiner Schrift "Ins Universum der technischen Bilder".
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Entwicklungsschritte der Medien
Das Technobild bei Vilém Flusser
Unterschied zum traditionellen Bild
Kritik am Technobild
Zusammenfassung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, Vilém Flussers Theorie der technischen Bilder zu analysieren und in den Kontext des medientheoretischen Wandels sowie der heutigen digitalen Lebenswelt einzuordnen, um die damit einhergehenden Gefahren und Potenziale kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Medientheorie und des „technischen Bildes“ nach Vilém Flusser
- Differenzierung zwischen traditionellen Bildern und technischen Bildern
- Die Rolle des Menschen als Funktion des Apparates in einer digitalen Gesellschaft
- Kritische Analyse der Machtstrukturen hinter technischen Bildwelten
- Bedeutung der „Techno-Imagination“ als notwendige Kompetenz für die Gegenwart
Auszug aus dem Buch
Das Technobild bei Vilém Flusser
Spricht man heutzutage vom technischen Bild, so meint man in der Regel das Technobild von Vilém Flusser.
„Das technische Bild ist ein von Apparaten erzeugtes Bild“ (Flusser 1983, S.12). Apparate hingegen sind Erzeugnisse angewandter wissenschaftlicher Texte. Daher kann man jene technischen Bilder als Produkt eines Apparates sehen, welches indirekte Erzeugnisse wissenschaftlicher Texte darstellen.
Bei der näheren Betrachtung eines Technobild wird schnell klar, dass es aus vielen kleinen elementaren Punkten zusammengesetzt ist und nicht aus einer Fläche. So ist es notwendig, sich aus den Punkten das Bild vorzustellen, um es dann sehen zu können. Und hierfür darf das Bild nur oberflächlich beschaut werden, denn wenn man es im genauen betrachtet, erkennt man nur noch die einzelnen Bildpunkte, die durch elektronische Prozesse entstanden sind.
Das Bild steigt somit aus einem abstrakten fernen Punkteuniversum hervor und wird durch die Einbildungskraft der Menschen zu einem konkreten Bild (Vgl. Flusser 1983, S.15). „Die Funktion der technischen Bilder ist, ihre Empfänger magisch von der Notwendigkeit eines begrifflichen Denkens zu befreien“ (Flusser 1983, S.16). Technobilder sind nämlich Projektionen. Sie bilden nicht die Wirklichkeit, sondern eine zu scheinende Wirklichkeit ab.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Vorstellung von Vilém Flusser als Medientheoretiker und Einführung in seine Kernthese über den Wandel von der Schriftkultur hin zum Universum der technischen Bilder.
Entwicklungsschritte der Medien: Einordnung der Medienentwicklung anhand der vier „turns“ (Linguistic, Semiotic, Iconic, Medial) und Positionierung Flussers im „iconic turn“.
Das Technobild bei Vilém Flusser: Definition des Technobildes als von Apparaten erzeugte Projektion, die auf elementaren Punkten basiert und den Betrachter zur Imagination zwingt.
Unterschied zum traditionellen Bild: Analyse der ontologischen Unterschiede zwischen traditionellen, handwerklichen Bildern und technischen, maschinell erzeugten Bildern.
Kritik am Technobild: Erörterung der Gefahren technischer Bilder, insbesondere der Täuschung durch vermeintliche Objektivität und der drohenden Verdrängung des begrifflichen Denkens.
Zusammenfassung: Wiederholung der zentralen Argumente zur Medientheorie Flussers und dessen Relevanz für das Verständnis moderner Bildmedien.
Fazit: Abschließende Reflexion über die Bedeutung der „Techno-Imagination“ und die Notwendigkeit, das Bewusstsein für die Funktionsweise technischer Bilder in der heutigen Gesellschaft zu schärfen.
Schlüsselwörter
Vilém Flusser, Technobild, Medienwissenschaft, Apparat, Iconic Turn, digitale Gesellschaft, Bildanalyse, Kommunikation, Fotografie, Objektivität, Kulturrevolution, Techno-Imagination, Medientheorie, FAKE-News, Informationstechnologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Medientheorie von Vilém Flusser, insbesondere sein Konzept des „Technobildes“, und reflektiert deren Relevanz in unserer heutigen digitalen Welt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entwicklung der Medien, die Unterscheidung zwischen traditionellen und technischen Bildern sowie die kritische Hinterfragung des menschlichen Umgangs mit digitalen Apparaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Bewusstsein für die Funktionsweise technischer Bilder zu schärfen, um der Faszination dieser Medien kritisch begegnen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte medienwissenschaftliche Analyse, die auf den zentralen Schriften von Vilém Flusser basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die medienhistorische Einordnung, die spezifische Theorie des Technobildes, den Vergleich zu klassischen Bildformen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Macht der Apparate.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Technobild, Apparat, Black Box, Techno-Imagination und Medienkompetenz charakterisiert.
Wie unterscheidet Flusser zwischen traditionellen und technischen Bildern?
Traditionelle Bilder sind handgefertigt und bilden das Gesehene ab, während technische Bilder Produkte von Apparaten sind, aus Pixeln bestehen und eine scheinende Wirklichkeit projizieren.
Was versteht Flusser unter der „Black Box“ im Kontext technischer Bilder?
Die „Black Box“ beschreibt den Prozess zwischen dem Input (z. B. der Fotograf) und dem Output (das technische Bild), bei dem die eigentliche Codierung für den Menschen verborgen bleibt.
Warum sieht Flusser in technischen Bildern eine Gefahr?
Er warnt davor, dass technische Bilder eine Objektivität vortäuschen, die nicht existiert, und den Menschen zu einem magisch-rituellen Verhalten verleiten, anstatt sein kritisches, begriffliches Denken zu fördern.
Was fordert der Autor zur Überwindung der beschriebenen Problematik?
Der Autor plädiert für eine „Techno-Imagination“, also eine fortschrittliche Wahrnehmung, die es dem Menschen ermöglicht, die Programmierung und Funktionsweise technischer Bilder zu durchschauen und selbstbestimmt zu handeln.
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- Tobias Haas (Autor), 2019, Zu Vilém Flussers Theorie der technischen Bilder, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496081