Die Verhandlung des Erbsünden-Dekrets auf dem Konzil von Trient

Aufbau, Inhalt und Canones des Erbsünden-Dekrets


Hausarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzil von Trient
2.1 Der Weg zum Konzil
2.2 Die Phasen des Konzils
2.2.1 Erste Konzilsphase (1545-1547)
2.2.2 Zweite Konzilsphase (1547-1561)
2.2.3 Dritte Konzilsphase (1562-1563)

3 Das Erbsündendekret
3.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Auffassung der Erbsünde

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Als die Reformation sich immer weiter ausbreitet, muss die katholische Kirche agieren. Einerseits um auf die Vorwürfe lutherischer Seite zu reagieren andrerseits um sich von der reformatorischen Lehre abzugrenzen, um sich ein eigenes Glaubensgut zu schaffen. Dazu wird das Konzil von Trient einberufen. Obwohl es zu einer Aneinanderreihung von Verzögerungen kommt bis sich die Synode tatsächlich versammelt und nur noch wenige glauben, dass das Konzil überhaupt einberufen wird, ist es am Ende ein voller Erfolg.[1] Neben dem II. Vatikanum gibt es keine andere Synode, die die Kirche so maßgeblich und im positiven Sinne geprägt und umgeformt hat wie das Konzil von Trient.[2] Zu Beginn wer­den die Aufgaben und Ziele des Konzils benannt, danach wird der Weg zum Konzil be­schrieben. Dieser ist von einer Verkettung von Hindernissen geprägt und es dauert viele Jahre bis es zur tatsächlichen Einberufung der Synode kommt. Als nächstes folgt der Hauptteil, der sowohl die einzelnen Phasen des Konzils als auch das Erbsündendekret behandelt. Dieser weist grundlegende Fakten über das Konzil und die Darstellung der einzelnen Konzilsphasen auf. Bei dieser Darstellung geht es um die besprochenen Dekre­te und um Merkmale, die die jeweiligen Phasen voneinander unterscheiden und entschei­dend sind für den weiteren Verlauf des Konzils. Anschließend folgt die Analyse des Erb­sündendekrets, das zu starken Kontroversen zwischen Katholiken und Protestanten führ­te. Insbesondere in Bezug auf das Verständnis der zurückbleibenden Konkupiszenz nach der Taufe. Es wird auf den Aufbau und Inhalt des Dekrets sowie auf die einzelnen Cano- nes eingegangen. Anknüpfend daran werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen katholischer und reformatorischer Lehre in Bezug auf das Erbsündendekret herausgestellt. Die Hausarbeit schließt mit einem Fazit.

2 Das Konzil von Trient

Das Konzil von Trient erstreckt sich über den Zeitraum von 1545 bis 1563 und ist die Re­aktion der katholischen Kirche auf die Reformation. Die Ziele des Konzils bestehen darin, die katholische gegenüber der reformatorischen Lehre zu verteidigen und deren Unter­schiede herauszustellen.[3] Außerdem soll der Frieden und die Einheit der Kirche wieder­hergestellt und das Innere der Kirche erneuert werden.[4] Doch bis es zur tatsächlichen Einberufung des Konzils kommt, sind bereits vier Anläufe gescheitert.[5]

2.1 Der Weg zum Konzil

Während über die Einberufung des Konzils über viele Jahre hinweg diskutiert wurde, ohne eine Einigung, breitet sich das Luthertum immer weiter aus.[6] Papst Clemens VII., Kaiser Karl V. und König Franz I. nehmen eine entscheidende Rolle vor der Einberufung des Konzils ein.[7] Nachdem die osmanischen Türken 1453 Konstantinopel erobert hatten, war eine Erneuerung der Kirche in Zusammenarbeit mit den Kirchen des Ostens nicht mehr möglich. Auf dem Reichstag in Nürnberg verlangen die verschiedenen Reichsstände ein ökumenisches Konzil. Daraufhin tritt auch Kaiser Karl V. an Papst Clemens VII. heran und versucht ihn für eine Einberufung eines Konzils zu gewinnen.[8] Papst Clemens VII. ist durchaus daran interessiert, die Mängel innerhalb der katholischen Kirche zu beseitigen, aber aufgrund großer Bedenken weicht er einer Einberufung eines Konzils immer wieder aus. Er legt weder eine Synode nahe, noch lehnt er sie ab, er hebt die schwierigen Um­stände, die mit einer Durchführung eines Konzils verbunden sind, hervor und verzögert so dessen Einberufung.[9] Erst durch seinen Nachfolger, Papst Paul III., kommt es zu einem neuen Versuch, ein solches einzuberufen. Jedoch hat sich die Lage stark verändert. Die reformatorische Gruppierung ist nun stabiler und organisierter als zur päpstlichen Amts­zeit Clemens VII. Sie hat ein eigenes Bekenntnis formuliert, die Confessio Augustana und einen Schmalkaldischen Bund geschlossen. Dabei handelt es sich um ein Verteidigungs­bündnis zwischen protestantischen Fürsten und Städten, geführt durch Kursachsen und Hessen, das gegen die Religionspolitik von Kaiser Karl V. vorgeht. Trotz dieser neuen Hürden setzt der neue Papst sein Vorhaben durch und beruft ein neues Konzil ein. Aller­dings scheitert es, da nicht genügend geladene Gäste erscheinen.[10] Weitere Hindernisse stellen der Beschluss des englischen Königs Henry VIII. dar, der die englische Kirche aus dem Verband mit dem Apostolischen Stuhl nimmt[11] und die Verzögerung, die durch den französischen König Franz I. ausgelöst wird, da dieser nicht will, dass die Macht des Kai­sers sich vergrößert.[12] Zudem weigern sich die reformatorischen Anhänger an dem Konzil teilzunehmen, was die Aussicht auf eine Rückführung ihrerseits unmöglich macht. Die Protestanten verlangen ein freies christliches Konzil in deutschen Landen. Ein freies Kon­zil meint ein Konzil, das nicht vom Papst geleitet wird. Sie verlangen, dass ausschließlich die Heilige Schrift zur Beurteilung der verschiedenen Lehren herangezogen wird und dass es in deutschen Landen stattfindet.

Nur dort können sie unter dem Schutz des Kaisers nicht verfolgt werden.[13] Aufgrund die­ser zahlreichen Schwierigkeiten wird das Konzil, ohne ein neues Datum zu nennen, ver­tagt. Daraufhin versucht Kaiser Karl V. sich in mehreren Religionsgesprächen mit den reformatorischen Anhängern zu einigen. Allerdings scheitert auch dieses Vorhaben und somit steht wieder die Notwendigkeit einer Einberufung eines Konzils an erster Stelle.[14] Doch bevor der Papst erneut ein Konzil einberufen kann, muss noch die Frage, wo das Konzil stattfinden soll, geregelt werden. Aufgrund unterschiedlicher Erwartungen an das Konzil sind sich Papst und Kaiser vorerst nicht einig über die Wahl des Ortes. Während der Kaiser weiter auf eine Rückführung der Protestanten, auf eine Aufhebung der Spal­tung hofft, zielt der Papst darauf, die auf der katholischen Seite übrig Gebliebenen vor den Lutheranern zu schützen und eine religiöse Spaltung zu akzeptieren. Der Papst stellt die Bedingung, dass der Ort im Kirchenstaat und südlich der Alpen zu sein hat. Es soll ein neutraler Ort sein. Schließlich einigt man sich auf den Ort Trient als Konzilsstadt.[15] Trient erfüllt die geforderten Kriterien, denn es zählt zum Römischen Reiche Deutscher Nation und, es liegt an der Schwelle zu Italien, und damit südlich der Alpen. Ein Fürstbischof lei­tet die Stadt, somit gehört sie nicht zu dem Gebiet der Habsburger, sondern verfügt über ein eigenes Fürstbistum.[16] Die Konzilsstadt verfügt über einen guten Verkehrsausbau so­wie über gut besuchte Märkte mit einem vielfältigen Angebot.[17] Allerdings verschiebt sich die Eröffnung des Konzils erneut, da ein Krieg zwischen Kaiser Karl V. und dem französi­schen König Franz I. ausbricht, wodurch eine Konzilsbeschickung nicht möglich ist. Schließlich endet der habsburgisch-französische Krieg durch den Friedensschluss von Crepy. Mit diesem Vertrag bestätigen Kaiser und König das Ende ihrer Auseinanderset­zungen.[18] Papst Paul III. legt die Einberufung des Konzils auf den 15. März 1545 in Trient. Jedoch kommt kaum einer der Geladenen. Somit muss die Eröffnung des Konzils noch einmal verschoben werden. Diejenigen, die bereits angereist sind, dürfen die Stadt nicht verlassen. Schließlich erfolgt die endgültige Eröffnung des Konzils am 13. Dezember 1545 in Trient.[19]

2.2 Die Phasen des Konzils

Das Konzil von Trient besteht aus drei Konzilsphasen. Da der Papst nicht selbst an dem Konzil teilnimmt, benennt und bevollmächtigt er drei Kardinäle, die es leiten.[20]

Das Treffen soll sich auf die Verteidigung und Festigung der katholischen gegen die re- formatorische Lehre sowie auf eine innere Erneuerung der Kirche konzentrieren. Aller­dings verfügen die Legaten, unter deren Leitung das Konzil steht, weder über eine Vorga­be darüber, auf welche Art und Weise, noch in welcher Reihenfolge sie die Thematik be­handeln sollen. All dies wird erst während der Durchführung des Konzils erstellt.[21] Stimm­recht besitzen Bischöfe, Ordensgeneräle und Äbte von klösterlichen Verbänden.[22] Proku­ratoren, die als Stellvertreter von Bischöfen eingesetzt werden, sowie Vertreter anderer Gemeinschaften erhalten kein Stimmrecht.[23]

2.2.1 Erste Konzilsphase (1545-1547)

Obwohl die Teilnehmerzahl bei der Eröffnung gering ausfällt, sind die Anwesenden sehr froh, dass das Konzil stattfindet, da die meisten von ihnen nicht mehr daran geglaubt ha­ben.[24] Die Berufungsbulle fordert jeden Bischof und jeden Abt auf an dem Konzil persön­lich teilzunehmen, dennoch besteht die erste Konzilsphase nur aus 50-70 Teilnehmern.[25] Diese erste Phase behandelt inhaltlich verschiedene Dekrete und den Konflikt um die Residenzpflicht der Bischöfe. Die Dekrete werden neu formuliert in Abgrenzung zur re- formatorischen Lehre, um ein gemeinsames Katholisches zu schaffen.

Um nur ein Beispiel der beinahe endlosen Verhandlungen zu geben, das die Komplexität der Sache repräsentiert, wird im Folgenden die Debatte über das Dekret von Schrift und Tradition kurz vorgestellt. Daran lässt sich erkennen, wie groß die Unterschiede waren, welche die katholische und die reformatorische Kirche trennten. Während Luther allein die Schrift als Quelle der Offenbarung anerkennt, setzt sich die katholische Kirche von dem reformatorischen Ansatz sola scriptura ab. Sie ist der Auffassung, dass sowohl die Schrift als auch die Tradition als Quelle der göttlichen Offenbarung gelten. Allerdings werden die Überlieferungen, die nicht in der Schrift vorkommen, nicht näher bestimmt.[26]

Die Nutzung der lateinischen Bibel, die Vulgata, stellt eine weitere Abgrenzung zu den Reformatoren dar. Während die reformatorische Seite die Bibel in verschiedene Sprachen übersetzt, unter anderem Deutsch und Englisch, um sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen, beschließt die Synode von Trient, dass die Bibel in lateinischer Sprache ver­wendet werden soll. Dieser Beschluss geht mit der Meinung einher, dass die lateinische Version der Bibel als die authentische gilt.[27]

[...]


[1] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. II), 461.

[2] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 211.

[3] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 180.

[4] Vgl. Lange, Einführung in allgemeine Konzilien, 93.

[5] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 172.

[6] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. I), 158.

[7] Vgl. ebd., 176.

[8] Vgl. Lange, Einführung in die allgemeinen Konzilien, 92.

[9] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. I), 178f., 215.

[10] Vgl. Lange, Einführung in die allgemeinen Konzilien, 92f.

[11] Vgl. ebd., 93.

[12] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient, 220.

[13] Vgl. ebd. 227; Schatz, Allgemeine Konzilien, 174.

[14] Vgl. Lange, Einführung in die allgemeinen Konzilien, 93.

[15] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 175f.

[16] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. I), 435; Schatz, Allgemeine Konzilien, 176.

[17] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. I), 436.

[18] Vgl. Lange, Einführung in die allgemeinen Konzilien, 93; Schatz, Allgemeine Konzilien, 173f.

[19] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 173; Jedin, Die Geschichte des Konzils in Trient (Bd. 1), 431.

[20] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. I), 407.

[21] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. II), 6, 11; Schatz, Allgemeine Konzilien, 177.

[22] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 177.

[23] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. II), 15, 407.

[24] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. I), 231, 431.

[25] Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils von Trient (Bd. I), 410; Schatz, Allgemeine Konzilien, 177.

[26] Vgl. Lange, Einführung in die allgemeinen Konzilien, 94.

[27] Vgl. ebd., 94f.

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Details

Titel
Die Verhandlung des Erbsünden-Dekrets auf dem Konzil von Trient
Untertitel
Aufbau, Inhalt und Canones des Erbsünden-Dekrets
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V496126
ISBN (eBook)
9783346011541
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzil von Trient, Erbsünde
Arbeit zitieren
Ann-Christin Bossuyt (Autor), 2018, Die Verhandlung des Erbsünden-Dekrets auf dem Konzil von Trient, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496126

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