Das Buch beschäftigt sich mit John Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairneß. Dabei handelt es sich um eine der bekanntesten Theorien der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts. Sie gilt auch als Wiederbelebung der kontraktualistischen Theorie, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ihre Bedeutung verloren hatte, und erst durch Rawls Theorie wieder in die wissenschaftliche Diskussion gelangte. Rawls selbst legt Wert auf den Hinweis, dass es sich bei seiner Theorie um eine Vertragstheorie handele. Das Buch geht der Frage nach, inwiefern die Theorie der Gerechtigkeit vertragstheoretische Element enthält, und wie Rawls diese nutzt, um seine Theorie von der Gerechtigkeit als Fairneß zu untermauern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick über John Rawls Theorie der Gerechtigkeit
2.1. Rawls Kritik des Utilitarismus
2.2. Der 4-Stufen- Gang
2.3. Die Gerechtigkeit zwischen den Generationen
2.4. Der Ungehorsam
3. Die kontraktualistischen Elemente in John Rawls Theorie
3.1. Unterschiede zwischen dem Urzustand in der Theorie der Gerechtigkeit und dem Naturzustand im klassischen Kontraktualismus
4. Der Urzustand in John Rawls Theorie
4.1. Die Anwendungsverhältnisse der Gerechtigkeit
4.2. Der Schleier des Nichtwissens
4.3. Das wechselseitige Desinteresse
4.4. Entscheidungsfindung im Urzustand
4.5. Der Gerechtigkeitssinn der Menschen im Urzustand
5. Die Kritik an den vertragstheoretischen Elementen in Rawls Theorie
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kontraktualistischen Grundelemente in John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ und analysiert, wie diese zur Untermauerung seiner Gerechtigkeitskonzeption eingesetzt werden, insbesondere unter Berücksichtigung der Konstruktion des Urzustands im Vergleich zu klassischen Vertragstheorien.
- Analyse der kontraktualistischen Struktur bei John Rawls
- Vergleich zwischen dem modernen Urzustand und klassischen Naturzustandsmodellen
- Untersuchung des Konzepts der Grundgüter und des Schleiers des Nichtwissens
- Kritische Würdigung der vertragstheoretischen Argumentation in der Sekundärliteratur
Auszug aus dem Buch
4.2. Der Schleier des Nichtwissens
Das Ziel des Urzustandes in Rawls Theorie ist es, eine faire Übereinkunft zwischen den Vertragsparteien zu garantieren, da Rawls zufolge nur solche Grundsätze als gerecht anzusehen sind, auf die sich rationale Menschen in einer fairen Ausgangssituation einigen würden. Der Urzustand soll nun eine faire Einigung ermöglichen, in dem die Grundsätze hinter einem Schleier des Nichtwissens gewählt werden.
„Es wird also angenommen, daß den Parteien bestimmte Arten von Einzeltatsachen unbekannt sind. Vor allem kennt niemand seinen Platz in der Gesellschaft, [...]; ebensowenig seine natürlichen Gaben, seine Intelligenz, Körperkraft usw. Ferner kennt niemand seine Vorstellung vom Guten, die Einzelheiten seines vernünftigen Lebensplanes, ja nicht einmal die Besonderheiten seiner Psyche [...].“ Damit will Rawls sicherstellen, dass die Menschen bei der Wahl der Verfassungsprinzipien nicht so entscheiden, wie es für ihre persönlichen Situation am besten ist, sondern Verfassungsprinzipien wählen, die den allgemeinen Interessen dienen, die jeder hat. So kann niemand ein Verteilungsprinzip auswählen, das seinen eigenen Vorteil auf Kosten der anderen sichert. Jeder ist folglich gezwungen unparteilich zu argumentieren. Der Schleier der Unwissenheit beschreibt also ein Informationsdefizit, das dafür sorgt, dass die Verfassungswahl eine Entscheidung unter Unsicherheit ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz von John Rawls Theorie der Gerechtigkeit für die politische Philosophie dar und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die kontraktualistischen Elemente in seinem Werk zu untersuchen.
2. Überblick über John Rawls Theorie der Gerechtigkeit: Dieses Kapitel gibt einen allgemeinen Überblick über die drei Teile von Rawls Werk und erläutert zentrale Konzepte wie die Gerechtigkeitsgrundsätze, die Kritik am Utilitarismus und das Modell des Vier-Stufen-Ganges.
3. Die kontraktualistischen Elemente in John Rawls Theorie: Hier wird Rawls Theorie in die Tradition des Gesellschaftsvertrages eingeordnet und die historische Bedeutung des Kontraktualismus im Vergleich zur modernen Rechtfertigung politischer Macht diskutiert.
4. Der Urzustand in John Rawls Theorie: Das Kapitel detailliert das Herzstück von Rawls Theorie, insbesondere die Anwendungsbedingungen der Gerechtigkeit, das Informationsdefizit durch den Schleier des Nichtwissens und den Entscheidungsprozess unter Unsicherheit.
5. Die Kritik an den vertragstheoretischen Elementen in Rawls Theorie: In diesem Kapitel werden wesentliche Einwände aus der Sekundärliteratur zusammengefasst, darunter die Vernachlässigung demokratischer Elemente und die Problematik des Grundgüterkonzepts.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die Unterschiede zwischen Rawls Theorie und klassischen Entwürfen und bewertet den Beitrag des modernen Kontraktualismus zur Begründung einer gerechten Gesellschaftsordnung.
Schlüsselwörter
John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Kontraktualismus, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Gerechtigkeitsgrundsätze, Gesellschaftsvertrag, Utilitarismuskritik, Grundgüterkonzept, politische Philosophie, Fairness, Verteilungsgerechtigkeit, rationale Entscheidung, wohlgeordnete Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den kontraktualistischen Elementen in John Rawls Hauptwerk „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ und analysiert deren Funktion für seine Gerechtigkeitskonzeption.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen der Aufbau von Rawls' Theorie, der Vergleich mit klassischen Vertragstheorien, die Konstruktion des Urzustands sowie die Kritik an zentralen Konzepten wie dem Schleier des Nichtwissens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rawls vertragstheoretische Elemente einsetzt, um seine Gerechtigkeitsprinzipien zu untermauern und wie sich dieser Ansatz von klassischen Modellen wie denen von Hobbes, Locke oder Rousseau unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Text- und Theorieanalyse unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur, um die theoretische Konstruktion von Rawls zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Überblick über Rawls Theorie, eine kontraktualistische Einordnung, eine detaillierte Analyse des Urzustands und eine Diskussion der wichtigsten Kritikpunkte aus der Fachliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kontraktualismus, Urzustand, Gerechtigkeit als Fairness und den Schleier des Nichtwissens charakterisieren.
Inwiefern unterscheidet sich Rawls Urzustand vom klassischen Naturzustand?
Im Gegensatz zum anarchischen Naturzustand der Klassiker ist Rawls Urzustand eine komplexe, kooperative Ausgangssituation, die nicht den Überlebenskampf, sondern die Verteilungsgerechtigkeit fokussiert.
Warum spielt der Schleier des Nichtwissens eine so entscheidende Rolle?
Er fungiert als Informationsdefizit, das sicherstellt, dass die Entscheidung für Gerechtigkeitsprinzipien unparteilich erfolgt, da niemand seine eigene soziale Position oder natürliche Begabung kennt.
Welcher zentrale Kritikpunkt wird gegen Rawls Grundgüterkonzept angeführt?
Kritiker wie Otfried Höffe werfen Rawls vor, dass sein Modell zu individualistisch geprägt sei und nicht allen Lebensplänen (wie etwa einem Armutsgelübde) gleichermaßen gerecht werde.
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- Denise Engel (Author), 2005, Die kontraktualistischen Elemente in John Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairneß, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49612