Einleitung
Seit Mitte der neunziger Jahre befindet sich der europäische Markt für Private Equity in einem eindrucksvollen Wachstumsprozess. Der jährliche Kapitalfluss in europäische Private Equity-Fonds stieg von 4,4 Mrd. Euro im Jahr 1995 auf über 25 Mrd. Euro im Jahr 2001.
In Nordamerika erlebte der Markt für Private Equity in den 80er Jahren ein starkes Wachstum. Dort kann dieser Bereich der Unternehmensfinanzierung bereits auf eine lange Tradition zurückblicken, so wurden unter anderem Microsoft und Intel mit Private Equity finanziert. In Nordamerika befindet sich auch der grösste Markt für Private Equity. Mit einem Investment von 62,8 Mrd. USD im Jahre 2001 entfallen 62% des Private Equity Investments auf Nordamerika.
Mit diesem rasanten Wachstum bildet Private Equity den in den letzten Jahren am schnellsten wachsenden Bereich der Unternehmensfinanzierung. Durch die Tendenz zur Substitution von Bankkrediten durch Kapitalmarktkredite bei Neugründungen stellt Private Equity heute eine
wichtige Finanzierungsquellen für Jung- und Wachstumsunternehmen dar.
Doch die Unsicherheit auf den Finanzmärkten ging auch auf dem Markt für Private Equity nicht spurlos vorbei. Der Kapitalfluss auf dem europäischen Private Equity-Markt hat sich wieder deutlich vom Rekordjahr 2000, wo 48 Mrd. Euro zuflossen, entfernt.
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. PRIVATE EQUITY
2.1 Definition von Private Equity
2.2 Begriffsabgrenzung Private Equity – Venture Capital
2.3 Finanzierungsstufen
2.4 Risikoverlauf
3. PRIVATE EQUITY ALS KAPITALANLAGE
3.1 Entwicklung des Private Equity-Geschäftes
3.2 Private Equity-Gesellschaften
3.3 Investitionsinstrumente
3.4 Probleme im Private Equity-Geschäft
4. FINANZIERUNGSPROZESS
4.1 Überblick
4.2 Investoren
4.3 Beteiligungsauswahl
4.4 Finanzierungsformen
4.5 Investitionen in Private Equity
4.6 Betreuung und Wertsteigerung der Investition
4.7 Exit
5. PRIVATE EQUITY ALS ANLAGEKATEGORIE
5.1 Rendite von Private Equity-Anlagen
5.2 Der Diversifikationseffekt von Private Equity
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den europäischen Markt für Private Equity als Instrument der Kapitalanlage, um Möglichkeiten für Investments, deren Ablauf sowie die Auswirkungen auf bestehende traditionelle Portfolios zu analysieren und zu bewerten.
- Grundlagen und Definitionen von Private Equity und Venture Capital
- Struktur des Private Equity-Finanzierungsprozesses
- Analyse der Investitionsinstrumente und Beteiligungsauswahl
- Bedeutung von Private Equity als Diversifikationselement
- Herausforderungen durch Marktunvollkommenheiten und Informationsasymmetrien
Auszug aus dem Buch
3.4 Probleme im Private Equity-Geschäft
Bis jetzt wurde immer davon ausgegangen, dass es im Private Equity-Markt spezielle Finanzintermediäre, die Private Equity-Gesellschaften, braucht. Es stellt sich die Frage, wieso wird die Finanzierung nicht wie sonst üblich von Banken, Anlagefonds oder Investmenthäusern getätigt?
Dabei ist festzuhalten, dass im Vergleich zu den anderen traditionellen Märkten der Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung, sich das Private Equity-Geschäft durch Marktunvollkommenheiten auszeichnet. Diese Unvollkommenheiten zeigen sich unter anderem in Form von hohen Transaktionskosten und einem oft illiquiden Markt. Dazu fallen aufgrund der Intransparenz des Marktes hohe Kosten für eine Beteiligungsanalyse an, was zu starken Informationsineffizienzen führt. „Da die aus dem Such- und Analyseprozess resultierenden Informationen privaten Charakter haben, bestehen zudem ausgeprägte Informationsasymmetrien zwischen den Marktteilnehmern. Besonders gravierende Konsequenzen hat der unterschiedliche Informationsstand zwischen dem „schlecht informierten“ Kapitalgeber und dem „gut informierten“ Kapitalnehmer.“ (Kraft 48).
Aufgrund des unterschiedlichen Informationsstands entsteht ein „Hidden Information“ (Qualitätsunsicherheit) Phänomen, aus der Unsicherheit der erhaltenen Informationen resultiert ein adverses Selektionsproblem. Übertragen auf das Private Equity-Geschäft besteht das Problem darin, dass ein Unternehmer das Potential seines Unternehmens kennt, ein Investor jedoch nicht. Aus diesem Grund verlangt der Investor eine hohe Risikoprämie für das eingegangene Risiko, dabei wird von einer durchschnittlichen Unternehmensqualität ausgegangen. Für chancenreiche Unternehmen ist diese Prämie zu hoch, für risikoreiche Unternehmen eher zu tief und stellt somit einen Anreiz dar eine Finanzierung mittels Private Equity durchzuführen. Demzufolge verdrängen die risikoreichen Investitionsvorhaben die attraktiveren, was im Extremfall zu Marktversagen führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung des starken Wachstums des europäischen Private Equity-Marktes sowie der Relevanz des Themas als Finanzierungsquelle für Unternehmen.
2. PRIVATE EQUITY: Definition des Begriffs, Abgrenzung zum Venture Capital, Unterteilung in fünf Finanzierungsstufen und Analyse des Risikoverlaufs.
3. PRIVATE EQUITY ALS KAPITALANLAGE: Untersuchung der historischen Entwicklung, der Rolle der Private Equity-Gesellschaften, der Investitionsinstrumente und der Problematik von Marktunvollkommenheiten.
4. FINANZIERUNGSPROZESS: Detaillierte Betrachtung des chronologischen Ablaufs von der Kapitalakquise über die Auswahl, Finanzierung und Betreuung bis hin zum Exit.
5. PRIVATE EQUITY ALS ANLAGEKATEGORIE: Analyse der Renditemessung und des Nutzens von Private Equity zur Diversifikation im Rahmen einer Asset Allocation.
Schlüsselwörter
Private Equity, Venture Capital, Unternehmensfinanzierung, Finanzierungsstufen, Kapitalanlage, Portfolio, Diversifikation, Risikoverlauf, Finanzierungsprozess, Exit-Kanäle, Informationsasymmetrie, Principal-Agent-Theorie, Beteiligungsgesellschaften, Rendite, Investoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Private Equity als Instrument zur Unternehmensfinanzierung und als Anlagekategorie für Investoren, wobei der Fokus auf dem europäischen Markt liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Stufeneinteilung von Private Equity, den strukturierten Finanzierungsprozess, die Rolle der Intermediäre sowie die Analyse von Rendite und Diversifikationseffekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten von Private Equity-Investitionen darzulegen, deren Ablauf in der Praxis zu erläutern und den Nutzen für die Portfoliooptimierung zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender wissenschaftlicher Konzepte und empirischer Daten der Branche (z.B. EVCA).
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung von Private Equity, die detaillierte Darstellung des Investmentprozesses und eine Analyse der Rolle als Anlageklasse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Finanzierungsstufen, Beteiligungsgesellschaften, Exit-Varianten, Diversifikationseffekt und Informationsasymmetrie.
Welche Rolle spielt das "Underpricing" beim Börsengang?
Underpricing stellt einen Kostenfaktor beim Going Public dar, da ein bewusst zu niedriger Ausgabepreis gewählt wird, um eine erfolgreiche Platzierung der Aktien zu garantieren.
Warum ist das Diversifikationspotenzial für Investoren wichtig?
Da Private Equity eine geringere Korrelation zu traditionellen Anlagen wie Aktien oder Obligationen aufweist, hilft es dabei, das Risiko eines Portfolios zu senken und die Effizienz zu steigern.
- Arbeit zitieren
- Lukas Haas (Autor:in), 2003, Private Equity als Instrument der Kapitalanlage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49619