Manga Mania. Der Einfluss von Shojo Manga auf das Frauenbild von jungen Mädchen in Deutschland


Hausarbeit, 2019
18 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition „Interkulturelle Kommunikation“

3. Frauenbilder
3.1. Das Frauenbild innerhalb der japanischen Kultur
3.2. Das Frauenbild innerhalb der deutschen Kultur
3.3. Vergleich

4. Geschichte der Shojo Manga
4.1. Der Shojo Manga „T okyo Mew Mew“
4.2. Das vermittelte Frauenbild in „Tokyo Mew Mew“
4.3. Einfluss des vermittelten Frauenbildes auf junge Mädchen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Eine Kultur, die uns in vielerlei Hinsicht so fremd erscheint und dennoch bei näherer Betrachtung in einigen Punkten vertraut wirkt; das ist Japan. Das Land der aufgehenden Sonne hat es geschafft sich in ländlichen Gebieten alte Bräuche und kulturelle Einflüsse zu bewahren und gleichzeitig in den Großstädten und Ballungszentren einen sehr westlich geprägten Lebensstil zu verfolgen. Doch gerade diese Symbiose zwischen dem Alten und dem Neuen macht dieses Land so ungemein interessant.

Eine blühende Technik-Nation voller künstlerischer Einflüsse zeichnet das Leben in den Großstädten. Die Jugend Japans liebt und lebt einen westlichen Lebensstil mit Computern, Smartphones und mp3-Playern. Besonders beliebt bei Jugendlichen sind sogenannte Manga. Dabei handelt es sich um die japanische Variante von Comics. Wie auch in anderen Teilen der Welt gibt es Manga für alle Geschlechter und Altersstufen. Diese japanischen Comics sollen auch das Thema dieser Hausarbeit stellen. Ich habe in meiner Teenagerzeit selbst gerne Manga gelesen und auch heute noch, 8 Jahre später, einige Bücher davon in meinem Regal stehen. Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang das in Manga vermittelte Frauenbild. Da ich als Jugendliche insbesondere Mädchenmanga, sog. Shojo-Manga, gelesen habe, möchte ich meine Hausarbeit auf dieser speziellen Art Comics aufbauen. Für mich ergibt sich daher die Fragestellung, inwieweit wird durch den Einfluss des in Shojo Manga vermittelten Frauenbildes die Wahrnehmung des eigenen Geschlechts junger Mädchen in Deutschland beeinflusst?

Ich möchte im Verlauf dieser Arbeit sowohl versuchen den Begriff der interkulturellen Kommunikation zu erklären, als auch die Frauenbilder innerhalb der japanischen und der deutschen Kultur darzustellen und zu vergleichen. Im Anschluss daran soll die Geschichte der Shojo-Manga näher erläutert und das vermittelte Frauenbild des Shojo- Manga „Tokyo Mew Mew" analysiert werden. Daraus ergibt sich als letzter Punkt die Analyse möglicher Einflüsse des vermittelten Frauenbildes auf junge Mädchen.

Ich selbst möchte mit dieser Arbeit mögliche Einflüsse von Shojo-Manga auf mich als Jugendliche herausfinden, da ich den hier beispielhaft verwendeten Manga „Tokyo Mew Mew" in dieser Zeit mehrfach gelesen habe. Solche Einflüsse möchte ich im Fazit ebenfalls kurz reflektieren.

2. Definition „Interkulturelle Kommunikation“

Was ist Kultur? Diese Frage muss man sich stellten, bevor eine Definition von „Interkultureller Kommunikation“ möglich ist. Beschreibt man Kultur nach Heringer wird diese wie folgt erklärt: „Eine Kultur ist eine Lebensform. Kultur ist ein Objekt besonderer Art. Wie Sprache ist sie eine menschliche Institution, die auf gemeinsamem Wissen basiert. Kultur ist entstanden, sie ist geworden in gemeinsamem menschlichem Handeln. Nicht, dass sie gewollt wurde. Sie ist vielmehr ein Produkt der Unsichtbaren Hand. Sie ist ein Potenzial für gemeinsames sinnträchtiges Handeln. Aber das Potenzial zeigt sich nur in der Performanz, im Vollzug. Und es ist entstanden über Performanz.“ (Heringer 2014, S.110). Kultur wird hier als ungewolltes Konstrukt einer Gesellschaft beschrieben, welcher man sich nicht entziehen kann. Die in ihr lebenden Menschen müssen ihre Kultur anwenden, da diese nur dann ihr Potenzial zeigt. Diese Definition ist jedoch nur eine von vielen möglichen Varianten. Es gibt demnach keine einheitliche Definition des Begriffes der „Kultur“.

Auch der Begriff der interkulturellen Kommunikation ist nicht einheitlich definierbar. In einigen Forschungen wird zwischen „interkultureller Interaktion“ und „interkultureller Kommunikation“ unterschieden. Der wichtigste Unterschied beider Kommunikationen ist das Fremderleben der Interaktionspartner. Maletzke bezeichnet alle Formen von Beziehungen als interkulturell, „ [...] in denen die Beteiligten nicht ausschließlich auf ihre eigenen Kodes, Konventionen, Einstellungen und Verhaltensformen zurückgreifen, sondern in denen andere Kodes, Einstellungen und Verhaltensweisen erfahren werden. Dabei werden diese als fremd erlebt und definiert.“ (Maletzke 1996, S. 37). Demnach ist unter anderem das Ziel der interkulturellen Kommunikation die Werte des Gegenübers zu verstehen und in der Kommunikation miteinzubeziehen, um einen Dialog auf einer gleichgestellten Ebene schaffen zu können.

Des Weiteren wird in der wissenschaftlichen Diskussion von einem weiten und engen Begriff gesprochen. „Im engeren Sinne findet interkulturelle Kommunikation direkt zwischen Personen in einer Interaktion statt, in einem weiter gefassten Verständnis ist über den personalen Dialog hinaus die in den Medien thematisierte interkulturelle Kommunikation eingeschlossen.“ (Broszinsky-Schwabe 2011, S. 36).

Weitere Begriffsmerkmale werden von Hinnenkamp der interkulturellen Kommunikation zugeschrieben: Es gibt unterschiedliche, voneinander unterscheidbare Kulturen. Kultur und Kommunikation stehen in einem Zusammenhang. Kommunikationsteilnehmer sind immer auch Teilnehmer bzw. Teilhaber einer Kultur. Kulturelles spiegelt sich in der Kommunikation wider. Kulturteilhalbe heißt: In einer spezifischen Weise kommunizieren. Gemeinsame Kulturteilhabe erleichtert die Kommunikation, unterschiedliche erschwert sie (vgl. Hinnenkamp 1994, S. 6).

Demnach gilt eine Kommunikation als interkulturell, wenn mindestens zwei Mitglieder aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommunizieren und mögliche Schwierigkeiten in der Kommunikation auf die kulturelle Differenz zurückgeführt werden können. Neben der personalen Interaktion bezieht Hans-Jürgen Lüsebrink auch die „medialen Darstellungsformen interkultureller Kommunikation in Film, Fernsehen, Radio, Internet und andere Medien, die Formen der alltagsweltlichen interkultureller Kommunikation gleichermaßen darstellen, stilisieren und prägen, sowie die interkulturelle Ausbreitung von Kommunikationstechnologien und -medien" (Lüsebrink 2005, S. 8) mit ein.

3. Frauenbilder

Jede Kultur erschafft ihre eigenen Ideale und Grenzbereiche. Eine Anpassung an diese gesellschaftlich vorgeschriebenen Rollenbilder erfolgt in den meisten Fällen bereits mit der Sozialisation im Kinder- und Jugendalter. In dieser Phase werden junge Menschen stark durch ihre Umgebung geprägt und verinnerlichen die vorgelebten Geschlechterbilder und Umgangsformen, sowie deren Grenzen. Innerhalb jeder Kultur werden auf diese Art und Weise geschlechterspezifische Rollenbilder geschaffen. Kinder wachsen mit den jeweiligen Bildern auf und passen sich in den meisten Fällen in diese Vorgaben ein. In den nächsten zwei Unterkapiteln möchte ich die Frauenbilder der japanischen und der deutschen Kultur beschreiben und am Ende miteinander vergleichen.

3.1. Das Frauenbild innerhalb der japanischen Kultur

Während der langen Geschichte Japans wandelte sich auch das Bild der Frauen maßgeblich. Noch in der frühen Vorzeit war die Stellung der Frau als etwas göttliches angesehen worden. Archäologen fanden in Japan „kleine Lehmfiguren mit Brüsten und großen Bäuchen, die man als Symbole der Fruchtbarkeit wertet" (Braw/Gunnarsson 1982, S.11). Funde aus dieser Zeit lassen darauf schließen, dass Männer jagten und Fische fingen, während die Frauen Früchte, Pflanzen und Schalentiere sammelten. Bis in die Frühzeit Japans hinein lassen sich Frauen als mächtige Herrscherinnen finden. Es gibt umfangreiche Belege dafür, dass Frauen bereits im 3. Jahrhundert hohe Stellungen bekleideten. „Demnach hatte Japan zu dieser Zeit eine große weibliche Herrscherin. Sie hieß Himeko und herrschte über den größten der dreißig Stämme, die es in Japan gab" (Braw/Gunnarsson 1982, S.13). Eine solch starke Stellung der Frauen lässt sich darauf begründen, dass es in Japan bis ins 17. Jahrhundert hinein nicht üblich war als Familie zusammen zu leben. Die Frauen kümmerten sich um die Kinder und lebten von ihren Männern getrennt. (vgl. Braw/ Gunnarsson 1982, S.14). Mit der steigenden Verbundenheit zwischen Eheleuten wurden auch Regentinnen im Laufe der Geschichte immer weniger und auch innerhalb der Familie nahm die Stellung der Frau immer weiter ab.

Diese Abnahme ist anteilig wohl auch dem aufkommenden Buddhismus in Japan zu schulden. Der Buddhismus „kam im 6. Jahrhundert von China aus nach Japan" (Braw/Gunnarsson 1982, S.16). Mit seiner Ausbreitung verloren die Frauen ihre Stellung als Priesterinnen der alten Shinto Gottheiten. Damit entstand eine Abwärtsspirale, welche im 14. und 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand. In dieser Zeit war das Leben der Frauen bereits stark durch die Macht der Männer überschattet. Diese setzten immer mehr die Pflichten der alten konfuzianischen Regeln durch: „die Pflicht der Frau ist es, sich in der Kindheit ihrem Vater zu unterwerfen und ihm zu dienen, in der Ehe ihrem Mann und im Alter ihren Söhnen" (Braw/Gunnarsson 1982, S.16f.). Wer sich völlig unterwirft und die Regeln befolgt, galt als Inbegriff der Frau.

In der modernen Gesellschaft Japans findet sich ein Bild des Angleichens. Es wird alles getan, damit die gesamte Schülerschaft möglichst gleich aussieht. Durch diese Uniformität wird niemand besser oder schlechter gestellt. Man kann eine japanische Schuluniform daher durchaus als ein demokratisches Kleidungsstück bezeichnen, da die äußeren statusbezogenen Werte verhindert werden. Die Mädchen und Jungen können sich dadurch ganz auf das Lernen konzentrieren und müssen sich keinerlei Gedanken über ihr Aussehen machen. Leider kommt durch die strengen Vorgaben der Uniform oftmals die persönliche Freiheit zu kurz. Den Kindern und Jugendlichen bleibt nur an den Wochenenden Zeit sich einen eigenen Stil anzueignen. Um gegen diese stetige Angleichung zu rebellieren beginnen immer mehr Jugendliche die Normen zu brechen. Einige Beispiele für das sinkende Normbewusstsein wären, dass immer weniger Jugendliche Diebstahl als problematisch ansehen, immer mehr Jugendliche in Bahnen und auf Bahnsteigen auf dem Boden sitzen, an verbotenen Stellen ihre Fahrräder abstellen oder in der Bibliothek reden, ohne auf die anderen Nutzer zu achten (vgl. Yoshida 2005, S.6). Die Jugendlichen versuchen aus den vorgegebenen Rollenbildern auszubrechen.

Innerhalb der modernen Gesellschaft gilt eine strenge Anpassungspflicht. So sollen insbesondere Frauen soziale Verpflichtungen, ein hohes Maß an Wertschätzung und Einfühlungsvermögen, sowie Zuvorkommenheit repräsentieren. „Die Verpflichtung gegenüber dem eingenommenen gesellschaftlichen Ort ("occupying the proper place") und das Bewusstsein dieses Ortes ist für die individuelle

Verhaltensorientierung ebenso zentral (Schubert 2005, S.46). Hier wird bereits der soziale Aspekt hervorgestellt. Eine japanische Frau soll sozial geprägt und darüber hinaus als äußerst zuvorkommende Gastgeberin, Mutter und Ehefrau auftreten. Fleiß und Zuverlässigkeit gilt in Japan als Tugend. Daher ist es nicht außergewöhnlich, dass die Väter bzw. Männer bis spät in den Abend hinein arbeiten oder an manchen Tagen auch gar nicht nach Hause kommen. Oftmals sind die Kinder daher ihre freie Zeit über ausschließlich mit der Mutter zusammen. Strafen sind dabei selten, die elementaren Tugenden wie Selbstdisziplin, Ordnung, Sauberkeit werden subtil, und gelehrsam nebenbei vermittelt. Auch die Rollenkonformität wird bereits in der Familie durch die Interaktion mit älteren/jüngeren Geschwistern gefestigt.

Die Betreuung der Kinder wird auch in den Kindergärten durch Frauen geprägt. Hier findet sich somit das Bild der Frau als soziales Wesen, welches sich aufopferungsvoll dem Nachwuchs widmet. Doch japanische Kindergärtnerinnen versuchen nicht eine „Ersatzmutter“ zu verkörpern. Sie versuchen den Zöglingen Bildung, Sprache und Regeln beizubringen. Dabei wird alles vermieden, was die Kinder zu sehr an sie als Person binden könnte. Die Kinder sollen im Kindergarten die Regeln der Gesellschaft lernen und sich bereits dort in die vorgegebenen Geschlechterrollen einfinden. (vgl. Tobin u.a. 1989, S.61 ff.). Dies wird auch hier durch das Tragen von Uniformen unterstützt. Die Mädchen tragen ein Kleid oder eine Bluse mit Rock, während die Jungen eine Hose und ein Hemd zu Verfügung haben. Solch eine frühe Prägung bedingt eine Akzeptanz dieser Gesellschaftsnorm ohne eine Hinterfragung. Schulmädchen tragen Faltenröcke, weil sie zu ihrer Uniform gehört. Jungen ziehen sich jeden Tag ein Hemd an, weil sie es in der Schule tragen müssen. Der zu akzeptierende Regelkatalog verhindert jedoch eine Änderung des vorherrschenden Geschlechterbildes. Hinzu kommt die Prägung durch Serien und Filme, in denen Frauen meistens als zarte und schwache Wesen dargestellt werden. Der Mann ist dann oftmals der Retter in der Not, welcher heldenhaft die Mädchen/Frauen aus einer gefährlichen Situation befreit.

Das in der japanischen Gesellschaft akzeptierte Geschlechterbild der Frauen ist abschließend als überaus weiblich zu beschreiben. Die Mädchen werden von frühester Kindheit an in typische Mädchenkleidung, in Form von Uniformen, gezwungen ohne sich dagegen erwehren zu können. Ihnen wird vorgelebt, dass eine japanische Frau sozial und dem Mann unterwürfig zu sein hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Manga Mania. Der Einfluss von Shojo Manga auf das Frauenbild von jungen Mädchen in Deutschland
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V496208
ISBN (eBook)
9783346011329
Sprache
Deutsch
Schlagworte
manga, mania, einfluss, shojo, frauenbild, mädchen, deutschland
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Manga Mania. Der Einfluss von Shojo Manga auf das Frauenbild von jungen Mädchen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496208

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