Kinderarmut in Deutschland. Bietet der deutsche Sozialstaat genügend finanzielle Unterstützung?


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 1,7

Marie Neumann (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kinderarmut
2.1. Definitionen von Armut
2.2. Soziale Probleme betroffener Kinder

3. Der deutsche Sozialstaat
3.1 Definition „Sozialstaat“
3.2. Fürsorgeleistungen
3.2.1. Arbeitslosengeld II
3.3. Versorgungsleistungen
3.3.1. Kindergeld
3.4. Soziale Probleme für Betroffene Eltern

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bietet der deutsche Sozialstaat mit seinen Sozialleistungen, Arbeitslosengeld II und Kindergeld, alleinerziehenden genügend finanzielle Unterstützung um Kinderarmut zu verhindern? Diese Frage soll in dieser Hausarbeit untersucht, analysiert, diskutiert und in einem abschließendem Fazit beantwortet werden.

Alleinerziehende sind von der Problematik der Armut besonders schnell betroffen. Sie können sich nicht auf einen Partner verlassen, der mit einem zusätzlichen Einkommen die Situation der Familie positiv beeinflussen könnte.

Wenn von Armut betroffene Alleinerziehende durch die Einbußen von Sozialleistungen, wie beispielsweise die Sanktionierung des Arbeitslosengeldes II, noch weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben, sinkt die Lage auf einen so prekären Wert ab, dass oftmals nur noch Einrichtungen wie Essenstafeln die Akutheit durch die Vergabe von Lebensmitteln etwas abmildern können. „Schließlich spielt gerade bei den niedrigen Einkommen die Kompensation von Einkommensverlusten durch Sozialleistungen eine große Rolle“ (Beisenherz, H. Gerhard. 2002 S. 26).

Durch das Erhalten von Sozialleistungen wird das Einkommen der Betroffenen zwar oftmals soweit angehoben, dass die untere Grenze der Armutsschwelle übertreten wird, jedoch ist mit dem Leistungserhalt eine enorme Abhängigkeit von den entsprechenden Behörden und Ämtern verbunden. Oftmals verändern sich durch den Erhalt von Sozialleistungen die Umfeldbedingungen. Diese Veränderungen äußern sich beispielsweise in einem Wechsel des Wohnortes, da die bisherige Wohnung zu teuer ist und daher die Miete nicht übernommen werden würde. Durch einen Umzug sind jedoch gerade Kinder stark betroffen. Sie finden sich oftmals in einem schlechteren Umfeld wieder und haben kaum die Möglichkeit in ihr altes Umfeld zurück zu finden.

Die alleinerziehenden Eltern fühlen sich von den Ämtern und Behörden allein gelassen und versuchen teilweise ohne die Hilfe des Staates ihre Familie zu versorgen. Doch wie lange kann man ein Kind mit Hartz IV, wie das Arbeitslosengeld umgangssprachlich genannt wird, und dem Kindergeld wirklich versorgen? Ist es möglich damit Kinderarmut zu verhindern und den Kindern einen gewissen Standard zu ermöglichen?

2. Kinderarmut

In einem reichen Land wie Deutschland sollte kein Kind unter Armut leiden müssen. „Rund 21 Prozent aller Kinder leben über mindestens fünf Jahre dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage. Oftmals sind sie vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt“ (Bertelsmann-Stiftung. 2017). Kinder sind hier direkt betroffen, da sie sich stets mit anderen Kindern vergleichen und merken, wie sehr sie sich einschränken müssen. Durch das oftmals jahrelange Vorhandensein von Armut im Leben der betroffenen Kinder wird die Familien- und Lebensstruktur an die Armutssituation adaptiert. Bei diesem Vorgang ist es jedoch oftmals vom Bildungsniveau der Eltern abhängig, wie sehr diese Adaption stattfindet (vgl. Walper, Sabine. 1999 S.374).

Leider ist es in Deutschland eine Tatsache, dass insbesondere alleinerziehende Mütter und deren Kinder von Armut betroffen sind. Kinder leben in den meisten Fällen mit Erwachsenen zusammen. Dabei kümmern sich überwiegend die Frauen um die Versorgung der Kinder. Männer sind in dieser Konstellation eine Randgruppe.

Des Weiteren macht es einen großen Unterschied, ob Kinder durch lang anhaltende Arbeitslosigkeit einen sozialen Abstieg miterleben oder ob ihr bisheriges Leben in Armut oder nahe der Armutsgrenze verlaufen ist. Eltern gelingt es oftmals noch die Grundversorgung ihrer Kinder zu sichern. Sobald jedoch Sonderausgaben geleistet werden müssen, stoßen Alleinerziehende sehr schnell an ihre Grenzen. So geben Familien mit geringem Einkommen im Gegensatz zu besser gestellten Familien für die Versorgung eines Kindes unter 18 Jahren beispielsweise nur 57 DM anstatt 108 DM monatlich aus. Bei Ausgaben für Bildung und Unterhaltung wird dieser Unterschied besonders deutlich: 39 DM versus 147 DM. Dieser Wertunterschied zeigt deutlich, dass durch die finanzielle Lage eine Investition in alles, was nicht als lebensnotwendig angesehen wird, sehr gering ausfällt. (vgl. Beisenherz, H. Gerhard. 2002 S. 77).

2.1. Definitionen von Armut

„Der Begriff "Armut" ist eine gesellschaftliche Konstruktion; er ist mit Werte- und Normenvorstellungen verbunden und unterliegt im öffentlichen Diskurs einem Aushandlungsprozess, in dem unterschiedliche Gruppen und Interessen Bedeutung gewinnen. In hoch entwickelten Ländern wie Deutschland wird Armut […] mit dem Bezug von sozialstaatlichen Grundsicherungsleistungen identifiziert. Freilich wird bei beiden Vorgehensweisen Armut auf einen Einkommensmangel der Familie sowie die damit verbundenen Konsequenzen beschränkt. Die Forschung zur Kinderarmut […] zeigte jedoch, dass Armut wesentlich mehr bedeutet, als wenig Geld zu haben und die damit verbundenen Einschränkungen in der Lebensführung hinnehmen zu müssen.“ (Bundeszentrale für politische Bildung. Kinderarmut in Deutschland 2010).

Wenn es um die Behandlung der Thematik der Armut geht, wird oft von einer sich durch Armut gebildeten Unterschicht gesprochen. Die Teilhabe an dieser „Unterschicht“ soll die soziale Ausgrenzung begünstigen und einen Aufstieg erschweren. Dieser Begriff wird als diskriminierend dargestellt. Daher gibt es Plädierungen auf eine Vermeidung dieser Wortverwendung (vgl. Frankfurter Rundschau. 17.10.2006).

Die Armut der Kinder von Alleinerziehenden nimmt hier in Deutschland stetig zu. In diesem Zusammenhang sind besonders die jüngeren Kinder von Alleinerziehenden betroffen, da es ihrem erziehenden Elternteil oft nicht möglich ist eine Vollzeitstelle anzunehmen. Der deutsch Arbeitsmarkt hat die Eigenschaft „Arbeitslosigkeit bevorzugt nach dem Merkmal „Mutterschaft“ zu verteilen oder zumindest Niedriglöhne bevorzugt für Mütter vorzusehen“ (Klammer, Ute. 2000 S.482). Als Alleinerziehendes Elternteil ist es kaum möglich mit einem Durchschnittseinkommen die gesamten Kosten einer weiteren Person zu decken. Diese Kostendeckung ist gerade bei kleinen Kindern schwierig, da deren Unterhalt nicht nur kostenreich ist, sondern auch einen großen Umfang besitzt. Kleine Kinder brauchen neben Windeln, und spezieller Baby- bzw. Kleinkindernahrung mehrfach im Jahr komplett neue Kleidung. Bei älteren Kindern steigt zwar der Faktor an verbrauchter Nahrung, dafür fallen Kosten für Windeln oder eine besondere Ernährung weg.

2.2. Soziale Probleme betroffener Kinder

Kinder sind mit die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft und daher auch in einem besonderen Maße von sozialen Problemen betroffen, welche sich mit einem Leben in Armut ergeben. „Allgemein gilt, daß diverse Auffangstrategien entwickelt werden, um die Einkommenseinbußen oder -schwächen nicht erscheinen zu lassen“ (Hornstein, Walter. 1988 S.596). So wird beispielsweise versucht den Mangel von größeren Mengen an aktuellem Spielzeug oder neuer Kleidung durch billig eingekauftes zu kompensieren. Kinder aus ärmeren Haushalten müssen oftmals mit Spielzeug vom Flohmarkt vorlieb nehmen und Second-hand Kleidung tragen. „Bei Kleidung wird auf Gebrauchtkleidung ausgewichen, was z.T. Probleme für das Selbstbewusstsein aufwirft, wenn den Kindern der Second-hand-Charakter bewusst wird“ (Lehnig, Ulf. 1997). Gerade bei billig Eingekauftem ist die Qualität oft sehr minderwertig. Die gekauften Sachen gehen also auch überdurchschnittlich schnell kaputt. Dadurch ist das versorgende Elternteil schneller wieder gezwungen Geld für etwas auszugeben, wofür eigentlich noch gar kein Geld übrig ist.

Des Weiteren fehlt Kindern von armutsbetroffenen Alleinerziehenden nicht nur die Möglichkeit materiell mit ihren gleichaltrigen Freunden mitzuhalten, sondern in den meisten Fällen auch die Möglichkeit bei Schulausflügen oder am gemeinsamen Essen in der Schulmensa teilzunehmen. Hierbei ist die mangelnde Ernährung, insbesondere durch ein fehlendes Frühstück, klar hervor zu heben. Dadurch ist es den Kindern fast unmöglich sich im Unterricht richtig zu konzentrieren, was wiederum die Leistungen in der Schule beeinträchtigt.

Mit der Elternarmut steigt auch das Risiko eines Umzugs in eine günstigere Wohnung. Für Kinder und Jugendliche ist so ein Umzug jedoch immer ein drastischer Einschnitt in deren bisheriges Sozialleben. „Diese Wohnungswechsel können für die Kinder existenzielle Bedeutung haben, ja sich zur Bedrohung ihrer sozialen Kompetenz entwickeln“ (Beisenherz, H. Gerhard. 2002 S. 77f). Durch einen solchen Umzug ist der Verlust der alten Strukturen unvermeidbar. Dieser Verlust wird von Kindern nur sehr schwer verarbeitet und zeigt sich häufig an schlechter werdenden Schulnoten. Bleiben die Leistungen in der Schule dauerhaft schlecht, ist sogar die berufliche Zukunft dieser Kinder bedroht (vgl. Coleman, J.S. 1988). Häufig enden diese Umzüge in Stadtteilen, wo die Infrastruktur schlechter oder fast gar nicht vorhanden ist. So mangelt es dort häufig an den einfachsten Dingen, wie beispielsweise einem heilen Spielplatz, einem Schwimmbad, einem Sportverein oder einem betreuten Jugendtreff. Auch ist die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel oft mangelhaft oder für die Kinder schlicht zu unsicher. Kaum ein Elternteil würde verantworten, dass das Kind zum erreichen der nächsten Bushaltestelle eine Schnellstraße ohne Zebrastreifen und Ampel überqueren muss.

Ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum macht sich besonders in den Innenstädten bemerkbar. Dabei sind gerade Alleinerziehende auf solche Wohnungen angewiesen, da diese eine Teilzeitbeschäftigung erleichtern würden. Wenn solche Wohnungen fehlen, müssen die Alleinerziehenden Eltern einen längeren Weg zwischen dem zu Hause und der Arbeitsstelle hinnehmen. Dabei entstehen längere Trennungszeiten, die sich wiederum negativ auf die Kinder und ihre Beziehung zu dem Elternteil auswirken können. Dennoch ist es weitgehend unklar „wie sich armutsbedingte Belastungen der Kinder in anderen Kontexten wie z.B. der Schule oder unter Gleichaltrigen in der Nachbarschaft manifestieren und auf die Kinder auswirken“ (Walper, Sabine. 1999 S.347).

3. Der deutsche Sozialstaat

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde so verfasst, dass sich aus der Kombination verschiedener einzelner Artikel die Aufforderung zum staatlichen Handeln ablesen lässt. So lässt sich aus der Garantie der Menschenwürde (Art. 1 GG) und dem Diskriminierungsverbot (Art. 3 GG) die mögliche Aufgabe des Staates ableiten, durch eine aktive Rolle in der Steuerung wirtschaftlicher Abläufe den Menschen in Deutschland Chancengleichheit und ein Existenzminimum zuzusichern.

Zwar gibt der Staat offiziell an, die eben genannte Chancengleichheit und ein Existenzminimum zu sichern, jedoch fühlt sich keine politische Stelle direkt zuständig. In den meisten Diskussionen wird Kinderarmut dann „entweder im familienpolitischen oder im sozialpolitischen Diskurs verankert“ (Beisenherz, H. Gerhard. 2002 S. 99). Es gibt demnach keine konkrete Anlaufstelle für politische Fragen bezüglich des Sozialstaates. Doch eben diese eine Anlaufstelle wäre nötig, um eine Reduktion der Kinderarmut in Deutschland zu bewirken. Durch eine einzelne politische Anlaufstelle würde es daher auch vermieden werden die Zuständigkeit permanent einer anderen Behörde zuzuschreiben.

3.1. Definition „Sozialstaat“

Laut §20 des Grundgesetzes ist die Bundesrepublik Deutschland ein sozialer und demokratischer Bundesstaat indem alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich damit verpflichtet für ihre Bürger zu sorgen und aus den Einnahmen des Staates Leistungen wie Kindergeld, Wohngeld, Arbeitslosengeld I + II oder Erziehungsgeld zu bezahlen. Der Gedanke des Sozialstaates stützt sich hauptsächlich auf dem Wunsch nach Gleichberechtigung. So soll der Schulbesuch durch staatliche Schulen kostenlos sein und durch niedrige Studiengebühren jedem der Zugang zu einer universitären Ausbildung ermöglicht werden. Von Studierenden bezahlte Gebühren decken dabei die Kosten einer umfangreichen Ausbildung jedoch nur anteilig. Für die restliche Deckung der Kosten kommt der Staat selbst auf.

Unterteilt wird der deutsche Sozialstaat in drei verschiedene Bereiche: die Fürsorgeleistungen, die Versorgungsleistungen und die Versicherungsleistungen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Der deutsche Sozialstaat 2013).

3.2. Fürsorgeleistungen

Die Fürsorgeleitungen sind Teil des dreigliedrigen Systems des deutschen Sozialstaates. Unter den Bereich der Fürsorgeleistungen fallen Leistungszahlungen wie beispielsweise das Wohngeld oder auch Arbeitslosengeld I + II. Diese Leistungen können mit der Erbringung entsprechender Nachweise von bedürftigen Bürgern in Anspruch genommen werden. Bei der Zahlung dieser Leistungen steht die Fürsorge des Staates gegenüber seinen Bürgern im Vordergrund.

Dabei beruhen insbesondere die Zahlungen von Wohngeld und Arbeitslosengeld auf dem Prinzip der Fürsorge, da durch diese Zahlungen die Wohnungslosigkeit einkommensschwacher Mieter verhindert werden soll (vgl. Duden Wirtschaft von A bis Z 2016).

3.2.1. Arbeitslosengeld II

Seit dem 01.01.2005 ist das Arbeitslosengeld II als Grundsicherung für erwerbsfähige Bedürftige in Kraft getreten. Dieses wird umgangssprachlich auch Hartz IV genannt. Es löste die bis dahin geltende Arbeitslosenhilfe ab. Ziel des Arbeitslosengeldes II ist es, gezielt Arbeitslose zu motivieren, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Neben der Zahlung für Miete und Heizung wird für jeden Bezieher von Arbeitslosengeld II eine Grundsicherung entsprechend des einzelnen Regelbedarfs gezahlt. Dieser Regelbedarf setzt sich je nach Familienstand und Wohnsituation unterschiedlich zusammen. Seit dem Beginn des Jahres 2018 beträgt der Regelsatz wie folgt zusammen:

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Details

Titel
Kinderarmut in Deutschland. Bietet der deutsche Sozialstaat genügend finanzielle Unterstützung?
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V496211
ISBN (eBook)
9783346027108
ISBN (Buch)
9783346027115
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armu, Kinderarmut, Deutschland, Sozialstaat, Hartz
Arbeit zitieren
Marie Neumann (Autor), 2017, Kinderarmut in Deutschland. Bietet der deutsche Sozialstaat genügend finanzielle Unterstützung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496211

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