Nikolaus Lenau im Vormärz und seine Rezeption in den Revolutionen von 1848/49

Zwischen Systemkritik, sozialer Frage und den liberalen sowie nationalen Bewegungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
47 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Der Einfluss Nikolaus Lenaus und die Dimensionen seines Werkes

2. Die Ideen des Vormärz: Die Konsequenzen der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege für Europa

3) Lenau und die Vormärz-Zensur: Die junge Generation begehrt auf

4.) Die nationalen Erhebungen und liberalen Bewegungen der 1830er Jahre im Spiegel von Lenaus Lyrik und dessen Integration in den Kreis der schwäbischen Dichter
4.1 Aus der Sicht der Peripherie: Lenaus revoltierende Helden
4.2 Die wilden 1830er: Die Integration in den Dichterkreis Schwabens und die Polengedichte
4.3 Lenaus Gespür für den liberalen Zeitgeist der 1830er und 1840er Jahre

5.) Die sozioökonomischen Strukturbedingungen des Vormärz: Die soziale Frage, die Industrialisierung und die gesellschaftlichen Außenseiter in Lenaus Werk

6) Die Rezeption Lenaus in der zweiten Hälfte der 1840er Jahre und die mitteleuro-päischen Revolutionen
6.1 Die erste Phase der Revolutionen: Lenau als Vorkämpfer der Pressefreiheit
6.2 Herbstkrise und Sieg der gegenrevolutionären Kräfte
6.3 Die Rezeption des Albigenser -Werkes und der Kampf um Lenaus Erbe nach dessen Tod

7) Zusammenfassung der Ergebnisse

8.) Quellen- und Literaturverzeichnis
8.1 Quellenverzeichnis

1) Der Einfluss Nikolaus Lenaus und die Dimensionen seines Werkes

Als im März des Revolutionsjahres 1848 die Wiener Revolution ausbrach und Staatsminister von Metternich gestürzt wurde, befand sich der seit 1844 unter schweren psychischen Störungen leidende und aufgrund der Zensur unter dem Pseudonym Nikolaus Lenau schreibende Nikolaus Niembsch (1802-1850) nur einige Kilometer vor der Donaumetropole in Oberdöbling in einer Pflegeanstalt.[1] Diese in Folge einer Syphilis-Infektion und eines 1844 erlittenen Schlaganfalls verursachten Leiden des im Banat geborenen Dichters verhinderten es, dass sich Lenau zu diesen unerhörten revolutionären Vorgängen im Schicksalsjahr des „ europäischen Völkerfrühling[s] “,[2] der sich durch divergente Revolutionen mit jeweils unterschiedlicher Motivation in Europa auszeichnete, direkt äußeren konnte.[3] Dennoch wurde in den revolutionären Vorgängen immer wieder auf Lenaus Gedanken und Werke sowie auf sein Schicksal Bezug genommen, obwohl dem einflussreichen Dichter nach Elisabeth Halasi-Kuhn in vielen Darstellungen das ausschließliche Stereotyp des Weltschmerzes anhängt.[4] Aber Lenaus Gedanken wirkten auch durch seine Bezieh-ungen zu einflussreichen Literaten fort, die in der Frankfurter Nationalversammlung als Abgeord-nete vertreten sein sollten. Die durch das Bürgertum gelenkten europäischen Revolutionen der Jahre 1848/49 stellten jedoch kein singuläres Ereignis dar, sondern kündigten sich bereits seit den 1820er Jahren in liberal- und national-motivierten Bewegungen an, nachdem auf dem Wiener Kongress ein restaurativer und antirevolutionärer Weg eingeschlagen wurde. Diesem repressiven Kurs konnte auf Dauer kein Erfolg beschieden sein, wie auch Lenau in einem 1838 verfassten Gedicht deutlich machte.[5] Niembsch war aus der Sicht Michael Ritters ein besonders einfluss-reicher und produktiver Autor. In nur drei Dekaden veröffentlichte er neunzehn selbstständige Publikationen – davon vierzehn beim Stuttgarter Cotta-Verlag. Zu Lebzeiten publizierte Lenau ca. 17.500 Buchexemplare. Allein seine Gedichte erreichten zusammen zwölf Auflagen. Der Dichter war einer der erfolgreichsten und bestbezahltesten Autoren seiner Zeit.[6] Im Zentrum die-ser wissenschaftlichen Arbeit steht die Frage, inwiefern der im Banat und damit im Königreich Ungarn geborene Nikolaus Lenau durch seine Schriften auf die Reformbewegungen des Vormärz einwirken konnte und wie durch die Rezeption des Dichters in den Revolutionsjahren 1848/49 die Erinnerung an seine Gedanken und sein Wirken wachgehalten wurden.

Auf welche Gesellschaftsschichten konnte der dem Niederadel angehörende Niembsch, Edler von Strehlenau,[7] durch seine Werke Einfluss ausüben? Zum Publikum Lenaus gehörten nach Wolfgang Martens das gutsituierte sowie das gebildete Bürgertum und Teile des Adels. Martens spricht an das Cottasche Morgenblatt für gebildete Stände anknüpfend von an Literatur, Philosophie und Kunst interessierten Kreisen,[8] die sich bereits nach dem im 18. Jahrhundert for-mulierten Diktum Klopstocks als eine geistig-verbundene „ deutsche Gelehrtenrepublik[9] ver-stand und sich ideell über den gemeinsamen Sprach- und Kulturraum in einer territorial zer-splitterten Welt deutschsprachiger Staaten definierte.[10] Vor allem Intellektuelle und das Bildungs-bürgertum sollten maßgeblich zum Aufstieg des Nationalismus im 19. Jahrhundert beitragen.[11] Nipperdey konstatiert für die Zeit zwischen 1800 und 1870 eine „Leserevolution“,[12] was dieser an der deutlichen Ausweitung der Leserkreise festmacht und damit den gesteigerten Wert der Druckerzeugnisse unterstreicht.[13] Auch die nationale Zuordnung des Dichters in Zeiten des entstehenden modernen Nationalismus gestaltetet sich interessant. Bereits Lenaus Freund und Nachlassherausgeber – der unter dem Pseudonym Anastasius Grün schreibende Anton Alexander Graf Auersperg – schrieb ein Jahr nach dem Tode Lenaus (1850) in seiner Lebensbeschreibung über den Dichter, dass dieser der Herkunft und dem Namen nach slawisch, durch Geburt und Er-ziehung ungarisch und durch Bildung und Herzenswahl deutsch gewesen sei.[14] Neben dem Tübin-ger Ludwig Uhland wurden in dem 1847 erschienenen Handbuch für Zeitungsleser unter dem Sammelbegriff der politischen Poesie u.a. Moritz Hartmann, Grün und Lenau aufgeführt. Lenau wird hierbei als Kosmopolit charakterisiert, der auf dem Standpunkt der allgemeinen Freiheit ste-he.[15] Nach den Berechnungen Michael Ritters hat Lenau in seinem Leben eine geographische Distanz von ca. 54.000 km zurückgelegt, was den Aktionismus und das Leben des Dichters zwi-schen den unterschiedlichen Kulturräumen verdeutlicht.[16] Deshalb würde es zu kurz greifen, auf die Rezeption Lenaus in nur einer Region einzugehen. Da Niembsch ab den 1830er Jahren insbe-sondere in Baden, Württemberg und Wien verkehrte, wird im Verlauf dieser Arbeit verstärkt auf diese Territorien eingegangen. Zur historischen Kontextualisierung wird im zweiten Kapitel zu-nächst auf die mit der Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen verbundenen liberalen und nationalen Ideen von 1789 eingegangen, die Lenaus Jugend prägten. Im dritten Ka-pitel werden die Karlsbader Beschlüsse und Lenaus Umgang mit der Zensur thematisiert. Im vier-ten Kapitel werden der Durchbruch Lenaus in Schwaben sowie die vom Dichter bearbeiteten his-torischen Kulturräume und Sujets auf Basis der werkimmanenten peripheren Perspektive disku-tiert. Außerdem wird auf den Zeitgeist eingegangen, der sich im Oeuvre Lenaus widerspiegelt. Das fünfte Kapitel setzt sich mit der Industrialisierung, der sozialen Frage und deren sozio-ökono-mischen Implikationen auseinander, die Lenau in seinen Werken produktiv verarbeitete. Im vor-letzten Kapitel wird der Fokus sowohl auf Lenaus Rezeption während den Revolutionen von 1848/49 als auch nach seinem Tod gelegt. Im letzten Kapitel folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

2. Die Ideen des Vormärz: Die Konsequenzen der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege für Europa

Um die liberalen und nationalen Ideen des Vormärz (1815-1848), die sich gleichfalls in Lenaus Werken widerspiegeln, zu kontextualisieren, ist es an dieser Stelle zunächst nötig, die Fragestel-lung zu thematisieren, inwiefern diese geistigen Strömungen durch die Vorgänge der Französi-schen Revolution und den Kriegen Napoleons beeinflusst wurden.

Der korsische General und selbsternannte Kaiser Frankreichs – Napoleon Bonaparte – überzog Europa mit Kriegen und führte in den eroberten Gebieten moderne Reformen durch, die sich von der französischen Revolutionszeit ableiteten und eine folgenreiche Zäsur darstellten.[17] Bereits 1803 wurde das Heilige Römische Reich, das 1806 endgültig aufgelöst werden sollte, im Zuge der Mediatisierungs- und Säkularisierungsbestrebungen neu geordnet. Insbesondere die ab 1796 auf Seiten Napoleons kämpfenden Territorien im Südwesten profitierten davon in Form von territorialen Gewinnen und Standeserhöhungen, aber auch durch Reformen. Württemberg und Ba-den stiegen zu bedeutenden Mittelstaaten auf. Darüber hinaus folgten im Zuge der Reformen u.a. die Zentralisierung und damit Effektivierung der Verwaltung, Anstöße zur Gewerbefreiheit und zur Bauernbefreiung, Bodenreformen sowie eine Justizreform durch die Einführung des modifi-zierten CodeNapoléon im Zivilrecht. Ferner wurde die Errichtung einer konstitutionellen Herr-schaftsform eingeleitet, die im Großherzogtum Baden 1818 und im Königreich Württemberg 1819 zur Einführung von Verfassungen unter Garantie der Grundrechte führten und den Weg zur konstitutionellen Monarchie ebneten. Die badische Verfassung galt als die liberalste ihrer Zeit. Im vergleichsweise liberalen Württemberg sollte Lenau der literarische Aufstieg gelingen.[18]

Insbesondere die erste Phase der Französischen Revolution (1789-1792) besaß einen Signalcharakter für die bürgerlich-nationalen und -liberalen Bewegungen der Vormärzzeit. Dazu gehörten die mit der formalen Abschaffung des Feudalismus verbundene Bauernbefreiung durch die vom Bürgertum getragene französische Nationalversammlung, die Verabschiedung der durch den Liberalismus und die Aufklärung geprägten Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789) und die Verfassungen von 1791 und 1792.[19] In dieser Erklärung wurden die unveräußer-lichen Grundrechte des Menschen festgeschrieben, die zum klassischen Bestand einer liberalen Verfassung avancierten.[20] Außerdem wurden die Volkssouveränität und die Gewaltenteilung in dieser Erklärung, die auch als Präambel der Verfassung von 1791 diente, propagiert. Die Verfas-sung sah eine konstitutionelle Monarchie und ein allgemeines, gleiches, an einem Steuerzensus orientiertes, Männerwahlrecht vor, um das wohlhabende Bürgertum politisch einzubinden. Ferner wurden zwischen 1789 und 1791 weitere einschneidende Reformen durchgeführt, bis 1792 die Republik ausgerufen wurde.[21] Nach der Radikalisierung der Revolutionsbewegung und der Exe-kution des französischen Königs 1793 versank das Land 1793/94 im Grande Terreur. Zu Tausen-den wurden angebliche Revolutionsfeinde durch die Jakobiner hingerichtet. Durch einen 1799 er-folgten Staatsstreich gelangte der militärisch erfolgreiche General Napoleon, der sich zu Unrecht als Vollender der Revolution ausgab, an die Macht. Den Preis für die Eroberungskriege des selbst-ernannten Kaisers mussten hunderttausende junge Männer in Europa mit ihrem Leben bezahlen. Der verheerende Russlandfeldzug (1812) und die Niederlagen bei Leipzig (1813) und Waterloo (1815) sollten schließlich zum Untergang Napoleons führen.[22]

Im Kern der durch die französische Fremdherrschaft und die Befreiungskriege geprägten Nationalbewegungen des Vormärz standen einerseits die bürgerlichen Forderungen nach einem unabhängigen, souveränen und einheitlichen Nationalstaat.[23] Langewiesche verortet den Beginn der Moderne und des modernen Nationalismus in den Entwicklungen der Französischen Revolu-tion.[24] Die Ideen von 1789, die durch ihre antiaristokratische Stoßrichtung und emotionale Revo-lutionsrhetorik besonders auf weite Teile des (Bildungs-)Bürgertums und Intellektuelle Europas eine große Anziehungskraft ausübten,[25] sollten ab den 1820er Jahren in Europa und in Südamerika ihre Sprengkraft entfalten.[26] Auch Lenau rezipierte diese Ideen einer egalitäreren Gesellschaft in seinen Werken.[27] Der Nationen-Leitbegriff wurde auf europäischer Ebene zu einem inkludie-renden Gesellschaftskonzept, das das ständische ablöste und an dem Liberale, Demokraten, In-tellektuelle, bürgerliche Kreise, reformbereite Teile des Adels, unterbürgerliche Schichten und sogar Teile des Klerus mitwirkten.[28] Die Zugehörigkeitskriterien konnten variieren. Vereinfacht ausgedrückt konzentrierten sich diese auf eine gemeinsame Sprache, Kultur, Geschichte, Tradi-tion und ein bestimmtes Territorium – konnten sich aber auch auf angeblich angeborene Eigen-schaften erstrecken.[29] Benedict Anderson charakterisiert den modernen Nationalismus als eine kulturell-konstruierte Ordnung auf Basis einer vorgestellten politischen Gemeinschaft. Wesentli-che Strukturelemente habe der Nationalismus von den zuvor herrschenden Systemen der religiö-sen Gemeinschaften und der Dynastien-Herrschaft übernommen.[30] Gerade die Inklusion und Um-deutung vorhandener Strukturelemente und die Erfindung nationaler Traditionen (E. Hobsbawm) konstruierten ein Gemeinschaftsbewusstsein, das bewusst die modernen Wurzeln verdeckte und eine geschichtliche Kontinuität konstruierte.[31] Notwendige Bedingungen für diese neue Ordnung waren die Etablierung einer Hochsprache, eine steigende Alphabetisierung, eine die überlokale Kommunikation erleichternde Verkehrsrevolution und eine öffentliche mediale Repräsentations- und Austauschplattform in Form des publizistischen Marktes.[32]

Andererseits pochte das heterogene bürgerlich-liberale Lager auf die persönliche und wirtschaftliche Entfaltung sowie die politische Partizipation an einem konstitutionell-monarchi-schen System, in dem die individuellen Grundrechte von einer Verfassung geschützt werden sollten. Neben der Forderung nach einem gesamtdeutschen Nationalstaat durchzog der Konstitu-tionalismus-Diskurs – besonders in den verfassungslosen Staaten Preußen und Österreich – die Vormärzzeit. Der Widerspruch zwischen dem ökonomischen Erfolg des Bürgertums bei ein-geschränkter politischer Partizipation und der machtpolitischen Beharrung von Krone und Adel bildete einen Hauptkritikpunkt. Die egalitären Demokraten forderten dagegen die Abschaffung der Monarchie und die Einführung einer Republik. Außerdem sollten die Volkssouveränität und die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert werden. Insbesondere der Freiheitsbegriff, der ebenso im Lenauschen Werken ein Charakteristikum bildete, wurde mit Erfolg propagiert.[33]

Zunächst wurden die Hoffnungen auf liberale Reformen jedoch durch den restaurativen Kurs des Wiener Kongress (1814/15) enttäuscht. Auch die in den Befreiungskriegen gegen die französischen Invasionsarmeen entfachten nationalen Erwartungen wurden nicht befriedigt. An die Stelle des Alten Reiches trat kein einheitlicher deutscher Nationalstaat, sondern der von Preu-ßen und Österreich dominierte, föderative Deutsche Bund, dessen Bundesversammlung unter dem Vorsitz des absolutistischen Österreichs in Frankfurt tagen sollte. Bereits die Karlsbader Be-schlüsse (1819) erzeugten in den Staaten des Bundes – insbesondere an den Universitäten – ein repressives Geistesklima, das Lenau vor allem im Rahmen seines Studiums in Wien prägen sollte.[34] Dennoch sollten diese Forderungen nach nationaler Souveränität und Unabhängigkeit weitergären und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts prägen.

3) Lenau und die Vormärz-Zensur: Die junge Generation begehrt auf

Nikolaus Niembsch musste sich gezwungenermaßen zeitlebens mit der Zensur auseinandersetzen, da seine freiheitlichen Gedanken eine Gefahr für das Metternichsche System und den Bestand des Kaiserreichs Österreich darstellten. In diesem Kapitel werden die Auswirkungen der Karlsbader Beschlüsse und Lenaus Umgang mit der Zensur untersucht.

Bereits als Student an der Universität Wien, an der Niembsch zahlreiche Studienfächer belegte, nahm der spätere Dichter das repressive Geistesklima wahr: Seine an der Aufklärung und am Frühliberalismus orientierten Professoren in Religionswissenschaft (Vincenz Weintridt) und Philosophie (Leopold Rembold), die durch kritische Äußerungen, ihre Nähe zu den verbotenen Burschenschaften und Abweichungen von den Lehrvorgaben auffielen, wurden 1820 bzw. 1824 aus dem Lehrbetrieb entfernt, was auf Niembsch einen prägenden Eindruck hinterließ. Auch in den 1820ern sollte sich Niembsch deshalb ein Pseudonym zulegen.[35] Dieses unterdrückende Klima an den Universitäten innerhalb des Deutschen Bundes war auf die Karlsbader Beschlüsse zurückzuführen, die 1819 unter maßgeblicher Regie Metternichs auf Bundesebene erlassen wurden und jeder Staat umzusetzen hatte. Hierzu zählten die Verschärfung der Zensur, das bun-desweite Verbot der national-radikalen Burschenschaften und der Turnerbewegung des späteren Paulskirchen-Abgeordneten Friedrich Ludwig Jahn sowie die politische Überwachung des gesam-ten Vereinslebens, der Lehre an den Universitäten und politisch-missliebiger Studenten.[36] Die Revolutionsgefahr wurde damit eindeutig in der jungen Generation verortet, die ihrerseits durch Nationalfeste (z. B. das Wartburgfest 1817) ihren Protest gegen die Unterdrückung liberaler und vor allem nationaler Bestrebungen ausdrückte. Die repressiven Beschlüsse wurden mit dem Attentat am konservativen Generalkonsul Russlands – August von Kotzebue – begründet.[37] Insbe-sondere die aufsteigenden Zeitungen, die die bürgerliche Meinungsbildung beeinflussten, wurden als Quelle möglicher Kritik eingestuft. Vor der Veröffentlichung mussten Druckerzeugnisse unter 20 Bogen den Zensurbehörden vorgelegt werden.[38]

Durch die Publikation der eigenen Werke im Königreich Württemberg umging Lenau die weitaus striktere österreichische Zensur, was ihn im Sommer 1836 in das Zentrum der Aufmerk-samkeit der kaiserlich-königlichen Zensur- und Polizeibehörden geraten ließ. Niembsch wurde von der Wiener Oberpolizeidirektion unter dem Verdacht, dass es sich bei dem unter dem Pseudo-nym Nikolaus Lenau schreibenden Autor um ihn handelte, zum Verhör vorgeladen.[39] Im Vorfeld kam es zu zahlreichen Observationen des Verdächtigen in Wiener Lokalen und Wirtshäusern.[40] Niembsch gab ohne Umschweife das Schreiben unter jenem Pseudonym zu. Der als ein „ […] etwas liberal denkende[r] Mann[41] charakterisierte Verdächtige habe sich überdies bezüglich der Äußerung seiner politischen Grundsätze sehr zurückgehalten.[42] Als Begründung dafür, dass Niembsch seine literarischen Werke bei Cotta in Stuttgart drucken ließ und damit die k. k.-Zensur umging, führte der Dichter an, dass die große räumliche Entfernung zwischen Württemberg und Österreich zu erheblichen Verzögerungen bezüglich der Veröffentlichung geführt hätten.[43] Der Dichter sollte bereits bei einem erneuten Verhör ein Jahr darauf – dieses Mal vor dem Wiener Magistrat – seine Verteidigung zu seinen Gunsten revidieren: Da Niembsch in Ungarn geboren wurde und er bislang nicht nationalisiert worden sei – wozu ein ununterbrochener zehnjähriger Aufenthalt in Österreich nötig gewesen wäre – habe der Dichter als Ausländer nicht gegen die österreichischen Zensurgesetze verstoßen, da er diesen nicht unterliege. Abschließend äußerte der Dichter, dass er eine Geldstrafe nicht aufbringen könne und es daher vorzog, mit Arrest bestraft zu werden.[44] Zwar wurde Niembsch auch in den folgenden Jahren immer wieder zu Verhören vor-geladen, in denen er durch Dokumente die Richtigkeit seiner Aussagen beweisen musste, doch was nun folgte, war ein jahrelanges Kompetenzen-Gerangel der verschiedenen Behörden, die sich nicht einig werden konnten, ob der Autor aufgrund seines Ausländerstatus überhaupt gegen irgendwelche Zensurgesetze – seien es österreichische oder ungarische – verstoßen hatte und vor welcher Behörde Niembsch zur Verantwortung gezogen werden musste.[45] Niembschs Werke hatten ohnehin ohne größere Beanstandungen der württembergischen Zensur standgehalten.[46] Pa-radoxerweise besitzt Lenau heutzutage den Ruf des bedeutendsten österreichischen Vormärz-Dichters, obwohl ihm gerade in der Donaumonarchie seitens der Zensur das Leben so schwer gemacht wurde und er durch das juristische Schlupfloch des nichtnationalisierten Ausländers der Haft entging.[47] In einem Brief ließ Lenau die sarkastische Äußerung fallen: „ Ein Hund in Schwa-ben hat mehr Achtung für mich, als ein Polizeipräsident in Österreich.[48] Zwar hatte der Dichter den entscheidenden Ausweg aus seiner prekären Situation gefunden, dennoch unterlag sein Schaffen einer strengen Observation durch die staatlichen Behörden. Beispielsweise durften seine in Stuttgart erschienenen „ Neuere[n] Gedichte[49] in Österreich nicht publiziert werden.[50] Im Jahr 1843 wurde das Zensurverfahren gegen Niembsch endgültig fallen gelassen.[51] Dennoch sollten die Offenlegung seiner Autorenidentität, das siebenjährige Zensurverfahren und die damit verbundenen Belastungen ihre Spuren bei Niembsch hinterlassen:

Widerliche Vorfälle in meinen Privatverhältnissen […] haben dahin zusammengewirkt, mich in einen Zustand dumpfen Verdrusses zu setzen. […] man hat mich auf Veranlassung unsers Polizeiministers […] über meine lite-rarische Pseudonymität inquiriert. […] Mir war es unmöglich, im entscheidenden Momente mich vom Lenau loszureißen. […] Ich bin es und habe das zu Protokoll unterschrieben […]. [52]

Ein Jahr nach der Einstellung des Zensurverfahrens sollte Lenau in Stuttgart einen Schlaganfall erleiden, der ihn fortan im Zuge einer psychischen Erkrankung ans Bett fesseln sollte.[53]

4.) Die nationalen Erhebungen und liberalen Bewegungen der 1830er Jahre im Spiegel von Lenaus Lyrik und dessen Integration in den Kreis der schwäbischen Dichter

In diesem Kapitel wird zunächst die periphere Perspektive untersucht, die Lenaus Gesamtwerk kennzeichnete. Außerdem wird der Fokus auf die von Niembsch bearbeiteten historischen Sujets gelegt und danach gefragt, aus welchem Grund gerade diese Themen und historischen Räume in den 1830er Jahren von Lenau bearbeitet wurden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die Polenlieder Lenaus einzuordnen sind, die er im Zuge seines ersten Aufenthaltes im Südwesten verfasste. Außerdem werden Niembschs Integration in den Schwäbischen Dichterkreis und dessen Kontakte zu polnischen Emigranten thematisiert. Des Weiteren wird erörtert, inwiefern Lenau durch den Zeitgeist der 1830er Jahre beeinflusst wurde.

4.1 Aus der Sicht der Peripherie: Lenaus revoltierende Helden

Niembsch thematisierte in seinen Werken meist die sich gegen die etablierten Herrschaftssysteme auflehnenden religiösen, sozialen und nationalen Außenseiter und Minderheiten.[54] Durch die Perspektive der an der Peripherie Angesiedelten stellte der Dichter bewusst die bestehende Ord-nung infrage und spiegelte auf diese Weise die vormärzliche Sensibilisierung für nationale Eman-zipationsbewegungen wider. Gordon Craig spricht von einer „ Poesie des Protests “.[55] Von den Jungdeutschen jedoch sollte sich Lenau zeitlebens distanzieren.[56] Diesen Nationalbewegungen hatten die gekrönten Häupter Europas auf dem Wiener Kongress eine antirevolutionäre Restaura-tions-Agenda entgegengesetzt. Die Prinzipien der Restauration und der monarchischen Legitimi-tät wurden auf dem Kongress jedoch nur rudimentär durchgesetzt. Auch das Alte Reich wurde nicht wiederhergestellt. Andererseits wurde die antirevolutionär-ausgerichtete Heilige Allianz ins Leben gerufen, die insbesondere durch die absolutistischen bzw. verfassungslosen Staaten Preu-ßen, Österreich und Russland getragen wurde und im Falle national-revolutionärer Erhebungen in anderen Staaten intervenieren sollte.[57] Russland sollte u.a. sowohl in Polen (1830/31), in Moldau und der Walachei (1848) eingreifen als auch in Ungarn die Ordnung für Österreich wiederherstel-len (1849). Preußen sollte 1849, verstärkt durch Bundestruppen, u.a. in Sachsen, der Pfalz und in Baden intervenieren und damit die Deutsche Revolution zugunsten der Monarchen beenden.[58]

[...]


[1] Vgl. Hartmut Steine>

[2] Antal Mádl: „Meister Niklas [] dein Lied [] als Wahrheit leuchtend steht es da.“ Lenau als Vorbild der Achtund-vierziger Österreichs. In: Lenau-Jahrbuch, Bd.25, 1999, S.17-33; hier: S.17 (im Folgenden zitiert als „Mádl, Meister Niklas“).

[3] Vgl. Dieter Langewiesche: Wege zur Revolution. In: Aufruhr und Entsagung. Vormärz 1815-1848 in Baden und Württemberg. Hrsg. von Otto Borst. Stuttgart: Theiss (Stuttgarter Symposion, Bd.2), 1992, S.428-443; hier: S.428f (im Folgenden zitiert als „Langewiesche, Wege“); vgl. Steinecke, 1848, S.16; vgl. Michael Ritter: Zeit des Herbstes. Nikolaus Lenau. Biografie. Wien und Frankfurt a.M.: Deuticke, 2002, S.178 (im Folgenden zitiert als „Ritter, Le-nau“); vgl. Florian Gassner: Nikolaus Lenau. Hannover: Wehrhahn (Meteore, Bd.9), 2012, S.110-115 (im Folgen-den zitiert als „Gassner, Nikolaus“).

[4] Vgl. Elisabeth Halasi-Kuhn: Lenau, der Dichter der Donauländer. In: Lenau-Forum, Bd.19, 1993, S.73-165; hier: S.92 (im Folgenden zitiert als „Halasi-Kuhn, Donauländer“).

[5] Vgl. Nikolaus Lenau: An die Verstockten. In: Neuere Gedichte und lyrische Nachlässe. Hrsg. von Antal Mádl. Wien: Deuticke und Klett-Cotta (Nikolaus Lenau. Werke und Briefe. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Bd.2), 1995, S.122f; hier: S.123, Z.39-44 (dieser Band wird im Folgenden zitiert als „Lenau, Neuere Gedichte (Bd.2)“): „ […] Wenn es blitzt im Herzensgrund, / Wenn die Sklaven, kettenwund, / Doch den Gott in sich entdecken. // Hört, es kann die Stunde kommen, / Wo das Lamm ein Löwe heißt, / Wo es brüllend euch zerreißt; […].

[6] 1844 schloss Lenau einen einmaligen Generalvertrag mit dem traditionsreichen Cotta-Verlag ab, für den bereits Goethe und Schiller geschrieben hatten, vgl. Ritter, Lenau, S.10; vgl. Lieselotte Lohrer: Cotta. Geschichte eines Verlags. 1659-1959. Stuttgart: Cotta, 1959, S.110-115 (im Folgenden zitiert als „Lohrer, Cotta“).

[7] Erst Lenaus Großvater gelangte über eine herausragende Militärkarriere zu dem im Jahr 1820 verliehenen erb-lichen Adelstitel, vgl. Ritter, Lenau, S.14.

[8] Bezüglich des Einflusses Lenaus auf sozial einfachere Schichten könne dagegen nur spekuliert werden, vgl. Wolf-gang Martens: Über Lenaus Publikum. In: Lenau-Almanach 1979. Festschrift Nikolaus Britz. Hrsg. von Karl Gladt und der Internationalen Lenau-Gesellschaft. Wien: Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, 1979, S.185-207; hier: S.191ff.

[9] Vgl. Friedrich Gottlob Klopstock: Die deutsche Gelehrtenrepublik. Ihre Einrichtung. Ihre Gesetze. Geschichte des letzten Landtags. Auf Befehl der Aldermänner durch Salogast und Wlemar. Hamburg: Bode, 1774.

[10] Neben Aristokraten zählten zum Publikum künstlerischer Produktionen bildungsbürgerliche Funktionseliten, die aus Beamten, Professoren, Geistlichen, Ärzten, Lehrern, Apothekern, Anwälten, Notaren sowie der schreibenden Zunft (Journalisten, Dichter, Publizisten und Schriftsteller) bestanden. Zum weiteren Publikum gehörten einige Un-ternehmer, Handwerker sowie wohlhabende Bauern, vgl. Hans-Werner Hahn / Helmut Berding: Abschnitt II. Re-formen, Restauration und Transformation. In: Reformen, Restauration und Revolution 1806-1848/ 49. Hrsg. von Jürgen Kocka. Stuttgart: Klett-Cotta (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd.14), 102010, S.35-413; hier: S.113-116 (im Folgenden zitiert als „Hahn / Berding, Reformen“; dieser Band wird im Folgenden zitiert als „Gebhardt (Bd.14)“); vgl. Andreas Fahrmeir: Europa zwischen Restauration, Reform und Revolution 1815-1850. München: Oldenbourg (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd.41), 2012, S.53 (im Folgenden zitiert als „Fahrmeir, Reform“).

[11] Vgl. Christian Jansen / Henning Borggräfe: Nation – Nationalität – Nationalismus. Frankfurt a.M. / New York: Campus (Historische Einführungen, Bd.1), 2007, S.22f (im Folgenden zitiert als „Jansen / Borggräfe, Nation“).

[12] Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat. München: C.H. Beck (Deutsche Geschichte 1800-1918, Bd.1), 1983, S.587 (im Folgenden zitiert als „Nipperdey, Bürgerwelt“).

[13] Nach Nipperdey habe sich das Verhältnis von Nichtlesern zu Lesern in der Bevölkerung von 3 : 1 (ca. 1800) bis zum Jahr 1870 umgekehrt, vgl. ebd., S.587f.

[14] Vgl. Anastasius Grün: Nikolaus Lenau. Lebensgeschichtliche Umrisse. In: Nikolaus Lenau’s Sämtliche Werke. Hrsg. von Dems. Stuttgart und Augsburg: Cotta’scher Verlag (Bd.1), 1855, S.XIII-XCVI; hier: S.XCII; aus Gründen der effektiven Nutzung des Platzes werden in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Folgenden bei zeitgenössischen Schriften und Zeitungsartikeln die Internet-Links zu den entsprechenden Titeln ausschließlich im Quellenverzeich-nis aufgeführt.

[15] Vgl. Art. „Poesie, politische“. In: Handbuch für Zeitungsleser. Hrsg. von Ferdinand Daniel Fenner von Fenneberg u.a. Ulm: Müller, 1847, S.375ff.

[16] Vgl. Ritter, Lenau, S.11.

[17] Vgl. Elisabeth Fehrenbach: Vom Ancien Régime zum Wiener Kongress. München: Oldenbourg (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd.12), 52008, S.19ff und S.33. (im Folgenden zitiert als „Fehrenbach, Ancien Régime“); vgl. Nipperdey, Bürgerwelt, S.11.

[18] Bei den Wahlen der Zweiten Kammern der Landtage waren 1819 ca. 17 % der badischen und ca. 15 % der württembergischen Bevölkerung wahlberechtigt, vgl. Hans-Peter Ullmann: II. Baden 1800 bis 1830. In: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. Im Auftrag der geschichtlichen Landesunde in Baden-Württem-berg. Hrsg. von Hansmartin Schwarzmaier u.a. Stuttgart: Klett-Cotta (Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Bd.3), 1992, S.25-77; hier: S.59-63 und S.73ff; vgl. Rainer Schimpf: Vormärz 1815-1848. In: Ausstel-lungskatalog Landesgeschichten. Der deutsche Südwesten von 1790 bis heute. Das Buch zur Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg (HdGBW). Hrsg. vom HdGBW. Red. durch Joachim Baur u.a. Stuttgart: HdGBW, 2002, S.60-79; hier: S.61-65 (dieses Buch wird im Folgenden zitiert als „Katalog des HdGBW“); vgl. Chris-tina Klausmann: Territoriale Revolution 1790-1815. In: Katalog des HdGBW, S.46-57; hier: S.46-49; vgl. Ritter, Le-nau, S.88f.

[19] Vgl. Andreas Fahrmeir: Europa zwischen Restauration, Reform und Revolution 1815-1850. München: Oldenbourg (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd.41), 2012, S.2-7 (im Folgenden zitiert als „Fahrmeir, Reform“); vgl. Fehrenbach, Ancien Régime, S.24-28.

[20] Zu diesen Grundrechten zählten u.a.: Die Freiheit des Individuums, die Gleichheit vor dem Gesetz, Steuergleich-heit, der Zugang zu allen Ämtern, die Garantie des Privateigentums sowie die Meinungs-, Presse- und Glaubens-freiheit, vgl. Fehrenbach, Ancien Régime, S.28f.

[21] Diese Neuerungen umfassten Justiz- und Verwaltungsreformen, die Durchsetzung des Laizismus durch die Säkularisation der Kirchengüter, die Abschaffung von Zünften und Korporationen, was zu Berufs- und Gewerbe-freiheit führen sollte, vgl. ebd., S.28-33.

[22] Napoleon erreichte durch Konzessionen an den Klerus, den Adel und das Besitzbürgertum eine Stabilisierung der Gesellschaft. Dennoch wurde die Rearistokratisierung forciert und eine Militärdiktatur etabliert. Die durch die Einführung der Wehpflicht erleichterten Kriege stellten ein Ventil für die innenpolitischen Spannungen dar, vgl. Fehrenbach, Ancien Régime, S.33-42; vgl. Hahn / Berding, Reformen, S.96-103.

[23] Vgl. Dieter Langewiesche: Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849. München: Oldenbourg (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd.13), 42004, S.3ff (im Folgenden zitiert als „Langewiesche, Revolution“).

[24] Vgl. ebd., S.37; vgl. Ders.: Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa. München: Beck (Beck’sche Reihe Bd.1399), 2000, S.50f; vgl. Rolf-Ulrich Kunze: Nation und Nationalismus. Darmstadt: WBG (Kontroversen um die Geschichte), 2005, S.65.

[25] Freiheitlich-aufgeladene Leitbegriffe wie das vom Jakobiner-Anführer Maximilien Robespierre verbreitete Revo-lutionsmotto „ LIBERTÉ, EGALITÈ, FRATERNITÈ “ (Maximilien Robespierre: Discours sur l’organisation des Gardes nationales. Paris: Buisson, 1790, S.71) wurden in Europa virulent, vgl. Nipperdey, Bürgerwelt, S.286ff; vgl. Fehren-bach, Ancien Régime, S.61ff.

[26] Zu nationalen Aufstandsbewegungen in den 1820er Jahren kam es in Europa u.a. in Griechenland, Spanien, Por-tugal, Russland und einigen italienischen Staaten, vgl. Fahrmeir, Reform, S.38-42.

[27] Vgl. beispielsweise Nikolaus Lenau: Des Teufels Lied vom Aristokraten. In: Lenau, Neuere Gedichte (Bd.2), S.398.

[28] Vgl. Langewiesche, Revolution, S.37f.

[29] Diese verallgemeinernde Darstellung berücksichtigt jedoch nicht die multilingualen Ausnahme-Nationen der Schweiz, Belgiens etc., vgl. Jansen / Borggräfe, Nation, S.12f und S.26f.

[30] Ferner sei die Nation auf ein bestimmtes Territorium fixiert, die nationale Souveränität diene als Legitimations-basis und die egalitäre Vorstellung einer vermeintlichen Gemeinschaft von Gleichen sei vorherrschend, vgl. Bene-dict Anderson: Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines erfolgreichen Konzepts. Aus dem Englischen von Bene-dikt Burkhard. Frankfurt a.M. / New York: Campus Verlag (Bd.1018), 1988 (Original: Imagined Communities. Reflections on the Origin and Spread of Nationalism. London: Verso Editions and NLB, 1983), S.14-20.

[31] Vgl. Jansen / Borggräfe, Nation, S.25; vgl. Eric Hobsbawm: Inventing Traditions. In: The Invention of Tradition. Hrsg. von Dems. und Terence Ranger. Cambridge: Cambridge University Press, 1983 (ND 1994), S.1-14, hier S.1f

[32] Dennoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass sich der moderne Nationalismus als Massenbewegung erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts etablierte, vgl. Jansen / Borggräfe, Nation, S.23ff.

[33] Vgl. Klaus von Beyme: Liberalismus. Theorien des Liberalismus und Radikalismus im Zeitalter der Ideologien 1789-1945. Wiesbaden: Springer VS, 2013, S.57.; vgl. Alexa Geisthövel: Restauration und Vormärz 1815-1847. Paderborn u.a.: Schöningh (UTB Seminarbuch Geschichte, Bd.2894), 2008, S.40f (im Folgenden zitiert als „Geisthövel, Vormärz“); vgl. Hans-Werner Hahn: Abschnitt III. Vormärz und Revolution: Politik und Gesellschaft 1830-1848/49. In: Gebhardt (Bd.14), S.417-655; hier: S.468-471 (im Folgenden zitiert als „Hahn, Politik“).

[34] Vgl. Fehrenbach, Ancien Régime, S.130-134; vgl. Fahrmeir, Reform, S.34f..

[35] Vgl. Roman Roček: Dämonie des Biedermeier. Nikolaus Lenaus Lebenstragödie. Wien u.a.: Böhlau (Literatur und Leben, NF, Bd.65), 2005, S.61-67; vgl. Gordon A. Craig: Die Politik der Unpolitischen. Deutsche Schriftsteller und die Macht, 1770-1871. Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber. München: C.H. Beck, 1993, S.150 (im Folgenden zitiert als „Craig, Macht“); vgl. Thomas Maisel: Vormärz, Revolution 1848 und Verlust der Alten Universität. In: Stätten des Wissens: Die Universität Wien entlang ihrer Bauten, 1365-2015. Hrsg. von Julia Rüdiger und Dieter Schweizer. Wien u.a.: Böhlau, 2015, S.123-136; hier: S.124.

[36] Der Prototyp nationalistischer Organisation stellte bis 1914 der Verein dar, vgl. Jansen / Borggräfe, Nation, S.43f; vgl. Fahrmeir, Reform, S.37.

[37] Vgl. Hahn / Berding, Reformen, S.124f und S.148f.

[38] 20 Bogen entsprachen einem Umfang von ca. 320 Seiten im Oktavformat, vgl. Hanns-Peter Reisner: Literatur unter der Zensur. Die politische Lyrik des Vormärz. Stuttgart: Ernst Klett (Literaturwissenschaft – Gesellschafts-wissenschaft, Bd.14; zugleich Diss. Universität Tübingen, 1975), 1975, S.28-31.

[39] Vgl. Ritter, Lenau, S.171f.

[40] Vgl. Der Polizei-Hofstelle vorgelegte vertrauliche Notizen, Nr.122, 24.05.1836. In: Nikolaus Lenau. Briefe / Dritter Teil. Hrsg. von Eduard Castle. Leipzig: Insel (Nikolaus Lenau. Sämtliche Werke und Briefe in 6 Bänden, Bd.5), 1913, S.325f (dieser Band wird im Folgenden zitiert als „Lenau, Briefe (Bd.5)“).

[41] Bericht der Polizeioberdirektion Wien über die Vernehmung Niembschs, 18.06.1836, Nr.128. In: Lenau, Briefe (Bd.5), S.329f; hier: S.330.

[42] Vgl. ebd., S.330.

[43] Vgl. Protokoll der Polizeioberdirektion Wien über die Vernehmung Niembschs, 17.06.1836, Nr.127. In: Lenau, Briefe (Bd.5), S.328f.

[44] Vgl. Protokoll der Aussage Niembschs vor dem Wiener Magistrat, 27.04.1837, Nr.139. In: Lenau, Briefe (Bd.5), S.335ff.

[45] Vgl. Nr.142, Nr.149, Nr.156, Nr.168, Nr.170, Nr.184f. In: Ebd., S.338, S.341-344, S.346-350, S.356-370, S.374ff.

[46] Vgl. Protokoll der Aussage Niembschs vor dem Wiener Magistrat, 27.04.1837, Nr.139. In: Ebd, S.335ff.

[47] Vgl. Antal Wéber: Lenau und das zeitgenössische Ungarn. In: Vergleichende Literaturforschung. Internationale Lenau-Gesellschaft 1964 bis 1984. Hrsg. von Antal Mádl und Anton Schwob. Wien: Österreichischer Bundesverlag, 1984, S.144-148; hier: S.147.

[48] Brief Nikolaus Lenaus an Emilie und Georg von Reinbeck, Nr.295, 11.09.1838. In: Briefe 1838-1847. Teil 1: Text. Hrsg. von Norbert Oellers u.a. Wien: ÖBV und Klett-Cotta (Nikolaus Lenau. Werke und Briefe. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Bd.6/1), 1990, S.55f; hier: S.55.

[49] Vgl. Nikolaus Lenau: Neuere Gedichte. Stuttgart: Hallberger’sche Verlagshandlung, 1838.

[50] Vgl. Urgens der Polizei-Hofstelle an die Vereinigte Hofkanzlei, Nr.173, 04.03.1839. In: Lenau, Briefe (Bd.5), S.370f.

[51] Vgl. Vortrag im politisch-ökonomischen Senat des Wiener Magistrates, 29.10.1843, Nr.186. In: Ebd., S.376ff.

[52] Brief Nikolaus Lenaus an Emilie von Reinbeck, 14.07.1836, Nr.242. In: Lenau, Briefe (Bd.5/1), S.455f; hier: S.456.

[53] Vgl. Gassner, Nikolaus, S.110-115.

[54] Beispielsweise die „Ketzer“, die Juden, die Sinti und Roma, die Hussiten und die Polen, vgl. Jean-Pierre Hammer: Nikolaus Lenau: Dichter und Rebell. Mit dem Essay ‚Lenau, Beethoven und Joseph II‘. Mit einem Vorwort von Will-helm Brauneder. Schwaz: Berenkamp, 1993, S.49ff (im Folgenden zitiert als „Hammer, Rebell“).

[55] Craig, Macht, S.168.

[56] Vgl. ebd., S.164f.

[57] Vgl. Fahrmeir, Reform, S.32-36; vgl. Fehrenbach, Ancien Régime, S.129-135.

[58] Vgl. Frank Engehausen: Die Revolution von 1848/49. Paderborn u.a.: Schöningh (UTB Seminarbuch Geschichte, Bd.2893), 2007, S.232-248 und S.258 (im Folgenden zitiert als „Engehausen, 1848/49“); vgl. Langewiesche, Revolu-tion, S.20.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Nikolaus Lenau im Vormärz und seine Rezeption in den Revolutionen von 1848/49
Untertitel
Zwischen Systemkritik, sozialer Frage und den liberalen sowie nationalen Bewegungen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (FB Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
HS: Das Land an der Peripherie: Zwischen osmanischen Einflüssen, religiöser Vielfalt und Vampirglauben. Kulturgeschichte Siebenbürgens vom 16. bis 19. Jahrhundert (Multikulturelle Länder in Ostmitteleuropa)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
47
Katalognummer
V496242
ISBN (eBook)
9783346010438
ISBN (Buch)
9783346010445
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nikolaus Lenau, Vormärz, Schwäbischer Dichterkreis, Stuttgart, Revolution 1848/49, 1848/49, Liberalismus, Konstitutionalismus, Schwaben, Nikolaus Niembsch, Wien, Zensur, Systemkritik, Polenlieder, Nationalbewegung, Ziska, Hussiten, Soziale Frage, Freiheit, Pressefreiheit, Parlamentarismus, Paulskirche, Die Albigenser, Österreich, Gedichte, Savonarola, In der Schenke, zeitgenössische Zeitungen
Arbeit zitieren
Nils Marvin Schulz (Autor), 2018, Nikolaus Lenau im Vormärz und seine Rezeption in den Revolutionen von 1848/49, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496242

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