Nach den Erschütterungen des von Papst Johannes XIII. einberufenen II. Vatikanischen Konzils kam es in allen Bereichen des kirchlichen Lebens zu grundlegenden Änderungen. Nicht nur dass Strukturen verändert, die Gottesdienstform, ja, die Sprache während der Liturgie etc. geändert wurden, sondern ist es das Wissen darum, dass es ein Zurück zu vor 1963 nicht mehr geben kann, was entscheidend ist und den Umbruch beschleunigte und chronifizierte. Die Arbeit bietet einen Überblick über einen neuen Ansatz, dem zeugenden Pastoral und zeigt, dass dies bereits im Urchristentum zu verorten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pastorale Paradigmen
2.1 Was ist ein Paradigma?
2.2 Die fünf Pastoralen „Paradigmen“
2.2.1 Die Pastoral der „Weitergabe“ oder „Rahmung“
2.2.2 Eine Pastoral der ansprechenden Präsenz
2.2.3 Eine Pastoral des Vorschlagens
2.2.4 Ein Pastoral der Initiation
2.2.5 Das Zeugende Pastoral
2.3 Das Urchristentum und die Möglichkeit des zeugenden Pastorales
2.3.1 Jesus wollte eine Kirche gründen
2.3.2 Fundamentlegung
2.3.3 Ämterentstehung
2.3.4 Die Rolle des Paulus
3. Schlussbetrachtungen
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern sich die kirchliche Pastoral angesichts einer zunehmend säkularisierten und pluralistischen Gesellschaft verändern muss, wobei das Konzept des „zeugenden Pastorales“ als Antwort auf die Krise der traditionellen Versorgungskirche analysiert wird.
- Analyse des Paradigmenbegriffs nach Thomas S. Kuhn im pastoralen Kontext.
- Darstellung der historischen Entwicklung pastoraler Paradigmen (von der „Weitergabe“ bis zum „zeugenden Pastoral“).
- Untersuchung der strukturellen Gegebenheiten des Urchristentums als Vorbild für moderne Gemeindebildung.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Zukunft der Pfarrei unter Berücksichtigung diözesaner Leitlinien.
Auszug aus dem Buch
Die Pastoral der „Weitergabe“ oder „Rahmung“:
Wer zu Beginn vielleicht gar nicht weiß, was gemeint ist mit Begriffen wie „Weitergabe“ und „Rahmung“ wird darüber doch recht schnell aufgeklärt. Es wird nämlich recht undifferenziert eine historische Dimension aufgemacht, indem gesagt wird, „jahrhundertelang“ habe dieses „Pastoral das Leben der Pfarreien bestimmt“. Hier wird also in Anschluss an M. Weber, aber eben viel undifferenzierter, das Bild einer Einheitskirche gezeichnet, die in einer Art Monopolstellung für die komplette Weitergabe der Glaubensvorstellungen, der Rituale etc. verantwortlich gewesen sei. Insofern habe diese Einheitskirche für die „Rahmung“ des kompletten christlichen Lebens von der Wiege bis zur Barre oder von der Taufe bis zur letzten Ölung Sorge getragen. Das Leben des Einzelnen sowie der Gemeinde, in der er sich verortet wusste, war fest in christlichen Banden. Diese Zeit wird etwas glorifizierend beschrieben als eine „problemloser Glaubenskommunikation“, und zwar sogar zwischen den Generationen. Anschaulich heißt es: „Man wurde Christ wie durch Osmose“, indem man sich die Denk- und Glaubensmuster der älteren Generation wie selbstverständlich aneignete. In einer Art christlichen Generationenvertrag übergab die ältere Generation die Glaubensinhalte an die jüngere und Kinder wurden mit der Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Umbruch der Kirche seit dem II. Vatikanischen Konzil und skizziert die Krise der traditionellen „Versorgungskirche“ angesichts einer säkularisierten Moderne.
2. Pastorale Paradigmen: Dieses Kapitel erläutert den wissenschaftstheoretischen Paradigmenbegriff nach Kuhn und klassifiziert fünf pastorale Modelle, um die historische Entwicklung kirchlicher Seelsorge nachzuvollziehen.
3. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die traditionelle Zentralpfarrei an ihr Ende kommt und durch selbsttragende, erfahrungsorientierte Gemeindestrukturen im Sinne des „zeugenden Pastorales“ ersetzt werden muss.
4. Literatur: Verzeichnis der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Internetseiten.
Schlüsselwörter
Pastorale Paradigmen, zeugendes Pastoral, Versorgungskirche, II. Vatikanisches Konzil, Säkularisierung, Urchristentum, Pfarrei, Gemeindebildung, Thomas S. Kuhn, Parusieverzögerung, Evangelisierung, Strukturwandel, Glaubenserfahrung, christliche Identität, Diözesane Leitlinien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der pastoralen Arbeit in der katholischen Kirche und untersucht neue Konzepte für das Gemeindeleben im Kontext einer säkularen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Strukturwandel der Pfarrei, die Anwendung wissenschaftstheoretischer Paradigmen auf die Theologie sowie die Rückbesinnung auf urchristliche Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Pfarreien durch ein „zeugendes Pastoral“ selbsttragende Strukturen entwickeln können, um trotz Mitgliederschwunds und Säkularisierung lebendig zu bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den Paradigmenbegriff von Thomas S. Kuhn als Analyseinstrument, um historische und aktuelle pastorale Konzepte sowie die Bedingungen des Urchristentums zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der fünf pastoralen Paradigmen und eine exegetisch-historische Analyse des Urchristentums, um Handlungsmuster für die heutige Pfarrei abzuleiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Pastorale Paradigmen, zeugendes Pastoral, Säkularisierung, Pfarrei und Urchristentum.
Warum ist das „zeugende Pastoral“ für moderne Gemeinden wichtig?
Es setzt nicht auf feste, vorgegebene Rituale, sondern auf die aktive Teilhabe und die gegenseitige Initiation der Gläubigen in einem lebendigen Glaubensprozess.
Welche Rolle spielt die „Parusieverzögerung“ für das Verständnis der urchristlichen Gemeinde?
Die Parusieverzögerung zwang die frühen Christen dazu, ihr Leben und ihre Organisationsstrukturen unabhängig von der erwarteten baldigen Wiederkunft Christi langfristig neu zu gestalten.
- Arbeit zitieren
- Dr. Detlef Thiel (Autor:in), 2019, Pastorale Paradigmen. Wie Gemeinde heute gelebt werden kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496529