Stottern. Ursachen, Symptome und mögliche Therapieformen


Hausarbeit, 2019
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
3 Ursachen des Stotterns
3.1 Vererbung
3.2 Psychische Ursachen

4 Symptome
4.1 Kernsymptome
4.2 Begleitsymptome
4.3 Coping Strategien

5 Stotterndes Kind in der KiTa
5.1 Verhaltender Erziehenden
5.2 Elternarbeit

6 Mögliche Therapieformen und Diagnostik
6.1 Diagnostik
6.2 Fluency shaping
6.3 Stottermodifikation
6.4 KIDS

7 Fazit

1 Einleitung

Stottern ist eine Störung der Kommunikation und des Redeflusses und tritt meistens im Alter zwischen drei und sechs Jahren das erste Mal auf. Das Elternhaus aber auch die Kindertagesstätten tragen eine große Verantwortung für die sprachliche Entwicklung des stotternden Kindes. Heutzutage gibt es auch schon für Kinder ab zwei Jahren die Möglichkeiten einer Therapie. Dementsprechend sollten sprachliche Auffälligkeiten so früh wie möglich erfasst werden, damit diese noch vor Schuleintritt behandelt werden können.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Leitfrage: „Was ist Stottern und welche möglichen Therapieformen gibt es für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren?". Um diese zu beantworten, wird zunächst die Redeflussstörung Stottern definiert. Im nächsten Kapitel geht es um die Ursachen des Stotterns. Hier wird in Vererbung und in psychische Ursachen unterschieden. Das vierte Kapitel befasst sich mit den Symptomen, welche sich in Kern- und Begleitsymptome aufteilen. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema „Stotterndes Kind in der Kita". Hier werden verschiedene Ideen aufgezeigt, wie die Erziehenden sich Verhalten sollten, wenn sie ein stotterndes Kind in ihrer Gruppe haben. Zudem werden Anregungen geschaffen, wie man dieses Thema in der Gruppe aufgreifen kann, um dem stotternden Kind den Alltag in der Kita zu erleichtern. Des Weiteren wird auch die Elternarbeit aufgegriffen, wo es wichtig ist, einen guten Austausch zwischen den Eltern und den Erziehenden zu schaffen. Außerdem wird hier die Notwendigkeit der elterlichen Kooperation während der Therapie des Kindes thematisiert und welche Probleme dabei entstehen könnten. Im letzten Kapitel werden verschiedene Therapieformen thematisiert: Zum einen der Fluency Shaping Ansatz und zum andern als Vergleich dazu die Stottermodifikation. Zudem wird hier der von Schneider und Sandrieser entwickelte Ansatz KIDS näher beschrieben, der ab einem Alter von zwei Jahren beginnt.

2 Definition

Nach Hansen wird unter Stottern eine Störung der Sprechflüssigkeit verstanden, „bei der es nicht nur gelegentlich, sondern auffallend häufig zu Unterbrechungen im Redefluss kommt“ (Hansen, Iven 2016, S.19). Dabei weiß die vom Stottern betroffene Person genau, was sie sagen möchte, „ist aber im Augenblick des Stotterns unfähig, die für die Umsetzung des sprachlichen Inhaltes erforderlichen Sprachbewegungen fließend auszuführen“ (Hansen, Iven 2016, S.19). Analog definiert Sandrieser Stottern als eine Sprachablaufstörung, bei der die Person genau weiß, was sie sagen möchte, aber die Wörter nicht flüssig formulieren kann (Sandrieser und Schneider 2015, S.18). Des Weiteren wird Stottern in der Sprachheilpädagogik den Redeflussstörungen zugeordnet (vgl. Sandrieser & Schneider 2001, 5ff.). Zusammenfassend charakterisiert Bloodstein Stottern:

- „durch unfreiwillige Blockierungen,
- die Verlängerung von Lauten,
- und die Wiederholung von Lauten“ (Bloodstein, 1993, S.1).

Im Kindesalter stottern etwa fünf Prozent aller Kinder, was als Entwicklungsstottern bezeichnet wird. Das dafür typische Alter liegt zwischen dem dritten und dem sechsten Lebensjahr. 80 % der betroffenen Kinder überwinden das Entwicklungs-stottern, bei 20 % manifestiert sich ein chronisches Stottern.

Betroffene Personen empfinden ihr Stottern nicht nur als unangenehm und lästig. Sie erleben Situationen, in denen sie sprechen müssen, auch als psychisch und physisch belastend. Deshalb neigen stotternde Personen dazu, Strategien zur Vermeidung von Sprechsituationen zu entwickeln.

3 Ursachen des Stotterns

Die genaue Ursache des Stotterns ist bis heute nicht bekannt. Als gesicherte Erkenntnis gilt aber, dass neurologische, psychologische und genetische Faktoren zusammenspielen. Im Folgenden werden zwei Thesen dazu näher betrachtet.

3.1 Vererbung

Da Stottern oft familiär auftritt, nimmt die Forschung an, dass es eine genetische Veranlagung gibt. Dies bedeutet, dass Stottern zwar auftreten kann, aber nicht zwangsläufig auftreten muss. Prognosen, wann Stottern vererbt wird und wann nicht, sind nach derzeitigem Forschungsstand allerdings nicht möglich. In Zwillingsstudien wurden eineiige und zweieiige Zwillinge verglichen. Das Ergebnis der Studie von Van Bijsterveldt (2010) zeigt, dass bei Zwillingen mit identischer DNA eine Konkordanz von 57 % vorlag. Die Konkordanz bedeutet die Übereinstimmung der Merkmale bei eineiigen Zwillingen. Demgegenüber betrug die Konkordanz bei zweieiigen Zwillingen nur 31 %, wenn deren DNA zu 50% übereinstimmte (vgl. Van Bijsterveldt et al. 2010, S.609-619).

3.2 Psychische Ursachen

Die früher diskutierte These, wonach ausschließlich eine psychische Disposition und/oder ein bestimmtes Erziehungsverhalten das Stottern verursacht, ist mittlerweile widerlegt. Sie folgt der Annahme, dass Eltern, die ihre Kinder auf Unflüssigkeiten im Sprechen aufmerksam machen, das Stottern dadurch erst auslösen.

Allerdings gibt es Faktoren, die Sprechunflüssigkeiten bei Kindern begünstigen. Durch Äußerungen in Momenten, in denen Kinder unflüssig sprechen, wie z. B. „Sag’ das bitte noch mal flüssig", oder „Überleg’ erstmal, was du sagen möchtest", werden Sprechunflüssigkeiten eher verstärkt als gemindert (vgl. Sandrieser und Schneider 2015, S.39-41).

4 Symptome

Braun definiert die Symptome wie folgt:

„Stottern wird als Kommunikationsstörung mit überzufällig häufig auftretenden Unterbrechungen des Sprechablaufs bzw. Redeflusses charakterisiert, die plötzlich ungewollt und unbeherrschbar in Form von angespannten schnellrhythmischen Weiderholungen (Kloni = krampfartige Iterationen) von Lauten, Silben, Wörtern oder Satzteilen auffällig werden oder als gepresste Stockungen vor einem Laut, einer Silbe, einem Wort oder Satz (Toni = krampfartige Blockaden) ein flüssiges Sprechen verhindern“ (Braun 1999, 295f).

In der Literatur werden bei der Symptomatik des Stotterns innere und äußere Symptome unterschieden. Zu den inneren Symptomen zählt vor allem der psychische Druck, der sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern kann. Demgegenüber zeigen sich die äußeren Symptome im Offenbarwerden der verschiedenen Sprechunflüssigkeiten beim Sprechvorgang.

4.1 Kernsymptome

In den verschiedensten Situationen (z.B. Müdigkeit oder Angst) kommt es bei den meisten Menschen zu Stockungen im Redefluss. Hier kommt es zu Wiederholungen von mehreren Wörtern oder sogar ganzer Satzteile oder zu lautlosen Unterbrechungen, die länger als eine Sekunde andauern. Oftmals werden dann die Sprechpausen mit Flickwörtern oder -lauten (z.B. „also" oder „hm") gefüllt (vgl. Perner-Dreyer2015 S.10ff.). Laut Sandrieser und Schneider sind dies aber nur funktionelle Unflüssigkeiten, da sie einerseits eine Funktion innerhalb der Kommunikation erfüllen und andererseits wieder verschwinden, wenn der auslösende Reiz nicht mehr vorhanden ist.

Die symptomatischen Unflüssigkeiten treten bei stotternden Menschen an Stellen auf, an denen der Zuhörer keine Unterbrechungen erwartet. Dadurch scheint es, als wäre die Sprachproduktion für den Stotternden nicht mehr kontrollierbar (vgl. Sandrieser & Schneider 2001 S.6f).

Die markanten Kernsymptome lassen sich in drei verschiedene Ausdrucksformen von Sprechunflüssigkeiten beschreiben. Neben der Wiederholung von Lauten („Z-z-z-z-z-zug") gilt als zweites Symptom das Dehnen von Vokalen für eine Dauer von mehr als eine Sekunde.

Darüber hinaus sind Blockaden, also Stimm- und Atemstopps vor oder in einem Wort („es - - - - sen"), die dritte wesentliche Ausdrucksform des Stotterns (vgl. Hansen, Iven 2016, S.21). Sandrieser und Schneider (2015) beschreiben diese Kernsymptome als

- „unfreiwillige Blockierungen,
- Dehnungen von Lauten und
- Wiederholungen von Lauten und einzelnen Silben“ (vgl. Sandrieser und Schneider 2015, S.27).

Unterteilt werden diese in zwei Kategorien, die klonischen und die tonischen Symptome. Zu den klonischen Symptomen gehören Wiederholungen, während die Dehnung von Lauten und die unfreiwilligen Blockierungen den tonischen zugeordnet werden. Schindler beschreibt die klonischen Symptome als „(...) ruckartige, aufeinanderfolgende Kontraktionen und Erschlaffungen der Muskulatur (...)“. Sobald die Sprechstörungen beginnen und die Symptome auftreten, wird der Verlauf günstiger eingeschätzt als bei tonischen Symptomen. Die tonischen Symptome sind im Gegensatz zu den klonischen Symptomen „(...) durch eine länger andauernde ununterbrochene Phase des Muskelkrampfes gekennzeichnet“ (Schindler, S. 14). Dehnungen erkennt man dadurch, dass einzelne Laute verlängert werden. Das Sprechen selbst wird nicht unterbrochen, allerdings dauert die Aussprache länger,als normal üblich. Blockaden zählen zwar ebenfalls zu der Gruppe der Dehnungen, allerdings wird hier der Sprechfluss komplett unterbrochen, wodurch sie auch als stille Verlängerungen bezeichnet werden. Bei den Blockaden kommt es zu starken muskulären Anspannungen, die von den meisten Stotterern als besonders unangenehm empfunden werden.

„Die Blockaden entstehen, wenn der Stotternde entweder die Lippen zusammenpreßt, die Zunge an irgendeine Stelle in dem Mundraum drückt, oder im Kehlkopf, wo die Stimmlippen sitzen, eine Spannung erzeugt“ (Schindler 1998, S.15).

Wo die Spannung allerdings genau auftritt, hängt von der Stimmhaftigkeit und der Artikulationsstelle der geplanten Wörter ab.

4.2 Begleitsymptome

Neben diesen Kernsymptomen sind die so genannten Begleitsymptome erkennbar. Damit werden nach Sandrieser „alle Erscheinungen bezeichnet, die zur Kernsymptomatik hinzukommen, meist Reaktionen auf die Kernsymptomatik“ (Sandrieser und Schneider 2015, S.27). Sandrieser unterteilt diese in sechs verschiedene Ebenen:

- Emotionen und Einstellungen, wie z. B. Frustration, Sprechangst, Versagensangst
- Verhalten/Sozialverhalten, wie z.B. Abbrechen des Blickkontakts, Rückzug aus dem sozialen Umfeld und Vermeidung von Sprechsituationen
- Sprechverhalten, wie z. B. Flüstern, Langsamsprechen
- sprachliche Ebene, wie z. B. Vermeiden von problematischen („gefürchteten“) Wörtern, Satzumstellungen, um solche Wörter „aufzuschieben“, Satzabbrüche
- Motorik wie z. B. sichtbare physische Anspannung, Mitbewegungen wie Grimassieren, Kopf- und Armbewegungen
- vegetative Ebene, wie z. B. Erröten und Schwitzen

Häufig werden die Begleitsymptome von den Betroffenen im Vergleich zu den Kernsymptomen als anstrengender erlebt, was den Leidensdruck insgesamt erhöht.

4.3 Coping Strategien

Das Wort „cope“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „bewältigen, überwinden“. Unter „Coping“ werden insofern Bewältigungsstrategien verstanden, die von Personen in belastenden Situationen eingesetzt werden. Nach Sandrieser „(...) setzen auch Kinder Coping-Strategien bewusst oder intuitiv ein, um den Stottermoment zu überwinden oder ihm vorzubeugen.“(Sandrieser und Schneider 2015 S.28).

Dabei zeigen Kinder verschiedene Verhaltensweisen. So versuchen sie z.B. beim sogenannten Fluchtverhalten, schnellstmöglich der aktuellen Situation zu entkommen. Eine weitere Strategie ist das Vorbeugeverhalten. Hierbei versuchen die Kinder das Symptom zu vermeiden bzw. zu unterdrücken, bevor es überhaupt zum Tragen kommt. Dazu gehört unter anderem eine Veränderung der Sprechweise - die Kinder verfallen dann häufig in einer Art Singsang.

Zu beachten ist, dass „selbst wenn Symptome erfolgreich vermieden werden, (...) Vorbeugestrategien zu einer unnatürlichen Sprechweise führen (können)“ (Sandrieser und Schneider S.28).

Die gerade aufgezählten Verhaltensweisen beschreiben sogenannte dysfunktionelle Coping- Strategien. Im Verlauf einer Therapie sollte es das Ziel sein, die dysfunktionellen Coping- Strategien abzubauen und durch funktionelle Coping-Strategien zu ersetzen. Damit sind solche Strategien gemeint, bei denen weniger Ablenkung und Vermeidung, sondern vielmehr die dauerhafte und nachhaltige Lösung des Problems im Vordergrund steht.

5 Stotterndes Kind in der KiTa

Ein stotterndes Kind in der KiTa kann sowohl für die Eltern, die Erziehenden, aber vor allem für das Kind eine belastende Situation darstellen. In den folgenden Abschnitten werden daher ein unterstützendes Verhalten der erziehenden Person gegenüber dem stotternden Kind, Ansätze für die Elternarbeit sowie mögliche Therapieformen auch außerhalb der KiTa beschrieben.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Stottern. Ursachen, Symptome und mögliche Therapieformen
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V496588
ISBN (eBook)
9783346011725
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stottern, ursachen, symptome, therapieformen
Arbeit zitieren
Antonia Oster (Autor), 2019, Stottern. Ursachen, Symptome und mögliche Therapieformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496588

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