Ethische Verantwortung der Textilindustrie in Bangladesch am Beispiel C&A


Seminararbeit, 2016
30 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Problemstellung
2.1 Globalisierung
2.2 Arbeitsbedingungen in Bangladesch

3 Rahmenbedingungen in Bangladesch
3.1 Politische und rechtliche Rahmenbedingungen
3.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
3.3 Besonderheiten in der Textilindustrie
3.4 Menschengerechte Arbeit und die International Labour Organisation

4 Das Unternehmen C&A
4.1 Unternehmensprofil
4.2 Code of Conduct
4.3 Monitoring und Auditing

5 Verantwortung
5.1 Begriff der Verantwortung
5.2 Unternehmerische Verantwortung
5.3 Verantwortung nach Nida-Rümelin

6 Analyse der unternehmerischen Verantwortung von C&A

7 Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass das kostengünstige Angebot von modi- scher Bekleidung in Deutschland auf unzumutbare Arbeitsbedingungen und der Ausbeutung von Arbeitern in der Textilindustrie in Bangladesch basiert. Immer wieder rücken daher deutsche Bekleidungsunternehmen wie beispielsweise C&A in den Mittelpunkt öffentlicher Kritik.

Weltweit sind mehr als 60 Millionen Menschen in der Textil- und Bekleidungsin- dustrie beschäftigt, dabei ist der Großteil in Entwicklungs- und Schwellenländern angesiedelt. Oftmals sind die Textilfabriken den aggressiven Einkaufspraktiken und dem Preisdruck internationaler Groß- und Einzelhändler ausgesetzt, die sich mit schweren Folgen auf die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer auswirken. Verstöße, in dem international verflochtenen und sehr komplexen Wirtschafts- zweig, werden nur selten verfolgt und bleiben zum Leid der Arbeitnehmer oft oh- ne Konsequenzen (bmz o.J.a). Durch seine Geschäftstätigkeit hat jedes Unter- nehmen Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter, Kunden, Umwelt und das wirtschaftliche Umfeld. Demnach stellt die daraus fol- gende Frage nach der ethischen Verantwortung einen zentraleren Aspekt wirt- schaftlichen Handelns dar (bmz o.J.b).

Daraus entwickelt sich die für die vorliegende Arbeit relevante Hypothese, dass Unternehmen Verantwortung für die Produktionsbedingungen in Bangladesch zu tragen haben, C&A dieser jedoch nicht nachkommt.

Zu Beginn der Arbeit wird zunächst auf das Thema der Globalisierung und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Entwicklungsländer eingegangen. Da- bei sollen Vorwürfe gegen C&A und die menschenunwürdigen Arbeitsbedingun- gen in der Textilproduktion in Bangladesch konkretisiert werden.

Im Anschluss wird auf das internationale Verständnis und die Gesetzgebung von Arbeitsbedingungen eingegangen und rechtliche, wie auch wirtschaftliche Rah- menbedingungen in Bangladesch vorgestellt. Um eine spätere Überprüfung der These vorzunehmen, wird in Kapitel Vier das Unternehmen C&A und die in ei- nem Verhaltenskodex zusammengefassten Unternehmensgrundsätze hinsicht- lich Arbeitsbedingungen dargestellt. Als Grundlage der Analyse der Verantwor- tung des Unternehmens C&A dient des Weiteren die Betrachtung des ethischen Modells der Verantwortung nach den Autoren Aßländer und Nida-Rümelin. Die Arbeit schließt nach einer umfangreichen Untersuchung mit einem daraus resul- tierenden Fazit ab.

2 Problemstellung

2.1 Globalisierung

Die Globalisierung ist ein Prozess der Zunahme, Verflechtung und Beschleuni- gung weltweit grenzüberschreitender ökonomischer und sozialer Interaktionen (Noll 2010, 285). Durch die Aufhebung von Handelshemmnissen entwickelte sich eine weltweite Marktintegration, die nach Noll als die „räumliche Schließung der Welt“ verstanden werden kann. Durch die Öffnung der Märkte war es überwie- gend für große Konzerne lukrativ die regionale, kostenintensive Bekleidungspro- duktion ins Ausland zu verschieben. Hierbei gelten Schwellen- und Entwicklungs- länder als günstige Produktionsstandorte aufgrund ihres niedrigen Lohnniveaus, der schwächeren Umweltgesetze und der Tatsache, dass die Verletzung von Sozial- und Umweltstandards ohne weitere Konsequenzen bleibt. Durch die preisgünstige Produktion, den Güterimport und die Intensivierung des Wettbe- werbs profitieren vor allem die Verbraucher von vielfach niedrigeren Produktprei- sen und breiteren Produktpaletten. Während die Verbraucher als Gewinner der Globalisierung beschrieben werden, wirkt sich der verschärfte Wettbewerb und die Mentalität der Wegwerfgesellschaft als Kostendruck auf die Unternehmen aus, woraus ein sich erhöhter Anpassungsdruck auf die Produktionsindustrie entwickelt (Noll 2010, 287). Da Arbeits- und Sozialgesetze in Schwellen- und Entwicklungsländern kaum den Standards der westlichen Industrienationen ent- sprechen, führt diese Entwicklung der Globalisierung zu immer menschenunwür- digeren Arbeitsbedingungen. Dieser Sachverhalt wird in Menschenrechtsorgani- sationen und der Öffentlichkeit als „Auswüchse der Globalisierung“ beklagt, in denen die Arbeitnehmer durch die herrschenden Arbeitsbedingungen ausgebeu- tet werden. Dadurch erfahren die Konsumenten in Industrienationen billigere Preise, die importierenden Akteure können höhere Umsätze erzielen und die kleine Oberschicht in Bangladesch kann sich an der wirtschaftlichen Entwicklung bereichern (Scherer/Blickle/Dietzfelbinger/Hütter 2002, 11f.). Wo früher „Made in Germany“ bestätigte, dass die Ware in Deutschland gefertigt wurde, kann heut- zutage aufgrund komplexer und immer länger werdenden Wertschöpfungsketten kaum zurückverfolgt werden, woher die Rohstoffe stammen, wo und vor allem unter welchen Bedingungen das Produkt gefertigt wurde.

2.2 Arbeitsbedingungen in Bangladesch

C&A profitiert von den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Textilin- dustrie in Bangladesch. Die Liste der Kritikpunkte, die in diesem Zusammenhang aufkommen, ist umfangreich. Nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Pla- za im Jahr 2013 mit mehr als 1.100 Toten beschäftigte sich die ZDF Dokumenta- tion „Wie Primark, Adidas, KiK & Co. an der Ausbeutung der TextilarbeiterInnen in Bangladesch verdienen“ mit den Missständen und Arbeitsbedingungen des Wirtschaftssektors. Dabei wird vor allem das Unternehmen C&A, das nachweis- lich in der eingestürzten Fabrik produzieren ließ, öffentlich kritisiert. Durch den ausgeübten Preisdruck und die aufgestellten, vertraglich festgehaltenen Bedin- gungen ist C&A indirekt verantwortlich für die Arbeitsbedingungen in den beauf- tragten Produktionsunternehmen.

Um zu überleben und mit der Hoffnung auf Arbeit, fliehen Menschen vom Land in die Großstädte Bangladeschs. Dabei sind sie bereit jede Arbeit zu leisten, egal für welchen Lohn und egal mit welchem Risiko (ZDF 2015). Der Frauenanteil unter den rund 4,5 Millionen Textilarbeitern beträgt 90%, darunter befinden sich vor allem junge Frauen im Alter von 15 bis 30 Jahren (bmz o.J.c). Die Arbeiterin- nen sind täglich bis zu 16 Stunden und mindestens sechs Tage die Woche be- schäftigt. Ist die Auftragslage oder der Zeitdruck besonders groß, müssen Arbei- terinnen auch einen siebten Tag, an dem für Muslime heiligen Freitag, arbeiten. Dabei reicht der monatliche Lohn von circa 55 Euro kaum zum Überleben aus. Neben psychischen und physischen Demütigungen am Arbeitsplatz wird von dem Beitritsverbot in Gewerkschaften berichtet. Im Rahmen der eingestürzten Fabrik Rana Plaza wird vor allem das Thema der Zwangsarbeit und der Bestra- fung in Form von Lohneinbehalt laut. Obwohl das Gebäude Tage zuvor als hoch- gradig einsturzgefährdet deklariert wurde, zwang der Fabrikinhaber am Tag des Einsturzes die Arbeiter mittels Drohungen zur Arbeit. Des Weiteren werden im- mer wieder mangelnde hygienische Bedingungen bis hin zu Verboten von Toilet- tengängen bekannt. Bezüglich der von C&A durchgeführten Audits berichten Arbeiter über den gezielten Einsatz gecoachter Mitarbeiter, die für geschönte Gespräche zur Verfügung stehen (ZDF 2015). Obwohl Kinderarbeit ein präsentes Thema im Rahmen der Textilproduktion in Bangladesch darstellt, können C&A aufgrund der Audits nur noch in seltenen Fällen explizite Missstände vorgeworfen werden. Aus diesem Grund konzentriert sich die vorliegende Arbeit im Kern auf die drastischen Arbeitsbedingungen, denen Mitarbeiter von direkten Zulieferern und auch Sublieferanten des Unternehmens in Bangladesch ausgeliefert sind und inwieweit das Unternehmen C&A Verantwortung übernehmen muss.

3 Rahmenbedingungen in Bangladesch

3.1 Politische und rechtliche Rahmenbedingungen

Die politische Lage in einer der ärmsten Länder der Welt wird vor allem durch die konfrontative Politik der beiden großen Parteien Awami League und der Bangla- desh Nationalist Party geprägt. Spannungen zwischen den Konfliktparteien hin- sichtlich Wahl- und Regierungsfragen führen zu ständigen gewaltsamen Aus- schreitungen und Boykotts, die das öffentliche Leben immer wieder lahmlegen (bmz o.J.c). Ein wesentliches Problem stellt die hohe Korruption in sämtlichen Regierungs- und Geschäftsbereichen des Landes dar. So belegt Bangladesch in dem von Transparency veröffentlichten Korruptionswahrnehmungsindex einen sehr korrupten 120. Platz von weltweit 183 Rängen, dabei werden die letzten Ränge als „highly corrupt“ eingestuft (Transparency International 2011, 3.). Da- neben ist eine Schwäche der gewerkschaftlichen Solidarstrukturen zu beklagen. Zwar garantiert Bangladesch das Recht der Gewerkschaftsfreiheit, jedoch liegt der gewerkschaftliche Organisierungsgrad der Textilarbeiter bei einem Prozent. Mit einem Gewerkschaftsbeitritt riskiert ein Arbeiter seinen Arbeitsplatz und somit sein Überleben (Seibert 2014, 28).

Trotz einer fünfjährigen Schulpflicht, die im Alter von 10 Jahren endet, ist das Land nicht in der Lage, eine ausreichende Bildungsinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der finanziellen Situation der Familie, sind vor allem Mädchen dazu gezwungen arbeiten zu gehen und somit auf einen Schulabschluss zu ver- zichten. Daraus resultiert eine Analphabetenrate von über 75 Prozent, was ein großes Hindernis bei Vertragsschlüssen, wie einem Arbeitsvertrag, seitens des Arbeitnehmers darstellt (Unicef 2016). Das offizielle Arbeitseintrittsalter beträgt in Bangladesch 15 Jahre (ZDF 2015). Trotz der langsamen aufstrebenden wirt- schaftlichen und sozialpolitischen Entwicklung fällt der Textilsektor in Bangla- desch immer wieder als größter Arbeitgeber für Kinder auf (stern 2016).

Somit stößt die Lage der Menschenrechte auf internationale Sorge und Kritik. So werden in Bangladesch Menschenrechtsverletzungen nicht konsequent und ef- fektiv verfolgt und Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend über ihre Rechte informiert. Einen ersten Fortschritt hinsichtlich der Rahmenbedingungen in Bang- ladesch wurde durch die Ratifizierung der internationalen Menschenrechtsab- kommen im Jahr 2000 (siehe Kapitel 4.4) und durch den Aufbau einer nationalen Menschenrechtskommission und Antikorruptionskommission erreicht (bmz o.J.c).

3.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Wirtschaft in Bangladesch wächst trotz einer sehr langsamen Umsetzung von Wirtschaftsreformen und verzeichnet seit 1996 eine jährliche, nahezu kon- stante Wachstumsrate von sechs Prozent. Hierbei gelten vor allem die Städte als die Träger des Wirtschaftswachstums (bmz o.J.a).

Die Entwicklung der Wirtschaft wird auch in Abbildung 1 (Anhang 1) deutlich. Diese bildet das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Bangladesch von 2006 bis 2016 ab und gilt als wichtigster Indikator für die Wirtschaft eines Landes. So wurde im Jahr 2016 ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 1.404 US-Dollar erreicht (Statista 2016). Über die Hälfte des BIP wurde durch den Dienstlei- stungssektor erwirtschaftet, daneben trägt die Industrie mehr als ein Viertel dazu bei (wko 2016). Durch das steigende BIP kann zwar eine Aussage über die wirt- schaftliche Leistung des Landes getroffen werden, über den Wohlstand der Be- völkerung jedoch nicht. Um den Wohlstand der Bevölkerung zu messen, müssen Aspekte wie der Zugang zu Gesundheit, die Qualität der Regierungsführung, das politische Mitspracherecht und der Grad der wirtschaftlichen und physischen Un- sicherheit berücksichtigt werden. Durch ein steigendes Wirtschaftswachstum kann erst dann Wohlstand erzielt werden, wenn bestehende Machtstrukturen den Ärmsten einen Zugang zu Ressourcen, Rechten und Dienstleistungen ermögli- chen (Netz 2016). Zu betonen ist, dass dieses Wachstum als untrennbar von der Ansiedlung der Billigtextilindustrie, dem hohen Anteil an Textilexporten und dem steigenden inländischen Konsum zu sehen ist. Weiterhin ist Bangladesch vor allem auf den Import von Treibstoffen und Nahrungsmittel, wie auch von Rohstof- fen und Vorprodukten für die Industrieproduktion angewiesen. Die für Bangla- desch, wichtigsten Absatzmärkte sind die Mitgliedsstaaten der EU und die USA. Darüber hinaus werden hinsichtlich der Ausweitung der Exporte Bemühungen angestellt um neue Märkte wie die Türkei, Südafrika, Japan und Russland hinzu- zugewinnen. Neben den Exporterlösen gelten die Transferleistungen von bang- ladeschischen Arbeitnehmern, die im Ausland arbeiten, als die zweitwichtigste Devisenquelle des Landes (bmz o.J.a).

3.3 Besonderheiten in der Textilindustrie

Bangladesch gilt nach China als der zweitgrößte Textilproduzent der Welt. Mit einem Anteil von 80 Prozent der gesamten Ausfuhren, gilt die Textilindustrie als die mit Abstand wichtigste Exportbranche. Die 4500 angesiedelten Textilfabriken beschäftigen circa 4,5 Millionen Menschen, wovon 80 Prozent Frauen sind. Ge- schätzt sind in Bangladesch über 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt von den Textilexporten abhängig. Der Mindestlohn in der Industrie beträgt etwa 50 Euro im Monat und fixiert weltweit die Armutsgrenze. Dieser Betrag reicht jedoch kaum aus um die Grundbedürfnisse der Arbeiter zu decken. Aus diesem Grund fordern Textilarbeiter keinen Mindestlohn sondern den sogenannten Lebenslohn, der ihnen ein menschenwürdiges Leben absichert. Die Problematik in der Textil- industrie in Bangladesch ist die große Konkurrenz der Fabriken, wie auch der Kostendruck durch Unternehmen. So würde eine Verbesserung der Arbeitsbe- dingungen eine geringere Produktivität und kostenintensivere Herstellung bedeu- ten, was Unternehmen dazu veranlassen würde, den Auftrag an ein Konkurrenz- unternehmen zu vergeben (ZDF 2015; taz 2016). Das Problem der Durchsetzung von Sozialstandards ist das Fehlen von politischen Institutionen auf nationalstaat- licher Ebene, die geeignete Standards erlassen und durchsetzen können. Vor allem Entwicklungsländer scheuen das Erlassen schärferer Regelungen gegen die heimische Exportwirtschaft und gegen ausländische Investoren vor dem Hin- tergrund, dass dadurch bedingt die eigene Wirtschaft einen Schaden erleiden und Kapital abwandern könnte (Scherer/Blicke 2002, 12).

3.4 Menschengerechte Arbeit und die International Labour Organisation

Basierend auf der Enzyklika „Laborem Exercens“ von Johannes Paul II. stellen Luczak und Rohmert das Ideal der Selbstverwirklichung durch Arbeit als Maß- stab heraus. Des Weiteren stellen diese eine hierarchische Klassifikation zur Beurteilung und Bewertung menschengerechter Arbeit auf. Demnach charakteri- siert sich eine menschenwürdige Arbeit durch schädigungslose, ausführbare, erträgliche und beeinträchtigungsfreie Arbeitsbedingungen. Zudem müssen Handlungsspielräume gegeben und Möglichkeiten geboten werden, um Fähigkei- ten zu erwerben und die eigene Persönlichkeit entwickeln zu können. Daneben müssen Standards sozialer Angemessenheit hinsichtlich des Arbeitsinhaltes, der Umgebung und der Entlohnung erfüllt werden (Luczak 1987, 58f.)

Im Bezug auf das Verständnis der menschengerechten Arbeit sind große Defizite in der Textilproduktion in Bangladesch zu beklagen.

Da diese Missstände jedoch nicht durch Alleingänge einzelner Staaten gelöst werden können, reagiert die Politik, indem sie Entscheidungen in der Gemein- schaft von Ländern, wie der Europäischen Union, der Welthandelsorganisation oder den Vereinten Nationen, abstimmt. Während die Wirtschaft hochgradig glo- balisiert ist, sind Politik und Recht tendenziell an die Grenzen eines Landes ge- bunden. Dadurch reduzieren sich Handlungsmöglichkeiten nationalstaatlicher Regierungen, multinational tätige Unternehmen zu kontrollieren und zu justieren. Internationale Organisationen werden gegründet um diesem Regulierungsdefizit zu begegnen und sozialpolitischen Einfluss zu nehmen (Kreuzaler 2002, 45f.).

Aus der Vielzahl internationaler Instrumente zur Unternehmensverantwortung kristallisierte sich vor allem die von den Vereinten Nationen (UN) begründete dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpo- litik der International Labour Organization (ILO), heraus.

Die 1919 im Rahmen des Versailler Friedensvertrag geründete Internationale Arbeitsorganisation definiert ihr Ziel in der Sicherung des Weltfriedens durch eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen. Nach der Gründung der Vereinten Nationen 1945 wurde die ILO 1946 die erste Sonderor- ganisation der UN. Mittels weltweit anerkannter Arbeits- und Sozialstandards soll verhindert werden, dass sich einzelne Unternehmen durch die Vernachlässigung von Arbeitnehmerrechten und Arbeitsbedingungen Vorteile im internationalen Handel verschaffen. Als einzige Organisation der UN besitzt der ILO eine drei- gliedrige Struktur, das heißt, in ihr sind nicht nur Repräsentanten der Regierung vertreten, sondern auch Interessenvertreter von Arbeitnehmern und Arbeitge- bern. Die von den Vertretern erarbeiteten Arbeitsnormen umfassen Überein- kommen, die rechtlich bindende internationale Abkommen darstellen und durch die Mitgliedsstaaten ratifiziert werden können. Daneben werden Empfehlungen ausgesprochen, die als Richtlinien dienen. Durch eine Ratifizierung verpflichten sich die Mitglieder einen jährlichen Bericht über die Erfüllung der begründeten Pflichten zu verfassen (ILO o.J.a).

Bislang konnten 189 Konventionen zu Arbeitsrechten verabschiedet werden. Dabei bestimmen vier Grundprinzipien das Selbstverständnis und Handeln der Organisation: Die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlun- gen, die Beseitigung der Zwangsarbeit, wie auch Abschaffung der Kinderarbeit und das Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Diese Grund- prinzipien wurden mittels acht Kernarbeitsnormen präzisiert (siehe Anhang 3). Als politische Aufwertung dieser Normen und als Reaktion auf die Forderung der internationalen Gemeinschaft auf dem Weltsozialgipfel in Kopenhagen nach uni- versellen sozialen Regeln zur Begleitung der Globalisierung, wurde die „ Erklä- rung über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit" im Jahr 1998 abgeschlossen. Mittels der Erklärung bekennen sich über 138 Mitgliedstaaten der ILO, darunter auch Deutschland, ausdrücklich zu allen Kernarbeitsnormen. Bangladesch hingegen ratifiziert sieben der acht Normen und lehnt das Überein- kommen über das Arbeitsmindestalter ab (ILO o.J.b).

Gleichwohl sich die ILO-Konventionen an Staaten richten, sind diese nicht die einzigen Akteure, die die Situation der Beschäftigten und das soziale Umfeld verbessern können. Vor allem länderübergreifend agierende Unternehmen kön- nen das Arbeitsplatzumfeld und das Lohnniveau beeinflussen, welche eine hohe Bedeutung hinsichtlich der Lebensqualität der Arbeitnehmer einnehmen. Somit bezieht sich die 1977 verabschiedete „dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik“ direkt auf international tätige Kon- zerne. Neben den darin enthaltenden Kernarbeitsnormen umfasst das universale Instrument 59 weitere Grundsätze, die sich als Richtlinien für multinationale Un- ternehmen, Regierungen sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände in Be- reichen wie Beschäftigung, Ausbildung, Arbeits- und Lebensbedingungen und Arbeitsbeziehungen verstehen. Diese sind rechtlich nicht verpflichtend, sollten von Unternehmen allerdings als selbstverständlich angesehen werden. Dabei ist das Ziel der Grundsatzerklärung „den positiven Beitrag, den multinationale Un- ternehmen zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt leisten können zu för- dern und die Schwierigkeiten, zu denen es durch ihre verschiedenen Tätigkeiten kommen kann, zu vermindern und zu beheben" (IAA 2006, 2).

Es muss jedoch betont werden, dass die Anwendung auf freiwilliger Basis erfol- gen soll und daher keinerlei Beschwerdemechanismen vorgesehen sind, wenn- gleich mit der Veröffentlichung aufgedeckter Missstände moralischer Druck aus- geübt werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Ethische Verantwortung der Textilindustrie in Bangladesch am Beispiel C&A
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Veranstaltung
Wirtschaftsethik
Note
1.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
30
Katalognummer
V496610
ISBN (eBook)
9783346003911
ISBN (Buch)
9783346003928
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethische Verantwortung
Arbeit zitieren
Kira Hassert (Autor), 2016, Ethische Verantwortung der Textilindustrie in Bangladesch am Beispiel C&A, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496610

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ethische Verantwortung der Textilindustrie in Bangladesch am Beispiel C&A


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden