Feindesliebe in der Bergpredigt. Eine exegetische Auseinandersetzung und die Friedensbildung aus christlicher Sicht


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Analyse des Textes
2.1 Hintergrund des Autors
2.2 Gliederung und Aufbau im Kontext des Makrotextes:

III. Exkurs: Feindesliebe als Friedensethik im Unterricht kennenlernen
3.1 Exkurs Bibeldidaktik
3.2 Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Feindesliebe in der Bergpredigt. Dabei erfolgt eine Auseinandersetzung mit Mt 5,43-48 und soll, zusätzlich zur Einordnung in dem historischen Kontext, hinterfragen, für wen die Lehre Jesu gilt und wie sie gegenwärtig ihre Anwendung findet.

In der einleitenden Phase erfolgt eine kurze Vorstellung des Matthäus-Evangeliums. Diese dient als Grundlage zur exegetischen Erörterung der in der Bergpredigt verankerten Feindesliebe.

Mit der Auseinandersetzung der Feindesliebe kann der Blick auf die Gegenwart gerichtet werden. Dabei werden im Einzelnen, Möglichkeiten der Anwendung des Themas der Friedensethik, im Sinne der Lehre Jesu, im Religionsunterricht vorgestellt. Als angehende Förderschullehrerin ist eine Zusammenstellung von theoretischen Grundlagen in die praktische Ausführung von besonderer Bedeutung.

II. Zur Analyse des Textes

2.1 Hintergrund des Autors

Das Evangelium nach Matthäus ist ein original griechisch geschriebenes Werk. Es müsste ein aus dem Judentum stammender Mann gewesen sein, da zahlreiche sprachliche Berührungen mit der Septuaginta aufzuweisen sind. Auch jüdische Spracheigentümlichkeiten weisen auf einen judenchristlichen Verfasser (vgl. Luz 2002, S.87). Weiter führt Luz an, dass Matthäus als Jünger, einer vom Autor grundsätzlich verschieden Person in den Text eingeführt wird (Mt 9,9; Mt 10,3), zumal kein Eigenbezug mit dem Autor festzustellen ist (vgl. ebd., S.87). Es ist kaum anzunehmen, dass der Autor absichtlich seinen Eigenbezug ausradiert hat. „Wäre sein Verfasser ein Apostel, so hätte er das Buch eines Nicht-Augenzeugen als Hauptquelle benutzt, obwohl er selbst Augenzeuge war.“ (Luz 2002, S.105).

Zum Abfassungsort des Evangeliums lassen sich keine konkreten Daten finden, jedoch sind sich die Exegeten auf Grund textinternen Indizien weitestgehend einig und können damit Syrien als Ort bestimmt haben (vgl. ebd., S.100f). Luz (2002) findet Indizien im griechischen Original, in dem die syrische Christenbezeichnung verwendet wird, sowie die Bezeichnung einer phönizischen Frau in ihrer eigenen semitischen Sprache (vgl. Luz 2002, S.102).

Zur Abfassungszeit lässt sich eine Vermutung im Jahre 80 darlegen, da die Tempelzerstörung (Mt 22,7) vorausgesetzt ist und dies der Didache Bezug ebenfalls bezeugt (vgl. ebd. S.103).

Als Adressaten lässt sich die Gemeinde des Matthäus nennen, aus dieser er stammt. „Ihr will er nicht nur weiteres Material bieten, sondern sie auch in ihrer Situation ansprechen und ihr die Richtung für ein Leben nach der Botschaft Jesu weisen.“ (Schnackenburg 1985, S.8).

Die Gemeindetradition ist judenchristlich geprägt, die Gleichnisse verraten biblisch-jüdischen Hintergrund der Überlieferung. Luz nennt ebenfalls eine größere Gemeinde in einer Stadt mit einer längeren Geschichte hinsichtlich ihrer Traditionen (Mt 10,5-6) (vgl. Luz 2002, S.99).

2.2 Gliederung und Aufbau im Kontext des Makrotextes:

2.2.1 Bergpredigt im Mt

Luz beschreibt die Bergpredigt im Matthäusevangelium, als eine ringförmige Konzeption, die um ein Zentrum herum gebaut ist: das Vater-Unser (6,9-13). So ergibt sich schon allein im Aufbau, wie die Bergpredigt verstanden werden soll. Die Struktur zeigt ein Hineinführen in die Hauptabschnitte weiter zum Zentrum und anschließend die parallele Zurückführung (vgl. ebd., S.255).

Der Aufbau der Bergpredigt lässt sich als eine Art Weg auf einen Berg und wieder hinunter darstellen. Aufsteigend bis zu den Gebetsworten (6,7) und des Vaterunser (6,9-13) wieder hinabführend über die Gebetsworte (6,14f) weiter bis zu den Reaktionen der Hörer (Mt 7,28-8,1) (vgl. Luz 2002, S.255).

Charakterisieren lässt sich die Bergpredigt als erste ausführliche Verkündung Jesu und gilt somit als zentraler Inhalt christlicher Missionsverkündung (vgl. ebd., S.259). Weiter wird sie als „Rede von der Gerechtigkeit des Himmelreiches“ betitelt, dass durch dieses grundlegende Leitwerk in Erscheinung tritt.

Die Bergpredigt lässt sich als ausführlich und umfassenden Anfang der Lehre Jesu bezeichnen. Hauptaugenmerk liegt auf der Auslegung des Willens Gottes und dem Inhalt von wahrer Gerechtigkeit.

2.2.2 Quellen der Bergpredigt

Die Bergpredigt ist eine von Matthäus konstruierte Zusammenfügung. Aufgrund von vorgegebener Texte wurden Zusätze und Umformulierungen bearbeitet (vgl. ebd., S.256). Durch bisherige Forschungen konnte aufgezeigt werden, dass die Bergpredigt eine eigene Ausarbeitung des Evangelisten Matthäus ist. Größere Teile des Stoffes stammen aus der Logienquelle Q, die den Ausgangspunkt bilden (vgl. Weder 1985, S.34).

Die Logienquelle Q ist eine Sammlung von Jesus-Worten, die aus aktuellen Kenntnissen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus beiden Evangelien (Lukas und Matthäus) rekonstruierbar ist (vgl. ebd., S.34).

Ein weiterer großer Teil aus der Bergpredigt ist zurückzuführen auf das sogenannte „matthäischen Sondergut“. Das beinhaltet diejenigen Stoffe, die Matthäus in seiner Gemeinde vorgefunden hat (vgl. ebd., S.34).

Aufgrund des Alters dieses Gutes lassen sich Rückschlüsse auf den historischen Jesu schließen laut Weder (vgl. ebd., S.34).

Von Bergemann wird hingegen ausgeschlossen, dass es sich hierbei um eine original Jesuspredigt handeln soll. Gründe dafür brachte die Forschung, die annahm, dass Gedankenschritte keinen einheitlichen Fluss darbieten und eine unsichere Anordnung von Sprüchen vorgefunden wurde. Auch stach eine Vermischung von Stilgattung heraus (vgl. Bergemann in Luz 2002, S.258). Sicher ist jedoch, dass es sich um eine frühe Zusammenstellung von Jesusworten handelt, die einen hohen Anteil dieser Aussagen besitzen. Trotzdem erschwert es durch diesen Mangel an Übereinstimmungen, einen Rückschluss auf den historischen Jesus ziehen zu können.

So lässt sich anmerken, dass die Bergpredigt von Matthäus aus Einzelstücken der beiden Hauptquellen Q und dem matthäischen Sondergut zusammengefügt wurden. Die Perikope Mt 5,43-48 stammt in der Grundstruktur aus Q und hat eine Parallele in Lk 6,27f und 6,32-36: „Strukturell ähnlich und in den wichtigsten Gedanken eng verwandt, unterscheiden sich die Parallelen teilweise im Inhalt, durch die Ausführlichkeit der Darstellung und im Vokabular, was einen Unterschied an Anschauungen und Gewichtungen der Redaktoren signalisiert.“ (Petersen 2001, S.219). Weiter fand die Forschung heraus, dass zusätzlich kleine Teile der Markus-Überlieferung in der matthäischen Predigt vorzufinden sind (vgl. Weder 1985, S.34).

Matthäus folgte in der Bergpredigt dem Aufbau der sogenannten Feldrede in Q6,20-49 (vgl. Luz 2002, S.256). Lediglich wurde die „Goldene Regel“ festgelegt (vgl. ebd., S.256). Aus dieser Feldrede heraus nahm er andere Teile aus Q hinzu. Die Antithese der Feindesliebe fällt unter einen der wenigen Erweiterungen, die nach Luz zu einer zusätzlichen Einfügung aus Q-Material stammt und somit vermuten lässt, dass Matthäus eine schriftliche Sonderquelle als Vorlage bekommen hatte (vgl. ebd., S.257).

2.2.3 Adressaten der Bergpredigt

Nach Lohfink (1988) hängt die Frage nach dem Adressaten mit der Radikalität der Forderung in der Bergpredigt zusammen (vgl. Lohfink 1988, S.16). Im Matthäus-Evangelium werden Adressaten und Auskunft jedoch sehr schnell klar: Volksscharen und Jünger. Dadurch entwickelt sich die Frage, wen die Volksscharen und Jünger sogleich repräsentieren sollen. Sind sie die Volksscharen des bisherigen Israels oder das im Mt erwähnte wahre Gottesvolk?

Für diese Antwort muss eine Unterscheidung zwischen den Adressaten des Matthäus-Evangeliums im Ganzen, die selbstverständlich auch Adressaten der Bergpredigt sind und spezielle Adressaten der Bergpredigt innerhalb der Rede unterschieden werden. Der Fokus soll sich hierbei nur auf die Adressaten der Bergpredigt richten.

Mit Untersuchung der historischen Situationen des Matthäus-Evangeliums stammt laut Luz das Matthäus-Evangelium aus einer judenchristlichen Gemeinde (vgl. Luz 2002, S.85). Einige Aspekte werden hierbei aufgezählt, die dies unterstreichen sollen, wie den Aufbau und Komposition und die Berührung durch Sprache mit der Septuaginta. (vgl. ebd., S.86) Weiter geht er mit der These voran, „dass das Matthäus-Evangelium aus einer Situation stammt, wo diese judenchristliche Gemeinde an einem Wendepunkt stand.“ (vgl. ebd., S.91). Er begründet dies, mit dem Wandel der Zerstörung Jerusalems als Neuorientierung und den Anschein des Anfangs der Heidenmission (vgl. ebd., S.91). Dieser Aufbruch zeigt sich durch den Missionsbefehl durch Jesu Worte in den Antithesen. (vgl. ebd., S.91.)

In der Vorgeschichte der Bergpredigt befindet sich Jesus in Galiläa (Mt 4,23). „Dort, im „Galiläa der Heiden“, begann er gemäß einer Prophetie Jesajas seine öffentliche Wirksamkeit.“ (Lohfink. 1988, S.25). Dies soll keine Entstehung einer Heidemission aufleuchten, vielmehr soll dadurch verstanden werden, dass gerade in dieser heidnischen Bevölkerung ein Anfang für die eschatologische Wende gefunden wurde (vgl. ebd., S.25). In Galiläa begann er seine öffentliche Wirksamkeit, er durchzog sie lehrend, verkündend und heilend (vgl. ebd., S.26). Die großen Reden fanden sodann in Galiläa und nicht in der Hauptstadt Jerusalem statt. „Trotzdem sind bei der Bergpredigt um Jesus große Scharen […] aus allen Teilen des Landes versammelt. Sie repräsentieren das von Jesus zu sammelnde Gesamt-Israel.“ (ebd., S.29).

Das Hinzutreten auf den Berg wird nur von Jüngern verübt, dies soll jedoch nicht heißen, dass das Volk dabei ausgeschlossen war. Lohfink (1988) unterstreicht jedoch eine gewisse Gewichtung der Jünger, da sie zu ihm „hintreten“ dürfen. Die Jünger werden somit die „Empfänger der Lehre Jesu“ mit dem Auftrag, die Lehre weiterzugeben (vgl. ebd., S.33). Die ethischen Weisungen der Bergpredigt sollen im Jünger-Kreis gelebt werden, jedoch zugleich auf das gesamte Volk übertragen werden. Durch diese Weitergabe formen sie dann selbst Jünger-Gemeinden. Jedoch nicht nur die Weitergabe, auch die Taufe muss hierbei gegeben sein (vgl. ebd., S.33.). Somit kommt das Volk ins Spiel, das nun vor der Entscheidung steht, ob es „die definitive Auslegung der Sinai-Tora durch Jesus annimmt und dadurch zum wahren Gottesvolk wird.“ (ebd., S.34)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Feindesliebe in der Bergpredigt. Eine exegetische Auseinandersetzung und die Friedensbildung aus christlicher Sicht
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,1
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V496653
ISBN (eBook)
9783346010292
ISBN (Buch)
9783346010308
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feindesliebe, bergpredigt, evangelische Religion, Lehramt
Arbeit zitieren
Cyn Wen (Autor), 2018, Feindesliebe in der Bergpredigt. Eine exegetische Auseinandersetzung und die Friedensbildung aus christlicher Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496653

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