Interpretation des Gedichts "Passa la nave mia colma d’oblio" von Francesco Petrarca


Seminararbeit, 2014
12 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Francesco Petrarca 1304 – 1374
1.1. Kurzbiografie
1.2. Laura und der Canzoniere

2. Globaler Inhalt

3. Aufbau des Gedichts
3.1. Metrik
3.2. Rhythmus und Klang

4. Satzbau

5. Wortwahl

6. Kontext

7. Schluss

8. Bibliographie

1. Thematik

1.1. Francesco Petrarca 1304 – 1374

Francesco Petrarca wurde 1304 in Arezzo geboren. 1312 zog die Familie nach Avignon, wohin der zu dieser Zeit regierende Papst Clemens V im Jahr 1309 den päpstlichen Hof verlegt hatte. Petrarcas Vorfahren – Vater, Großvater und Urgroßvater – waren Notare, deshalb war es auch für Francesco naheliegend und Wunsch seines Vaters, Recht zu studieren. So begann er im Jahr 1316 in Montpellier mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Als er sich an der Universität einschrieb, war es zum ersten Mal notwendig einen offiziellen Nachnamen anzugeben. Da die Familie keinen führte, entschied sich Francesco für den Taufnamen seines Vaters: Pietro, welcher zum Nachnamen Petracchi wurde.1 Petrarca setzte sein Studium der Rechtswissenschaften später in Bologna fort, sein Interesse galt aber der Literatur.

Nach dem Tode seines Vaters im Jahr 1326 – auch die Mutter war inzwischen verstorben – verließ Petrarca die Universität, kehrte nach Avignon zurück und widmete sich ganz seiner eigentlichen Leidenschaft, der Dichtung.2 Viele Jahre wohnte und arbeitete der Dichter in Vaucluse, er unternahm aber auch oft lange Reisen. Sein Schaffen erlangte große Anerkennung, was mit der Krönung zum Dichter im Jahr 1341 in Rom unterstrichen wurde. Im Alter von 70 Jahren starb Petrarca in Arquà bei Padua, wo er die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte3.

1.2. Laura und der Canzoniere

Es war in Avignon, wo es zur ersten Begegnung Petrarcas mit seiner angebeteten Laura kam: am 6. April 1327, einem Karfreitag, traf er Laura in der Kirche Santa Chiara und verliebte sich in die verheiratete Frau, die ihn fortan inspirierte. Diese einseitige, unerfüllte Liebe sollte seine zukünftigen Werke nachhaltig beeinflussen4, insbesondere die Gedichte seines Canzoniere. Der auch als Le Rime bezeichnete Gedichtsammelband ist das Hauptwerk Petrarcas, welches von ihm in im Volgare, der Volkssprache, verfasst wurde. Ursprünglich gab ihm Petrarca den lateinischen Titel Rerum vulgaria fragmenta 5, mit dem er auf die Volkssprache hinweist.

Laura ist das zentrale Thema dieses „kunstvoll komponierten ‚Lebenstagebuches 6 , welches 366 Gedichte umfasst und in zwei Abschnitte geteilt ist: Gedichte In Vita di Madonna Laura (Canzoniere 1 – 266) und jene In Morte di Madonna Laura (Canzoniere 267 – 366). 7 Laura starb am 6. April im Jahr 1348 an der Pest, 21 Jahre nach der ersten Begegnung mit Francesco Petrarca.

1.3. Globaler Inhalt

Genauso wie die gesammelten Werke des Canzoniere hat auch das Gedicht Passa la nave mia colma d’oblio, der Canzoniere 189 der Gedichtsammlung, Laura zum Gegenstand. Petrarca beschreibt mit diesem Gedicht eine Schiffsreise auf dem stürmischen Meer und die Angst, keinen Hafen zu finden: eine Allegorie, in der er über sein Leben, ja sein Innenleben und die schwierigen Umstände, in denen er sich durch die Liebe zu Laura befindet schreibt. Das Sonett lässt erahnen, dass Francesco Petrarca eine unerfüllte Sehnsucht quält, und er drückt seine tiefen Gefühle für Laura, die Frau seines Herzens aus. Er gibt seiner Verzweiflung Ausdruck, in die ihn diese nie erwiderte Liebe versetzt hat, und aus der er keinen Ausweg zu finden scheint.

In Passa la nave mia colma d’oblio kommt auch das Motiv der Menschlichkeit zum Ausdruck, welches für den Humanismus charakteristisch ist. Petrarca, als einer der Väter und Mitbegründer des klassischen Humanismus8, gibt einen Einblick in die Gefühlswelt eines Mannes, welcher seine menschlichen Empfindungen und Erfahrungen mit der unerfüllten Liebe niederschreibt.

2. Aufbau des Gedichts

Passa la nave mia colma d’oblio ist ein klassisches Sonett mit 14 Verszeilen, gegliedert in vier Strophen. Es besteht aus zwei Quartetten und zwei Terzetten. Das Gedicht ist (in der mir vorliegenden Version) dementsprechend durch sein Druckbild als Sonett erkennbar.

2.1. Metrik

Die Verszeilen des Sonettes enden jeweils mit einem paroxytonen, also mit einem auf die vorletzte Silbe betontem Wort. Im ersten Quartett zum Beispiel: oblio, verno, governo und mio. Durch diese Betonung ergeben sich versi piani , nach der sich die Silbenzählung richtet. Da es sich um Normverse handelt, und wie im Spanischen und Italienischen üblich, wird auch die letzte, unbetonte Silbe mitgezählt9.

Unser Sonett besteht aus Verszeilen mit jeweils elf Silben, sogenannte endecasillabi, die häufigste Versart in der italienischen Dichtung. In jeder Verszeile liegt mindestens ein Hiat vor, das heißt, es treffen zwei Vokale aufeinander, sowohl im inneren eines Wortes als auch an der Wortgrenze. Die meisten vorkommenden Hiate werden in diesem Gedicht als eine metrische Silbe gezählt, einige aber auch getrennt: dementsprechend kommen viele Synäresen und Synalöphen sowie einige Diäresen und eventuell Dialöphen10 vor.

Passa la nave mia colma d’oblio 11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verszeilen 2 und 3 sowie 6 und 7 könnten durchaus auch aus 12 Silben bestehen. In diesem Fall würde jeweils eine der beiden gekennzeichneten Synalöphen zu einer Dialöphe werden, das heißt, die aufeinanderfolgenden Vokale würden getrennt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten12 13

Im Gedicht finden sich auch Elisionen und eine Aphärese die bei der Silbenzählung von Bedeutung sind. Der Dichter hat folgende Auslassungen von aus- bzw. anlautenden Vokalen vorgenommen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Rhythmus und Klang

In Passa la nave mia colma d’oblio treten des Weiteren einige rhythmische Eigenheiten auf. Das Sonett von Francesco Petrarca enthält Reime, die das Gedicht zum Klingen bringen. Die phonetisch gleichwertigen Einheiten wiederholen sich jeweils am Versende. Die beiden Quartette sind Reime mit dem Schema abba – abba. Gemäß Wittschier ist diese vorherrschende, umarmende Reimordnung kunstvoller als die alternierende, welche das italienische Sonett auch kennt, und die dem Sonett gemäßere14. Das Reimschema der beiden Terzette lautet cde – cde: auch dieses - die Reime am konsequentesten trennende Schema - entspricht der vorherrschenden Reimordnung im italienischen Sonett15.

Die Reime d (-arte) und e (-orto) haben den gleichen Auslaut und stellen so eine Konsonanz dar. Eine unvollständige Konsonanz von d und e besteht auch mit b (-erno)16: nicht der gesamte Auslaut ist gleich, sondern nur der Konsonant r. Die Reime b und c (-egni) haben den gleichen betonte Vokal e, außerdem liegt gemäß Santagatas kommentierter Ausgabe des Canzoniere in den Reimen c in den Zeilen 9 und 12 eine Paranomasie vor17: sdegni – segni.

[...]


1 Vgl. Wilkins, Ernest Hatch: Vita del Petrarca, übers. von Remo Ceserani, Milano:Feltrinelli 1964.

2 Vgl. Eppelsheimer, Hanns W.: Petrarca. Dichtungen Briefe Schriften, Frankfurt: Insel 1980 (Insel Taschenbuch 486). S 11

3 Vgl. Ebda. S 13.

4 Vgl. Wilkins, Ernest Hatch: Vita del Petrarca. S 23.

5 Vgl. Prill, Ulrich Dr.: “Canzoniere”, in: Jens, Walter (Hg.), Kindlers Neues Literatur Lexikon, München: Kindler 1991 (Band 13 PA – RE), S 168 - 170

6 Wittschier, Heinz Willi: “Die romanischen Literaturen – Petrarca”, in: Schlütter, Hans-Jürgen, Sonett, Stuttgart: Metzler 1979 (Sammlung Metzler 177), S 24.

7 Ebda. S 24

8 Wittschier, Heinz Willi: Die italienische Literatur. Einführung und Studienführer. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 3. Aufl, Tübingen: Niemayer 1985, S 50

9 Vgl. Kuon, Peter: “Gedichtanalyse”, in: Vorlesung: Einführung in die romanische Literaturwissenschaft. Skript. Salzburg WS 2012/13, S 88.

10 S. Verszeilen 2 und 3 sowie 6 und 7: Dialöphen, wenn jeweils 12 Silben gezählt werden.

11 Petrarca, Francesco: Canzoniere. Edizione commentata, a cura di Marco Santagata, IV edizione, Milano: Mondatori 2010, S 828.

12 In einer anderen als der hier zitierten Version des Sonetts wurden noch zusätzliche Beistriche gesetzt: in Zeile 2 vor il verno und in Zeile 7 vor eterno ( s. Petrarca, Francesco: Le Rime, a cura di G. Carducci e S. Ferrari, nuova present. di G. Contini, Firenze: Sansoni 1972, S 273f.

13 In einer anderen als der hier zitierten Version des Sonetts wurden noch zusätzliche Beistriche gesetzt: in Zeile 2 vor il verno und in Zeile 7 vor eterno ( s. Petrarca, Francesco: Le Rime, a cura di G. Carducci e S. Ferrari, nuova present. di G. Contini, Firenze: Sansoni 1972, S 273f.

14 Vgl. Schlütter, Hans-Jürgen: Sonett, Stuttgart: Metzler 1979 (Sammlung Metzler 177), S 5.

15 Vgl. ebda, S. 5.

16 Vgl. Petrarca, Francesco: Canzoniere. Edizione commentata, a cura di Marco Santagata, S 829.

17 Vgl. Ebda. S 829.

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Details

Titel
Interpretation des Gedichts "Passa la nave mia colma d’oblio" von Francesco Petrarca
Hochschule
Universität Salzburg  (Romanistik)
Veranstaltung
Lektürekurs Italienische Literaturwissenschaft
Note
1
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V496695
ISBN (eBook)
9783346014801
ISBN (Buch)
9783346014818
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lektürekurs, petrarca, francesco petrarca, gedichtinterpretation, seminararbeit literatur, italienische literatur, passa la nave
Arbeit zitieren
Elisabeth Lyons (Autor), 2014, Interpretation des Gedichts "Passa la nave mia colma d’oblio" von Francesco Petrarca, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496695

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