Interkulturelle Kommunikation zwischen Deutschen und Chinesen

Interkulturelle Kommunikationskompetenz für einen erfolgreichen Geschäftsabschluss


Seminararbeit, 2018

18 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Interkulturelle Kommunikation
2.1 Kommunikationsprobleme

3 Chinas kulturelle Grundlagen
3.1 Sprache in China
3.2 Hierarchie in China
3.3 Das Gesicht wahren und verlieren

4 Erfolgreiche Kommunikationsgestaltung
4.1 verbale Kommunikation
4.2 nonverbale Kommunikation

5 Geschäftliche Beziehungen verbessern
5.1 Das Geschäftsessen
5.2 Die Gastgeschenke

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Low Context and High Context

Abbildung 2: Kulturelle Werte in China

1 Einleitung

Heutzutage wird in den Medien und in zahlreichen Unternehmen China als Absatzmarkt und Produktionsstandort sehr oft diskutiert. Mit circa, 1,39 Milliarden Einwohnern ist es das Land mit der größten Bevölkerung der Welt.1

Nachhaltige Wachstumsraten des Bruttoinlandprodukts von 8 bis 9 % jährlich und der Wandel von einer sozialistischen Planwirtschaft hin zu einer freien Marktwirtschaft bedeuten außergewöhnliche Chancen für westliche Unternehmen. Nachdem viele deutsche Großunternehmen, z.B. Allianz oder BMW, erkannt haben, dass China nicht nur als Billiglohnland interessant ist, sondern auch ein wichtiger Absatzmarkt in der Zukunft sein wird, zeigen nun immer mehr Unternehmen Interesse an China.2 Diese rasante Entwicklung verspricht hervorragende Möglichkeiten für deutsche Unternehmen. Dennoch warnen aktuelle Studien: Die Engagements westlicher Unternehmen scheitern oft an Missverständnissen zwischenmenschlicher Art.[5] Kulturelle Unterschiede haben einen viel größeren Einfluss auf Geschäftsergebnisse als allgemein angenommen. Alles im Geschäftsleben ist kulturell bestimmt: Führung, die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, Motivation, Organisation, Produktgestaltung, Marketing und Kommunikation mit Kunden und Lieferanten.[6] Deshalb ist es unerlässlich, sich interkulturelle Kompetenz als Schlüssel- Qualifikation zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Chinesen anzueignen.[7] Aufgrund dieser Tatsachen sollten Unternehmen sich fundierte Kenntnisse über das Geschäftsverhalten und die Gewohnheiten der Chinesen erarbeiten und dadurch lernen, ihre Geschäfte im Reich der Mitte reibungsloser abzuwickeln.[8]

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Kommunikation im geschäftlichen Kontext zwischen Chinesen und Deutschen zustande kommt und welche Fehler wir dabei achten sollten. Zuerst wird erklärt was man unter einer interkulturellen Kommunikation versteht und was deren Kommunikationsprobleme sind. Anschließend gehen wir auf Chinas kulturelle Grundlagen ein, wobei wir intensiver auf die Sprache, Hierarchie, das Gesicht wahren und das Gesicht verlieren eingehen. Daraufhin wird beschrieben, wie eine Erfolgreiche Kommunikationsgestaltung zustande kommt und wie in China die Indirekte Kommunikation funktioniert. Um die Geschäftlichen Beziehungen zu verbessern, gibt es Tipps beim Geschäftsessen und worauf bei den Gastgeschenken geachtet werden sollte. Zuletzt gibt es dann ein persönliches Fazit über die Seminararbeit.

2 Interkulturelle Kommunikation

In einer Kommunikation werden immer mindestens zwei Personen in einer sozialen Interaktion benötigt. Um sich gegenseitig zu verstehen sind die Kommunikationskanäle und ein Instrumentarium ein wichtiger Punkt. Das Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken gehört zu den Kommunikationskanälen der sinnlichen Fähigkeiten. Zum Instrumentarium gehören alle verbalen und alle nonverbalen Mittelungen durch die Sprache oder Signale der Körperspräche. Zu den verbalen Bereich gehören beispielsweise das Redetempo, Stimmlage und Lautstärke der eigenen Stimme. Mit der Körpersprache des Menschen wird die Körperhaltung, Gestik und Mimik als Kommunikation genutzt.3

Der Begriff Kommunikation wird aus der chinesischen Perspektive als in den westlichen Kulturen weitaus vielseitiger verwendet. Denn Kommunikation kann sich auf zahlreiche Aktivitäten beziehen und ist des Öfteren mit symbolischen oder komplexen Gedanken verknüpft, die das gesamte soziale Leben der Chinesen bestimmt.4 Insbesondere die nonverbale Kommunikation ist in China sehr stark von traditionellen Konzepten geprägt.5 Deshalb könnte die Orientierung an religiösen und philosophischen Konzepten, etwa Buddhismus und Konfuzianismus bei der Analyse von chinesischen Verhaltens- und Kommunikationsmustern einen wichtigen Beitrag leisten. Des Weiteren können es große Unterschiede zwischen westlicher und asiatischer Kommunikation z. B. Individualismus und Kollektivismus (Hofstede, G. 1980) geben. Weiterhin gibt es zwischen den Kommunikationsweisen vom High-Context und Low-Context-Kulturen große Unterschiede (Hall E. T. 1976). Während China auf der High-Context Kultur Ebene ist, befindet sich Deutschland auf der Low-Context Kultur Ebene. Ein weiteres wichtiges Merkmal der chinesischen Interaktion ist, dass die Kommunikation im Gegensatz zu Deutschland als „Sender-Empfänger“-Prinzip als gemeinsamer Prozess angesehen wird.6

2.1 Kommunikationsprobleme

Die Kommunikation zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen erweist sich aufgrund der kulturellen Unterschiede als schwierig. Die Schwierigkeit besteht darin, in der Geschäftsgestaltung mit Chinesen die Anschlussgestaltung zu finden, da die Erwartungen meist kulturell unterschiedlich sind. Aufgrund dieser Unterschiede kann es zu einem Abbruch der Kommunikation führen. Dieser Kontaktabbruch kann bereits bei der Kontaktanbahnung oder in einem fortgeschrittenen Stadium der Vertragsverhandlung oder der Geschäftsführung eintreten.

Eine wichtige Rolle spielt die Dichte des Informationsnetztes „Low-Context und High-Context“. Wenn zwei Personen sich verständigen möchten, benötigen sie von dem gegenüber Informationen, um einen bestimmten Sachverhalt verstehen zu können. Manche beteiligten Personen brauchen viele zusätzliche Informationen, da sie wenig informelle Netzwerke haben und dadurch schlecht informiert sind. Das bedeutet, sie haben einen schwachen Kontext (Low-Context). Doch andere Personen sind immer gut informiert, da es starke informelle Netzwerke vorhanden sind. Diese Personen haben dann einen starken Kontext (High-Context).

Abbildung 1 : Low Context and High Context

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

In High-Context-Gruppen ist der einzelne ständig durch Zusatzinformationen am Laufenden. In solchen Gruppen wird der Person signalisiert, dass offene Türen im Arbeitsbereich und die ständige Bereitschaft des Vorgesetzten, gerne neue Informationen zu erhalten.

Die Dichte des Informationsnetztes in deutschen und chinesischen Kulturen sind auch unterschiedlich. In der Gesellschaft besteht eine Art Beziehung zum Charakter im Hinblick auf Individualität oder Gruppensolidarität. Deutschland gehört zu der Gesellschaft, die mit dichten Informationsnetzen, d. h. weniger gespeicherte Informationen kommuniziert. Grundsätzlich weiß man im eigenen Land, wie viele Informationen weitergegeben werden müssen, damit eine Botschaft richtig ankommt. Deshalb kann es bei Personen, die aus verschiedenen Ländern kommen, zu Kommunikationsproblemen führen, wenn entweder der andere Partner zu viele Informationen voraussetzt und daher nicht alles mitteilt oder es entstehen Unstimmigkeiten dadurch, dass sich ein Partner unvollständig informiert sieht, weil er von den informell erhaltenen Informationen des Partners nichts weiß. Ein weiteres Problem der Kommunikation ist das Sprachtempo. In jeder Kultur sind verschiedene Tempos in der Kommunikation z.B. Gespräche vorhanden, bei dem sich die Menschen wohlfühlen. Für Menschen, die ein langsames Sprachtempo gewohnt sind, führt ein höheres Tempo dazu, dass nicht alle Teile der Botschaft verstanden werden.7

3 Chinas kulturelle Grundlagen

Um die Chinesen zu verstehen, benötigt man Kenntnisse in deren Kultur. Die kulturellen Werte schlagen sich nämlich direkt im Verhalten bei geschäftlichen Situationen nieder. Um die geschäftliche Kultur in China zu verstehen, muss man auf fünf zentrale Werte in ihrer Kultur beachten. Ein zentraler Wert in China ist die Hierarchieorientierung. Diese ist viel stärker geprägt als in Deutschland und hat Auswirkungen auf sämtliches Verhalten in einer geschäftlichen Beziehung. Ein weiterer Wert ist der Kollektivismus. In Deutschland zählt das Individuum, allerdings steht in China die Gruppe an erster Stelle. Hier wird auch kein Unterschied gemacht, ob es sich um die Familie, die Politik oder Geschäftsleben handelt. Ein weiterer Punkt der kulturellen Werte in China ist die Flexibilität, der manchmal den deutschen Unternehmen auf einer Herausforderung bringt. Wichtig zu beachten ist auch die Orientierung am sozialen Status. Das ist ein sehr hoher Wert in China der bei missachten zu Gesichtsverletzungen führen kann.8 Was sich in den Letzten 20 Jahren allerdings neu entwickelt hat, ist der materialistische Orientierung. Im Vergleich zu den anderen Werten, wird der materialistische Wert immer einflussreicher in einem geschäftlichen Beziehungsaufbau in China.9

In den darauffolgenden Abschnitt wird genauer auf die Sprache, Hierarchie und das Gesicht zu wahren in China eingegangen.

Abbildung 2 : Kulturelle Werte in China

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an X. Ma/F. Becker (Business-Kultur in China), Gabler Verlag, Wiesbaden, 2015

3.1 Sprache in China

In China existieren mehr Dialekte als in Deutschland. Die Menge der Dialekte kommt zustande, da es mehr als 50 Minderheiten in dem Land gibt. Die Amtssprache ist Hochchinesisch, die auch Mandarin genannt wird und wird auch von den meisten Chinesen beherrscht. Grundsätzlich sind Fremdsprachenkenntnisse in China kaum vorhanden und wenn, dann auch sehr unzureichend. Allerdings beherrscht die jüngere Generation in den fortschrittlichen Ballungszentren zunehmend besseres Englisch. In der Regel werden übersetzende Begleitpersonen eingesetzt, falls jemand der englischen Sprache nicht mächtig ist. Doch man sollte darauf achten, auch wenn ein Übersetzer eingesetzt wird, beobachtet der Partner, mit dem man sich unterhält trotzdem ganz genau. Man hinterlässt aufgrund der Körperspräche, Tonlage, Kleidung und Mimik einen wichtigen Eindruck. Die chinesischen Geschäftspartner achten also auch drauf, wie etwas ausgedrückt wird und wie der gegenüber auf einen reagiert. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man diese Punkte beachtet, um erfolgreiche Geschäfte mit den Chinesen machen zu können.10

3.2 Hierarchie in China

Das hierarchische Denken in China hat eine sehr lange Tradition. Viele Studien belegen, dass die Hierarchieorientierung in China im Vergleich mit anderen Kulturen (z.B. Deutschland wesentlich höher ausgeprägt ist. Der Grund für die Hierarchieorientierung liegt in der konfuzianischen Philosophie. Das sagt aus, dass es fünf hierarchische Grundbeziehungen gibt.

- Herrscher und Untergebenem,
- Eltern und Kindern,
- Ehemann und Ehefrau,
- älteren und jüngeren Bruder und
- älterem und jüngerem Freund.

Das bedeutet für die Gesellschaft, dass es eine hierarchische Einteilung ergibt, wo jeder seinen Platz uns seine Rolle mit speziellen Rechten und Pflichten hat. Aufgrund dieser klaren Struktur gibt es Ränge, die über- und untergeordnet sind. Deshalb haben sie kein Recht, die eigenen Interessen vorzuziehen oder das Leben frei zu gestalten. Aufgrund dessen entsteht in China im Gegensatz zu Deutschland eine höhere Machtdistanz.11 Denn in Deutschland soll die Machtdistanz annähernd gleich verteilt sein. Was versteht man eigentlich unter Machtdistanz?

Unter Machtdistanz versteht man das Maß, das anzeigt, bis zu welchem Grad eine Kultur sich an die Ungleichverteilung von Macht in Beziehungen und Organisationen anpasst. Deshalb sollte bei geschäftlichen Beziehungen mit Chinesen darauf achten und sich auf diese orientieren, dass Kulturen mit hoher Machtdistanz eher autoritärer sind. Denn sie benutzen aufgrund der hohen Machtdistanz Kommunikationskanäle, die formell anstatt informell sind. Personen mit niedriger Machtdistanz (z.B. Deutschland) akzeptieren große Machtgefälle grundsätzlich weniger und die Kommunikation erfolgt durch informelle Kanäle. Die Missachtung der Hierarchie ist in China eine Gesichtsverletzung. Vom Vorgesetzten wird immer ein entsprechendes hierarchiebewusstes Verhalten erwartet. Wenn der Mitarbeiter auf Augenhöhe behandelt wird, stößt man auf Unverständnis und wird gleich als Schwächling interpretiert. Bei Verhandlungen darf man die Mitarbeiter auch nicht mit auf Entscheidungen einbeziehen. Deshalb gilt in China „command and control“.12 Für den Verhandelnden Geschäftspartner ist deshalb darauf sehr gut zu achten. Denn wer die kulturellen Unterschiede nicht akzeptiert oder respektiert, könnte schon eine deutsch-chinesische Verhandlung bereits gescheitert sein, bevor überhaupt die Verhandlungen richtig begonnen haben.13

[...]


1 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/19323/umfrage/gesamtbevoelkerung-in-china/ (zugegriffen am 18.12.2018 um 20:25).

2 https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/allianz-bmw-deutz-konzerne-aus-deutschland-profitieren-von-chinas-marktoeffnung-am-staerksten/23769342.html (zugegriffen am 18.12.2018 um 21:00)

3 Vgl. Edith, 2011, S.22

4 Vgl. Chen/Miike, 2006, S.8

5 Vgl. Chen, 2002, S.5

6 Vgl. Yum, 1988, S.83

7 Vgl. Edith, 2011, S.96-97

8 Vgl. Ma/Becker, 2015, S.3-4

9 Vgl. Ma/Becker, 2015, S.21

10 Vgl. Ma/Becker, 2015, S.25

11 Vgl. Ma/Becker, 2015, S.4-5

12 Vgl. Ma/Becker, 2015, S.7-8

13 Vgl. Metsch, 2015, S.29

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kommunikation zwischen Deutschen und Chinesen
Untertitel
Interkulturelle Kommunikationskompetenz für einen erfolgreichen Geschäftsabschluss
Hochschule
Hochschule München
Note
3,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V496736
ISBN (eBook)
9783346025036
ISBN (Buch)
9783346025043
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, kommunikation, deutschen, chinesen, kommunikationskompetenz, geschäftsabschluss
Arbeit zitieren
Mehmet Bulut (Autor), 2018, Interkulturelle Kommunikation zwischen Deutschen und Chinesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496736

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