Einführung und Thema der Arbeit
Die Fähigkeit bestimmte Güter zu der vom Kunden gewünschten Zeit an einem bestimmten Ort zur Verfügung stellen zu können ist durch den Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt zu einem der entscheidenden Erfolgskriterien für den Unternehmenserfolg geworden. Um dieses gewährleisten zu können muß die Logistik im Zuge der Materialbeschaffung, der internen Materialflüsse und der Distribution die Aufgabe der "Überbrückung von Raum-, Zeit- und Mengendifferenzen" übernehmen. Sie ist also für den gesamten Güterfluß im Unternehmen zuständig und gehört damit zu den wichtigsten Bereichen im Unternehmen. Störungen wirken sich im gesamten unternehmerischen Umfeld aus: Kundenzufriedenheit, Unternehmensgewinn und Mitarbeiterzufriedenheit.
Die Balanced Scorecard als Kennzahlensystem, das eine ganzheitliche Unternehmenssicht und deren Abbildung in einem Kennzahlensystem zum Ziel hat , scheint hier ein vielversprechender Ansatz für Verbesserungen zu sein. Ziel dieser Arbeit ist es für die Logistik wichtige Ursache- Wirkungsbeziehungen und Möglichkeiten der Messung von relevanten Faktoren aufzuzeigen. Im Rahmen dieser Arbeit wird insbesondere der Bereich der Distributionslogistik bearbeitet, da sich hier die direkte Schnittstelle zum externen Kunden befindet, der auf einem Käufermarkt eine der wichtigsten Größen darstellt.
Die Suche nach geeigneter Literatur gestaltete sich relativ schwierig, da sich die Veröffentlichungen zur Balanced Scorecard noch immer sehr stark auf die Forschungsergebnisse von Robert S. Kaplan und David P. Norton aus dem Jahre 1992 stützen. Die umfassende Thematik der Balanced Scorecard läßt im Rahmen dieser Arbeit nur eine auf die wesentlichen Bestandteile und Einflußgrößen beschränkte Darstellung des Konzeptes der Balanced Scorecard zu. Weiterhin ist ein wesentlicher Bestandteil im Konzept der Balanced Scorecard die Einbeziehung nicht monetärer Faktoren in das Kennzahlensystem. Hierzu ist aussagekräftige Literatur fast ausschließlich in Form von Praxisbeispielen vorhanden. Eine Allgemeingültigkeit ist daher nicht gegeben, was letztlich jedoch auf die Ursache- Wirkungsbeziehungen zurückzuführen ist, die in jeder Organisation unterschiedlich sind. Im Bereich der Kennzahlenerarbeitung werden die von verschiedenen Autoren vorgeschlagenen Kennzahlen kritisch diskutiert.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG UND THEMA DER ARBEIT
2. DIE BALANCED SCORECARD
2.1 DIE VIER PERSPEKTIVEN DER BALANCED SCORECARD
2.1.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive
2.1.2 Die Kundenperspektive
2.1.3 Die interne Prozeßperspektive
2.1.4 Die Lern- und Entwicklungsperspektive
2.2 DIE BALANCED SCORECARD UND DIE VERSCHIEDENEN HIERARCHIESTUFEN
2.3 KENNZAHLEN IM SYSTEM DER BALANCED SCORECARD
2.4 URSACHE- UND WIRKUNGSBEZIEHUNGEN
2.5 WERT- UND LEISTUNGSTREIBER
2.6 KOMPLEXITÄT
2.7 DIE BEDEUTUNG VON FRÜH- UND SPÄTINDIKATOREN
3. KENNZAHLEN IN DER LOGISTIK
3.1 ANFORDERUNGEN AN KENNZAHLEN IN DER LOGISTIK
3.2 URSACHE- WIRKUNGSBEZIEHUNGEN IN DER LOGISTIK
3.2.1 Ursache und Wirkung in der finanzwirtschaftlichen Perspektive
3.2.2 Ursache und Wirkung in der Kundenperspektive
3.2.3 Ursache und Wirkung in der internen Prozeßperspektive
3.2.4 Ursache und Wirkung in der Lern- und Entwicklungsperspektive
4. DIE BALANCED SCORECARD IN DER LOGISTIK
4.1 DIE PERSPEKTIVEN DER BALANCED SCORECARD IN DER DISTRIBUTIONSLOGISTIK
4.1.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive
4.1.2 Die Kundenperspektive
4.1.3 Die interne Prozessperspektive
4.1.4 Die Lern- und Entwicklungsperspektive
4.2 EINE BALANCED SCORECARD FÜR DIE LOGISTIK
5 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Ursache-Wirkungsbeziehungen in der Logistik zu identifizieren und Methoden zur Messung relevanter Faktoren aufzuzeigen, um die Balanced Scorecard als ganzheitliches Steuerungssystem in der Distributionslogistik nutzbar zu machen.
- Grundlagen und Konzeption der Balanced Scorecard
- Anforderungen an ein logistisches Kennzahlensystem
- Analyse von Ursache-Wirkungsbeziehungen in der Logistik
- Strategische Steuerung der Distributionslogistik mittels Balanced Scorecard
- Messung von nicht-monetären Leistungs- und Werttreibern
Auszug aus dem Buch
2.4 Ursache- und Wirkungsbeziehungen
„Die Besonderheit des Balanced Scorecard- Konzeptes liegt darin, daß die üblicherweise implizit zwischen Strategie, Ziel und Maßgröße unterstellten Ursache- Wirkungsbeziehungen expliziert werden. ... Die Strategie wird in diesem Konzept als ein System von Hypothesen über Ursachen und Wirkungen im Sinne von Zweckbeziehungen betrachtet.“ „Die Umsetzung des Balanced Scorecard- Konzeptes macht es somit erforderlich, eine `Geschäftstheorie` aufzustellen, in der die strategischen Ziele und die strategiespezifischen Ursache- Wirkungs- Beziehungen offengelegt werden.“ Dies ist die am sorgfältigsten zu planende und für viele Unternehmen vollkommen neue Teilaufgabe, jedoch wird zum Beispiel in der Volkswirtschaftslehre seit langem mit solchen Ursache- Wirkungsbeziehungen gearbeitet.
Nach Wall bieten sich, um Ursache- Wirkungsbeziehungen für ein Kennzahlensystem zu gewinnen, im wesentlichen die logische Herleitung und die Ableitung aus Erfahrungswerten an.
Die logische Herleitung basiert auf mathematisch miteinander in Verbindung zu bringende Zusammenhänge zur Festlegung der Struktur. Als Beispiel kann hier das Du- Pont Kennzahlensystem angeführt werden. Logische Zusammenhänge sagen jedoch nichts über die Erfahrungswerte dieser Beziehungen aus. Es können also auch Korrelationen zwischen verschiedenen Kennzahlen bestehen, die sich nicht mathematisch logisch begründen lassen. Deshalb ist es notwendig, logische Zusammenhänge und empirische Daten zu kombinieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG UND THEMA DER ARBEIT: Darstellung der logistischen Aufgaben im Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt und Einordnung der Balanced Scorecard als Instrument zur ganzheitlichen Unternehmenssteuerung.
2. DIE BALANCED SCORECARD: Erläuterung der vier Perspektiven des Konzepts sowie der Bedeutung von Ursache-Wirkungsbeziehungen, Kennzahlen und Frühindikatoren zur Strategieumsetzung.
3. KENNZAHLEN IN DER LOGISTIK: Diskussion der Anforderungen an logistische Kennzahlen und detaillierte Untersuchung von Ursache-Wirkungsbeziehungen in den vier BSC-Perspektiven im Logistikkontext.
4. DIE BALANCED SCORECARD IN DER LOGISTIK: Entwicklung eines spezifischen Zielsystems für die Distributionslogistik unter Anwendung der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln.
5 AUSBLICK: Kritische Würdigung der Balanced Scorecard hinsichtlich ihrer Grenzen bei exakten Vorhersagen und Empfehlung zur Fokussierung auf Veränderungsrichtungen.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Logistik, Distributionslogistik, Kennzahlensystem, Ursache-Wirkungsbeziehungen, Leistungstreiber, Werttreiber, Performance Measurement, Strategieumsetzung, Frühindikatoren, Logistikcontrolling, Unternehmenserfolg, Prozessoptimierung, Unternehmenssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept der Balanced Scorecard zur ganzheitlichen Steuerung logistischer Prozesse, speziell in der Distributionslogistik, erfolgreich eingesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Kennzahlensystemen, der Analyse von Ursache-Wirkungsbeziehungen sowie der Identifikation von Leistungs- und Werttreibern im logistischen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, für die Logistik relevante Ursache-Wirkungsbeziehungen offenzulegen und aufzuzeigen, wie messbare Faktoren zur strategischen Steuerung der Distributionslogistik abgeleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung auf Basis bestehender Literatur zur Balanced Scorecard sowie eine kritische Diskussion und Zusammenführung verschiedener Ansätze zur Kennzahlenerarbeitung im Logistikcontrolling.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Anforderungen an logistische Kennzahlen, der detaillierten Betrachtung der vier BSC-Perspektiven und deren Übertragung auf die Distributionslogistik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Balanced Scorecard, Logistik, Distributionslogistik, Kennzahlensysteme, Ursache-Wirkungsbeziehungen, Leistungstreiber und strategische Unternehmenssteuerung.
Wie unterscheidet sich die BSC von klassischen Kennzahlensystemen in der Logistik?
Im Gegensatz zu rein finanziell orientierten Systemen integriert die Balanced Scorecard nicht-monetäre Kriterien wie Kundenperspektive, Prozessqualität und Innovationsfähigkeit, um die strategische Ausrichtung ganzheitlich abzubilden.
Welche Herausforderung sieht der Autor bei der Quantifizierung in der Lern- und Entwicklungsperspektive?
Die Messung von qualitativen Aspekten wie Mitarbeiterzufriedenheit oder Innovationsbereitschaft ist schwierig; der Autor schlägt hierfür messbare Indikatoren wie Fehlzeiten oder die durchschnittliche Anzahl an Schulungstagen vor.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann (FH) Jens Müller (Author), 2001, Die Balanced Scorecard in der Logistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4968