Die Kundenintegration in logistische Prozesse


Hausarbeit, 2002

28 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsabgrenzungen
2.1 Der Begriff des Kunden
2.2 Der Begriff der Logistik
2.3 Der Begriff des Prozesses
2.4 Der Begriff der Kooperation
2.5 Der Begriff des Netzwerkes

3. Unternehmenskooperationen
3.1 Vertikale Kooperation
3.2 Horizontale Kooperation
3.3 Diagonale Kooperation

4. Netzwerke
4.1 Begriff des strategischen Netzwerks
4.2 Netzwerkansätze
4.2.1 Transaktionskostenansatz
4.2.2 Austauschorientierter Ansatz
4.2.3 Ressource Dependence-Ansatz
4.2.4 Vergleich der vorgestellten Netzwerkansätze

5. Identifikation von Kostensenkungspotentialen
5.1 Einkaufspreisanalyse
5.2 Wertanalyse
5.3 Benchmarking
5.4 Komplexitätsanalyse

6. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Durch den Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt[1] ist die Kundenzufriedenheit zu einem der entscheidenden Erfolgskriterien für den Unternehmenserfolg geworden. Um diese gewährleisten zu können, muß der Kunde bereits in einer frühen Phase der Produktentwicklung einbezogen und an das Unternehmen gebunden werden.

Besonders wichtig scheint hier die Einbindung des Kunden in logistische Prozesse, um einen zu jedem Zeitpunkt reibungslosen Verlauf und höchstmögliche Kundenzufriedenheit erreichen zu können.

Die Betrachtung der logistischen Prozesse beginnt bereits bei der Produktentwicklung und wird im Idealfall bis zur Entsorgung bei der Entwicklung bedacht.

Die Integration von Kunden in die logistischen Prozesse eines Unternehmens machen aus ökonomischer Sicht nur dann Sinn, wenn diese für einen längeren Zeitraum bestehen bleiben werden. Dies bedeutet, daß die betroffenen Unternehmen sich in einer Kooperation befinden; Kooperationen führen jedoch fast zwangsläufig zur Bildung eines Netzwerkes.

Im Rahmen dieser Arbeit wird deshalb auf die Integration des Kunden im Rahmen eines Netzwerkes eingegangen. Die Einbindung von nicht fest kooperierenden Unternehmen durch die entsprechende Einrichtung der logistischen Prozeße soll nicht Bestandteil dieser Arbeit sein.

Weiterhin werden ausschließlich interorganisationelle Kooperationen und Netzwerke betrachtet. Auf die unternehmensinterne Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen wird auf Grund abweichender Grundvoraussetzungen und deren Auswirkungen nicht vertiefend eingegangen.

Zuletzt wird die Kundeneinbindung in die logistischen Prozesse aller am Netzwerk beteiligten Unternehmen unter dem Aspekt der Kostenreduktion und der bedeutendsten Analysemöglichkeiten betrachtet.

Potentielle Ansätze für Kosteneinsparungspotentiale sollen hier ebenso dargestellt und diskutiert werden, wie verschiedene Methoden zur Identifikation von nicht wertschöpfenden Tätigkeiten.

2. Begriffsabgrenzungen

Im folgenden werden die Begriffe ‚Kunde‘, ‚Logistik‘, , Prozeß‘, ‚Kooperation‘ und ‚Netzwerk‘ diskutiert und definiert.

2.1 Der Begriff des Kunden

Für Krähe ist der Kunde derjenige, der unsere Produkte nachfragt und gegebenenfalls auch kauft. Der Kunde fordert darüber hinaus die zum Produkt gehörende Problemlösung als Dienstleistung.[2] Hess/ Brecht stimmen Krähe zu, erweitern jedoch den Kundenbegriff um intraorganisationelle Aspekte und bezeichnen damit auch vor-, nach-, oder horizontal angeordnete Bereiche im eigenen Unternehmen als Kunden. Kriterium ist hier der Transaktionsbedarf einer Organisationseinheit mit einer anderen.[3] Birker betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Orientierung des Unternehmens an den Bedürfnissen des Kunden bei externen Kunden. Interne Kundenbeziehungen sieht er als Problemstellung des internen Organisationswesens.[4] Für Meffert hat der Kunde noch eine bedeutendere Rolle: „Wegen der in den meisten Geschäftstypen notwendigen intensiven Interaktion zwischen Anbieter und Nachfrager kommt einer effektiven und effizienten Kundenintegration (Customer Integration) eine sehr hohe Bedeutung zu. Oftmals können Problemlösungen sogar nur in Zusammenarbeit mit dem Kunden tatsächlich gestaltet werden.“[5] Gomez/ Zimmermann stellen im Gegensatz dazu die lokale Kundennähe in den Vordergrund. Die Organisation des Unternehmens sollte deshalb so gestaltet sein, daß die einzelnen Einheiten nah am Kunden sind‘ und sich lokal auf seine Bedürfnisse und Wünsche einstellen können.[6]

2.2 Der Begriff der Logistik

Seit einigen Jahren entwickelt sich der Logistikbegriff mehr und mehr zu einem Modewort. Die Inhalte der Logistik sind mittlerweile nur noch schwer abzugrenzen. In der Literatur wird die Bedeutung des Logistikbegriffes dementsprechend sehr widersprüchlich dargestellt, weshalb eine ausführliche Betrachtung und Diskussion als Grundlage dieser Arbeit erforderlich ist.

Der Begriff der Logistik hat zwei Bedeutungen. Zum einen bezeichnet er die mathematische Logik, zum anderen das militärische Nachschubwesen. G. Oeldorf/ K. Olfert führen hierzu aus, daß der Bereich der Logistik versucht, wirtschaftswissenschaftliche Fakten mathematisch zu formulieren und erläutern das militärische Nachschubwesen als „das Nachschub-, Versorgungs- und Transportwesen als Führungsaufgabe sowie die Unterhaltung aller Einrichtungen, insbesondere von Kommunikations- und Verkehrsverbindungen.“[7] Der amerikanische Logistikbegriff bezeichnet dagegen die Funktion des innerbetrieblichen Materialflusses, die Definition der Lagerhaltungsstrategien und die Bestimmung der Vertriebswege.[8]

J. Bloech/ G.B. Ihde stellen die Möglichkeit dar, den Logistikbegriff aus dem allgemeinen Sprachgebrauch herzuleiten und damit alles, was ein Logistikdienstleister tut als logistische Dienstleistung bezeichnen zu können.[9]

Demgegenüber sieht H.- Ch. Pfohl in der Logistik den flußorientierten Ansatz, die raum- zeitliche Gütertransformation als Dienstleistung, welche durch Logistikprozesse innerhalb von Logistiksystemen von Logistikunternehmen angeboten werden. Zur Logistik gehören alle Tätigkeiten, die zur Erfüllung dieser Aufgabe notwendig sind. Er grenzt hiermit ausdrücklich Nebenaufgaben, wie die Wartung von Produktionsanlagen, aus. Pfohl definiert die Optimierung der Abläufe und damit die Effizienz der Logistikprozesse als Aufgabe der Logistik. Hierzu führt er die vier ‘r´s‘ zur Charakterisierung der Anforderungen an die Logistik an: „Die Logistik hat dafür zu sorgen, daß ein Empfangspunkt gemäß seines Bedarfs von einem Lieferpunkt mit dem richtigen Produkt (in Menge und Sorte), im richtigen Zustand, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort [!]zu den dafür minimalen Kosten versorgt wird.“[10] Die minimalen Kosten resultieren für ihn hierbei aus der effizienten Organisation der Abläufe.[11]

C. Schulte definiert Logistik „als marktorientierte, integrierte Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle des gesamten Material- und dazugehörigen Informationsflusses zwischen Unternehmen und seinen Lieferanten, innerhalb eines Unternehmens sowie zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden [!].“[12] Weiterhin grenzt er die Begriffe zum eindeutigen Verständnis nach den zugeordneten Funktionen und den durch sie betrachteten Objekte ab. Objekte der Logistik sind demnach alle Materialien und Waren, im Gegensatz zu anderen notwendigen Faktoren wie Anlagen, Personal und Kapital. Als die grundsätzlichen „ Funktionen [!], die im wesentlichen dem Versorgungsbereich eines Unternehmens zuzuordnen sind, lassen sich anführen: Einkauf, Lagerhaltung, Transport, Produktionsplanung und – steuerung sowie Auftragsabwicklung.“[13] Je mehr Teilfunktionen und Schnittstellen zu funktionell angrenzenden Aufgabenbereichen der Logistik zugerechnet werden, desto besser sind die Voraussetzungen für eine optimale Koordination zwischen den einzelnen logistischen Tätigkeiten.[14]

Für diese Arbeit wird der Logistikbegriff von Schulte aufgrund seiner klaren und sinnvollen Abgrenzung verwendet.

2.3 Der Begriff des Prozesses

Wilken sieht als Möglichkeit zur Definition von Prozessen: „Prozesse können definiert werden als Vorgänge, die wiederholt stattfinden und durch Einsatz von Inputfaktoren bei gegebenen strukturellen Bedingungen einen geplanten Output realisieren.“[15]

Striening erweitert diese Definition um die Voraussetzung meßbarer Wertschöpfung und die Meß- und Bewertbarkeit von In- und Output.[16]

Kleinsorge erweitert dies dahingehend, daß das Prozeßergebnis den Anforderungen des internen oder externen Kunden entsprechen muß.[17]

Aus der Produktsicht versteht Frehr unter Prozessen ausschließlich den Herstellungsprozeß ‚tangibler‘, also materieller, Produkte.[18] Kleinsorge stimmt Frehr hierbei zu und ergänzt diese Definition um die Erzeugung immaterieller Produkte. Oess formuliert global das Erreichen eines bestimmten Zieles. Frehr und Kleinsorge beschränken sich demgegenüber auf Produkte.[19] Juran geht hier einen Schritt weiter als Oess und bezieht weitergehend die Zielerreichung in mehrdimensionalen Zielsystemen in die Definition mit ein.[20] Oess beschreibt einen Prozeß zusätzlich als „eine logische Abfolge von Aktivitäten“[21] und erweitert seine Definition damit um die Komponente der Aktivität zur Erreichung des Zieles.

Juran dagegen definiert „als Prozeß den systematischen Ablauf von Aktivitäten“.[22]

Kleinsorge sieht „jede Art von einzelner oder zusammen­ge­setzter Tätigkeit“[23] als Prozeß an. Kleinsorge versteht damit im Gegensatz zu Juran auch eine einzelne Tätigkeit als Prozeß.

[...]


[1] Vgl. Meffert, H.; Marketing, 1998, S.3.

[2] Vgl. Krähe, W., Unternehmensorganisation, 1994, S. 109.

[3] Vgl. Hess, T./Brecht, L., State of the art des Business process redesign, 1996, S. 10-11.

[4] Vgl. Birker, K., Managementtechniken und Organisation, 1998, S. 12-13.

[5] Meffert, H., Marketing, 1998, S. 1132.

[6] Vgl. Gomez, P., Zimmermann, T., Unternehmensorganisation, 1993, S. 194.

[7] Oeldorf, G., Olfert, K., Materialwirtschaft, 1995, S. 341.

[8] Vgl. Oeldorf, G., Olfert, K., Materialwirtschaft, 1995, S. 341.

[9] Vgl. Bloech, J., Ihde, G., Vahlens großes Logistiklexikon, 1997,S. 165.

[10] Pfohl, Hans- Christian; Logistiksysteme, 1996, S.12.

[11] Vgl. Pfohl, H., Logistiksysteme, 1996, S. 3-14.

[12] Schulte, C., Logistik, 1995, S. 1.

[13] Schulte, C., Logistik, 1995, S. 1.

[14] Vgl. Schulte, C., Logistik, 1995, S. 1 und 2.

[15] Wilken, C., Strategische Qualitätsplanung, 1993, S. 8.

[16] Vgl. Striening, H.-D., Prozeß-Management, 1994, S. 158.

[17] Vgl. Kleinsorge, P., Geschäftsprozesse, 1994, S. 52.

[18] Vgl. Frehr, H., TQM, 1994, S. 128.

[19] Vgl. Oess, A., TQM, 1993, S. 114.

[20] Vgl. Juran, J., Qualitätsplanung, 1991, S. 206.

[21] Oess, A., TQM, 1993, S. 114.

[22] Juran, J., Qualitätsplanung, 1991, S. 206.

[23] Kleinsorge, P., Geschäftsprozesse, 1994, S. 52.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Kundenintegration in logistische Prozesse
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Distributionslogistik
Note
2,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V4969
ISBN (eBook)
9783638130271
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Nach Theissen, 31 aktuelle Quellen, 22 Seiten + Literaturverzeichnis.
Schlagworte
kunde logistik integration materialwirtschaft
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann (FH) Jens Müller (Autor), 2002, Die Kundenintegration in logistische Prozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4969

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Kundenintegration in logistische Prozesse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden