Herausforderungen, die die Globalisierung mit sich bringt, sind in unserer heutigen Zeit weder aufzuhalten noch wegzudenken. So sind Unternehmen durch eine steigende Dynamik, unstetige Kundennachfragen, ein größer werdendes Wettbewerbsumfeld und komplexe Wertschöpfungsketten gekennzeichnet. Ferner werden im aktuellen globalen Kontext Unternehmen von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGO) und Konsumenten vermehrt dazu gedrängt, nachhaltig zu wirtschaften. Das an die Unternehmen herangetragene Interesse umfasst neben dem Erhalt auch die Bewirtschaftung eines gesunden Ökosystems. Vor diesem Hintergrund sind vorausschauende unternehmerische Reaktionsfähigkeiten unabdingbar, um sowohl im wirtschaftlichen Sinne als auch im Rahmen von zeitgemäßen Interaktionen handlungsfähig bleiben zu können.
In diesem Zusammenhang erfordert die effektive Integration der Nachhaltigkeit innerhalb der Unternehmensprozesse Maßnahmen, die organisatorische Grenzen überschreiten und besondere Entwicklungen im Rahmen des Lieferkettenmanagements postulieren. Anhand wissenschaftlicher Forschungsartikel wird das gestiegene Interesse von Unternehmen und Wissenschaft an einem nachhaltigen Supply Chain Management (SCM) ersichtlich. Im Rahmen der Implementierung einer nachhaltigen Entwicklung nehmen Unter-nehmen eine wesentliche Rolle ein, da sie u.a. das Konsumverhalten und die Ressourcennutzung beeinflussen sowie das Maß der Umweltinanspruchnahme bestimmen. Hierbei hat die Automobilbranche als einer der größten produzierenden Sektoren einen enormen Einfluss, da die Produkte einerseits Arbeitsplätze sowie Mobilität für Millionen bieten und andererseits eine Bedrohung für die Umwelt darstellen.
Der Druck der Verbraucher und staatliche Vorschriften sowie Forderungen einzelner Interessengruppen haben die Automobilindustrie gezwungen, ökologische und soziale Auswirkungen zusätzlich zu ihren ökonomischen Zielen zu fokussieren. Die bisherigen Ausführungen zeigen die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen von SSCM-Praktiken. Die vorliegende Arbeit zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, die wechselseitigen Einflüsse der SSCM-Praktiken innerhalb der Automobilindustrie wissenschaftlich zu untersuchen und strukturiert darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Theoretischer Rahmen des Sustainable Supply Chain Managements
2.1 Nachhaltigkeit
2.1.1 Begriffsklärung und Relevanz
2.1.2 Nachhaltigkeitsdimensionen und einhergehende Herausforderungen
2.1.3 Abgrenzung gegenüber verwandten Konzepten
2.1.4 Unternehmerische Begründung für nachhaltiges Wirtschaften
2.2 Supply Chain Management
2.2.1 Begriffsklärung und Relevanz
2.2.2 Bullwhip-Effekt in der Supply Chain
2.2.3 Ziele und Aufgabenbereiche
2.3 Sustainable Supply Chain Management
2.3.1 Begriffsklärung und Relevanz
2.3.2 Integrationsansätze und strategische Möglichkeiten
2.3.3 Abgrenzung gegenüber verwandten Konzepten
2.3.4 Nachhaltige Gestaltung des Beschaffungsmanagements
2.3.5 Nachhaltige Gestaltung des Produktionsmanagements
2.3.6 Nachhaltige Gestaltung des Distributionsmanagements
2.3.7 Nachhaltige Gestaltung des Entsorgungsmanagements
3 Nachhaltigkeit in der deutschen Automobilindustrie
3.1 Bedeutung und Struktur der deutschen Automobilindustrie
3.2 Nachhaltigkeitsbetroffenheit der Automobilhersteller
3.3 Vorstellung und Beschreibung der Fallstudienunternehmen
3.3.1 BMW AG
3.3.2 Volkswagen AG
3.3.3 Daimler AG
4 Fallstudienanalyse zur Implementierung des Sustainable Supply Chain Managements
4.1 Untersuchungsumfang
4.2 Nachhaltige Beschaffung in der Praxis
4.3 Nachhaltige Produktion in der Praxis
4.4 Nachhaltige Distribution in der Praxis
4.5 Nachhaltige Entsorgung in der Praxis
4.6 Deskriptive Darstellung der drei Nachhaltigkeitsdimensionen
4.6.1 Deskriptive Darstellung der sozialen Dimension
4.6.2 Deskriptive Darstellung der ökologischen Dimension
4.6.3 Deskriptive Darstellung der ökonomischen Dimension
5 Auswertung und Handlungsempfehlungen
5.1 Praktische Gestaltung der drei Nachhaltigkeitsdimensionen
5.1.1 Soziale Dimension in der Praxis
5.1.2 Ökologische Dimension in der Praxis
5.1.3 Ökonomische Dimension in der Praxis
5.2 Treiber des SSCMs auf Basis der Fallstudienanalyse
5.3 Barrieren des SSCMs auf Basis der Fallstudienanalyse
5.4 Gestaltungsempfehlungen auf Basis der Fallstudienanalyse
5.4.1 Empfehlungen für die BMW AG
5.4.2 Empfehlungen für die Volkswagen AG
5.4.3 Empfehlungen für die Daimler AG
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit verfolgt das Ziel, die komplexen wechselseitigen Einflüsse von Praktiken des nachhaltigen Supply Chain Managements (SSCM) in der deutschen Automobilindustrie wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich SSCM in der Praxis gestaltet, welche Treiber und Barrieren die Implementierung beeinflussen und welche Herausforderungen sowie Chancen mit einer nachhaltigkeitsorientierten Lieferkette verbunden sind, um darauf aufbauend konkrete Handlungsempfehlungen für die Fallstudienunternehmen BMW AG, Volkswagen AG und Daimler AG abzuleiten.
- Nachhaltigkeit in der Automobilbranche
- Supply Chain Management und dessen Integrationsansätze
- Empirische Fallstudienanalyse der BMW AG, Volkswagen AG und Daimler AG
- Identifikation von Treibern und Barrieren nachhaltiger Lieferketten
- Strategische Gestaltungsmöglichkeiten des Beschaffungs-, Produktions-, Distributions- und Entsorgungsmanagements
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Begriffsklärung und Relevanz
Das Bewusstsein der Verbraucher, der externe Druck von Medien, Regierungen und NGOs sowie die Intensivierung des internationalen Wettbewerbs sind nur einige Aspekte, die die Unternehmen dazu aufgefordert haben, ihren Nachhaltigkeitsleistungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zur Erreichung dieser Nachhaltigkeitsperformance beziehen sich Unternehmen auf ihr SC-Netzwerk und nutzen SSCM-Praktiken, um die drei Säulen der Nachhaltigkeit sowie die externen Forderungen zu erfüllen, wobei die Globalisierung und Digitalisierung das SCM hinsichtlich der Komplexität und Dynamik vor weitere Herausforderungen stellt. SSCM-Praktiken umfassen interne und externe Aktivitäten eines Unternehmens, um das SC-Netzwerk nachhaltig zu gestalten. Einige dieser Aktivitäten sind in der heutigen Zeit verpflichtend. Des Weiteren unterstützt ein SSCM Unternehmen auch im Umgang mit Umwelt- und Sozialproblemen, die durch ihr eigenes SC-Netzwerk verursacht werden und stellt damit ein wesentliches Element der Erzielung von Wettbewerbsvorteilen dar. Gleichzeitig werden Unternehmen durch die Implementierung dieser Praktiken mit Schwierigkeiten konfrontiert. Auf Basis der bisherigen Ausführungen wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit die Definition des SSCMs nach SEURING/MÜLLER herangezogen. Die Autoren definieren das SSCM als ein nachhaltiges Management von allen Kapital-, Material- und Informationsflüssen sowie nachhaltigen Kooperationen zwischen beteiligten Akteuren innerhalb eines SC-Netzwerkes, wobei alle stattfindenden Aktivitäten unter Berücksichtigung der drei Nachhaltigkeitsdimensionen erfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Nachhaltigkeit in globalen Wertschöpfungsketten ein und leitet die Forschungsfragen der Arbeit ab.
2 Theoretischer Rahmen des Sustainable Supply Chain Managements: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Nachhaltigkeit und SCM dargelegt und zum SSCM zusammengeführt, inklusive der Gestaltungsmöglichkeiten für die einzelnen SC-Stufen.
3 Nachhaltigkeit in der deutschen Automobilindustrie: Dieser Abschnitt beleuchtet die Bedeutung und Struktur der deutschen Automobilindustrie sowie die Nachhaltigkeitsbetroffenheit der Hersteller und führt die zu untersuchenden Unternehmen ein.
4 Fallstudienanalyse zur Implementierung des Sustainable Supply Chain Managements: In diesem Kapitel erfolgt die detaillierte Analyse der SSCM-Praktiken der Unternehmen entlang der Ebenen Beschaffung, Produktion, Distribution und Entsorgung.
5 Auswertung und Handlungsempfehlungen: Dieses Kapitel wertet die Ergebnisse der Fallstudien aus, identifiziert Treiber und Barrieren und gibt den Unternehmen gezielte Handlungsempfehlungen für die zukünftige Ausrichtung.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich des SSCM.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Supply Chain Management, SSCM, Automobilindustrie, Lieferantenbewertung, Umweltmanagement, Soziale Verantwortung, Öko-Effizienz, Kreislaufwirtschaft, CSR, Wertschöpfungskette, Innovationsmanagement, Risikomanagement, Nachhaltigkeitsbericht, Wettbewerbsvorteil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert die Implementierung und Gestaltung eines nachhaltigen Supply Chain Managements (SSCM) bei führenden deutschen Automobilherstellern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den drei Nachhaltigkeitsdimensionen (sozial, ökologisch, ökonomisch) innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilbranche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die wechselseitigen Einflüsse von SSCM-Praktiken zu verstehen, Treiber und Barrieren zu identifizieren und Handlungsempfehlungen für die Unternehmen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Fallstudienanalyse auf Basis der öffentlich verfügbaren Nachhaltigkeits- und Geschäftsberichte der BMW AG, Volkswagen AG und Daimler AG.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des SSCM, eine Branchenanalyse sowie eine praxisbezogene Fallstudienanalyse der vier Hauptebenen Beschaffung, Produktion, Distribution und Entsorgung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich stark auf Begriffe wie Nachhaltigkeitsperformance, Lieferantenbewertung, Kreislaufwirtschaft (Closed-Loop) und Transparenz in der Berichterstattung.
Welche Rolle spielt der Dieselskandal bei der Untersuchung der Volkswagen AG?
Der Skandal wird kritisch als Hintergrundfaktor beleuchtet, insbesondere um die Diskrepanz zwischen offiziellen Unternehmensberichten und der tatsächlichen ökologischen Bilanzierung im Bereich der Entsorgung und Transparenz aufzuzeigen.
Wie bewertet der Autor die Datenbasis der untersuchten Konzerne?
Der Autor stellt eine teilweise Datenintransparenz fest und weist auf eine Lückenhaftigkeit in den Angaben der Unternehmen hin, insbesondere bei sozialen Indikatoren wie der Fluktuation oder Fehlzeiten.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Sustainable Supply Chain Management in der Automobilbranche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496902