Der Aufstieg und Fall der Stadt Wetzlar

Wetzlars Weg in den Bankrott nach der Limburger Chronik von Tilemann Elhen von Wolfhagen


Hausarbeit, 2019
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Wetzlars Gründung und Aufstieg zur einflussreichen Reichsstadt
2.2 Die Stadtverfassung Wetzlars
2.3 Die politische Lage Wetzlars und die beginnende Verschuldung
2.4 Exkurs: Ewig- und Leibrenten
2.5 DerBankrott Wetzlars

3. Schlussbemerkungen

4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Quellen
4.2 Literatur

1. Einleitung

Die Stadt Wetzlar hat eine lange und ereignisreiche Geschichte. Von einer kleinen Hofsiedlung auf einem Hügel schwang sie sich zu einer der einflussreichsten Reichsstädte Mitteldeutschlands auf, um dann später in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, nachdem kriegerische Auseinandersetzungen, die Pest und eine fehlgeleitete Finanzpolitik sie in den finanziellen Ruin trieb.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Gründen für den Bankrott Wetzlars. Es wird gezeigt, wie die Stadt zu einem blühenden Handelsplatz in der Wetterau wurde und welchen Einfluss sie auf das Geschehen in der Region hatte.

Im Anschluss daran, wird die Stadtverfassung Wetzlars näher betrachtet, da diese ein tieferes Verständnis dafür bietet, wie die Stadt regiert wurde und welchen Einfluss die verschiedenen Parteien auf die Finanzpolitik der Stadt hatten.

Die Arbeit geht der Frage nach, welche Faktoren das Schicksal Wetzlars beeinflussten. Als Quellengrundlage wird hierzu die Limburger Chronik des Tilemann Elhen von Wolfhagen herangezogen, in der die Ereignisse der Stadt Wetzlar während des Höhepunktes der Verschuldung der Stadt aufgezeigt werden. In der Chronik wird darüber berichtet, wie der Graf Johann von Solms die Herrschaft über die zerstrittene und verschuldete Reichsstadt erlangt. Sie wirft aber auch gleichzeitig die Frage auf, wie es überhaupt erst dazu kommen konnte und ob ausschließlich innenpolitische Zwistigkeiten der Grund dafür waren.1

Nach einem kurzen Exkurs über die Ewig- bzw. Leibrenten schließt die Arbeit mit einer genauen Untersuchung der Ereignisse auf dem Weg in den Bankrott und betrachtet dabei intensiv die Ereignisse aus der Limburger Chronik und was man aus ihnen schließen kann. Dazu muss gesagt werden, dass die Quelle aufgrund ihrer Kürze durchaus kritisch hinterfragt werden muss. Zwar sind die Ereignisse selbst sehr detailliert geschildert, allerdings bietet sie auch wenig Vorinformationen. Aus diesem Grund beschäftigt sich ein großer Teil der vorgelegten Arbeit vornehmlich mit

Sekundärliteratur zu dem Thema, die das Vorgeschehen und die Folgen des Bankrotts aufzeigen sollen, da die allgemeine Quellenlage nicht sehr breit gefächert ist.

2. Hauptteil

Im Folgenden soll nun dargelegt werden, wie die Stadt Wetzlar gegründet wurde und zu einer der einflussreichsten Städte der Region aufstieg. Danach wird auf die politische Lage in der Region und im besonderen Wetzlars eingegangen, welche zu einer Vielzahl von Konflikten führte. Im weiteren Verlauf wird dargelegt, wie sich die finanzielle Lage der Stadt langsam veränderte und welche Auswirkungen dies auf Wetzlar und seine Einwohner hatte. Nach einem kurzen Exkurs über die Ewig- und Leibrenten endet dieser Teil der Arbeit mit einem Abschnitt, der sich mit dem Bankrott Wetzlars befasst und den daraus resultierenden Veränderungen für die Stadt.

2.1 Wetzlars Gründung und Aufstieg zur einflussreichen Reichsstadt

Wann genau die Stadt Wetzlar gegründet wurde ist leider nicht bekannt. Es ist für die Siedlung keine Gründungsurkunde erhalten geblieben und auch wann genau Wetzlar das Stadtrecht erhielt ist nicht aus Dokumenten ersichtlich. Was jedoch bekannt ist, ist das die Gegend des heutigen Stadtzentrums bereits seit dem 8. Jahrhundert besiedelt wurde. Es soll dort einen befestigten Hof gegeben haben, der von den Konradinem bewirtschaftet wurde.2

Erstmals erwähnt wird Wetzlar im Jahr 1141 in einer Urkunde, in der dem Kloster Schiffenberg die Seelsorge der Neuroddörfer übertragen wird. Die Urkunde befasst sich allerdings keineswegs mit Wetzlar, sondern nutzt die Erwähnung der Siedlung nur, um eine genauere geographische Verortung des Klosters vorzunehmen.3 Erst fast 40 Jahre später, am 01. April 1180, taucht der Name der Stadt Wetzlar wieder

in einer Urkunde auf. Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa gewährt darin den Einwohnern der Stadt die gleichen Rechte wie den Bürgern Frankfurts und damit umfassende Handelsprivilegien. Mit der Verleihung dieser Privilegien befreite Barbarossa die Wetzlarer weitgehend von Zinsen und Steuern und gleichzeitig erließ er ihnen einen großen Teil der Abgaben auf ihre Häuser und Grundstücke. Insgesamt eine sehr lukrative Privilegierung für Wetzlar, welche dazu führte, dass es um die Stadt finanziell bald hinreichend gut stand.4

,,Fridericus d.f. c. IL i. et s. a. Noverit universitaB imperii nostri fideliam, quod nos burgensibus nostris de Weteflare illud iuris quod qaondam in areis suis habebant nostra imperiali anctoritate confirmavimus : eo tenore, quod quivis eorum de area sua annuatim qnatuor d. domino a quo tenet pro censupersolvat et earn sine omni alia exactione quiete teneat. Post mortem vero ipsorumfUH velproximi heredes eorum vel ad quosfoi-te transferre volnerintXTT d. ad manuspersolvant et deinceps, sicutpreordinatum est, annuatim IY d.persolvant. Si vero quispiam viyens aream suam vendere voluerit, emptor eodem iure quo et heres potiatur“5

Als eine der vier Reichsstädte in der Wetterau war Wetzlar neben Frankfurt, Gelnhausen und Friedberg überaus wichtig für den Kaiser und aus diesem Grund lies er in der Nähe der Stadt die Burg Karlsmunt errichten. Im Kriegsfall diente sie als Stützpunkt für Barbarossa und gleichzeitig bot sie den vier Reichsstädten einen gewissen Schutz vor dem Zugriff von Feinden. Mit der Burg festigte der Kaiser seine Position in der Region enorm und gewann weiter an Einfluss.6

Im 13. Jahrhundert gewannen die vier Reichsstädte in der Wetterau zusätzlich an Bedeutung. Aufgrund des blühenden Handels und der zentralen Position im Reich erwarben sie immer neue Privilegien dazu. So erhielt Wetzlar nicht nur politische und wirtschaftliche Vorteile, sondern auch immer mehr Persönlichkeitsrechte für die Bürger der Stadt. Mit einem Versprechen König Heinrichs VII von 1232, dass den Zwang zur

Verheiratung von Bürgertöchtern mit Angehörigen des königlichen Hofes aufhob, erlangten die Wetzlarer Bürger einen beachtlichen Zugewinn zu ihren Freiheitsrechten. Durch dieses und weitere verliehene Rechte wurde Wetzlar, aber auch die anderen drei Reichsstädte zunehmend unabhängiger und hatte weitaus mehr Freiheiten als andere von Lehnsherren abhängigen Städte des Reiches.7

Weiter an Bedeutung gewann Wetzlar 1288 durch die Fertigstellung einer steinernen Brücke über den Fluss Lahn. Sie verband die Handelswege von Frankfurt nach Köln und Antwerpen, sodass Wetzlar es schaffte sich die Zollprivilegien hierfür zu sichern. Auf diesem Weg gelang es der Stadt, sich einen konstanten Strom an Zolleinnahmen zu sichern, auf einer der wichtigsten Handelsrouten der Region.8

Abgesehen von diesen Zolleinnahmen, war das Marktrecht von besonderer Bedeutung für Wetzlar. Neben den normalen Märkten, auf denen alltägliche Güter angeboten wurden, gab es auch mehrmals im Jahr Jahrmärkte, welche meist zu besonderen Feiertagen stattfanden. Aufgrund der guten Lage an den Handelsstraßen der Region und reichen Erzvorkommen, entwickelte sich immer mehr Industrie und Handel in der Stadt. Zwei der wichtigsten Handelswaren Wetzlars waren Eisenerzeugnisse und die Produkte der Wollenweberei. Um diese gewinnbringend zu verkaufen, erreichte die Stadtverwaltung 1318, dass ihnen König Ludwig der Bayer das Recht zusprach, in der Woche nach dem Gallustag einen weiteren Markt abhalten zu dürfen und außerdem den Bau eines eigenen Kaufhauses mit einer Waage. Weiterhin wurden die Wetzlarer Händler von Zöllen und Wegegeld befreit, wenn sie sich auf den Handelsstraßen bewegten, was der Wirtschaft der Stadt einen starken Auftrieb verlieh. Dies alles geschah jedoch nicht aus purer Freundlichkeit, sondern Ludwig der Bayer erwartete auch eine beachtliche Gegenleistung für die von ihm verliehenen Privilegien. Diese sollten aus einer erheblichen Steuerzahlung anlässlich seiner Kaiserkrönung 1328 bestehen.9

2.2 Die Stadtverfassung Wetzlars

Geführt wurde die Stadt vom Schultheißen, welcher vom Stiftspropst ernannt wurde und dem königlichen Vogt. Die Reichsvogtei über Wetzlar hatten bis 1328 die Herren von Merenberg inne und nach dem Aussterben dieser Linie übernahmen die Grafen von Nassau diese. 1214 ist erstmals ein zwölfköpfiges Schöffenkollegium für die Stadt Wetzlar belegt, welches das Gericht der Stadt bildete und zusammen mit dem Schultheißen und dem Vogt die Verwaltung der Stadt leitete.10

Ab dem Jahr 1260 kam ein weiteres Verwaltungsgremium hinzu. Die Bürger der Stadt gewannen aufgrund ihrer finanziell guten Situation zunehmend an Selbstvertrauen und nutzten die Zeit des Interregnums aus, um diesem Selbstvertrauen auch in einem eigenen Verwaltungsorgan Ausdruck zu verleihen. Sie bildeten den Rat der Stadt Wetzlar mit 12 Mitgliedern, der zusammen mit dem Schöffenkollegium die Angelegenheiten der Reichsstadt regelte. Dies ging jedoch mit einer überaus großen Beschneidung der Machtfülle des Schöffenkollegiums einher. Der Rat übernahm die Verwaltungsangelegenheiten von den Schöffen und diese konzentrierten sich von da an nur noch auf ihre richterlichen Aufgaben.11

Damit waren die Emanzipationsbestrebungen der Bürgerschaft jedoch noch nicht beendet. Ihr Einfluss auf die Verwaltung der Stadt vergrößerte sich im Laufe der Zeit immer weiter. Gerade in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gelang es ihnen, den Einflussbereich des Schultheißen und des Vogts erheblich zu beschneiden, indem sie es erreichten, die Position eines Bürgermeisters zu etablieren. Die Bürgermeister übernahmen zunehmend die Repräsentation der Stadt und übernahmen viele Verwaltungsaufgaben, was sich darin zeigt, dass in den Urkunden immer seltener das Schöffenkollegium oder der Rat auftreten. Dies führte dazu, dass die eben genannten fast komplett unabhängig von Vogt oder Schultheiß die Stadt regieren konnten und die Befugnisse dieser sich im Grunde auf juristische Aufgaben beschränkte.12

[...]


1 Tilemann Elhen von Wolfhagen: MGH Dt. Chroniken 1883, S. 58.

2 https://www.wetzlar.de/kultur/archiv-und-stadtgeschichte/stadtgeschichte.php#SP-grouplist-2-l:l (letzterZugriff: 26.03.2019).

3 Jung 2010, S. 21.

4 Jung2010,S.21f.

5 Friedrich I., genannt Barbarossa: Urkunden zur städtischen Verfassungsgeschichte Bd. 1, S. 59.

6 Jung2010,S.22f.

7 Jung2010,S.27f.

8 https://www.wetzlar.de/kultur/archiv-und-stadtgeschichte/stadtgeschichte.php#SP-grouplist-2-l:2 (letzterZugriff: 26.03.2019).

9 Jung2010,S.28f.

10 Jung 2010, S. 27.

11 Felschow 1985, S. 15.

12 Ebd., S. 15.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Aufstieg und Fall der Stadt Wetzlar
Untertitel
Wetzlars Weg in den Bankrott nach der Limburger Chronik von Tilemann Elhen von Wolfhagen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
"Und es stinkt doch..." - Geld und Politik im Mittelalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V496946
ISBN (eBook)
9783346012128
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufstieg, elhen, tilemann, chronik, limburger, bankrott, wetzlars, wetzlar, stadt, fall, wolfhagen
Arbeit zitieren
Steffen Köller (Autor), 2019, Der Aufstieg und Fall der Stadt Wetzlar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496946

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