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Die Liebesbeziehung zwischen Toni und Gustav in Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"

Rassendiskurs und Kleists Poetik der Unschärfe

Titel: Die Liebesbeziehung zwischen Toni und Gustav in Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"

Bachelorarbeit , 2014 , 35 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Caren-Malina Butscher (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Heinrich von Kleists Erzählung "Die Verlobung in St. Domingo" stellt das Thema dieser Arbeit dar. Im Mittelpunkt steht hierbei die Beziehung zwischen Toni und Gustav, welche bezüglich des Rassendiskurses und der Liebesgeschichte untersucht werden soll. Dabei soll insbesondere Kleists Poetik der Unschärfe analysiert werden.

Zu Beginn der Arbeit wird die Erzählung hinsichtlich des Kolonialismus betrachtet. Wie war das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen? Darauf aufbauend wird die Beziehung von Kleist zu Saint-Domingue erläutert und den Spuren der Novelle nachgegangen. Anschließend wird der Begriff der Rasse um 1800 vorgestellt. Unter dem Oberbegriff der Sexualität charakterisiert der Autor Eigenschaften der schwarzen Frau und das Verhältnis von weißen Männern zu dieser. Welche Stellung hatte die schwarze Frau zu dieser Zeit? Wie wurde sie von den weißen Kolonisten gesehen? Darauf folgend wird Tonis Identität unter der Leitfrage eines "weder-noch-Konflikts" betrachtet. Anschließend folgen Ausführungen zu Tonis Weiblichkeit.

Eine Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Hautfarbe bietet in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts nur noch selten Gelegenheit zur Diskussion über Rassismus. Doch vor mehr als 200 Jahren war die Liebe verschiedener Menschenrassen undenkbar und stieß auf Unverständnis. Für den deutschen Autor Heinrich von Kleist war diese Thematik im Jahr 1811 Anlass, darüber zu schreiben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Kleists Erzählung und der Kolonialismus

2.1. Die Haitianische Revolution: Vom Freiheitskampf zur Unabhängigkeit

2.2. Kleist und Saint-Domingue: Spurensuche zur Novelle

2.3 Rezeption der Novelle: Zeitgenössische Debatten um die Rolle Frankreichs

3. Rasse und Sexualität um 1800

4. Tonis Identität: ein weder-noch-Konflikt?

4.1. Zwischen Schwarz und Weiß

4.2. Zwischen Kind und Frau

5. Toni und Gustav: Liebesgeschichte im Rassendiskurs

6. Unschärfe in Kleists Erzählung

7. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die Beziehung zwischen den Charakteren Toni und Gustav in Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ vor dem Hintergrund des Rassendiskurses und analysiert dabei insbesondere die literarische „Poetik der Unschärfe“.

  • Historische Aufarbeitung der Haitianischen Revolution und ihrer Rezeption um 1800.
  • Untersuchung der Identität und Geschlechterrolle der Protagonistin Toni.
  • Analyse der Liebesgeschichte als soziales Experiment unter dem Aspekt rassistischer Vorurteile.
  • Dekonstruktion von Kleists Erzählweise durch das Konzept der Unschärfe (Leerstellen, Brüche, Ambiguitäten).

Auszug aus dem Buch

2.2. Kleist und Saint-Domingue: Spurensuche zur Novelle

Kleists Verlobung handelt von einer Liebe zwischen Schwarz und Weiß, von Gewalt, Tod und Verrat. Doch aus welchem Grund verlegt Kleist seine Erzählung nach Saint-Domingue, einem kleinen Ort in der Karibik? Eine schwarz-weiße Liebesgeschichte, die zum Tod der sich Liebenden führen soll, ist bei weitem nicht erst in der Karibik zu finden.

Eine Antwort auf diese Frage könnte sein, dass Saint-Domingue zwar ein kleiner, doch reicher Ort der Karibik war. Die Schilderung der Geschichte des Kampfs um Unabhängigkeit brachte den größten Schatz der Insel hervor: Zucker. Saint-Domingue und die gesamte Karibik waren um 1800 Zulieferer europäischer Konsumgüter und standen folglich im Fokus der Politik und Ökonomie Frankreichs und Großbritanniens. Damit wird Kleists Novelle zu einer Art Weltliteratur – in welcher zudem die Rasse eine zentrale Rolle spielt. Saint Domingue wurde dadurch zu einem besonderen Fall: Im 18. Jahrhundert wurden, wie bereits geschildert, immer mehr schwarze Sklaven auf die Insel gebracht. Unstimmigkeiten zwischen den reichen Weißen und den benachteiligten Schwarzen waren vorprogrammiert.

Kleists Themen werden durch den Handlungsort Saint-Domingue somit gesteigert und noch komplexer. Zusammen mit der Rassenproblematik hat die Novelle daher einen „paradigmatischen Status“: „Der Schauplatz, an dem er seine Novelle geschehen lässt, ist also keineswegs zufällig gewählt und der noch in der jüngeren Kleist-Forschung anzutreffenden Auffassung, dass Kleist ‚den Leser in eine ferne, exotische Welt entführt’, ist nachdrücklich zu widersprechen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Darstellung der Themenstellung, der zentralen Leitfragen zur Identität Tonis und der methodischen Herangehensweise an Kleists „Poetik der Unschärfe“.

2. Kleists Erzählung und der Kolonialismus: Analyse des historischen Hintergrunds der Haitianischen Revolution und deren Bedeutung für die Entstehung der Novelle.

3. Rasse und Sexualität um 1800: Untersuchung des zeitgenössischen Verständnisses von Rasse, Hautfarbe und der Stigmatisierung schwarzer Frauen.

4. Tonis Identität: ein weder-noch-Konflikt?: Eingehende Betrachtung von Tonis Zerrissenheit zwischen den Identitäten und ihrem Reifeprozess vom Kind zur Frau.

5. Toni und Gustav: Liebesgeschichte im Rassendiskurs: Analyse der gescheiterten Beziehung zwischen Toni und Gustav vor dem Hintergrund rassistischer Konventionen.

6. Unschärfe in Kleists Erzählung: Untersuchung von Kleists Erzähltechnik, insbesondere der bewussten Verwendung von Leerstellen und Brüchen.

7. Schlussbemerkung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der These, dass die bewusste Uneindeutigkeit dem Leser eine eigene Deutung der Erzählung überlässt.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Die Verlobung in St. Domingo, Haitianische Revolution, Rassendiskurs, Poetik der Unschärfe, Postkolonialismus, Identität, Toni, Gustav, Sexualität, Sklaverei, Literaturwissenschaft, Saint-Domingue, Liebesgeschichte, Geschlechterrolle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ im Kontext der Haitianischen Revolution, wobei sie besonders die Darstellung der Beziehung zwischen Toni und Gustav untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind der Kolonialismus um 1800, der Rassendiskurs, die Konstruktion von Identität und Geschlecht sowie die narrative Technik der „Poetik der Unschärfe“.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die Liebesgeschichte zwischen Toni und Gustav unter den Aspekten des Rassendiskurses umfassend darzustellen und zu zeigen, wie Kleist durch seine spezielle Erzählweise eine bewusste Uneindeutigkeit erzeugt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit einer close-reading-artigen Untersuchung der textimmanenten Strukturen (Leerstellen, Brüche, Erzählperspektiven) verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Saint-Domingues, die Analyse der Rassen- und Sexualitätsdiskurse um 1800, die Untersuchung der Identitätskonflikte der Protagonistin Toni sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Erzählweise Kleists.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Besonders prägend sind die Begriffe Heinrich von Kleist, Rassendiskurs, Poetik der Unschärfe, Identitätsfindung und Haitianische Revolution.

Wie beeinflusst der historische Ort Saint-Domingue die Interpretation der Novelle?

Der Ort ist kein bloßer Schauplatz, sondern dient als „Brennpunkt“, der Themen wie Kolonialismus und Globalisierung verschärft und als Katalysator für das tragische Scheitern der Liebenden fungiert.

Welche Rolle spielt die „Poetik der Unschärfe“ für das Verständnis der Erzählung?

Sie ist ein bewusstes Stilmittel Kleists, um dem Leser eine Eindeutigkeit zu verweigern, wodurch die rassistischen Vorurteile und Kommunikationsprobleme der Figuren erst in ihrer ganzen Ambivalenz sichtbar werden.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Liebesbeziehung zwischen Toni und Gustav in Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"
Untertitel
Rassendiskurs und Kleists Poetik der Unschärfe
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Autor
Caren-Malina Butscher (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
35
Katalognummer
V497076
ISBN (eBook)
9783346016751
ISBN (Buch)
9783346016768
Sprache
Deutsch
Schlagworte
liebesbeziehung poetik rassendiskurs domingo verlobung kleists heinrich gustav toni unschärfe
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Caren-Malina Butscher (Autor:in), 2014, Die Liebesbeziehung zwischen Toni und Gustav in Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497076
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Leseprobe aus  35  Seiten
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