Die demographischen Effekte der vergangenen Jahrzehnte sowie die zu erwartenden Trends lassen künftig deutliche Veränderungen des Krankheitsspektrums erwarten und stellen eine der größten Herausforderungen an das Gesundheitssystem dar. In der vorliegenden Arbeit sollen die Aspekte der Bevölkerungsentwicklung sowie Veränderungen des Morbiditätsspektrum schwerpunktmäßig für die Situation der Bundesrepublik Deutschland zusammenfassend dargestellt und anhand von Daten belegt werden.
Auf dieser Grundlage sollen sich abzeichnende Konsequenzen und Bedarfe für das Gesundheitssystem abgeleitet werden und der Frage nachgegangen werden, inwieweit das deutsche Gesundheitswesen auf diese eingestellt ist. Abschließend soll auf die Frage eingegangen werden, welche Anforderungen und welcher Handlungsbedarf sich aus dem veränderten Versorgungsbedarf auch hinsichtlich seiner ökonomischen Konsequenzen ergeben. Dies soll für den Bereich der Dienstleistung Pflege exemplarisch konkretisiert werden.
Abschließend werden Implikationen für die Gestaltung und Modernisierung des Gesundheitswesens zusammengefasst.
Methodisch liegt dieser Arbeit eine aktuelle Literaturrecherche zugrunde, aufgrund derer diese summarische Darstellung vorgenommen wird.
1 Einleitung
2 Demographische Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
2.1 Demographische Alterung
2.1.1 Entwicklung der Lebenserwartung
2.1.2 Niedrige Geburtenziffern
2.2 Bevölkerungsrückgang
2.3 Einfluss der Migration
3 Epidemiologie und Alteration des Morbiditätsspektrums
3.1 Aktuelle Morbiditätsentwicklung
3.1.1 Einflussfaktoren auf die Morbiditätsstrukturen
3.1.2 Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen
3.1.3 Psychische Erkrankungen und Demenz
3.1.4 „Zivilisationserkrankungen“
3.1.5 Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit
3.2 Perspektiven der Morbiditätsentwicklung
4 Anforderungen und Handlungsbedarfe im Gesundheitssystem
4.1 Konsequenzen für Finanzierung der Sozialsysteme
4.2 Konsequenzen für Effizienz und Qualität
4.3 Konsequenzen für Kompetenzentwicklung
4.4 Konsequenzen für Prävention und Gesundheitsförderung
5 Exempel: Konkrete Anforderungen an die Gesundheitsversorgung im Bereich der Pflege
6 Resümee: Implikationen für die Gestaltung und Modernisierung des Gesundheitswesens
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert die Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland auf das Gesundheitssystem. Ziel ist es, die demographische Entwicklung sowie die resultierenden Veränderungen des Morbiditätsspektrums aufzuzeigen, daraus Konsequenzen für das Gesundheitssystem abzuleiten und den Handlungsbedarf insbesondere im Bereich der Pflege zu erörtern.
- Demographische Bevölkerungsentwicklung und Alterungsprozesse
- Epidemiologische Transition und Wandel des Krankheitsspektrums
- Herausforderungen für die Finanzierung und Effizienz der Sozialsysteme
- Notwendigkeit von Prävention und Gesundheitsförderung
- Modernisierungsstrategien und Anforderungen an die pflegerische Versorgung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen
Historisch ist in den vergangenen hundert Jahren infolge medizinischer und gesellschaftlicher Entwicklungen ein grundsätzlicher Wandel des Krankheitsspektrums von akuten, gut heilbaren (Infektions-) Erkrankungen zu vorherrschend chronisch-degenerativen, oft nicht heilbaren Krankheiten belegt (SCHWARTZ & BUSSE 1995; DEUTSCHER BUNDESTAG 2002). Heute leidet etwa die Hälfte der Bevölkerung an einer chronischen Erkrankung und fast ein Viertel aller gesetzlich Versicherten leiden an einer oder mehreren Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Brustkrebs, Asthma, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung (ENQUETE-KOMMISSION 2002). Dieser Effekt ist in älteren und jüngeren Bevölkerungsschichten nachweisbar.
Prinzipiell bestimmt das Niveau der demographischen Transition den Verlauf der epidemiologischen Transition, so dass die Zunahme chronischer Erkrankungen in erster Linie vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung betrachtet werden muss. In diesem Kontext verwundert es nicht, dass mit steigendem Alter der Anteil derjenigen Menschen mit positiver Gesundheitseinschätzung insgesamt sinkt (GESUNDHEITSBERICHTERSTATTUNG DES BUNDES 2006). GÜTHER konnte 1998 eine Alterskorrelation an zwölf ausgewählten chronischen Krankheitsbildern aufzeigen. Einige Aspekte werden im Folgenden skizziert.
Kardiovaskuläre Erkrankungen zählen hierbei weiter zu den häufigsten Todesursachen, gleichzeitig ist ihr Anteil an der Gesamtsterblichkeit erfreulicherweise rückläufig. Außerdem werden heute weniger Erwerbstätige als vor zehn Jahren wegen Herz-Kreislauferkrankungen arbeitsunfähig oder vorzeitig berentet. Erkrankungen von Muskel- und Skelettsystems (Rückenschmerz und Arthrose) haben große volkswirtschaftliche wie individuelle Bedeutung. Auch wird mit steigenden Inzidenzen an Krebserkrankungen infolge steigender Lebenserwartung bei gleichzeitig rückläufiger Sterblichkeit gerechnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die demographischen Herausforderungen für das deutsche Gesundheitssystem ein und legt das methodische Vorgehen dar.
2 Demographische Bevölkerungsentwicklung in Deutschland: Das Kapitel beschreibt die zentralen Trends des demographischen Wandels, namentlich Alterung, Geburtenrückgang und Migration.
3 Epidemiologie und Alteration des Morbiditätsspektrums: Hier wird der Zusammenhang zwischen demographischer Entwicklung und der epidemiologischen Transition hin zu chronischen Erkrankungen analysiert.
4 Anforderungen und Handlungsbedarfe im Gesundheitssystem: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen auf die Finanzierung, Effizienz, Kompetenzentwicklung und Präventionsbemühungen des Gesundheitssystems.
5 Exempel: Konkrete Anforderungen an die Gesundheitsversorgung im Bereich der Pflege: Am Beispiel der Pflege wird exemplarisch aufgezeigt, welche spezifischen Handlungsbedarfe durch den demographischen Wandel entstehen.
6 Resümee: Implikationen für die Gestaltung und Modernisierung des Gesundheitswesens: Das abschließende Resümee fasst die Notwendigkeit für innovative Reformkonzepte und eine stärkere Professionalisierung des Sektors zusammen.
Schlüsselwörter
Demographischer Wandel, Gesundheitssystem, Morbidität, Bevölkerung, Alterung, Pflege, Finanzierung, Prävention, Gesundheitsförderung, Chronische Erkrankungen, Versorgungsmanagement, Migranten, Effizienz, Demenz, Gesundheitswissenschaften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der demographischen Bevölkerungsentwicklung in Deutschland auf die Leistungsfähigkeit und Struktur des Gesundheitssystems.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind demographische Prozesse, epidemiologische Veränderungen (Krankheitsspektrum), die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme und die notwendige Anpassung der pflegerischen Versorgung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Handlungsbedarf für das deutsche Gesundheitswesen zu identifizieren, der sich aus der alternden Gesellschaft ergibt, und Ansätze für eine Modernisierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Arbeit liegt eine systematische Literaturrecherche zugrunde, um den aktuellen Wissensstand zu demographischen und gesundheitsökonomischen Trends zusammenzufassen.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil behandelt die demographische Alterung, die Zunahme chronischer Krankheiten, die ökonomischen Konsequenzen für die Krankenversicherung und konkrete Handlungsbedarfe bei der Pflege und Prävention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Demographischer Wandel, Morbidität, Gesundheitsökonomie, Pflege und Präventionsmanagement geprägt.
Was besagt die Kompressionsthese im Kontext dieser Arbeit?
Die Kompressionsthese postuliert, dass sich die Phase der Morbidität durch eine verlängerte Lebensdauer in ein höheres Lebensalter verschiebt und somit gesundheitliche Belastungen eher am Lebensende konzentriert auftreten.
Welche Rolle spielt die Pflege in diesem Dokument?
Die Pflege dient als exemplarisches Fallbeispiel, um die Herausforderungen der demographischen Alterung, wie etwa den Mangel an Fachkräften und die Notwendigkeit spezialisierter Versorgungsangebote, konkret zu veranschaulichen.
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- Dr. Manuel Anhold (Author), 2008, Auswirkungen des demographischen Wandels auf das Gesundheitssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497100