Angststörungen. Sozialpsychologische Theorien in der Therapiepraxis


Hausarbeit, 2019
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

1. Theoretischer Hintergrund

2.1 Panikstörung mit/ohne Agoraphobie
2.1.1 Störungsbild
2.1.2 Störungsmodelle
2.2 Attributionstheorien
2.2.1 Attributionstheorie nach Harold Kelley
2.2.2 attributionale Theorie nach Bernhard Weiner

3. Intervention „ReTPA – ReattributionsTraining bei Panikstörung mit/ohne Agoraphobie“
3.1 Identifikation des Problems und Entwicklung einer Lösung
3.2. Zielsetzung und Interventionsdesign
3.3. Umsetzung des Interventionsprogramms

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

Angststörungen gehören mit Depressionen zu den verbreitetsten und kostenintensivsten psychischen Störungen unserer Zeit. Reattributionstrainings, basierend auf der Informationsvermittlung mit Hilfe der Kovariationstheorie nach Harold Kelley (1967) und Motivationsförderung durch die attributionale Theorie der Motivation und Emotion von Bernhard Weiner (1985), bieten theoretische Implikationen zur Zuschreibungsveränderung von dysfunktionalen Denkmustern. Im Rahmen der geplanten Intervention „ReTPA – ReattributionsTraining bei Panikstörungen mit/ohne Agoraphobie“ sollen diese Theorien in eine kognitive Verhaltenstherapie integriert werden und zu einer nachhaltigen Modulation der Wahrnehmung führen. Ziel dieser Maßnahme ist die vollständige Remission und eine Rückkehr der Betroffenen in einen funktionalen Alltag.

1. Einleitung

Das Gefühl der Angst ist jedem Menschen aus eigenem Erleben bekannt und gehört zu den existentiellen Grunderfahrungen. Sie tritt immer dann auf, wenn eine Gefahr oder Bedrohung subjektiv als nicht zu bewältigen erscheint, und zeigt sich nicht nur auf emotionaler, sondern auch auf vegetativer, kognitiver und motorischer Ebene. Ihre evolutionäre Bedeutung als Reaktion auf bedrohliche Situationen sichert dem Menschen das Überleben. Die pathologische Angst unterscheidet sich von der Realangst nicht in der Qualität der Empfindungen, jedoch richtet sie sich gegen „harmlose“ Objekte oder Alltagssituationen.

Angststörungen gehen mit gravierenden sozialen, beruflichen und persönlichen Einschränkungen einher und verursachen hohe Kosten im Gesundheitssystem aufgrund häufiger Arztbesuche und der Komorbidität mit weiteren psychischen Störungen wie Depression und Suchterkrankungen. Olesen, Svensson, Wittchen & Jönsson (2012) weisen beispielsweise nach, dass Angststörungen verglichen mit 18 anderen Erkrankungen die höchsten volkswirtschaftlichen Kosten verursachen. Laut DSM-V (2015) wird geschätzt, dass ca. 30% der Betroffenen sich nicht mehr aus dem Haus wagen und somit auch keiner Beschäftigung nachgehen können.

Da Angststörungen unbehandelt meist chronisch verlaufen, ist es umso wichtiger, bei der Behandlung und Rückfallprophylaxe eine Verbesserung zu erreichen. Dies wird auch durch die Ergebnisse von Batelaan, de Graaf, Penninx, van Balkom, Vollebergh & Beekman (2010) unterstrichen, die feststellten, dass 43.3% der Patienten keine Remission erreichten und bei 21,4% die Symptome zurückkehrten.

Da sozialpsychologische Theorien valide Erklärungsmodelle für die Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen liefern, liegt der Fokus dieser Arbeit auf einer Intervention mithilfe der Attributionstheorien, welche im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie bei Panikstörung mit/ohne Agoraphobie die Patienten unterstützen soll, auslösende und aufrechterhaltende Zuschreibungen zu erkennen und die dysfunktionalen Denkmuster langfristig umzustrukturieren

1. Theoretischer Hintergrund

Zunächst werden die Störungsbilder und –modelle der Panikstörung mit/ohne Agoraphobie vorgestellt und dann das theoretische Konstrukt der Attributionstheorien bzw. der attributionalen Theorien eingeführt. Diese richten ihren Fokus auf die Informationsvermittlung bzw. Stärkung der Motivation, die funktionalen Hauptbestandteile der Intervention „ReTPA – ReattributionsTraining bei Panikstörung mit/ohne Agoraphobie“.

2.1 Panikstörung mit/ohne Agoraphobie

2.1.1 Störungsbild

Die Panikstörung ist durch das wiederholte Auftreten anfallsartiger Angstzustände (Panikattacken) charakterisiert, die sich nicht auf spezifische Situationen oder Objekte beziehen, für die Betroffenen oft völlig unerwartet auftreten und mit subjektiv massiven körperlichen Symptomen einhergehen (Wittchen & Hoyer, 2011). Panikattacken können auch bei anderen psychischen Störungen auftreten.

Erst wenn die Angstanfälle wiederholt auftreten, zu einer Veränderung im Verhalten führen und ständige Sorge vor erneuten Anfällen oder körperlichen Konsequenzen besteht, liegt eine Panikstörung vor (Wittchen & Hoyer, 2011).

Nach mehrfachen Panikanfällen kommt es häufig zu agoraphobischem Vermeidungsverhalten, welches dann nach ICD-10 einer Panikstörung mit Agoraphobie mit folgenden diagnostischen Kriterien entspricht: eine übergroße Furcht vor Menschenmengen, öffentlichen Plätzen oder Verkehrsmitteln und geschlossenen Räumen, welche in Konsequenz auch gemieden werden, mit der zusätzlichen Sorge vor Panikattacken und der Befürchtung, in dieser Situation keine Hilfe zu erhalten (Wittchen & Hoyer, 2011).

In der 2004 veröffentlichten Studie zur deutschen Gesundheitsbefragung (GHS) zeigte sich eine generelle Lebenszeitprävalenz von Panikstörungen mit/ohne Agoraphobie von 3,9 %, wobei Frauen mit 5,5 % deutlich öfter erkranken als Männer (2,2 %). Ebenso wurde aufgezeigt, dass die Panikstörung mit einer Rate von 49% zu den psychischen Störungen gehört, die eine hohe Komorbidität mit anderen Beeinträchtigungen aufweist, die häufigsten sind Depressionen und Substanzabhängigkeit. Wittchen und Hoyer (2011) führen an, dass anhand von Längsschnittstudien ein chronischer und ungünstiger Verlauf für unbehandelte Panikstörungen zu erwarten ist, spontane Remissionen selten sind, die Gefahr für Rückfälle aber hoch.

2.1.2 Störungsmodelle

Zur Erklärung der Panikstörung mit/ohne Agoraphobie wurden in den letzten Jahrzehnten verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Schwerpunkten vorgelegt:

Neurobiologische Erklärungsansätze konzentrieren sich vor allem auf den Hirnstamm und das limbische System, welchen bei der Entstehung von Angstreaktionen große Bedeutung zugemessen wird, und vermuten als biologische Ursache eine Funktionsstörung im Neurotransmittersystem (Perrez & Baumann, 2011). Das neuroanatomische Modell von Gorman und Kollegen (2000) geht von einer erhöhten Aktivierung des Furchtsystems und häufigen Fehlalarmen aus, wobei dann die weitere Entwicklung einer Angststörung auf Konditionierungsprozessen besteht.

Das kognitive Modell von Clark (1986) beschreibt den Panikanfall als einen Aufschaukelungsprozess zwischen körperlichen und kognitiven Reaktionen. Nach diesem Modell stehen am Beginn der Panikattacke zunächst unspezifische interne körperliche Stimuli, beispielsweise vegetative Erregung durch Stress oder Koffein, welche letztendlich nicht lebensbedrohlich sind, von den Betroffenen aber so bewertet werden. Dies führt zu einer Verstärkung der Angstreaktion, wodurch wiederum auch die körperlichen Symptome der Angst verstärkt werden. Dieses Modell ist auch als der „Teufelskreis der Angst“ in der Literatur beschrieben.

Ehlers und Margraf (1989) stellen mit ihrem psychophysiologischen Modell eine Verbindung von biologischen und kognitiven Elementen vor, bei dem Panikattacken durch eine wechselseitige Verstärkung von körperlich-physiologischen und gedanklich-emotionalen Prozessen entstehen. Auch sie postulieren die positive Rückkopplung zwischen körperlichen Symptomen, dysfunktionaler Bewertung und daraus folgender Angstreaktion, sehen aber die individuelle Prädisposition als weiteren modulierenden Einflussfaktor. Als Beispiele hierfür werden Aufmerksamkeitszuwendung auf Gefahrenreize, Sensibilität für Körperempfindungen und lerngeschichtlich erworbene Symptomdeutungen genannt (Wittchen & Hoyer, 2011).

Eine lerntheoretische Sichtweise auf Basis der Konditionierung legen Bouton, Mineka und Barlow (2001) im Rahmen ihres Vulnerabilitäts-Stress-Modells vor, welches die Assoziation von Angst mit ursprünglich neutralen Körperwahrnehmungen als primären Entstehungs-faktor sieht, individuelle Vulnerabilitätsfaktoren allerdings als moderierende Variablen für die Anfälligkeit einer Konditionierung. Hierzu gehören biologische, psychologische und psychosoziale Prädispositionen, wie eine genetisch bedingte Schwäche für Angst, die beispielsweise für familiäre Häufung empirisch belegt ist (Biederman et al. 2001; Nocon et al. 2008), überbehütender elterlicher Erziehungsstil und Lernen am Elternmodell (Wittchen & Hoyer, 2011). Auch wird aufgezeigt, dass dysfunktionale Coping-Strategien wie Ver-meidungsverhalten und kognitive Verzerrungen zur Aufrechterhaltung der Störung beitragen (Bouton et al., 2001).

2.2 Attributionstheorien

Schon 1958 postulierte Fritz Heider, einer der Begründer der Attributionstheorie, dass sich Personen wie „naive WissenschaftlerInnen“ verhalten, indem sie Informationen zum eigenen und dem Verhalten anderer so zusammenfügen, dass sie dieses kausal erklären können. Dies hilft ihnen dabei, ihre soziale Umwelt besser zu verstehen und die Frage nach dem „Warum“ von Ereignissen zu beantworten. Dem eigenen und dem Verhalten anderer werden internale Gründe (Persönlichkeitsfaktoren) oder externale (situative Faktoren) attributiert, was dazu führt, dass die Ursache für ein Ereignis der Person oder der Umwelt zugeschrieben wird. (Haisch & Vogel ???)

[...]

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Details

Titel
Angststörungen. Sozialpsychologische Theorien in der Therapiepraxis
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (psychologische-pädagogische Fakultät)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V497153
ISBN (eBook)
9783346014658
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angststörungen, Attributionstheorien, Reattributionstraining
Arbeit zitieren
Petra Gauweiler (Autor), 2019, Angststörungen. Sozialpsychologische Theorien in der Therapiepraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497153

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