„In militärischer Hinsicht ist es gar nichts, aber in politischer sehr viel [...]“. Mit diesen Worten bezeichnete Napoleon den inoffiziellen Allianzwechsel Preußens in der Konvention von Tauroggen im Jahr 1812, welcher in dieser Arbeit dargestellt werden soll. Einen vollständigen Überblick über dieses Thema und die geschichtlichen Hintergründe im weiteren Verlauf bis zum Ende der Befreiungskriege und der Neuordnung Europas beim Wiener Kongress soll diese Seminararbeit nicht geben, vielmehr steht die persönliche Leistung von Hans David Ludwig von Yorck und dessen Wirken beim Allianzwechsel Preußens zum Zeitpunkt der Konvention von Tauroggen 1812 im Vordergrund. Konkret geht es dabei um die Leitfrage, was den damaligen Generalleutnant von Yorck dazu getrieben hat, diesen Wechsel eigenmächtig ohne Billigung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. durchzuführen.
Hinsichtlich des Forschungsstandes zu diesem Thema kann festgestellt werden, dass es gerade zu den Ereignissen im Vorfeld der Befreiungskriege in der Literatur des Historismus im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Werke gibt. Dazu zählt auch die Konvention von Tauroggen. In der Folgezeit mit Ausnahme des 150-jährigen Jubiläums verminderte sich in der westdeutschen Forschung das Interesse an der Konvention nahezu . In der DDR jedoch stellte dieses Ereignis den Auftakt einer russisch-deutschen Freundschaft dar und wurde für deren Legitimität auch verwendet . Heutzutage spielt die Konvention von Tauroggen in der Forschung fast keine Rolle mehr und wird in den Gesamtdarstellungen und Handbüchern auch kaum noch oder nur kurz angesprochen. Auch das Handeln von Yorck wurde in früheren Werken ausgiebig beleuchtet und kontrovers diskutiert. Mittlerweile gilt es als bewiesen, dass Yorck eigenmächtig gehandelt hat.
Als Grundlage dieser Arbeit dienten hauptsächlich die Werke von Fröhlich , Elze , Münchow-Pohl und Clausewitz , für die Person Yorcks erwies sich die Darstellungen von Droysen sowie Nasemann als hilfreich.
Im ersten Hauptteil dieser Arbeit soll der Allianzwechsel Preußens 1812/13 thematisiert werden. Zum einen wird zunächst kurz auf die Ausgangslage vor 1812 eingegangen, zum anderen erfolgt im Anschluss ein Überblick über die geschichtlichen Ereignisse des Allianzwechsels mit der Konvention von Tauroggen und seinen Folgen und Auswirkungen. Im zweiten Teil geht es um die Rolle Yorcks bei der Konvention von Tauroggen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Allianzwechsel Preußens 1812/13
2.1 Ausgangslage 1812
2.2 Die Konvention von Tauroggen 1812
2.3 Folgen und Auswirkungen
3 Die Rolle Yorcks bei der Konvention von Tauroggen 1812
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die eigenmächtige Entscheidung des Generalleutnants Hans David Ludwig von Yorck, während des Russlandfeldzugs 1812 ohne ausdrückliche Zustimmung des preußischen Königs die Konvention von Tauroggen zu unterzeichnen, und analysiert die Hintergründe sowie die daraus resultierenden politischen Folgen für den preußischen Allianzwechsel.
- Die historische Ausgangslage Preußens zwischen den Fronten 1812
- Die Bedingungen und Inhalte der Konvention von Tauroggen
- Das Spannungsfeld zwischen militärischer Notwendigkeit und politischer Loyalität
- Die persönliche Motivation und das Handeln Yorcks
- Die langfristigen Auswirkungen des Allianzwechsels auf die Befreiungskriege
Auszug aus dem Buch
3 Die Rolle Yorcks bei der Konvention von Tauroggen 1812
Im preußischen Hilfskorps begann Hans David Ludwig von Yorck zunächst als zweiter kommandierender General unter General Grawert, welchen er dann im Oktober 1812 offiziell als Befehlshaber beerbte.
Auf russischer Seite suchte man schon früh Verbündete im preußischen Hilfskorps. Ziel des Zaren Alexander I. war es, den kräftezerrenden Krieg endlich zu beenden und durch das Einwirken des Freiherrn vom Stein, begann der Zar dem Rückzug der Franzosen nicht mit einer russischen Expansionspolitik zu beantworten, sondern sich für die Befreiung Europas von der Hegemonie Frankreichs einzusetzen. Yorck wurde vorher bereits im September 1812 erstmalig kontaktiert, ein Treffen mit dem russischen General Essen - mit dem Ziel überzulaufen - blieb jedoch erfolgslos. Der zweite Versuch Essens erfolgte am 1. November, nachdem die russischen Truppen bereits auf dem Rückzug waren. Dabei forderte Essen Yorck in einem Brief auf, einen französischen Befehlshaber zu verhaften, die preußischen Truppen eigenmächtig zurückzuziehen und mit dem König zu brechen. Er appellierte dabei an die Mannhaftigkeit Yorcks und bezeichnete ihn als „Retter Ihres Vaterlandes und vielleicht ganz Teutschlands“.
Aber auch die Betonung, Yorck würde eine „große edle That“ unternehmen, konnte den preußischen Befehlshaber nicht dazu bringen diesen Schritt an diesem Zeitpunkt zu vollziehen, da dies gegen sein Pflichtgefühl als Preuße verstoßen würde und Preußen zu so einem Bruch noch nicht in der Lage war. Yorck galt als besonders ehrhaftiger Mensch. An diesem Punkt erfuhr Yorck auch erstmalig vom Abzug der russischen Truppen aus Moskau und das Verhältnis zwischen russischen und preußischen Generälen verbesserte sich. In einem Brief an Yorck appellierte der Nachfolger von Essen und russische Generaladjudant Marquis Paulucci am 14. November 1812 an dessen soldatische Seite und auch er betont die Ehrhaftigkeit und den Freimut des preußischen Generals. Paulucci versucht aber auch Yorcks Vernunft anzusprechen, in dem er ihm die Lage Preußens darstellt ihm seine Hilfe dabei anbietet und ihm zusätzlich aber auch die Möglichkeit bietet das mit dem König abzusprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Leitfrage zur eigenmächtigen Handlungsweise Yorcks und gibt einen Überblick über den Forschungsstand sowie die für die Arbeit zentralen Quellen.
2 Der Allianzwechsel Preußens 1812/13: Dieses Kapitel beschreibt die politische Ausgangslage Preußens nach dem Frieden von Tilsit, die Bedingungen der Konvention von Tauroggen sowie die unmittelbaren politischen und militärischen Folgen.
3 Die Rolle Yorcks bei der Konvention von Tauroggen 1812: Hier wird der Prozess der Entscheidungsfindung Yorcks beleuchtet, insbesondere sein innerer Konflikt zwischen pflichtbewusster Loyalität zum König und der strategischen Notwendigkeit zum Bruch mit Frankreich.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Rolle Yorcks als entscheidenden Akteur, der trotz persönlicher Vorbehalte das Risiko eines eigenmächtigen Handelns einging.
Schlüsselwörter
Preußen, Napoleon, Russlandfeldzug, Konvention von Tauroggen, Hans David Ludwig von Yorck, Allianzwechsel, Befreiungskriege, Friedrich Wilhelm III., Militärgeschichte, Pflichtgefühl, Neutralitätsvertrag, Clausewitz, diplomatische Geschichte, 1812, politisches Handeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Wendepunkt des inoffiziellen Allianzwechsels Preußens während des Russlandfeldzugs von 1812.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die politische Situation Preußens, die Konvention von Tauroggen und die spezifische Rolle des Generals von Yorck bei diesem diplomatisch-militärischen Umbruch.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welche Gründe den Generalleutnant von Yorck dazu bewegten, ohne offizielle Billigung des Königs Friedrich Wilhelm III. eigenmächtig die Konvention von Tauroggen zu vollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, bei der zentrale Werke der Geschichtsschreibung und zeitgenössische Dokumente ausgewertet werden.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der historischen Ausgangslage, die Analyse der Konvention selbst sowie eine Untersuchung der persönlichen Motive und des Handlungsspielraums von Yorck.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Preußen, Tauroggen, Yorck, Allianzwechsel und die Befreiungskriege.
Wie reagierte der preußische König auf Yorcks Handeln?
Friedrich Wilhelm III. verweigerte zunächst die Zustimmung zur Konvention und ächtete Yorck für dessen eigenmächtigen Alleingang, da er offiziell noch am Bündnis mit Frankreich festhielt.
Was war das letztliche Ziel der Konvention von Tauroggen aus Sicht von Yorck und den Russen?
Das Ziel war ein Waffenstillstand, der die Schaffung einer neutralen Zone auf preußischem Territorium ermöglichte, um Preußen handlungsfähig zu halten und den Weg für einen späteren Bündniswechsel zu ebnen.
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- Julian Grasser (Author), 2013, Die Rolle Yorck von Wartenburgs beim Allianzwechsel Preußens 1812/13, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497284