Leben und Wirken Kurt Hahns. Sein Beitrag zur Erlebnispädagogik


Hausarbeit, 2019
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Kurt Hahn als Pädagoge und Politiker
2.1. politisches Wirken Kurt Hahns
2.2.Die Pädagogik Kurt Hahns
2.2.1.Menschenbild
2.2.2.Erlebnistherapie
2.3.Gründungen Kurt Hahns
2.3.1.Die Internatsschule Schloss Salem
2.3.2.Das Programm der Kurzschulen
2.3.3. Outward Bound und die Kurzschulen in Deutschland

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die Idee, tiefer in das Leben und Wirken von Kurt Hahn einzusteigen, entstand mit der Beschäftigung in erlebnispädagogischen Feldern, genauer gesagt der geschichtlichen Hintergründe. Da man bei den Anfängen der Erlebnispädagogik nicht um den Namen Kurt Hahn herumkommt, wurde das Interesse geweckt, diesen genauer zu untersuchen. Vor allem das Konzept der Erlebnistherapie von Kurt Hahn stellt den Grundbaustein für die heutige Erlebnispädagogik dar und wird noch immer in Teilen durchgeführt.

Kurt Hahn war ein Pädagoge, obwohl er nie eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich absolvierte. Seine Hinwendung zur Erziehung musste sich erst entwickeln, dabei spielten einige Bekanntschaften aber auch politische Geschehen, vor allem aber der erste Weltkrieg eine große Rolle. Zur Person muss erwähnt werden, dass Kurt Hahn jüdischer Herkunft war, er wurde 1886 geboren und wuchs unter geregelten und privilegierten Umständen auf. Während seiner Schulzeit begegnete er den Schriften Platos, die seine pädagogische Überzeugung stark beeinflussten. Für sein Studium wurde Hahn, unter anderem wegen seiner Gesundheit, nach Oxford geschickt, diese Englandaufenthalte prägten sein Leben (Vgl. Hahn 1958, S. 96).

Im Folgenden soll, nachdem ein kurzer Einblick in seine Biografie gegeben wird, auf das politische, vor allem aber auf das pädagogische Wirken Kurt Hahns eingegangen werden. Dabei möchte ich von seinem Menschenbild ausgehend die Erlebnistherapie darstellen und daran anschließend seine Schöpfungen in Grundzügen in den Blick nehmen. Die Frage, ob und inwieweit die Konzepte, die Kurt Hahn vor gut 100 Jahren aufgestellt hat, in der modernen Erlebnispädagogik noch Gültigkeit haben, wird mich bei der Erarbeitung der Hausarbeit begleiten.

2. Kurt Hahn als Pädagoge und Politiker

2.1. politisches Wirken Kurt Hahns

Noch bevor Kurt Hahn seine wahre Bestimmung in Form der Pädagogik erkannte, setzte er sich in einigen politischen Belangen ein. Sein Schaffen begann im Jahr 1914, als er in der „Zentralstelle für Auslandsdienst“ eingesetzt wurde, da er durch mehrere Aufenthalte in England zu der Analyse der inneren Aktivitäten und Stimmungen beitragen konnte. Während der Kriegsjahre knüpfte er wichtige Beziehungen aufgrund derer er befähigt war, sich politisches Gehör zu verschaffen (Vgl. Mann 1966, S.13). Hahns Position stieg vom Englandexperten zum politischen Referent für die Oberste Heeresleitung und er schrieb Aufsätze und Reden für wichtige Persönlichkeiten. Trotz enger Einbindung in politische Geschehen sprach sich Hahn gegen einige Pläne aus, wie beispielsweise gegen den unbeschränkten U-Boot- Krieg oder gegen die Neutralitätsverletzung in Belgien. Er appellierte außerdem für eine humane Kriegsführung, nationale Würde und Gerechtigkeit und einen Verständigungsfrieden (Vgl. Knoll 1986, S.54). Aufgrund der desillusionierenden politischen Vorgänge und dem Schrecken des ersten Weltkriegs zog sich Hahn ab 1918 langsam aus der Politik zurück, konzentrierte sich mehr auf pädagogische Inhalte und gründete 1920 das Internat Schloss Salem. Da er während der Kriegsjahre eine besonders enge Beziehung zu Prinz Max von Baden aufgebaut hat, konnte er zusammen mit Karl Reinhardt und dem Prinzen, der finanziell durch seinen Thronverzicht abgesichert war, die Schule in der Nähe des Bodensees eröffnen.

Erst einige Jahre später, mit der Ausbreitung der nationalsozialistischen Bewegung, äußert sich Hahn wieder öffentlich zu politischen Geschehen in Deutschland. Er spricht sich deutlich gegen den Einfluss Hitlers aus und schreibt in einem Brief: „Salem kann nicht neutral bleiben. Ich fordere die Mitglieder des Salemer Bundes auf, die in einer SA oder SS tätig sind, entweder ihr Treueverhältnis zu Hitler oder zu Salem zu lösen.“(Knoll 1986, S. 54). Ein Jahr später macht Hahn in der Öffentlichkeit deutlich, dass er die Jugend nicht für einen faschistischen Staat erziehen werde (Vgl. Ziegenspeck 1987, S.13). Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wird er kurz darauf aus Baden verbannt und emigriert infolgedessen nach England.

2.2.Die Pädagogik Kurt Hahns

Seine pädagogischen Anschauungen entstehen aus Erkenntnissen durch praktische Arbeit, wobei sein Augenmerk auf die Pubertät und die Adoleszenz gerichtet ist. Durch eine möglichst lange erzieherische Einwirkung ist der seelische Niedergang, genauer die Verweichlichung, Verwilderung und Verflachung von Jugendlichen, vermeidbar. Letzteres bezeichnet die Abstumpfung gegenüber aktiven Tätigkeiten und Emotionen, Verwilderung meint lediglich nach seinen eigenen Wünschen, also aus Eigennutz zu handeln und Verweichlichung beschreibt die Selbstaufgabe für Andere und die passive Hinnahme aller Geschehnisse. Entgegenwirken lässt sich diesem durch die von Hahn aufgestellte Erlebnistherapie, welche im Kapitel 2.2.2 genauer betrachtet wird. Des Weiteren stellt Hahn heraus, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. „Hahn begeisterte die Erziehung des ganzen Menschen […]: nicht die Einzelleistung, sondern die Wirkung des ganzen Menschen, sein Charakter spiegelt einen tatkräftigen und verantwortungsvollen Menschen [wieder, A.B].“ (Pielotz 1991, S.111).

2.2.1.Menschenbild

Kurt Hahns Menschenbild ist aufbauend auf den Grundgedanken von Plato, Goethe, Fichte, Pestalozzi und Lietz. Allen Überzeugungen gemeinsam ist die Tatsache, dass die Charakterbildung eine Vorrangstellung hat und als wesentlicher und wichtiger angesehen wird, als die theoretische Wissensvermittlung. Vor allem Plato glaubte stark an die Macht und den Nutzen der Erziehung, so wird laut ihm ein jedes Kind mit einer guten Seele geboren. Er vergleicht einen Menschen mit einer Pflanze, deren Wachsen von äußeren Einflüssen sowie der Bodenbeschaffenheit, der umgebenden Atmosphäre und der zugeführten Nahrung abhängig ist (Vgl. Röhrs/ Schwarz 1968, S. 15f.).

Kurt Hahn definiert in seinem Buch Erziehung zur Verantwortung als Ziel der Pädagogik, Kinder zu sittlichen Menschen zu erziehen. Damit ist gemeint, dass jeder Mensch in der Lage sein soll, aus Achtung vor dem Gesetzt und der Vernunft so zu handeln, wie er wollen würde, dass es zu einem allgemeinen Grundsatz wird. Dabei stützt sich Hahn auf die Aussage Kants, dass die Stimme der Vernunft unüberhörbar ist (Vgl. Hahn 1958, S.9f.), formuliert diese aber um zu „Die Stimme der Vernunft ist für jeden vernehmlich, der ehrlich hinhört; aber die Wucht der Neigungen kann so stark sein, daß [sic!] der Mensch nicht mehr ehrlich hinhören kann.“ (Hahn 1958, S.10) Laut Hahn ist die Aufgabe der Pädagogik, diese Neigungen so abzuschwächen, dass sie überwindbar werden. Dabei kämpft in einem Menschen der Neigungskonflikt zwischen dem Eigennutz und der Teilnahme. Dies ist die bestmöglichste Grundlage, da sich durch diesen Konflikt Sanftheit und die Beherztheit in der Waage halten und so weder zu einer Verweichlichung noch zu einer unkontrollierten Wildheit werden (Vgl. Hahn 1958, S.17f.). Das Ziel, die Neigungen im Gleichgewicht zu halten sodass sie den Menschen im gesunden Maße beeinflussen, nennt man Selbständigkeit (Vgl. Ziegenspeck 1987, S. 75). Um Kinder zu sittlich handelnden Menschen zu erziehen, bedarf es seelischer Qualitäten, die zum Erreichen eines Ziels notwendig sind. Die Aufgabe der Pädagogen ist es dabei zu helfen, Fähigkeiten wie Lebensfreude, Gesundheit, physischer Mut und die Schärfe des Denkens im Kindesalter auszubilden. Hahn merkt an, dass dies aber nicht ohne Bezug zu den Anforderungen ihrer Zeit und ihres Landes erfolgen sollte, da die zu Erziehenden sich sonst nicht zurechtfinden können.

Kurt Hahns Menschenbild richtet sich stark auf die Möglichkeiten der Erziehung aus. So ist jedes Kind für alle Eindrücke offen und fähig, diese nachzuahmen. Die umgebende Welt formt das Kind, somit ist dieses abhängig davon, welche Faktoren und Menschen zur Erziehung beitragen. Hahn beschreibt Lernen als Nahrungszufuhr und meint damit, dass der Pädagoge oder Erzieher das Kind durch eine seelische Ansteckung zur Nachahmung der Verhaltensmuster bringen soll um es so zu erziehen. Ob dies gelingt, richtet sich nach der Veranlagung des seelischen Organismus und nach der Dauer und Intensität der seelischen Berührung. Auch die Auffassung von James bestätigt den Nutzen des Nachahmens beziehungsweise des Einübens. Regelmäßiges und Anhaltendes Üben ist bedeutsam für das Umsetzen seiner Gefühle in echte Tathandlungen und zur Selbstüberwindung (Vgl. Röhrs/Schwarz 1968, S. 17). Hahn meint hierzu: „Ich behaupte, daß [sic!] heutzutage das Mitleid seine Kraft nur bewahren kann, wenn die Samaritertugenden geübt werden.“ (Hahn 1958, S. 56)

Ein weiterer Aspekt, den Hahn als sehr wichtig ansieht, ist es, die Mitte zwischen der ionischen und der spartanischen Einstellung zu finden. Ionisch bedeutet Erziehung allein auf die Interessen des Zöglings ausgerichtet, spartanisch meint die Erziehung ausschließlich zugunsten der Gesellschaft und des Staates. Ziel einer guten Erziehung ist es, den platonischen Standpunkt, also die goldene Mitte zu schaffen. Das Individuum soll seine eigenen innewohnenden Kräfte entdecken, diese aber im Interesse des Staats ausschöpfen und nutzen. Gleichzeitig soll jeder seinen Platz im Dienst der Gesellschaft finden, dies sollte aber mit den Wünschen und Bedürfnissen des Individuums im Einklang stehen. Somit entsteht eine doppelpolige Wechselbeziehung, die laut Hahn dazu führt, dass sich das Individuum im späteren Leben gut bewähren kann (Vgl. Röhrs/Schwarz 1968, S. 21). Das Problem, welches Hahn bei der Umsetzung seiner Auffassungen sieht, ist der Verfall der Schönheit der Seele vieler Eltern und damit das Wegfallen einer Vorbildfunktion in Bezug auf sittliches Verhalten. Außerdem ist Hahn der Überzeugung, dass die soeben erläuterte doppelpolige Wechselbeziehung in den vorherrschenden Erziehungssystemen nicht ausreichend möglich ist (Vgl. ebd. S. 21). Ein Lösungsvorschlag hierfür wäre die Trennung von Kindern und Eltern in den entscheidenden Entwicklungsphasen (Vgl. Hahn 1958, S. 25ff.) und dem Errichten neuer Erziehungsheime, auf diesem Grundsatz gründete Kurt Hahn 1920 das Internat Schloss Salem.

2.2.2.Erlebnistherapie

Während seiner Tätigkeit als Leiter der Internatsschule Schloss Salem, erkennt Kurt Hahn Verfallserscheinungen, welche die heranwachsenden Kinder in ihrer Entwicklung bedrohen. Dabei werden vier schlechte Anzeichen sichtbar, denen Hahn mithilfe seiner Erlebnistherapie entgegenwirken möchte.

Jugendlichen fehlt der Wert der menschlichen Anteilnahme und der Hilfsbereitschaft. Grund hierfür ist das schnelllebige und hastige Leben, das zu einer Ruhelosigkeit führt und somit ein tiefes Erleben und ein Innehalten zu echtem Mitgefühl verhindert. Aufbauend auf diesem ersten Defizit entsteht sogleich der Mangel an Sorgsamkeit, auch eine Ergebnis des quantitativen Erlebens (Vgl. Röhrs/Schwarz 1968, S.40f.) Hahn sieht darin ein „Nachlassen der Konzentration, […] fehlende Bereitschaft zu mühevollem, exaktem Arbeiten und […] [ein, A.B] Niedergang des Handwerks.“ (ebd. S.41) Infolgedessen ist die durch ein passives statt aktives Erleben zustande gekommene Verkümmerung der Initiative zu nennen. So rutscht der Großteil der Menschen in eine gemütliche, passive Zuschauerrolle, ohne sich selbst geistig sowie körperlich zu betätigen. Daran anschließen lässt sich die letzte der Mangelerscheinungen, der Verfall der körperlichen Tauglichkeit. Grund für alle vier Erscheinungen ist für Hahn die Hast des modernen Lebens sowie die gleichzeitige Unbeweglichkeit des Menschen im Sinne von sesshaft und somit passiv werden (Vgl. ebd. S.40f.). Im Folgenden wird genauer auf die Problematik der Verfallserscheinungen eingegangen und auch der Lösungsansatz, den Kurt Hahn dazu entwickelte, dargestellt.

Für Hahn persönlich ist der Verlust der menschlichen Anteilnahme das Kernproblem, deswegen stellt er eine sogenannte Therapie auf, die Heranwachsende davon heilen soll. Als zentrales Element der Erlebnistherapie führt Hahn Übungen zum Rettungsdienst ein. Diese können, je nach Notwendigkeit, Bergrettung, Küstenwache, Feuerwehr oder Brandungsrettung sein und sollen auch über die alleinige Übung hinausgehen und in die Tat umgesetzt werden können. Grund hierfür ist die Überzeugung, dass „nicht nur der Einsatz im Ernstfall, sondern auch die realistische Schulung für den Ernstfall eine befreiende und veredelnde Wirkung auf jungen Menschen ausübt.“ (Hahn 1962, S.36) Wenn das eigene Leben in den Dienst des Nächsten gestellt wird und gleichzeitig ein tatsächlicher Kampf gegen den Tod aufgenommen wird, so wird Barmherzigkeit eingeübt und infolgedessen Hilfsbereitschaft und menschliche Anteilnahme als Wahrheit erkannt und tief in den Jugendlichen verwurzelt (Vgl. Röhrs/ Schwarz 1968, S.43f.).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Leben und Wirken Kurt Hahns. Sein Beitrag zur Erlebnispädagogik
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Erlebnispädagogik
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V497300
ISBN (eBook)
9783346011060
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kurt Hahn, Erlebnispädagogik, Leben und Wirken Kurt Hahns
Arbeit zitieren
Angelika Bals (Autor), 2019, Leben und Wirken Kurt Hahns. Sein Beitrag zur Erlebnispädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497300

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