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Alexis de Tocqueville. Die Gefährdung der Freiheit in der Demokratie

Title: Alexis de Tocqueville. Die Gefährdung der Freiheit in der Demokratie

Intermediate Examination Paper , 2005 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nina Anikina (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Alexis de Tocquevilles im Jahre 1835 erschienenes Hauptwerk „Über die Demokratie in Amerika“ ist weder eine rein deskriptive Darstellung der staatlichen Verfasstheit der jungen amerikanischen Nation, noch ein bloßes Tagebuch seiner Reise, die er in den Jahren 1831/32 unter dem Vorwand unternommen hatte, das amerikanische Gefängniswesen studieren zu wollen. Vielmehr stellt es auch heute noch eines der wichtigsten Werke der neuzeitlichen Demokratietheorie dar, in dem die Grundzüge demokratischer Ordnungen am Beispiel der amerikanischen Gesellschaft anschaulich dargestellt und scharfsinnig analysiert werden. „It is a book about democratic culture with its increasing social equality and the institutions it has produced.” (Elazar, 1999: 207)

Tocqueville wäre allerdings sicherlich nicht zu einem der nach wie vor mit am häufigsten zitierten Klassiker der Demokratietheorien aufgestiegen, hätte er nicht auch die Defizite demokratischer Gesellschafts- und Staatsordnungen erkannt und mit geradezu prophetischer Gabe die (Fehlentwicklungen moderner Demokratien vorhergesagt. Das Spannungsverhältnis von Gleichheit und Freiheit und insbesondere die Gefährdung der letzteren durch das demokratische Prinzip der Volkssouveränität ist eines der zentralen Leitmotive im Werk Tocquevilles. Mit seiner zentralen These, die schrankenlose Demokratie befördere einen universalen Trend hin zur Gleichheit und eine „Tyrannei der Mehrheit“ zulasten der politischen und sozialen Freiheitsinteressen des Individuums, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Die Arbeit gliedert sich wie folgt. Nach dem einleitenden ersten Kapitel beleuchtet Kapitel 2 Tocquevilles Haltung zur Demokratie sowie die Entwicklung demokratischer Prinzipien in Amerika aus der Tradition des Puritanismus und der lokalen Selbstverwaltung in den Neuengland- Staaten heraus. Kapitel 3 analysiert die Bedeutung der individuellen Freiheitsrechte für das Funktionieren des demokratischen Gemeinwesens und beschreibt die zentralen Prinzipien ihrer Sicherung. Die aus dem Prinzip der Volkssouveränität resultierende Gefahr der „Tyrannei der Mehrheit“ sowie die Tendenz zur Gleichheit und zum demokratischen Despotismus werden in Kapitel 4 bzw. 5 thematisiert. In Kapitel 6 werden Tocquevilles Thesen retrospektiv auf die Analyse aktueller Entwicklungen in modernen Demokratien übertragen, bevor im Schlusskapitel 7 ein abschließendes Fazit gezogen und die ideengeschichtliche Bedeutung Alexis de Tocquevilles gewürdigt wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Tocquevilles Einstellung zur Demokratie und die puritanische Tradition Amerikas

III. Der Gedanke der demokratischen Freiheit und ihrer Sicherung

IV. Die „Tyrannei der Mehrheit“

V. Die Tendenz zur Gleichheit und die Gefährdung der Freiheit im demokratischen Despotismus

VI. Alexis de Tocqueville in der Retrospektive – Die gefährdete Freiheit in den Demokratien des 20. Jahrhunderts

VII. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis von Freiheit und Gleichheit im Werk von Alexis de Tocqueville. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Prinzip der Volkssouveränität und der damit einhergehende Trend zur sozialen Gleichheit eine „Tyrannei der Mehrheit“ befördern und individuelle Freiheitsrechte in modernen Demokratien gefährden können.

  • Analyse der amerikanischen puritanischen Tradition als Grundlage demokratischer Freiheit.
  • Untersuchung der Gefahren der „Tyrannei der Mehrheit“ für das Individuum.
  • Diskussion des demokratischen Despotismus durch Machtkonzentration und Individualisierung.
  • Übertragung von Tocquevilles Thesen auf moderne Wohlfahrtsstaaten und den 20. Jahrhundert-Kontext.
  • Bewertung notwendiger Schutzmechanismen wie Föderalismus und unabhängige Judikative.

Auszug aus dem Buch

IV. Die „Tyrannei der Mehrheit“

Wie bereits erwähnt war das Prinzip der Volkssouveränität auf lokaler Ebene das schöpferische Prinzip für die Entstehung der englischen Kolonien Amerikas. Später wurde dieses Dogma auf die gesamten Vereinigten Staaten übertragen:

„In Amerika ist das Prinzip der Volkssouveränität weder versteckt noch abgestorben wie bei manchen anderen Nationen; es wird durch die Sitten bestätigt, durch die Gesetze verkündet; es breitet sich in aller Freiheit aus und erreicht widerspruchslos seine letzten Konsequenzen“ (Tocqueville, 1967: 35).

Das Dogma der Volkssouveränität gesteht nach Tocqueville jedem Individuum das Recht zur Teilhabe an der politischen Herrschaft zu. Daraus folgt notwendigerweise, dass man ihm auch die Fähigkeit zutrauen muss, sich aus dem Vergleich der öffentlichen Meinungen ein Urteil zu bilden, das ihn bei seinem Handeln als politischer Bürger leitet.

Aber trotz seiner Begeisterung für die amerikanische Verfassung und Gesetzgebung schließt Tocqueville nicht aus, dass sich aus dem Dogma der Volkssouveränität eine Tyrannei der Mehrheit entwickeln kann, die alle Entscheidungen an sich zieht. Die Partizipation der Bürger, die Volkssouveränität, garantiert also nicht automatisch den dauerhaften Bestand der Freiheit für alle Bürger. Die Gefahr der schrankenlosen Allmacht einer Person, Gruppe oder sozialen Schicht erscheint Tocqueville in der Demokratie gefährlich groß zu sein.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in Tocquevilles Hauptwerk ein und skizziert das zentrale Problem des Spannungsverhältnisses von Freiheit und Gleichheit sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.

II. Tocquevilles Einstellung zur Demokratie und die puritanische Tradition Amerikas: Dieses Kapitel beleuchtet Tocquevilles aristokratische Herkunft und analysiert die Bedeutung des Puritanismus sowie der lokalen Selbstverwaltung für die Entstehung der amerikanischen Demokratie.

III. Der Gedanke der demokratischen Freiheit und ihrer Sicherung: Es werden die Strukturbedingungen der politischen Freiheit und die Rolle von Institutionen wie der Gewaltenteilung und des Föderalismus zur Absicherung individueller Freiheitsrechte beschrieben.

IV. Die „Tyrannei der Mehrheit“: Dieses Kapitel thematisiert die aus der Volkssouveränität resultierende Gefahr, dass die Mehrheit ihren Willen absolut setzt und Minderheiten durch geistig-moralischen Druck unterdrückt.

V. Die Tendenz zur Gleichheit und die Gefährdung der Freiheit im demokratischen Despotismus: Der Fokus liegt auf der Nivellierung durch Geldstreben und Zentralisierung, was zur politischen Apathie des Bürgers und einem „milden“ Despotismus führt.

VI. Alexis de Tocqueville in der Retrospektive – Die gefährdete Freiheit in den Demokratien des 20. Jahrhunderts: Hier werden Tocquevilles Thesen auf den modernen Wohlfahrtsstaat, die Zentralisierung und die Konzentration der Macht in den USA und Deutschland übertragen.

VII. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Relevanz von Tocquevilles Beobachtungen für die heutige Zeit zusammen und betont die Notwendigkeit von Schutzmechanismen zur Erhaltung der Freiheit.

Schlüsselwörter

Alexis de Tocqueville, Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Volkssouveränität, Tyrannei der Mehrheit, demokratischer Despotismus, Puritanismus, Individualismus, Zentralisierung, Föderalismus, Wohlfahrtsstaat, politische Partizipation, Rechtsstaatlichkeit, Machtteilung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Tocquevilles Demokratietheorie mit dem Fokus auf das kritische Spannungsverhältnis zwischen dem Streben nach Gleichheit und der Bewahrung individueller Freiheit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Rolle der Volkssouveränität, die Auswirkungen des Individualismus, die Gefahren der Mehrheitsherrschaft sowie die strukturellen Risiken von Machtkonzentration und Zentralverwaltung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie demokratische Prinzipien in eine Tyrannei der Mehrheit umschlagen können und welche Faktoren für die Sicherung der Freiheit in modernen Gesellschaften entscheidend sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine ideengeschichtliche und politikwissenschaftliche Analyse, die Tocquevilles ursprüngliche Thesen durch aktuelle politikwissenschaftliche Forschung und empirische Beobachtungen des 20. Jahrhunderts kontextualisiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der puritanischen Wurzeln der amerikanischen Demokratie, die Analyse der Freiheitsgefährdung durch Mehrheitsentscheidungen sowie die Erörterung des „demokratischen Despotismus“ in zentralisierten modernen Staaten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?

Wesentliche Begriffe sind „Tyrannei der Mehrheit“, „demokratischer Despotismus“, „Volkssouveränität“, „soziale Gleichheit“ und die „Gewaltenteilung“.

Wie bewertet Tocqueville den Zusammenhang von Religion und Politik in Amerika?

Er sieht den puritanischen Protestantismus als eine säkulare Religion, die das politische Denken prägte und als wirksame Barriere gegen den Absolutismus sowohl der Religion als auch der Mehrheit diente.

Warum wird im Fazit ein pessimistisches Bild gezeichnet?

Tocqueville erkennt einen universalen Trend zur Nivellierung, der staatliche Zentralisierung begünstigt. Dennoch verweist er auf Schutzmechanismen wie eine unabhängige Judikative, die als Korrektive wirken können.

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Details

Title
Alexis de Tocqueville. Die Gefährdung der Freiheit in der Demokratie
College
University of Duisburg-Essen
Grade
1,0
Author
Nina Anikina (Author)
Publication Year
2005
Pages
30
Catalog Number
V49730
ISBN (eBook)
9783638461023
ISBN (Book)
9783638660549
Language
German
Tags
Alexis Tocqueville Gefährdung Freiheit Demokratie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nina Anikina (Author), 2005, Alexis de Tocqueville. Die Gefährdung der Freiheit in der Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49730
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