Die Grundstruktur der Nominalphrase


Hausarbeit, 2019
25 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Innere Struktur
2.1 Phrasen und Kerne
2.2 Phrasenklassifikation

3. Nominalphrasen
3.1 Aufbau der Nominalphrase
3.2 Kopf, bzw. Kern
3.3 Artikelwörter
3.4 Minimale Nominalphrase
3.5 Komplexe Nominalphrase
3.6 Kongruenz in der Nominalphrase
3.6.1 Person
3.6.2 Genus
3.6.3 Numerus
3.6.4 Kasus
3.7 Attribution

4. Bedeutung der Nominalphrase

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

“Aufgrund meiner philologischen Studien bin ich überzeugt, dass ein begabter Mensch Englisch (außer Schreibung und Aussprache) in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann. Es liegt daher auf der Hand, dass die letztgenannte Sprache zurechtgestutzt und repariert werden sollte. Falls sie so bleibt wie sie ist, sollte sie sanft und ehrerbietig zu den toten Sprachen gestellt werden, denn nur die Toten

haben genügend Zeit, sie zu lernen.”

Mark Twain

1. Einleitung

Durch Sprechen und Schreiben werden sprachliche Handlungen vollzogen. Dabei orientieren wir uns an Regeln, die für den Gebrauch der Sprache üblich sind und über die wir gar nicht wirklich nachdenken, wenn wir denn sprechen. Das Anwenden dieser Regeln ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir eine korrekte Kommunikation führen können. Sie geschieht eher unterbewusst. Was für das Sprechen als Handlung ausschlaggebend ist, ist zum einen das Ausdrücken von Sachverhalten, Propositionen, und zum anderen die Bezugnahme auf Gegenstände, die wir in unsere Kommunikation integrieren (Referenz).

Es ist allgemeingültig bekannt, dass die deutsche Sprache als komplexe Sprache gilt. Für Nichtmuttersprachler erweist es sich als große Hürde, diese Sprache exakt erlernen zu können. Doch wie ergeht es den Muttersprachlern? Beherrschen diese all die grammatischen Kenntnisse, die die deutsche Sprache beinhaltet? Das Deutsche ist ein überaus kompliziertes Sprachsystem. Doch ist es tatsächlich so äußerst komplex, dass es ausschließlich Sprachwissenschaftlern gelingt, das System zu dechiffrieren? Innerhalb dieser Arbeit soll ein Fachgebiet der deutschen Grammatik untersucht werden - das Gebiet, welches zwischen Wort und Satz zu finden ist und als Phrase betitelt wird. Zunächst wird untersucht, was unter dem Begriff der Phrase zu verstehen ist und wie die innere Struktur dessen aussieht. Anschließend werden die unterschiedlichen Phrasentypen, die die deutsche Sprache hergibt, klassifiziert. Ein Hauptteil der Arbeit stellt einen ganz bestimmten Phrasentyp dar - die Nominalphrase. Es gilt, die Grundstruktur derer zu untersuchen.

Betrachtet man folgenden Satz „Die großen von einem Bauunternehmer mit Hilfe seines Auszubildenden, ein kreativer und begabter Mann, der arbeitswillig ist, atemberaubend schön erbauten mediterranen Villen des berühmten Mannes mit den hübschen englischen Gärten in München, die seit Langem in seinen Besitz übergegangen sind, sind aufsehenerregend.“ wirkt dieser zunächst einmal völlig überfordernd. Der Grund dafür ist, dass die Nominalphrase, die in diesem Satz steckt, sehr komplex, durch viele Attribute, erweitert wurde. Wenn man all die vorliegenden attributiven Erweiterungen des Satzes streicht, bleibt folgendes übrig: „Die großen von einem Bauunternehmer mit Hilfe seines Auszubildenden, ein kreativer und begabter Mann, der arbeitswillig ist, atemberaubend schön erbauten mediterranen Villen des berühmten Mannes mit den hübschen englischen Gärten in München, die seit Langem in seinen Besitz übergegangen sind, sind aufsehenerregend.“ Das zeigt, wie erstaunlich lang ein Satz erweitert werden kann. Die Nominalphrase dieser komplexen Einheit lautet [Die Villen]. Sie besteht also aus einem Artikel sowie einem Substantiv, welches den Kopf, bzw. den Kern der Nominalphrase darlegt.

Die Arbeit wird durch viele Beispiele und auch durch Grafiken anschaulich dargestellt. Um das komplexe Sprachsystem zu verstehen, beginnt die Untersuchung, nachdem die innere Struktur der Phrasen untersucht wurde, mit dem Aufbau der Nominalphrase. Schritt für Schritt wird die Nominalphrase beleuchtet und untersucht. Nach dem Aufbau, der als Grundlage und Grundwissen angesehen werden kann, wird der Kopf, bzw. Kern der Nominalphrase betrachtet. Da Nominalphrasen nahezu immer aus mindestens einem Artikelwort sowie einem Substantiv bestehen, werden die Artikelwörter großzügig thematisiert. Anschließend wird der Unterschied zwischen einer minimalen und einer komplexen Nominalphrase dargestellt. Innerhalb der Untersuchung der komplexen Nominalphrase wird kleinschrittig und sehr beispielhaft vorgegangen. Es wird die Kongruenz im Satz dargestellt, aufgeteilt in Person, Numerus, Genus sowie Kasus. Zudem wird die Attribution, welche die Links- und Rechtserweiterung der Nominalphrase darstellt, aufgezeigt. Im Anschluss wird die Bedeutung der Nominalphrase aufgedeckt und schlussendlich ein Fazit gezogen.

In der vorliegenden Arbeit wird das Hauptaugenmerk auf die Duden-Grammatik sowie die IDS- Grammatik gelegt und die Nominalphrase anhand dieser beiden Hauptquellen untersucht und dargestellt.

2. Innere Struktur

2.1 Phrasen und Kerne

Die Definition des Begriffs „Phrase“ dient zum Verständnis und als Einstieg, um anschließend die Nominalphrase genauer zu betrachten. Die Beispiele sind abgeändert, selbst erstellt oder kenntlich gemacht, insofern sie übernommen wurden. Zu dem Begriff Kern (und auch Kopf) ist im Vorfeld zu sagen, dass ich das Substantiv der Nominalphrase mit beiden Begriffen kenntlich mache, da es in den Literaturen auch unterschiedlich genannt wird. Das Artikelwort behält seinen Namen.

Innerhalb eines Satzes schließen sich die Wörter zu verschiedenen komplexen Einheiten zusammen. Diese Einheiten werden als Phrasen oder auch Wortgruppen bezeichnet. Phrasen sind somit funktional selbständige Wortgruppen, welche aus einem oder mehreren Elementen - syntaktischen Wörtern - bestehen. Es bewährt sich folgende Beziehung zwischen Phrasen sowie der syntaktischen Wörtern:1 „Jede Phrase hat genau eine Wortform als Kern, und jede Wortform bildet den Kern der eigenen Phrase.“2 Dies ist das zentrale Element einer Phrase. Die Wortart dessen legt die Benennung der jeweiligen Phrase fest, siehe anschließendes Beispiel (die eckigen Klammern bilden die Grenzen der entsprechenden Phrase):3

[Während des Sommers] scheint [die Sonne].

Präpositionalphrase Verbalkomplex Nominalphrase

Schauen wir uns nun noch einen weiteren Beispielsatz an:

Ich frage den Autoverkäufer [nach schnelleren Autos].

Es handelt sich bei der eingeklammerten Phrase um eine Präpositionalphrase. Der Kern dessen ist das Wort nach.[4] „Die grammatischen Merkmale des Kerns, insbesondere dessen Wortart, bestimmen die syntaktischen Eigenschaften der daraus gebildeten Phrase in vielerlei Hinsicht:

- Die Wortart des Kerns bestimmt, was für Elemente die Phrase außer dem Kern selbst sonst noch enthalten kann.
- Die Wortart des Kerns bestimmt auch, welche Funktionen die Phrase als Ganzes im Satz übernehmen kann.“5

Dies sind die Gründe, die Phrasen nach der Wortart des Kerns zu benennen.

Bei [nach schnelleren Autos] liegt, wie bereits festgestellt, eine Präpositionalphrase vor. Nachdem bekannt ist, dass das Wort nach der Kern der Phrase ist, bleiben noch schnelleren Autos übrig. Diese beiden Worte sind in der Präpositionalphrase eingebettet. Es entwickelt sich daraus folgende „Klammerschreibweise“6:

[nach [schnelleren Autos]]

Betrachtet man die eingebettete Phrase [schnelleren Autos], erkennt man den Kern Autos und es wird klar, dass auch hier noch eine weitere Phrase eingebettet ist, nämlich schnelleren. Bei [schnelleren Autos] handelt es sich um eine Nominalphrase, denn das Wort Auto ist ein Nomen. Darin eingebettet befindet sich das Adjektiv schnelleren, welches somit eine Adjektivphrase bildet. Nachkommende Klammerschreibweise entsteht7: [nach [[schnelleren] Autos]]

Ebenfalls darzustellen, sind diese Schreibweisen anhand von Baumgrafiken8.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man liest diese von oben herab nach unten. Das bedeutet, der gesamte Ausdruck nach schnelleren Autos ist eine Präpositionalphrase, kurz PP. Man kann sie in zwei Teile aufteilen, in die Präposition nach, welches der Kern der Phrase ist, und in die Nominalphrase (NP) schnelleren Autos, welche in die PP eingebettet ist. Die NP setzt sich aus ihrem Kern Autos und der Adjektivphrase schnelleren, kurz AP, zusammen. Die AP enthält keine weitere Phrase in sich und ist somit eine „1-Wort-Phrase“9. Sie kann jedoch theoretisch eine weitere Phrase neben dem Kern enthalten. Das bedeutet, dass man einfache Phrasen, wie die 1-Wort-Phrase eine ist, durch Erweiterungen zu einer komplexen Phrase entwickeln kann.10 Innerhalb der Hausarbeit wird mit der Klammerschreibweise gearbeitet.

Die einzelnen „Bestandteile“11 eines Satzes werden „Konstituenten“12 genannt. Kerne und Phrasen zählen allesamt als Konstituenten eines Satzes. Eine Konstituente entspricht somit einem Satzteil. Doch wie genau erkennt man, wie eine Konstituente eine Phrase darstellt? Die Antwort darauf ist, durch unterschiedliche Proben - durch die Verschiebe-, Ersatz- und, bzw. oder Erweiterungsproben. Die Verschiebeprobe stellt sich als sehr simpel dar. Lassen sich Wörter ausschließlich gemeinsam innerhalb eines Satzes verschieben, jedoch aber auch einzelne Wörter, handelt es sich um eine zusammengehörige Phrase oder auch um eine 1-Wort- Phrase, wie beispielsweise schnelleren als Adjektivphrase.13

Der Satz „Ich frage den Autoverkäufer nach schnelleren Autos.“ lässt sich auf unterschiedliche Weise umstellen, wodurch ersichtlich wird, welche der Konstituenten zusammengehörige Phrasen sind:

[Den Autoverkäufer] frage [ich] [nach schnelleren Autos].

[Nach schnelleren Autos] frage [ich] [den Autoverkäufer].

Begreiflich wird dadurch, dass [Ich], [den Autoverkäufer] sowie [nach schnelleren Autos] Phrasen sind. Allerdings werden Einbettungen innerhalb der Phrasen nicht ersichtlich, wie bei [nach [[schnelleren] Autos]], somit „lässt sich die Phrase [...] nicht selbstständig versetzen“[14], siehe: [Schnelleren Autos] frage [ich] [den Autoverkäufer] [nach].15

„Ersatzprobe: Wenn eine Abfolge von Wortformen gesamthaft durch ein einfaches Wort (genau: durch eine 1-Wort-Phrase) ersetzt werden kann, liegt eine komplexe Phrase vor:“[16]

Ich frage den Autoverkäufer [nach schnelleren Autos].

-Mch frage den Autoverkäufer [danach].

„Erweiterungsprobe: Wenn ein einfaches Wort erweitert werden kann, bildet es den Kern einer Phrase. Es liegt dann eine 1-Wort-Phrase vor, die zu einer komplexen Phrase ausgebaut werden kann.“17 Um dies zu verdeutlichen, wird der Beispielsatz etwas verändert.

[Lena] fragt den Autoverkäufer nach schnelleren Autos.

-^[Die beschleunigungsliebende Lena] fragt den Autoverkäufer nach schnelleren Autos.

Wenn nicht direkt ersichtlich ist, welches der Kopf, bzw. Kern der Phrase ist, dient die Weglassprobe zur Hilfe. Beispiel: [Begeistert von ihren Fähigkeiten] nimmt sie die Urkunde an. -^[Begeistert] nimmt sie die Urkunde an. „Die Weglassprobe hat jedoch insofern ihre Grenzen, als bestimmte eingebettete Phrasen nicht weggelassen werden können, ohne dass der Ausdruck ungrammatisch wird. Dies gilt insbesondere für bestimmte Ergänzungen [...] sowie für den Artikel in Nominalphrasen [...]. “18

[Kurz vor seinem Antritt des Heimwegs aus der Bar] wurde ihm der Geldbeutel entwendet. -^[Vor seinem Antritt des Heimwegs] wurde ihm der Geldbeutel entwendet.

2.2 Phrasenklassifikation

Phrasen lassen sich klassifizieren - und zwar „nach der syntaktischen Wortart ihres Kerns“19, was zu folgender Einordnung führen lässt, welche aus dem Duden (785) entnommen ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Duden. Die Grammatik (2016): 782

2 Ebd.

3 Vgl. IDS-Grammatik: Phrasen. In: https://grammis.ids-mannheim.de/progr@mm/5213

4 Vgl. Duden. Die Grammatik. Ebd.

5 Ebd.

6 Duden. Die Grammatik: ebd

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd.: 783

9 Ebd.

10 Vgl. Duden: 783

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Vgl. ebd.

14 Ebd.: 784

15 Vgl. ebd. 783 f.

16 Ebd. 784

17 Duden: 784

18 Ebd.

19 Ebd.: 785

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Grundstruktur der Nominalphrase
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,6
Autor
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V497311
ISBN (eBook)
9783346009265
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundstruktur, nominalphrase
Arbeit zitieren
Jacqueline Kümpel (Autor), 2019, Die Grundstruktur der Nominalphrase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497311

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