Wie verschriftlicht sich Sprache in den Neuen Medien? Ein deutsch-spanischer Vergleich


Bachelorarbeit, 2015
65 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklungsgeschichte der Jugendsprache als Forschungsgegenstand
2.1 Die Jugend und ihre Sprache
2.2 Jugendsprache und die Neuen Medien

3. Die Kommunikation in den Neuen Medien
3.1 Kommunikationsmedien/-formen; Textsorten und kommunikative Gattungen

4. Mündlichkeit vs. Schriftlichkeit
4.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit in den digitalen Medien

5. Verschriftlichung der Kommunikationsformen in den Neuen Medien
5.1 Kommunikation über SMS
5.1.1 Merkmale der SMS
5.1.2 Sprache der SMS
5.1.2.1 Interpunktion, Groß- und Kleinschreibung und Akzentuierung
5.1.2.2 Sparschreibungen und Reduktionen
5.1.2.3 Sprachspielereien
5.1.2.4 Emoticons
5.1.2.5. Zwischenfazit SMS
5.2 Kommunikation über E-Mail
5.2.1 Merkmale der E-Mail
5.2.2 Textsorten
5.2.3 Sprachliche Besonderheiten der E-Mail
5.3 Kommunikation im Chat
5.3.1 Merkmale des Chats
5.3.2 Chatsprache
5.4 Resümee zur Mündlichkeit und Schriftlichkeit in den Neuen Medien

6. Fazit

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Anmerkung der Redaktion: Der Anhang wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen entfernt. Das Verständnis der Arbeit ist dadurch nicht beeinträchtigt.

1 Einleitung

„T spro n laKsa deKrla als 7dla nch pa ir al Knciert d los Truadors.”(j)[1] Welche Sprache ist das denn?! Diese Frage wird sich der Eine oder Andere stellen, wenn er versucht diesen Satz zu lesen. Tatsächlich handelt es sich hierbei lediglich um eine ganz gewöhnliche SMS die so oder so ähnlich unter spanischen Jugendlichen tagtäglich versendet wird. Diese stark verkürzte und kolloquiale Ausdrucksweise erinnert nicht nur an die Sprache von Jugendlichen, es besteht auch ein nicht unbeachtlicher Zusammenhang zwischen der Jugend und der Sprache in den Neuen Medien. Ziel dieser Arbeit ist es daher, einen Überblick über die Verschriftlichung der Sprache in den Neuen Medien zu schaffen. Die zentrale Frage der Analyse ist, wie sich die Sprache in SMS, Chats und E-Mail manifestiert und sich insofern von der mündlichen Sprache unterscheidet. Da es im spanischen Sprachraum nicht annähernd so viele Forschungsergebnisse und Literatur wie im Deutschen gibt, werde ich neben dem Spanischen auch das Deutsche miteinbeziehen. Einige Parallelen dieser beiden Sprachen vereinfachen es die SMS, Chat- und Emailsprache des Spanischen möglichst anschaulich und wissenschaftlich darzustellen. Zunächst möchte ich eine kurze Entwicklungsgeschichte der Jugendsprachforschung und wichtige Merkmale dieses ,Jargons‘ hervorheben. Ich beziehe die Jugendsprache in diese Arbeit mit ein, da die größte Nutzergruppe im Internet sowie bei der Handykommunikation die Jugend selbst ist und sie somit die Sprache maßgeblich beeinflusst. Im Anschluss daran werde ich näher auf die modernen Medien und die Medienlinguistik eingehen. Dabei werden zum besseren Verständnis einige definitorische Unterscheidungen vorgenommen. Bevor ich die einzelnen Kommunikationsmedien SMS, Chat und Email ausführlich aus sprachtheoretischer Perspektive betrachten werde, möchte ich zuvor das Nähe- Distanz­Modell von Koch und Oesterreicher heranziehen. Denn die Mündlichkeit und Schriftlichkeit spielen in den Neuen Medien und zugleich für die Thematik dieser Arbeit eine zentrale Rolle.

2 Entwicklungsgeschichte der Jugendsprache als Forschungsgegenstand

Die Jugendsprachforschung stellt in der Sprachwissenschaft ein relativ neues Fachgebiet dar. Die ,Jugendrevolten‘ gegen Ende der 70er Jahre, gaben den Anstoß die Sprache der Jugendlichen im Westen Europas näher zu betrachten (Neuland 2003, 9). Gerade einmal seit rund 30 Jahren spielen die Äußerungsformen der Jugendlichen in der Linguistik eine bedeutungstragende Rolle. Zuvor wurde die Jugendsprache zwar im Zuge der Sondersprachforschung öfters beleuchtet, doch überwiegend wurde in der Öffentlichkeit eine Meinung vertreten, die den Jugendjargon als „Sprachkarikatur, als Verstoß gegen Sprachnormen sowie als Verfall der Sprachkultur“ abkanzelte (ebd., 9). Eine eigenständige Beschäftigung mit diesen Sprachvariationen fand erst ab 1982 statt (vgl. Neuland 2008, 22). Dies bedeutet allerdings nicht, dass in dieser vergleichsweise kurzen Zeit, nicht erhebliche Erkenntnisse über die Sprache unserer Jugend gewonnen wurden. Die Jugendsprachforschung ist in der Linguistik heutzutage nicht mehr wegzudenken, da diese Sprachvariationen nachweislich unsere Alltagssprache, sowie die Sprache der Neuen Medien prägen und wandeln. Die Wissenschaft zielte zunächst darauf ab die „Gründe und Erscheinungsweisen sowie mögliche Einflüsse und Auswirkungen des Sprachgebrauchs Jugendlicher“ festzuhalten (ebd., 22). Problematisch gestaltete sich hierbei zu Beginn eine „systematische Erfassung“ der Sprache, da die Sprachwissenschaften einen eindeutigen Rückstand aufwiesen und nicht mit entsprechenden Theorien und Methoden bezüglich des Sprachgebrauchs dienen konnten (vgl. Neuland 2003, 9). Neben dem Erforschen der Pragmatik, Lexikologie und des Sprechstils stellt die Soziolinguistik eine wichtige Teildisziplin dar, die sich „mit den sozialen und kulturellen Bedingungen des Sprachgebrauchs, mit Sprache im sozialen Kontext und mit dem Zusammenhang von Sprache und sozialer Erfahrung beschäftigt“ (Neuland 2008, 22). Betrachtet man die Jugendlichen in ihrem Verhalten und den unterschiedlichen kulturellen Hintergründe, muss aus der kulturanalytischen Perspektive zwangsweise ein Zusammenhang mit deren Sprache hergestellt werden. Es ist in dieser Sprache also keine einheitliche Struktur vorhanden, welche die Jugendsprachforschung zu einem sehr heterogenen Teilbereich der Linguistik macht. Die Jugendsprache an sich gibt es bereits wesentlich länger. Sie gilt als ein ,,historisches Phänomen, das weit in die Sprachgeschichte zurückweist“ (Neuland 2003, 10). Die sogenannte „Studentensprache“ zählt zu den ursprünglichsten Formen von Jugendsprache und lässt sich in Deutschland bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts finden. Im 18. Jahrhundert entstanden die ersten Wörtersammlungen zur Studentensprache, wie die Lexika von Salmasius oder Kindlebens aufzeigen (ebd. 10). Bis dato galt die Studentensprache der männlichen Akademiker als die Jugendsprache in intellektuellen Milieus. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts kam es zu einem entscheidenden Wandel des Jugendjargons. Die Nachkriegsgeneration in Europa kann als „Vorläufer in der Entwicklung von heutigen Jugendsprachen und Jugendkulturen“ gesehen werden (ebd., llf). Beeinflusst von der Popmusik integrieren die „Halbstarken“, „Teens“ und „Twens“ zahlreiche Anglizismen in den jugendlichen Sprachgebrauch (ebd., 11). Sie wehren sich auch verbal gegen die alten gesellschaftlichen Konventionen und nutzen die jugendliche Sprache als Möglichkeit zur Abgrenzung von den Erwachsenen (Schneller 2009, 28). Allerdings ist es wichtig hervorzuheben, dass Jugendsprachen als „Ausdrucksformen soziokultureller Lebensformen“ auftreten (Neuland 2003, 11). Die jeweilige Sprache der Jugend variiert also enorm in Abhängigkeit zu ihrer Herkunft, Umfeld, Bildung und vielen weiteren Faktoren. So fand in Spanien eine ähnliche Entwicklung der Jugendsprache statt wie in Deutschland. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Zahl der Jugendlichen in den 60er Jahren rasch zu und dies „junto a un intenso desarrollo economico, tecnico y social que trajo consigo tambien importantes cambios culturales.“(Gonzälez 2006, 7) Wie in Deutschland lehnte sich die Jugend gegen die alte Tradition auf, um ein neues, freies und extravagantes Leben zu führen. Eine wichtige Rolle spielten hierbei ebenfalls die Akademiker, die sich durch ihre Revolte gegen den Despotismus, die sozialen Bedingungen und die Erwachsenen wehrten (ebd., 7f). Daraus resultierte eine eigene, neue Bewegung in der spanischen Gesellschaft, die sogenannte ,contracultura‘. Und trotz der politischen Repression unter Franco etablierte sich diese Gegenbewegung:

..]la contracultura hunde sus raices en un movimiento antiautoritario, libertario, de larga tradition universal -el underground-, inspirado en filosofias irracionales, que no buscan la verdad al modo del racionalismo positivista“(ib., 8).

Diese elitäre Untergrundbewegung hat Spanien bis heute nachhaltig geprägt. Die Jugendkultur der 70er Jahre war wiederum von dem Regierungssturz und der Weltwirtschaftskrise geprägt. Die contracultura dieser Zeit ist unter dem Namen „Rollo“ bekannt, die aus der Rockmusik und seinen verschiedenen Ausprägungen entstanden ist (Gonzalez 2006, 10). Bei solch einer Grundhaltung der Jugend gegen alles Bisherige ist es nachvollziehbar, dass sich diese ,Anti-Einstellung‘ auch in der Sprache der damaligen Jugend ausdrückte. Gonzalez greift hier den Begriff der ,antilenguaje’ von Halliday auf „que connote sus propios valores, el cual les sirve de mecanismo de defensa y al mismo tiempo de senal de identidad“ (ebd., 16). Die jugendsprachlichen Merkmale im Spanischen ähneln denen der deutschen Sprache in vielen Hinsichten. So machen sich diese in der Wortbildung, Lexik sowie in der Syntax, als auch Grammatik bemerkbar. Besonders beim Vokabular bedienen sich die Jugendlichen zahlreicher Wörter mit Bezug auf Drogen, Sex und Musik. Doch auch aus der Welt der Verbrecher, der Prostitution und des Gefängnisses werden zahlreiche Worte in derjugendlichen Alltagssprache verwendet (vgl. Gonzalez 2006, 17). Julia Sanmartin Säez bringt die sogenannte Gaunersprache in direkten Zusammenhang mit der spanischen Jugendsprache. Sie ist der Meinung, dass sich der ,argot de la delincuencid auch in der Alltagssprache von sozialen Gruppen verbreitet, die nicht der der Gauner angehören:

„Y es aqui donde observamos que el verdadero catalizador o puente de transmission de lo delictivo y marginal es el argot de losjovenes” (Saez 1998, 199).

Auffällig dabei ist, dass Jugendsprachen sich oft auf aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse beziehen. Dies bedeutet auch, dass die sogenannten ,Peergruppen‘ und ,Subkulturen‘ zumeist versuchen sich gegenseitig abzugrenzen und dies, wie bereits erwähnt, nicht nur optisch, sondern auch sprachlich. Der Gebrauch jugendlicher Floskeln „markiert die Zugehörigkeit [...] zu einer bestimmten Gruppe“(Schneller 2009, 28). Und dieser Identitätsgedanke besteht unabhängig von Nationalität und Alter: So verschieden die „Ausbildung von Jugendkulturen [ist,] muss im internationalen Vergleich [...] gesellschaftlich-historisch und kulturspezifisch differenziert werden“ (Neuland 2003, 12). Gegenstand der heutigen Jugendsprachforschung ist demnach, neben der lexikographischen und pragmatischen Untersuchung, auch Jugendsprache als „Kommunikationsmedium“, sowie deren Stilmerkmale, Gesprächsformen und deren Verschriftlichung in den Neuen Medien (Neuland 2003, 13).

2.1 Die Jugend und ihre Sprache

Die Jugend repräsentiert eine Gesellschaftsgruppe, welche sich beginnend mit dem Eintreten der Geschlechtsreife in einem Lebensabschnitt zwischen Kindheit und Erwachsenenalter befindet. Im traditionellen Sinne bezeichnet Helmut Henne Jugendsprache als „spezifische Sprech- und Schreibweisen, mit denen Jugendliche u. a. ihre Sprachprofilierung und damit ein Stück Identitätsfindung betreiben“ (Schröder/Steger 1981, 373). Und obwohl von vielen Seiten, so auch beispielsweise von dem Linguisten Küpper, die Jugendsprache als negativ für Kultur und Sprache bewertet wurde, bedienen sich die Medien Ihrer schnell als wirkungsvolles Instrument: „Teile des jugendsprachlichen Lexikons sind Versatzstücke der Medien. Jugendsprache wird medial funktionalisiert [...]“ (Henne 1986, 198). Denn Jugendsprache hat, so auch Neuland, einen hohen Unterhaltungswert und wird „profitabel vermarktet“(Neuland 1987, 58). Heutzutage werden die Wichtigkeit und der Einfluss der Sprache unserer Jugend weitaus höher angesiedelt und im Laufe der Zeit hat die Definition der Jugendsprache wesentlich komplexere Ausmaße angenommen (vgl. Schlobinski et al. 1993, 12). Folgt man den Annahmen von Ehmann in seinem 1996 veröffentlichten Jugendsprachlexikon, lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

„These 1: Es gibt nicht die eine Jugendsprache, weil es die Jugend als homogene Gruppe nicht gibt. Vielmehr existieren mehrere Jugendsprachenvarietäten nebeneinander, die sich wiederum gegenseitig inspirieren (Szene - Sprache, Musikerjargon, Schüler- bzw. Studentensprache ...); sie sind auch stets ein seismographischer Reflex des jeweiligen gesellschaftlichen Umfeldes.

These 2: Es gibt nicht die Jugendsprache an sich, wohl aber jugendspezifische Besonderheiten, die sich in sprachlicher, grammatikalischer, lautlicher und wortbildungsspezifischer Hinsicht deutlich von der Standardsprache abheben.

These 3: Es gibt nicht die Jugendsprache als mehr oder weniger komplettes Sprachsystem, sondern lediglich das schnelllebige, sich nicht zu einer festen Struktur verdichtende Sprechen von Jugendlichen“ (Ehmann 1996, 23).

Präzise und knapp definiert Eva Neuland die Sprache der Jugend als „überwiegend mündlich konstituiertes, von Jugendlichen in bestimmten Situationen gesprochenes Kommunikationsmedium“ (Neuland 2003, 13). Der Medienlinguist Jannis Androutsopolous geht weiter in seiner Definition und teilt die Jugendsprache nach bestimmten Merkmalen in drei Teilbereiche ein: „einen wortschatzbezogenen Teilbereich, eine varietätenbezogene Ebene, die sich auch auf syntaktische und morphologische Elemente konzentriert, sowie eine diskursorientierte Sichtweise, die auch pragmalinguistische Beobachtungen miteinbezieht“ (Gerdes 2013, 9). Die soeben angeführten diversen Begriffserläuterungen verdeutlichen wie schwierig es sich gestaltet die Jugendsprache als Forschungsgebiet einzugrenzen. Die Übergänge zwischen dieser und anderen Sprachvarietäten sind fließend. So wirken sich beispielsweise Regionalismen auf die Sprache von Jugendlichen in einem bestimmten geographischen Umfeld aus. Umgekehrt wird der Dialekt durch die Jugendsprache ebenso gefärbt. Hinzu kommt die Schnelllebigkeit und stetige Weiterentwicklung der Jugend, die für einen ständigen Wandel der zumeist mündlichen Jugendsprache sorgt (vgl. ebd., 10).

Wodurch zeichnet sich also die Jugendsprache aus? Auch hierbei variieren die Ansichten über die Anzahl der typisch jugendsprachlichen Merkmale. Henne besteht auf eine Divergenz zwischen Jugend- und Standardsprache auf der lexikalischen, syntaktischen und stilistischen Ebene (vgl. Schneller 2009, 29). Bachofer hingegen, vertritt die Meinung, dass „bis auf den Bereich des Wortschatzes und der Wortsemantik alle Charakteristika der Jugendsprache zugleich Elemente der gesprochenen deutschen Umgangssprache sind“ und somit keine eigenständigen jugendsprachliche Kriterien (2003, 61). Ob nun ein jugendsprachliches oder ein umgangssprachliches Merkmal, fallen in diesem Zusammenhang besonders bei der Jugend einige Besonderheiten im Sprachgebrauch auf. Allgemein bekannt ist der Sonderwortschatz der Jugendlichen, dem man nicht selten im Alltag begegnet. Zu diesem Ergebnis kommt auch Henne in seiner Studie von 1986 und teilt den Jugendwortschatz in „Neuwörter\...\, Neubedeutungen und Neubildungen“ ein (Schneller 2009, 29). Schneller sieht die These Hennes als wissenschaftlich fundiert an und untermauert diese mit den Ergebnissen einer Studie von Inge Pohl aus dem Jahre 2006. Pohl orientiert sich an Henne und nennt neben anderen Charakteristika wie Begrüßungen (z.B. ,Servus‘; ,Hallöle‘; sp. ,Olitassp. ,Weeena‘) oder Entzückungsvokabular (z.B. ,hammer“ ,geil‘; sp. de puta madre) die Übernamen als ein typisches Merkmal der jugendlichen Wortbildung (vgl. ebd. 29). Als Übername versteht sich eine bestimmte Namensgebung für eine Person die entweder eine verkürzte Darstellung des Vor- oder Nachnamens der gemeinten Person ist, oder eben durch persönliche Charakteristika oder dessen Handeln motiviert ist (Pohl 2007: 4f). Im Spanischen sind Übernamen weit mehr und variationsreicher verbreitet als in der deutschen Sprache. Nicht selten werden adjektivische Eigenschaften substantiviert und zu deren Übernamen verwandelt (z.B. sp. el loco, la flaca, etc.). Halliday nennt ein weiteres jugendsprachliches Merkmal und spricht von einer „sobrelexicalizacion“ (1978, 165) bei der Wortbildung. Welche zahlreichen Worte für ein und dieselbe Bedeutung verwendet werden, zeigt sich gut an dem Beispiel für das spanische Wort des ,Joints', einer sogenannten Haschzigarette:

„Asl, el cigarro de hachls o marihuana, el popular porro, se ha venido llamando a la vez cacharro, trompeta, canuto, varillo, cono, tipin, flai, mai, peta, quiqui, yoi (o yoin)” (Gonzalez 2006, 17).

Das Wort Joint ist eine Entlehnung aus dem Englischen und heutzutage sowohl im Spanischen, als auch deutschen Wortschatz üblich. Zugleich stellt dieses Nomen also ein Beispiel dar, für die unzähligen Anglizismen die unsere Wortbildung beeinflussen. Viele der englischen Wörter sind mitunter oftmals ein jugendsprachliches Merkmal. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nichtjeder Anglizismus automatisch mit der Jugendsprache in Verbindung gebracht werden muss: „Offensichtlich ist entscheidender, aus welchen Bereichen entlehnt wird und welche Semantik die Wörter haben.“ (Gerdes 2013, 27). Sowohl im Deutschen, als auch im Spanischen werden englische Wörter relativ problemlos in die jeweilige Grammatik integriert und so nahmen die jugendlichen Subkulturen Spaniens trotz aller Protesthaltungen rasch das Englisch der amerikanischen Untergrundbewegung an (Gonzalez 2006, 24). Besonders die Lexik der Drogen ist stark vom Englischen geprägt: Ausländische Einflüsse machen sich bemerkbar bei Worten wie espit, trip, torki oder monki, etc.“, welche auch durch morphologische Anpassungen teilweise nicht sofort ersichtlich sind (z.B. torqui oder monqui). Nicht ganz so häufig sind wörtliche Übersetzungen oder sogenannte Lehnübersetzungen von Worten und Phrasen wie estar alto (= to be high) und estar enganchado (= tob e hoooked) (ebd. 24f.).

Obwohl in diesem Abschnitt nur wenige Charakteristika von Jugendsprache knapp beleuchtet wurden, zeigt sich, dass es verschiedenste sprachliche Merkmale gibt, die kennzeichnend für die Sprache der Jugend sein können. Auf Grund der hohen Heterogenität der Sprache lässt sich diesejedoch schwer eingrenzen. Klar ist allerdings, wie oben bereits genannt, dass die Jugendsprache maßgeblichen Einfluss auf die modernen Medien nimmt. Darauf werde ich im Folgenden Abschnitt eingehen.

2.2 Jugendsprache und die Neuen Medien

Die Neuen Medien unterscheiden sich deutlich von der Standardsprache und weisen viele jugendsprachliche Elemente auf:

„Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Medienwelt und der Jugendsprache, nicht zufällig wird der Anfang des Booms der Jugendsprache immer wieder zu Beginn der Nachkriegszeit, zur Zeit des Wirtschaftswunders und des Rock und Pop lokalisiert, während davor Jugendsprache eher als marginales Phänomen behandelt wurde“ (Schlobinski et al. 1998, 34)

Diese Annahme vertritt auch Rüdiger Schneller. Er verweist auf die Theorie von John Clarke, der wie Henne, bereits 1979 davon spricht, dass die Jugendlichen aus verschiedensten Kulturkreisen jeweilig ihre eigenen Sprachstile hervorbringen, denen wiederum sich die Massenmedien großzügig bedienen (Schneller 2009, 31):

„Die öffentliche Verbreitung dieser ,Sprache‘ führt zu einem Verschwinden ihrer identitätsstiftenden und abgrenzenden Funktion, so dass Jugendkulturen nach neuen sprachlichen Markern suchen“ (ebd., 31).

Schurian führt zudem an, dass die Medien und besonders die Werbung jugendsprachliche Merkmale nutzen, um bestimmte Botschaften zu vermitteln und somit auch die richtigen Zielgruppen anzusprechen (Schurian 1989, 83). Es zeigt sich also, dass nicht nur die Medien die Jugend beeinflussen, sondemjunge Menschen selbst als „aktive Gestalter von neuen Medienformaten angesehen“ werden (Neuland 2008, 36). Keine

Gesellschaftsgruppe nutzt das Internets mehr, als die Jugend, weshalb sich immer mehr Forscher, wie beispielweise Androutsopoulos und Dürscheid, in ihren Analysen auf die Jugendsprache fokussieren. Und auch Eva Neuland verweist auf die vielschichtige Korrelation von der Jugendsprache und den Medien:

„Medienkonsum und Medienwissen bilden ihrerseits eine wesentliche Ressource für jugendlichen Sprachgebrauch. Jugendliche nehmen in spielerischer, oft kritisch­ironisierender Weise auf ihre Medienerfahrungen Bezug. Anspielungen und Zitate z.B. aus Songtexten, Kultfilmen, Jugendmagazinen, aber auch aus Werbe- und Familiensendungen im Fernsehen werden kreativ in den eigenen Sprachgebrauch eingearbeitet“ (ebd., 41).

3 Die Kommunikation in den Neuen Medien

Da wir eben gesehen haben, dass die Medien nachhaltig von der Jugendsprache beeinflusst werden und dies die Sprache in den Neuen Medien offensichtlich prägt, möchte ich mich in diesem Kapitel definitorisch an einige Begrifflichkeiten annähern. Voraussetzung für eine Analyse der Sprache in den Medien, stellt hierbei zunächst eine vorhandene Kommunikation dar. Doch wie ist Kommunikation aus linguistischer Perspektive definiert?

„Der Ausdruck Kommunikation] wird insbesondere eingesetzt um Zwecke oder Funktionen der (Verwendung von) Spr[ache] oder, semiot. gefaßt, von (sprachl.) Zeichen zu erfassen. Angesichts der Reduktion von Spr[ache] bzw. Sprachverwendung auf einen (wenn auch komplexen) Stimulus-Response-Zusammenhang [...] bzw. auf abstrakte, zweckfreie Strukturen [...] dient das Konzept der Kommunikation] [...] dazu, die interaktionale Qualität von Spr. bzw. spracht. Zeichen zu bestimmen“ (Glück 2005[3], Kommunikation)

Dabei wird der Akt der Vermittlung von Informationen vom Sprecher zum Hörer als eine der Hauptaufgaben von Sprache angesehen (ebd., Kommunikation.). Hierbei soll kurz auf das Kommunikationsmodell von Shannon und Weaver verwiesen werden, dass anschaulich den Ablauf von Kommunikation darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sender- Empfänger- Modell von Shannon/Weaver 1949

Betrachtet man Abbildung 1 wird Kommunikation so dargestellt, dass eine Information von einem Sender (transmitter) an einen Empfänger {receiver) übermittelt und interpretiert wird. Über einen Kanal {channel), der das materielle Medium ist, werden während des Übertragungsprozesses Signale an das Bestimmungsziel {destination) versendet (vgl. Shannon/Weaver 1949). Dieses sehr allgemein gehaltene Modell lässt sich auch auf die Kommunikation in den Medien anwenden. Die Soziolinguistik befasst sich seit Jahrzehnten mit der Rolle der Sprache in den Medien:

„Sprachwissenschaftliche Themen der M[edienwissenschaften] sindu.a. die Ausprägung und Gestaltung medialer Textsorten, z.B. beim [...] Interview, in der [...] Pressesprache oder im Bereich des Fernsehens und der elektronischen Medien [...], oder auch die besonderen kommunikativen und sprachlichen Eigenschaften der [...] Massenkommunikation“ (Bußmann 2002, Medienkommunikation).

Massenmedien, wie Fernsehen, Funk und Zeitungen schafften überhaupt erst die Voraussetzungen, Informationen an möglichst viele Empfänger zu vermitteln. Kennzeichnend für die Massenkommunikation ist die „kommunikative Distanz zwischen einem meist homogenen Adressatenkreis“ (ebd., Massenkommunikation). Nach und nach traten stetig mehr Kommunikationsmedien hinzu, wie beispielweise das Telefon und Fax, die eine wechselseitige Kommunikation trotz räumlicher Distanz ermöglichten (vgl. Dürscheid 2003, 40). Am wohl bedeutendsten für die moderne Gesellschaft war schließlich die Erfindung des Internets, das die kommunikationstechnische Entwicklung unseres Zeitalters enorm geprägt hat:

„Massenmedialer Sprachgebrauch ist eine neue, typische] Form des menschl[ichen] Kommunizierens neben den traditionellen Kommunikationsweisen [,..]“(Glück 2005[3], Massenkommunikation).

Das Internet ermöglicht den Austausch beliebig vieler Informationen in äußerst kurzer Zeit. Hierdurch hat sich relativ zügig gezeigt, dass „das Internet als neues Medium grundlegende Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Kommunikationsverhältnisse ha[t]“ (Runkehl et al. 1998, 7). Das Internet zählt zu den Neuen Medien, in denen Emails und Chats heutzutage eine selbstverständliche Kommunikationsform darstellen. Auch Gespräche über Handys und Smartphones per SMS, sowie über die internetgestützte Kommunikation (z.B. WhatsApp, Viber etc.) werden in den Neuen Medien angesiedelt. Die Definition des Begriffs ,Medien‘ ist sehr vielfältig und kann verschieden ausgelegt werden. Es können sowohl die technischen Geräte gemeint sein, die zur Botschaftsübermittlung dienen, als auch, wie bei Koch und Oesterreicher, die Sprache selbst. Eine in der Linguistik gängige Definition stammt von Habscheid, nach der Medien

„materiale, vom Menschen hergestellte Apparate zur Herstellung/Modifikation, Speicherung, Übertragung oder Verteilung von sprachlichen (und nicht-sprachlichen) Zeichen“

sind (2000, 137). Oft werden die Massenmedien von den Neuen Medien definitorisch unterschieden, da die Kommunikationsmerkmale und -bedingungen sich in einigen Punkten unterscheiden. Ulrich Schmitz hingegen wehrt sich gegen diese Einteilung und trennt diese beiden Begrifflichkeiten in ,Massenmedien‘ und interpersonale Medien‘. Er verweist hierbei auf den grundsätzlichen Unterschied, dass die Massenmedien als Kommunikationssystem großflächig Informationen verteilen, auf das die Empfänger nur beschränkt reagieren können (vgl. Schmitt 2004, 12). Bei den interpersonalen Medien hingegen ist, wie auch Dürscheid betont, nicht nur eine schnelle Übermittlung der Informationen zwischen Sender und Empfänger gewährleistet, sondern diese kann nun auch bilateral erfolgen (vgl. Dürscheid et al. 2010, 30). Zudem erlauben die digitalen Medien „auch im Geschriebenen synchrone bzw. quasi-synchrone Kommunikation“ (vgl. ib., 30). Schmitz ist deshalb der Meinung, dass die Neuen Medien und die Massenmedien keineswegs als getrennte Systeme betrachtet werden können, eher gehen diese immer mehr ineinander über (vgl. Schmitt 2004, 13). Dass keine klare Grenze zwischen diesen beiden Mediengruppen mehr gezogen werden kann, unterstreicht auch Schlobinski erneut:

„Neue und alte Kommunikationstechnologien bilden ein Netz, in dem für uns die Grenzen zwischen Face-to-Face- Kommunikation, und technisch vermittelter Kommunikation, zwischen Realität erster und zweiter Hand zunehmend verschwimmen“ (1993, 34).

3.1 Kommunikationsmedien/ -formen; Textsorten und kommunikative Gattungen

Dürscheid definiert die ,Kommunikationsmedien‘, „als diejenigen materiellen Hilfsmittel, die der Kommunikation über räumliche Entfernungen hinweg dienen“ (2003, 40). So zum Beispiel das Handy, das Smartphone oder der Computer. ,Kommunikationsformen‘ dagegen beinhalten nicht die materiellen Mittel, sondern sind in Anlehnung an Holly ausschließlich „virtuelle Konstellationen“(1997, 69), aus semiotischen und strukturellen Merkmalen bestehend. Die Kommunikation kann dabei über eines dieser Hilfsmittel, oder aber unabhängig von einem Kommunikationsmedium, stattfinden. Zu beachten ist hier allerdings, „dass Kommunikationsformen nicht mit Textsorten gleichzusetzen sind, sondern eine Grundlage für sozial und funktional unterschiedliche Textsorten bilden“ (Androutsopoulos/Schmidt 2001, 3). Ein signifikantes Merkmal von Kommunikationsformen sind textexterne, situative Faktoren, die Androutsopoulos und Schmidt näher betrachtet haben. Sie nennen 5 Faktoren, die sie aus Annahmen von Holly und Runkehl zusammenfügen:

a) Zeichentyp: Handelt es sich um mediale Mündlichkeit oder Schriftlichkeit? (näheres dazu von Koch/Oesterreicher unter 4.)
b) Kommunikationsrichtung: Ist die Kommunikation monologischer oder dialogsicher Art?
c) Kapazität zur Speicherung bzw. Übertragung von Daten:
d) Zeitlichkeit: Ist die zeitliche Dimension der Kommunikation synchron oder asynchron?
e) Anzahl der Interaktionspartner: Wie viele Sender und Empfänger sind an der Kommunikation beteiligt? (vgl. Androutsopoulos/Schmidt2001, 5)

,Textsorten‘ wiederum werden generell als eine „Gruppe von Texten mit gleichen situativen und meist auch sprachlich-strukturellen Merkmalen“ bezeichnet (Bußmann 2002, Textsorte). Allerdings gestaltet sich die Abgrenzung des Begriffs Textsorte nicht ganz unproblematisch, da je nach linguistischer Theorie die Textsorte eben auch allgemeiner betrachtet als Kommunikationsform oder spezifischer als kommunikative Gattungen eingestuft werden kann. Auf diese Problematik weißt Ziegler vor allem bei der E-Mail hin und stellt klar, dass es sich unabhängig von der Begrifflichkeit „einzig um die usuelle [...] Kennzeichnung einer Textmenge [handelt], die gewisse gemeinsame Merkmale aufweist“ (2002, 10). Klar nachvollziehbar istjedoch, dassjeder Sprecher naturgegeben verschiedene Textsorten situativ anwenden und unterscheiden kann (vgl. ebd., 17). Diese werden durch textinterne sowie textexterne Merkmale definiert. Wobei unter textinterne Merkmale beispielsweise die Textstruktur verstanden wird. Als textexteme Faktoren gelten unter dessen Rahmenkategorien, wie das Medium, der Kommunikationsbereich, die sozialen Rollen der Beteiligten, usw. (vgl. ebd., 19f). Daraus lässt sich schließen, dass Kommunikationsformen im Gegensatz zu Textsorten multifunktional sind, da Textsorten „über das Vorhandensein einer bestimmten thematischen Funktion identifizierbar“ sind (Dürscheid 2003, 40). Dies würde bedeuten, dass es sich beispielsweise bei einem Brief nicht um eine eigene Textsorte handelt, sondern dieser viel mehr eine Kommunikationsform darstellt, die als unterschiedliche Briefsorten auftreten kann. Im Rahmen der Schwierigkeit, die hier genannten Terminologien gut voneinander abgrenzen zu können, wird zusätzlich kurz auf den Begriff der kommunikativen Gattung‘ von Luckmann eingegangen (vgl. 1986). Kommunikative Gattungen meint die Beschreibung verschiedenster Situationen, seien sie informeller oder formeller Art, offiziell oder privat. Der Sprechende hat eine bestimmte kommunikative Absicht und wählt die, für ihn adäquaten sprachlichen Mittel um dies zum Ausdruck zu bringen (vgl. Luckmann 1986, 201). Dies zeigt sich besonders bei der Kommunikationsform der E-Mail. Ob nun eine offizielle Geschäfts-E-Mail oder eine private E-Mail unter Freunden verschickt wird, unterscheiden sich diese vor allem auch in sprachlicher Hinsicht in einigen Punkten (vgl. Dittmann et al. 2007, 9). Nach Luckmann geschieht

,,[d]iese Auswahl [...] in schrittweiser, mehr oder minder deutlich vorentworfener Verwirklichung seiner kommunikativen Absichten, in Anpassung an die vorgegebenen Bedingungen der Situation und in mehr oder minder ,automatischer‘ Vorwegnahme der typischerwartbaren Deutungen typischer Adressaten“ (Luckmann 1986, 201).

Er weist daraufhin, dass die kommunikative Handlung vom Sprecherjedoch kein bereits vorhandenes Muster ist, sondern sich aus Spracherfahrung und strategischem Entwerfen ergibt. So weiß der Handelnde intuitiv eine Bestellung im Restaurant aufzugeben oder wie er mit öffentlichen Behörden zu reden hat. Außerdem variiert die Anzahl der kommunikativen Gattungen je nach Kultur und Epoche. Durch die kommunikativen Gattungen gibt es zahlreiche Abstufungen, die „eine immer feingliedrigere kommunikative Kompetenz der Kommunizierenden“ erfordern, „da diese entscheiden müssen, wann welche Kommunikationsform in welcher sprachlichen Ausarbeitung situativ angebracht ist und wann nicht“ (Schmidt 2006, 318).

Generell ist die Unterscheidung der eben behandelten Begriffe jedoch, vor allem in der Medienkommunikation, nicht einheitlich getroffen. So schlagen zum Beispiel Runkehl und Naumann andere Unterscheidungskriterien vor (vgl. Naumann 1994/ Runkehl 1998). Ich orientiere mich für diese Arbeit allerdings an den eben genannten Terminologien da auch Dürscheid, Androutsopoulos u.v.m. diese zur Ausdifferenzierung der Medienkommunikation nutzen.

4 Mündlichkeit vs. Schriftlichkeit

Bevor ich mich mit der Verschriftlichung der Sprache der jeweiligen Kommunikationsformen beschäftige, soll in diesem Abschnitt, das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit näher betrachtet werden, da dies bei den neuen Kommunikationsformen eine wichtige Rolle spielt. Wie verhält es sich also mit der Kommunikation in den Neuen Medien? Die Grenzen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit verschwimmen fließend. Mündliche Konversationen werden in Chats und SMS schriftlich ausgetauscht. Wie ist also die Kommunikationssituation geprägt und welche Faktoren beeinflussen diese? Hierbei haben Koch und Oesterreicher mit ihrem Nähe- Distanz- Modell einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag geleistet, indem sie den bestehenden Varietätendimensionen eine vierte Dimension hinzufügen. Dieser Ansatz ermöglicht mitunter auch die neuen Kommunikationsebenen besser einordnen und definieren zu können.

Sucht man nach einer einfachen Unterscheidung von gesprochener und geschriebener Sprache, so kann schlicht von einer unterschiedlichen „Art der materiellen Realisierung sprachlicher Äußerungen“ ausgegangen werden (Koche/Oesterreicher 2011, 3). Ziegler definiert Schrift grundsätzlich als „ein Mittel zur Verdauerung des flüchtigen sprachlichen (d.h. mündlichen) Grundgeschehens einer sprachlichen Handlung“ (Ziegler 2002, 14). Mündliche Sprache drückt sich in Form von Phonemen aus, geschriebene in Form von Graphemen. Doch diese zwar logischen und simplen Prototypen zeigen durch ihre vielen Ausnahmen, dass sich die Konzeption von Mündlichkeit und Schriftlichkeit längst nicht so einfach gestaltet, wie man zunächst annehmen mag. Nicht selten gibt es Sprechsituationen, die mündlich vorgetragen werden, aber eher schriftlich konzipiert sind. Darunter fällt beispielsweise die Kommunikationsform der offiziellen Rede‘: Der Sprecher hat seinen Vortrag schriftlich vorbereitet und trägt diesen dann gesprochen vor. Handelt es sich hierbei nun um eine reine Mündlichkeit? Sieht man sich dagegen SMS- und Chatverläufe an, ist die Kommunikationssituation an sich durch Mündlichkeit geprägt, das Gespräch findet allerdings ausschließlich schriftlich statt. So kann in diesem Fall also kaum, von einer eindeutigen Schriftlichkeit gesprochen werden. Diese Problematik ist in der Linguistik längst keine Neuerung und so hat sich Söll bereits in den 70er Jahren mit diesem Sachverhalt auseinandergesetzt und weitere Begrifflichkeiten eingeführt. Er unterscheidet „einerseits das Medium der Realisierung (phonisch/graphisch); andererseits die Konzeption (gesprochen/ geschrieben), die den sprachlichen Duktus von Äußerungen betrifft[.. ,](Koch/Oesterreicher 2011, 3). Zum besseren Verständnis folgt hier das entsprechende Schaubild von Koch und Oesterreicher zu dieser Annahme:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mündlichkeit und Schriftlichkeit- konzeptionell und medial Die Abbildung zeigt, dass sich die mediale Dimension auf die Realisationsform der sprachlichen Äußerung bezieht, während die konzeptuelle Dimension mit der gewählten Ausdrucksweise zusammenhängt. „Im prototypischen Fall korreliert mediale Mündlichkeit mit konzeptioneller Mündlichkeit(=Nähesprache) und mediale Schriftlichkeit mit konzeptioneller Schriftlichkeit (=Distanzsprache) [...]“ (Dürscheid et al. 2010, 39). Die gestrichelte Linie verdeutlicht, dass eine konzeptuelle Mündlich- bzw. Schriftlichkeit lediglich die Eckpunkte eines Kontinuums bezeichnen, während das Medium der Realisierung der Sprache dichotom ist (vgl. Koch/Oesterreicher 2011, 5f).

[...]


[1] Im Anhang befinden sich sämtliche Beispiele fürSMS, E-Mails und Chats dieserArbeit Sie sind alphabetisch aufgelistet und derjeweilige Beispielsatz ist mit dem Buchstaben der entsprechenden Quelle versehen.

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Wie verschriftlicht sich Sprache in den Neuen Medien? Ein deutsch-spanischer Vergleich
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Romanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
65
Katalognummer
V497337
ISBN (eBook)
9783346010636
ISBN (Buch)
9783346010643
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediensprache, Onlinesprache, Jugendsprache, Symbolsprache, Sprachwissenschaft, Spanisch, Romanistik, Neue Medien, Jugendsprachforschung, Medienlinguistik
Arbeit zitieren
Annina Ritter (Autor), 2015, Wie verschriftlicht sich Sprache in den Neuen Medien? Ein deutsch-spanischer Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497337

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