Historische Entwicklung der Nachhaltigkeit


Studienarbeit, 2019
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen

3 Aktuelle nachhaltige Produkte und Dienstleistungen
3.1 Stahl von FERALPI STAHL
3.2 Good-enough-Medizingeräte von General Electric
3.3 Nachhaltiger Reisen mit ONE WORLD
3.4 Telemedizin

4 Kritische Auseinandersetzung mit der Nachhaltigkeit der Produkte und den Dienstleistungen
4.1 Stahl von FERALPI STAHL
4.2 Good-enough-Medizingeräte von General Electric
4.3 Nachhaltiger Reisen mit ONE WORLD
4.4 Telemedizin

Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Dimensionen der Nachhaltigkeit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1972 wurde eine vom Club of Rome1 in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel "Die Grenzen des Wachstums" veröffentlicht.2 „Ziel der Forschungsarbeit war es, die Ursachen und Folgen des ständigen Wachstums der Weltbevölkerung, der Industrie, des Verbrauchs an Rohstoffen, der Produktion von Nahrungsmitteln und der Umweltverschmutzung zu untersuchen.“3

Erstmals wurde die breite Öffentlichkeit durch den Bericht sensibilisiert, dass dem ökonomischen Wachstum schon in naher Zukunft natürliche Grenzen gesetzt sein scheinen. „Insbesondere am Beispiel der Ressourcenverfügbarkeit zeigte der Bericht auf, dass bei Extrapolation unserer Wirtschaftsweise schon bald irreversible Umweltgrenzen überschritten werden, die wirtschaftliches Handeln insgesamt seiner Grundlage berauben.“4

Einen Ausweg aus diesem Dilemma soll Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung liefern. „Das 21. Jahrhundert wird als das Jahrhundert der Nachhaltigkeit bezeichnet.“5

Dieses Assignment soll einen Überblick über die Entdeckung der Nachhaltigkeit sowie beispielhafte Anwendungen in der gegenwärtigen Wirtschaft verschaffen.

Nach der Erläuterung des Begriffs sowie der Vorstellung der Entstehung von Nachhaltigkeit geht es im Hauptteil um aktuelle Produkte und Dienstleistungen. Diese werden jeweils aus der Sicht des Herstellers bzw. des Dienstleisters sowie der Kunden hinsichtlich Nachhaltigkeit diskutiert.

2 Grundlagen

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist zu einem Modebegriff geworden. In zahlreichen Parlamentsreden, politischen Deklarationen oder in den Medien ist der Begriff präsent. Seinen Ursprung hat er im lateinischen Verb sustinere, was so viel bedeutet wie „aufrecht halten“, „stützen“. Das englische Verb sustain hat im deutschen die Bedeutungen „stützen“, „tragen“, „aushalten“, „erhalten“.6

Der Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz prägte den Begriff Nachhaltigkeit. Von Carlowitz schrieb in seiner Abhandlung "Sylvicultura Oeconomica" aus dem Jahr 1713 über nachhaltige Forstwirtschaft.7 „[Von] Carlowitz forderte eine „continuierliche [sic!], beständige und nachhaltende Nutzung“ des Waldes. Eine nachhaltige Forstwirtschaft beruhte demnach auf dem Grundsatz, dass in einem Jahr nur so viel Holz geschlagen werden soll, dass ständig eine gleich große hiebsreife Menge anfällt und damit ein Wald dauernd erhalten und gut bewirtschaftet werden kann […].“8

Doch bereits vor Carlowitz wurde nachhaltig gedacht und gelebt. Die Ureinwohner Amerikas gaben einem See einen Namen, der übersetzt so viel wie „Wir fischen auf unserer Seite, ihr fischt auf eurer Seite und niemand fischt in der Mitte“ heißt. Das Prinzip von Carlowitz findet sich hier wieder: Es wird nur an der Seite gefischt - in der Mitte können sich die Fische wiederum vermehren und stehen in Zukunft als Fischbestand zur Verfügung.9

„Das Verb to sustain wird das erste Mal schriftlich im Jahr 1290 in folgendem Zusammenhang gebraucht: „Two chiefs […] each able to sustain a nations fate“ („Zwei Könige […] jeder fähig, das Schicksal der Nation aufrechtzuerhalten“).“10

In der Wasserwirtschaft verfolgen Wasserbauingenieure bereits seit Jahrtausenden die Prinzipien der Nachhaltigkeit. Das Wasserdargebot und der Wasserbedarf müssen in Übereinstimmung gebracht werden. Dazu werden im Wasserbau u.a. verschiedene Speicher, Kanäle und Rohre eingesetzt und es darf nur so viel Wasser aus den Vorräten entnommen werden, wie wieder zugeführt wird.11

Von Carlowitz selbst stellt keinen Anspruch auf die Erfindung der Nachhaltigkeit. Er hat auf seinen Reisen durch Europa, vor allem in Frankreich die Prinzipien gelernt. Die Edikte des Sonnenkönigs „grande réformation des forêts“ und „grande ordonnance“ von 1669 nennt er als Basis seines Werkes. Doch auch die Franzosen hatten die Prinzipien nachgeahmt: Prinzipien nachhaltiger Forstwirtschaft fanden sich bereits in der Forstordnung des Bistums Speyer von 1442, der Nürnberger Waldordnung von 1294 oder der Forstordnung des Klosters Mauermünster von 1144.12

Der moderne Begriff der Nachhaltigkeit beruht auf der Definition des Abschlussberichts ‚Our Common Future‘ der Brundtland Commission aus dem Jahr 1987. Erstmalig wurde das Nachhaltigkeitskonzept als bestimmender Gradmesser für die Gestaltung der Zukunft festgeschrieben.13 Die Definition lautet: „Humanity has the ability to make development sustainable to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“14 Damit wird die Problematik der Belastbarkeit der Ökosysteme gezeigt. Der Bericht verlangt als übergeordnetes Ziel weiterhin die Deckung der Grundbedürfnisse der Dritten Welt. Denn als Hauptursache der Umweltzerstörung ist Armut zu sehen.15

1992 fand die UN-Konferenz ‚The Earth Summit‘ in Rio de Janeiro statt. Hierdurch gelangte der Begriff der Nachhaltigkeit in die Politik und die Wirtschaft. Diese Konferenz legte den Grundstein für die bis heute stattfindenden UN-Klimakonferenzen. 16 „Das wichtigste Ergebnis war die sogenannte Agenda 21, ein Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung unter Berücksichtigung von Ökologie, Ökonomie und Sozialem.“17 „Sie enthält über 2500 weitreichende Empfehlungen für Aktionen sowie detaillierte Vorschläge, verschwenderischen Konsum zu verringern, Armut zu bekämpfen, die Atmosphäre, die Ozeane und die Artenvielfalt zu schützen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern.“18

Das Drei-Dimensionen-Modell ist das häufigste Modell der Nachhaltigkeit. Es enthält die gleichberechtigten nebeneinandergestellten Dimensionen Ökologie, Soziales und Ökonomie. 1998 wurde dieses Modell von der Enquete-Kommission in die deutsche Nachhaltigkeitsdebatte eingeführt.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Dimensionen der Nachhaltigkeit 20 21 22

Unternehmen haben in den letzten Jahrzehnten den Gedanken der Nachhaltigkeit integriert. Zunächst verfolgten Unternehmen bis in die 1980er Jahre die Ziele Kosteneinsparungen und -minimierung. In den 1990er Jahren hatte sich der Shareholder- Value-Ansatz durchgesetzt. Daraus resultierte ein Management der kurzfristigen Erfolge – zum Leidwesen langfristig orientierter Anleger. In den 2000er Jahren setzte sich wegen vieler Korruptionsskandale eine Corporate Governance durch. Entstanden ist eine Kultur von Überwachung, Risikomanagement, sowie Transparenz durch Offenlegung und Antikorruption.

Heute wird ein Corporate Responsibility-Management verfolgt. Dieses beinhaltet eine nachhaltige Unternehmensführung, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte im Fokus hat. Die Unternehmen streben Stakeholder Value statt Shareholder Value an. Mittels Corporate Responsibility erhalten Unternehmen ein Verantwortungsbewusstsein für ihre Geschäftstätigkeiten gegenüber Gesellschaft, Belegschaft sowie der Umwelt und dem wirtschaftlichen Umfeld.23

3 Aktuelle nachhaltige Produkte und Dienstleistungen

3.1 Stahl von FERALPI STAHL

Das Stahlunternehmen FERALPI STAHL stellt Stahl aus Stahlschrott her. Stahl ist ein elementarer Baugrundstoff und wird heutzutage vielfach verbaut: in Gebäuden, Brücken und der gesamten Infrastruktur. Vorteilhaft ist, dass sich Stahl recyclen lässt: durch Einschmelzen und Wiederverwertung entsteht ein geschlossener Materialkreislauf. Die Erzeugung von Stahl aus Stahlschrott benötigt deutlich weniger Energie als das Herstellen von Stahl im Hochofen. Bei der Herstellung von Stahl im Hochofen werden im Vergleich eine Tonne CO2, 650 kg Kohle und 1,5 t Eisenerz zusätzlich benötigt. Die natürlichen Ressourcen werden somit geschont. Deshalb ist Stahlschrott in der europäischen Union bereits der wichtigste Rohstoff.24

3.2 Good-enough-Medizingeräte von General Electric

Das Unternehmen General Electric (GE) hat u.a. das nachhaltige Geschäftsmodell „Good-enough-Medizin“ für sich entdeckt. „Bei der sogenannten Good-enough-Medizin werden medizinische Geräte nur mit den notwendigsten Funktionen ausgestattet, um sie günstiger produzieren und damit auch in ärmere Gegenden der Welt verkaufen zu können.“25 Hierdurch wird die Gesundheitsversorgung und -vorsorge in vielen Ländern verbessert bzw. erst ermöglicht. Laut einer Aussage eines GE-Managers verkaufen viele Unternehmen in Entwicklungsländern Produkte älterer Generationen. Die neuen Produktgenerationen sind aufgrund der hohen Preise den entwickelten Märkten vorbehalten. GE dagegen verkauft kostenoptimierte High-Tech-Medizingeräte. Hierzu zählen u.a. Ultraschallgeräte, Magnetresonanz-Tomografen und EKG-Geräte.26 „Die entwickelten Angebote sollen von geringer Komplexität, leichter Nutzbarkeit, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit, guter Reparierbarkeit und geringen Kosten sein. Als geringe Kosten werden nicht etwa eine 20 %ige Reduktion, sondern eher eine Einsparung von 70 % bis 90 % angestrebt.“27

[...]


1 „Bei dem 1968 gegründeten Club of Rome handelt es sich um einen Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Unternehmensmanagement und Politik […].“, Zimmermann, F. M., Was ist Nachhaltigkeit, S. 4.

2 vgl. o.V., Grenzen des Wachstums.

3 o.V., Grenzen des Wachstums.

4 Schneidewind, U., Nachhaltiges Ressourcenmanagement, S. 70 f.

5 Thiel, A./Joel, K., Wirtschaftsförderung, S. 193.

6 vgl. Zimmermann, F. M., Was ist Nachhaltigkeit, S. 2 f.

7 vgl. Hauff, M. v., Nachhaltige Entwicklung, S. 2.

8 Michelsen, G./Adomßent, M., Nachhaltige Entwicklung, S. 4.

9 vgl. Mumm, G., deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, S. 24 f.

10 Zimmermann, F. M., Was ist Nachhaltigkeit, S. 3.

11 vgl. Röttcher, K. Prof. Dr.-Ing., Risikomanagement, S. 172.

12 vgl. Mumm, G., deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, S. 22 f.

13 vgl. Mayer, K., Nachhaltigkeit, S. 7.

14 United Nations, Our Common Future.

15 vgl. Zimmermann, F. M., Was ist Nachhaltigkeit, S. 4 f.

16 vgl. Mayer, K., Nachhaltigkeit, S. 2.

17 Pfennig, R./Müller-Schoppen, E., Nachhaltigkeitsmanagement, S. 1 f.

18 Zimmermann, F. M., Was ist Nachhaltigkeit, S. 6.

19 vgl. Michelsen, G./Adomßent, M., Nachhaltige Entwicklung, S. 29.

20 vgl. Pfennig, R./Müller-Schoppen, E., Nachhaltigkeitsmanagement, S. 2.

21 vgl. Pfennig, R./Müller-Schoppen, E., Nachhaltigkeitsmanagement, S. 2.

22 vgl. Pfennig, R./Müller-Schoppen, E., Nachhaltigkeitsmanagement, S. 2.

23 vgl. Mayer, K., Nachhaltigkeit, S. 18–20.

24 vgl. Schaefer, F. J., Tue Gutes, S. 85 f.

25 Ahrend, K.-M., Geschäftsmodell Nachhaltigkeit, S. 115.

26 vgl. Ahrend, K.-M., Geschäftsmodell Nachhaltigkeit, S. 115 f.

27 Ahrend, K.-M., Geschäftsmodell Nachhaltigkeit, S. 116.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Historische Entwicklung der Nachhaltigkeit
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V497366
ISBN (eBook)
9783346003553
Sprache
Deutsch
Schlagworte
historische, entwicklung, nachhaltigkeit
Arbeit zitieren
Andree Horch (Autor), 2019, Historische Entwicklung der Nachhaltigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497366

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