Die vorliegende Master-Thesis beschäftigt sich mit der Umsetzung der geriatrischen Versorgung für altersmedizinische Notfallpatienten in den Berliner Notaufnahmen. Sie ist dabei in gleich mehrfacher Hinsicht von Aktualität und hoher Relevanz geprägt, wie es in der Thesis verdeutlich wird.
Durch den aktualisierten Krankenhausplan 2016 des Landes Berlin werden bei deutlich steigenden altersmedizinischen Patientenzahlen obligate Anforderungen an die dortigen Rettungsstellen gestellt. Diese beziehen sich unter anderem auf die Implementierung geriatrischer Expertise, den Einsatz von Screening-Instrumenten und die Allokationsentscheidung einschließlich zu erstellender Behandlungspfade mit Berücksichtigung klinikinterner Besonderheiten. Die Thesis setzt sich als schwerpunktmäßig theoretische Arbeit mit einer begleitenden empirischen Studie vor allem mit der Umsetzung und der Umsetzbarkeit dieser Anforderungen auseinander und schließt alltagspraktische Erfahrungen des Verfassers (Geriater) mit ein.
Es werden zunächst grundlegende Aspekte und Gegebenheiten der Gebiete Altersmedizin und Notfallmedizin betrachtet. Anschließend werden besondere Bedarfe bei der Versorgung altersmedizinischer Notfallpatienten herausgestellt und diese im Sinne eines Hochrisikokollektivs erfasst. Zudem wird die numerisch hohe Zahl altersmedizinischer Patienten als kapazitäre Herausforderung in Berlin herausgestellt und eine definitive Notwendigkeit für altersmedizinisch orientierte Notfallversorgung in den Berliner Rettungsstellen begründet. Die Arbeit betrachtet weiterhin insgesamt elf Handlungsfelder für die Umsetzung einer optimierten geriatrischen Notfallversorgung in den Aufnahmekrankenhäusern, die jeweils analysiert und schließlich mit expliziten Handlungsempfehlungen für relevante Ent-scheidungsträger versehen werden. Als Schwerpunkte sind dabei die Etablierung geriatrischer Expertise in den Notaufnahmen, die Optionen für geriatrische Risiko-Screenings in den Rettungsstellen, strukturräumliche Gegebenheiten, sektorenüber-greifende Implikationen sowie Qualitätssicherung repräsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thematische Hinführung
1.2 Zentrale Fragestellung und Zielsetzung
1.3 Beschreibung der Vorgehensweise
1.4 Methodisches Vorgehen
1.4.1 Durchführung der Literaturrecherche
1.4.2 Durchführung der Befragung
1.4 Theoretischer Hintergrund
2 Kontextrelevante Termini
2.1 Begriffe aus dem Kontext Notfallmedizin
2.1.1 Notfall und Notfallpatient
2.1.2 Medizinische Notfallversorgung
2.1.3 Notfallaufnahme und zentrale Notaufnahme
2.1.4 Ersteinschätzung in Notaufnahmen
2.2 Begriffe aus dem Kontext Altersmedizin
2.2.1 Altersmedizin (Geriatrie)
2.2.2 Geriatrischer Patient
2.2.3 Screening-Instrumente für geriatrischen Handlungsbedarf
2.2.4 Screening-Instrumente zur Detektion von Gedächtnisstörungen
2.2.5 Geriatrische Behandlung
3 Struktur der notfallmedizinischen Versorgung in Berlin
3.1 Drei Sektoren der Notfallmedizinischen Versorgung in Berlin
3.2 Ambulante Notfallversorgung
3.3 Präklinische Notfallmedizin und Rettungsdienst
3.4 Aufnahmekrankenhäuser und Notaufnahmen
4 Notwendigkeit spezifischer geriatrischer Notfallversorgung
4.1 Wachsende Inanspruchnahme durch geriatrische Notfallpatienten
4.1.1 Soziodemographische Entwicklung und Inanspruchnahme der Notaufnahmen durch geriatrische Patienten in Deutschland
4.1.2 Soziodemographische Entwicklung und Inanspruchnahme der Notaufnahmen durch geriatrische Patienten in Berlin
4.2 Besonderheiten des geriatrischen Notfallpatienten
4.2.1 Diversität älterer Patienten
4.2.2 Vulnerabilität und Multimorbidität
4.2.3 Atypische Krankheitspräsentation
4.2.4 Komorbiditäten, Iatrogenese und Polypharmazie
4.2.5 Geriatrische Syndrome
4.2.6 Gerontopsychiatrische Krankheitsbilder
4.2.7 Komplexe Konstellationen und Behandlungszeit
4.2.8 Häufigere Aufnahmeentscheidung und Wiederaufnahme geriatrischer Patienten
4.2.9 Der geriatrische Notfallpatient als Hochrisikopatient
4.2.10 Spezifische altersmedizinische Versorgung ist notwendig
5 Literaturrecherche und Ergebnisse der Online-Befragung
5.1 Literaturrecherche
5.2 Ergebnisse der Online-Befragung
6 Analyse zur Umsetzung einer geriatrischen Notfallversorgung in den Notaufnahmen Berlins
6.1 Handlungsfeld 1: Verbesserung der Identifikation von geriatrischen Notaufnahmepatienten - Screening-Verfahren
6.1.1 Kritik an der Ersteinschätzung für geriatrische Patienten
6.1.2 Anforderung an geeignete Screening-Instrumente
6.1.3 Screening-Instrumente zur Identifikation von Notaufnahmepatienten mit altersmedizinischem Handlungsbedarf
6.1.4 Kognitive Screening-Instrumente und Delir-Erkennung für geriatrische Notaufnahmepatienten
6.1.5 Erheblicher Ressourcenverbrauch und Problematisierung bei der Durchführung von Screenings
6.1.6 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 1
6.2 Handlungsfeld 2: Allokationsentscheidung für geriatrischer Notfallpatienten
6.2.1 Allokationsentscheidung bei geriatrischen Patienten erfordert Fachwissen
6.2.2 Notwendigkeit von Kooperationen und Behandlungspfaden
6.2.3 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 2
6.3 Handlungsfeld 3: Optimierung der geriatrischen Behandlungskapazitäten in Berlin
6.3.1 Stationäre Behandlungskapazitäten in Berlin
6.3.2 Stationäre und teilstationäre geriatrische Behandlungskapazitäten in Berlin
6.3.3 Weitere geriatrische Behandlungskapazitäten
6.3.4 Strukturräumliche Aspekte zur geriatrischen Notfallversorgung
6.3.5 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 3
6.4 Handlungsfeld 4: Geriatrie-freundliche Anpassung von Notaufnahmen
6.4.1 Integration von Kundenbedürfnissen
6.4.2 Bauliche und ausstattungsbezogene Maßnahmen
6.4.3 Etablierung geriatrischer Notfallaufnahmen
6.4.4 Demenz-sensibles Krankenhaus
6.4.5 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 4
6.5 Handlungsfeld 5: Geriatrische Expertise in den Notaufnahmen Berlins
6.5.1 Notwendiges geriatrisches Fachwissen in den Teams der Berliner Notaufnahmen
6.5.2 Qualifikationsdefizite und Fachkräftemangel in den Notaufnahmen
6.5.3 Mangelnde Verfügbarkeit geriatrisch qualifizierter Fachkräfte
6.5.4 Alternativen für die Umsetzung geriatrischer Expertise in den Berliner Notaufnahmen
6.5.5 Umsetzung von Arzneimitteltherapiesicherheit als spezifische Maßnahme
6.5.6 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 5
6.6 Handlungsfeld 6: Sektorenübergreifende Versorgung für geriatrische Patienten
6.6.1 Fehlende Vernetzung und Sektorengrenzen beeinträchtigen die geriatrische Notfallversorgung in Berlin
6.6.2 Schnittstellen- und Dokumentationsdefizite als Risiko für geriatrische Patienten
6.6.3 Verstärkte Zuweisungen altersmedizinischer Patienten in Notaufnahmen mit geriatrischen Versorgungsstrukturen
6.6.4 Verlustfreie Dokumentation und Informationsweitergabe
6.6.5 Handlungsempfehlungen im Handlungfsfeld 6
6.7 Handlungsfeld 7: Fokussierung der Berliner Notaufnahmen auf ihre Kernkompetenz
6.7.1 Reduktion vermeidbarer ambulanter Konsultationen der Berliner Notaufnahmen
6.7.2 Vermeidung stationärer Behandlungsbedürftigkeit geriatrischer Patienten
6.7.3 Reduktion der Vorstellungen aus Pflegeeinrichtungen sowie von Demenzpatienten
6.7.4 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 7
6.8 Handlungsfeld 8: Angewandte Versorgungsforschung für altersmedizinische Notfaufnahmepatienten
6.8.1 Bedarfe in der angewandten Versorgungsforschung
6.8.2 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 8
6.9 Handlungsfeld 9: Mediale Präsenz der Geriatrie und Notfallversorgung
6.9.1 Mediale Präsenz der Geriatrie
6.9.2 Mediale Präsenz der Notfallversorgung
6.9.3 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 9
6.10 Handlungsfeld 10: Vergütung der Versorgung geriatrischer Notfallpatienten
6.10.1 Finanzierungslücken der geriatrischen Notfallversorgung
6.10.2 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 10
6.11 Handlungsfeld 11: Qualitätssicherung, -indikatoren und -verbünde
6.11.1 Qualitätssicherung als relevante Zielsetzung
6.11.2 Handlungsempfehlungen im Handlungsfeld 11
7 Diskussion und Ausblick
7.1 Die stationäre geriatrische Notfallmedizin in Berlin als hoch-aktuelles und relevantes Versorgungsthema
7.2 Resümee mit Hinblick auf die zentrale Fragestellung
7.2.1 Bedarf an Versorgung einer wachsenden Subpopulation mit besonderer Zunahme der über 80-Jährigen
7.2.2 Einschränkung der Safety für altersmedizinische Notfallpatienten
7.2.3 Bedarf an qualifizierter geriatrischer Expertise in der Notaufnahme als Benefit für altersmedizinische Patienten
7.2.4 Bedarf an geeigneten Allokationsprozessen für geriatrische Notfallpatienten
7.2.5 Bewertung zum Umsetzungsstand entsprechend dem Krankenhausplan 2016 des Landes Berlin
7.3 Umsetzung geriatrischer Notfallversorgung in den Notaufnahmen in Berlin
7.3.1 Innovative Lösungskonzepte und angewandte Versorgungsforschung
7.3.2 Entwicklung von Behandlungspfaden und Prozeduren
7.3.3 Innovation und Ressourcenoptimierung durch sektorenübergreifende Netzwerke
7.3.4 Einbezug des ambulanten Sektors zur Vermeidung von Fehlinanspruch-nahmen
7.3.5 Innovativer Wissenstransfer zur Optimierung der geriatrischen Notfall-medizin
7.4 Ausblick und übergeordnete Einordnung der Thematik
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht in der Analyse der spezifischen Versorgungsbedarfe geriatrischer Patienten in den Krankenhausnotaufnahmen des Bundeslandes Berlin, um zu bewerten, wie diese Anforderungen im Kontext des Berliner Krankenhausplans 2016 umgesetzt werden können.
- Strukturanalyse der notfallmedizinischen und geriatrischen Versorgung in Berlin.
- Erhebung und Problematisierung von Screening-Verfahren zur Identifikation geriatrischer Patienten.
- Analyse von Handlungsfeldern zur Implementierung geriatrischer Expertise und optimierter Allokationsprozesse.
- Untersuchung von Qualifikationsdefiziten bei Fachpersonal im Kontext der geriatrischen Notfallversorgung.
- Evaluierung der sektorenübergreifenden Versorgung und der Relevanz einer gezielten Versorgungsforschung.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Diversität älterer Patienten
Ältere Patienten sind in besonderem Maße durch Diversität hinsichtlich ihrer körperlichen und funktionellen Ressourcen gekennzeichnet und stellen dabei eine inhomogene Population dar: „there is no homogenous biomass called ´the elderly’ “ (ISAACS, 1992) [vgl. WERNER 2009: 95-96]. Insofern ist die Behandlung dieses Kollektivs von Individualität gekennzeichnet, weshalb eine banale Einordung nach kalendarischem Alter als obsolet gilt. Sogar Hundertjährige weisen oft ein hohes Maß an Gesundheit auf, während bereits 60-Jährige unter schwersten Komorbiditäten und diversen Einschränkungen leiden können [vgl. DEUTSCHES ÄRZTEBLATT 2016e: o.S.].
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der geriatrischen Notfallversorgung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Vorgaben des Berliner Krankenhausplans 2016.
2 Kontextrelevante Termini: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe aus den Bereichen der Notfallmedizin und der Geriatrie, um ein gemeinsames Verständnis für die weitere Analyse zu schaffen.
3 Struktur der notfallmedizinischen Versorgung in Berlin: Hier wird die organisationale und sektorale Aufstellung der Notfallmedizin in Berlin dargelegt, inklusive der Rollen der verschiedenen Leistungserbringer.
4 Notwendigkeit spezifischer geriatrischer Notfallversorgung: Das Kapitel analysiert die demografische Entwicklung sowie die medizinischen Besonderheiten und Vulnerabilitäten des geriatrischen Patienten, die ein spezialisiertes Vorgehen erfordern.
5 Literaturrecherche und Ergebnisse der Online-Befragung: Hier werden das methodische Vorgehen der Arbeit, der Stand der Literatur sowie die empirischen Daten der durchgeführten Online-Befragung bei Berliner Kliniken präsentiert.
6 Analyse zur Umsetzung einer geriatrischen Notfallversorgung in den Notaufnahmen Berlins: Dieses zentrale Analysekapitel untersucht anhand von elf Handlungsfeldern die Herausforderungen und konkreten Optimierungsmöglichkeiten für geriatrische Patienten in Berliner Notaufnahmen.
7 Diskussion und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, diskutiert den aktuellen Umsetzungsstand der gesundheitspolitischen Vorgaben und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Geriatrische Notfallversorgung, Notaufnahme, Berlin, Krankenhausplan 2016, Altersmedizin, Multimorbidität, Geriatrisches Screening, ISAR-Screener, Ersteinschätzung, Demenz, Notfallmanagement, Versorgungsforschung, Qualitätssicherung, Sektorenübergreifende Versorgung, Fachkräftemangel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Master-Thesis befasst sich mit der Analyse und Umsetzung einer geriatrischen Notfallversorgung in den Krankenhausnotaufnahmen im Bundesland Berlin unter Berücksichtigung des Krankenhausplans 2016.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themenfelder sind die Identifikation geriatrischer Patienten, die Allokationssteuerung in Notaufnahmen, die Implementierung geriatrischer Expertise durch Fachpersonal sowie die Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, spezifische Versorgungsbedarfe älterer Patienten zu analysieren und zu bewerten, wie Berliner Notaufnahmen die verbindlichen Vorgaben des Krankenhausplans 2016 hinsichtlich geriatrischer Kompetenz umsetzen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und -analyse sowie auf einem empirischen Teil in Form einer standardisierten Online-Befragung der ärztlichen Leiter Berliner Aufnahmekrankenhäuser.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden in elf Handlungsfeldern, von Screening-Verfahren bis hin zu Vergütungsstrukturen und Qualitätssicherung, die strukturellen Probleme und Lösungspotenziale für eine geriatrie-freundliche Notfallversorgung systematisch untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Geriatrische Notfallversorgung, Krankenhausplan 2016, Screening, Multimorbidität, Notaufnahme und Versorgungsmanagement charakterisiert.
Warum ist das ISAR-Screening als Instrument in der Arbeit so präsent?
Das ISAR-Screening wird thematisiert, da es lange als Standardinstrument zur Identifikation geriatrischer Risikopatienten galt, jedoch aufgrund neuerer Positionspapiere und wissenschaftlicher Debatten kritisch hinterfragt und in seiner universellen Eignung für die Notaufnahme neu bewertet wird.
Welche Rolle spielt der Berliner Krankenhausplan 2016 für die Analyse?
Der Krankenhausplan 2016 dient als regulatorischer Rahmen, da er explizit die Implementierung geriatrischer Expertise in den Notaufnahmen der Stadt fordert und somit den direkten Anlass für die Untersuchung des Umsetzungsgrades bildet.
Wie bewertet der Autor die aktuelle Situation in den Berliner Notaufnahmen?
Der Autor stellt fest, dass zwar ein hoher Bedarf durch eine wachsende Subpopulation besteht, jedoch gravierende Umsetzungsdefizite bei Screening-Verfahren, der personellen Qualifikation und der sektorenübergreifenden Vernetzung bestehen, die eine sofortige Optimierung erforderlich machen.
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- Dr. Manuel Anhold (Author), 2017, Notfallmedizinische geriatrische Versorgung in den Kliniken Berlins, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497422